Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Wenn er für die anderen 60 % billiger wird, ist das schon okay.

Es ist wenig sinnvoll, energieintensive Unternehmen fern der Stromerzeuger anzusiedeln, die Kabel dafür völlig überteuert unter die Erde legen zu lassen, damit's weiter schee ausschaut, und die anderen die Zeche dafür zahlen zu lassen.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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Ja es wäre förderlich für Deutschland, weil die Preise heute falsche Anreize setzen. Industrie hat man schon immer gerne dahin gesetzt, wo es günstig Energie gab. Ob das jetzt der Müller war, der am Bach gebaut hat und nicht 3 km weiter teure Pferde eingesetzt hat, oder die Kohle im Rurgebiet.

Die höheren Preise in Süddeutschland während Netzengpässen würde den Zubau von Wind und Speichern im Süden anreizen, und besonders energieintensive Industrie in den Norden treiben.

Ein Beispiel für energieintensive Industrie, das einen erstmal überraschen könnte: große Rechenzentren. Ich ärger mich da extremst über ein sehr konkretes (welches ich aber nicht näher benennen will), dass jetzt neugebaut wird. Das wird jetzt weit weg von Erzeugung gebaut, völlig unnötigerweise aufgrund falscher Anreize. Die paar Leute, die wirklich im Rechenzentrum selber arbeiten müssen, sind vernachlässigbar. Fast alle Arbeit mit den Rechnern kann man auch remote machen. Das könnte ohne weiteres an der Nordseeküste stehen (neben einer Leitung, die über einen großen Windpark nach Norwegen führt). Das Ding soll 15 - 20 MW ziehen.

Redispatch ist besonders ärgerlich, weil da erstmal im day ahead Markt die Fiktion herrscht, dass es keine Netzengpässe gibt und dann vom Netzbetreiber der Engpass erst beseitigt wird. Das macht es dann nochmal teurer, weil Kraftwerke außerhalb des normalen Markts angefordert werden müssen.

Ebenso ärgerlich ist das Runterregeln von Wind, während im Norden fleißigst in Heizungen Erdgas verbrannt wird und es zwischen den Häusern und Fabriken, die Erdgas verbrennen, und den Windkraftwerken keine Netzengpässe gibt. Die Netzentgelte verhindern, dass der Strom billiger ist als das Erdgas. Obwohl es leicht möglich wäre den Strom zu verheizen, regelt man den stattdessen ab und verbrennt dafür lieber Erdgas in Erdgasheizungen.

Die Trennung in zwei Preiszonen würde das Problem alleine nicht lösen, aber insofern der Preis und die Netzentgelte im Norden in Überschusszeiten sinken würden, würde das Problem zumindest schonmal etwas entschärft.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Die Rechenzentren werden mittlerweile vorzugsweise näher an den Kunden gebaut, um unter Anderem geringere Latