Abrechnung privater Strom über Reisekosten

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

Hannes1971
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zoppotrump hat geschrieben: Bin mir ziemlich sicher, dass das in jeder Corporate Governance verboten ist.
Mein Arbeitgeber würde mir den Arsch eckig treten...

Außerdem bräuchtest Du dann einen geeichten Zähler und müsstest die Einkünfte in der Steuererklärung angeben.
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Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

zoppotrump
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LeakMunde hat geschrieben: Bei einer Abrechnung von privatem Strom ist man quasi immer Anbieter und Konsument in einem.
Nein. Wenn du deine Kosten angibst, ist es eine Erstattung. Der Vorschlag weiter oben war aber, dass er seine private Säule in ein Roaming Netzwerk hängen soll. Damit generiert er Erlöse über eine dritte Partei, bei der er Anbieter und Nachfrager in einem ist. Mit anderen Wort: Er generiert einen (möglichen) Gewinn.
Das ist was völlig anderes.

Das wäre in etwa so, als ob du keinen Taxibeleg abrechnest zu Kosten, die dir entstanden ist, sondern eine eigene Taxifirma eröffnest, mit der du dann immer fährst und dir selbst die Rechnungen stellen kannst, die du dann mit der Firma abrechnest.

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

LeakMunde
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Das ist soweit richtig, ein Gewinn ist aber ebenso möglich, wenn man seinen Strom Einkaufspreis von sagen wir mal 35 ct / kWh als Kosten angibt, ein Teil des Stroms aber von der Solaranlage kommt, für den man lediglich 8 ct / kWh Einspeisevergütung verliert.
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Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

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Technisch wäre die Anbindung per LAN kein großes Problem. Falls kein Kabel liegt, tut es ein Wifi-Repeater zum Internet. Oder lokal gelöst ein kleiner Raspberry in der Nähe der Wallbox, der protokolliert.
swepi76 hat geschrieben: Ich meine ein MID-Zähler mit Foto als Beweis würde den Anforderungen einer deutschen Steuerbehörde doch genügen, oder?
Da wird es eher interessant. Der Firma wird ein Zählerstand wahrscheinlich reichen. das größere Problem ist die Vorsteuerabzugsberechtigung.

Wenn du die Kosten anhand eines Zählers einreichst, bist du der Rechnungssteller und kannst als Privatperson keine Umsatzsteuer ausweisen. Damit darf die Firma sie nicht abziehen und zahlt 19% drauf. Wenn du die Rechnung deines Stromanbieters anteilig einreichst, darf die Firma die Vorsteuer nur abziehen, wenn sie ausdrücklich als Rechnungsempfänger genannt wird. (Bei Tankquittungen ist das nicht relevant, weil es eine Ausnahmeregelung mit Wertgrenze von 250€ pro Beleg gibt oder die Abrechnung gleich per Tankkarte auf die Firma erfolgt)

Leider gibt es meines Wissens noch keine umsatzsteuerliche Ausnahmeregelung für die Konstellation "Dienstwagen am privaten Stromanschluss", die das im Sinne einer praxisgerechten Abwicklung regeln würde.

Um Umsatzsteuerlich korrekt zu arbeiten gibt es aus meiner Sicht vier Möglichkeiten:
- der AG ignoriert diese Problematik und riskiert, bei einer Steuerprüfung damit auf die Nase zu fallen.
- du lässt dir den privat bezahlten Strom per Pauschale vergüten, soweit ich weiß gehen da wegen Einkommensteuer nur max.75€/Monat. Das lohnt sich bei Vielfahrern (>1000km/Monat) also besonders für die Firma...
- Die Wallbox wird von einem externen Dienstleister betrieben, der wiederum über Zählerstand mit dir und über Ladekarte mit dem AG abrechnet (gibt es z.B. von Shell Recharge oder auch von Elli)
- Die Wallbox für den Dienstwagen läuft über einen separaten Hausanschluss auf Namen und Rechnung des Arbeitgebers. Das wäre die sauberste Lösung, ist aber installationstechnisch nicht ganz ohne. Mir ist kein Fall bekannt, wo das so gemacht worden wäre.
- oder, ganz einfach, die Firma verzichtet auf die 19% Vorsteuerabzug

Eine fünfte Option wäre evtl. gegeben, wenn du eine PV-Anlage als vorsteuerabzugsberechtigtes Gewerbe angemeldet hast. Dann könnte die Abrechnung theoretisch auch darüber laufen. Wobei dann streng genommen eine Energiehandelskonzession notwendig sein könnte.
Bild (Verbrauch inkl. Ladeverluste) - Skoda Enyaq 80 First Edition

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

Hannes1971
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hghildeb hat geschrieben: (Bei Tankquittungen ist das nicht relevant, weil es eine Ausnahmeregelung mit Wertgrenze von 250€ pro Beleg gibt oder die Abrechnung gleich per Tankkarte auf die Firma erfolgt)
Die Ausnahmeregelung gilt aber für alle Kosten, nicht nur für Tankkosten? 250 Euro pro Monat habe ich an meiner privaten Wallbox noch nie geschafft, abgerechnet habe ich mit dem Arbeitgeber seit Juni 2021 hier zwischen 96 und 162 Euro. Mit meiner privaten Ladekarte, deren Kosten ich auch per Reisekosten an den AG durchreiche, waren es ein einziges Mal 250,71 Euro, sonst immer darunter.

Aber das wäre ja das kleinste Problem, EnBW bietet ja auch Firmen-Ladekarten an. Macht DKV zwar auch, die sind aber hinsichtlich der Preise für das Laden jenseits von gut und böse. Da aber in unserer Firma bisher nur ich und ein weiterer Kollege BEV fahren (insgesamt 90 Firmenwagen), nutzen wir beide den Skoda PowerPass mit unserer privaten Kreditkarte und rechnen monatlich ab. Chef will das (noch) so...
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Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

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Ja, die Wertgrenze gilt für alle Kosten. Mit der Ladekarte kannst du monatlich eine Rechnung einreichen und hast damit kein Problem. Die private Wallbox läuft aber meistens über eine Hausstrom-Jahresrechnung mit monatlichen Abschlägen. Das Problem ist, die Abschläge zählen nicht als eigene Rechnung und die jährliche Abrechnung wird in aller Regel mehr als 250€ betragen. Und schwupp, ist die Falle zugeschnappt.

Da könnte die Option zum Einsatz kommen, dass man zuhause mit der Wallbox einen Abrechnungsprovider zwischenschaltet. (Wie oben genannt z.B. Shell oder Elli, gibt vielleicht noch andere). Dann wird auch der eigene Wallbox-Strom auf die Ladekarte gebucht. Die Firma zahlt dann die Monatsrechnung und der Provider vergütet dir den Strom zurück. Klingt kompliziert, aber dafür bekommst du eine steuerlich saubere Abrechnung und könntest sogar ein zweites, privates E-Auto gleichzeitig nutzen, ohne die Kosten auseinander zu rechnen.

Und ja, Flotten-Ladekarten sind meist verflucht teuer. Meist bieten sie aber auch Zusatz-Features, die man erstmal nicht zwingend braucht. Bei Companies mit weniger als 10-20 Autos ist es daher normalerweise günstiger, Standardtarife zu wählen. Vorausgesetzt, sie haben keine Deckelung der Strommenge bzw. diese wird nicht erreicht.
Wenn später mehr E-Fahrzeuge in der Flotte laufen, wird irgendwann der Verwaltungs- und Buchhaltungsaufwand die höheren Tarife kompensieren. Dann kann immer noch gewechselt werden.
Bild (Verbrauch inkl. Ladeverluste) - Skoda Enyaq 80 First Edition

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

zoppotrump
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@hghildeb was genau meinst du mit "Abrechnungsprovider"?

Ich kenne ein Modell von E.On. Da monitoren sie die Verbräuche über die Onlinefähigkeit der Wallbox. Man nimmt dann einen RFID Token für die Firmenladungen und einen für private. Lädt man über den Firmentoken, so sammelt E.On die Summe und sendet eine Rückvergütung.
Das ist aber dann kein Roaming in einem (semi) öffentlichen Netz. Das ist dann nur die Abrechnungsdienstleistung im Namen des Arbeitgebers. Quasi die Rückvergütung der Payroll ougesourced.

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

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Richtig, genau dieses Modell meine ich. Roaming ist das natürlich nicht, eher "halböffentlich" im Sinne einer Closed User Group.
Dieses und der zweite Stromanschluss auf Firmenrechnung sind die einzigen beiden mir bekannten Möglichkeiten, wie der Firmenwagen zuhause steuerlich korrekt geladen werden kann. Zumindest so lange bis der Gesetzgeber eine Vereinfachung beschließt, was in meinen Augen überfällig wäre.
Bild (Verbrauch inkl. Ladeverluste) - Skoda Enyaq 80 First Edition

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

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Es könnte eine Möglichkeit für die Stromanbieter werden, wenn sie Submeetering betreiben. Dann wird der Zähler in der Wallbox als 2. Zähler genutzt und es können 2 verschiedene Rechnungen geschrieben werden.

Es könnte sein, das das Modell von E.ON genau auf diese Art funktioniert.
Fiat 500e seit 2017, zusätzlich VW eGolf. 80 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
Ladesäule vor der Haustür
#2307 Ladestart um 23:07

Re: Abrechnung privater Strom über Reisekosten

DocW
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Mein Arbeitgeber wollte ursprünglich uns nur über die Pauschale abrechnen. Unseren Fuhrparkmanager kam aber zu der Erkenntnis, dass der an der heimischen (und von ihm finanziell bezuschusste) Wallbox geladene Strom für die Firma der billigste Strom ist (billiger als an jeder öffentlichen Ladesäule, selbst wenn der Vorsteuerabzug nicht möglich ist) und das es sinnvoll ist, diese Ladeform zu unterstützen.
Wir haben jetzt eine Regel wie der Stromverbrauch abgerechnet wird: Grundlage ist der separate MID-Zähler in der Unterverteilung vor meiner Wallbox.
Abgerechnet wird einmal im halben Jahr, abgelesen und nachgewiesen wird mit zwei Fotos vom Zähler (vorher und nachher), Kopie des Stromliefervertrages (für die €/kWh) und einer kurzen Berechnung des Anspruchs. Wird über Fuhrparkmanagement abgerechnet. Klappt.
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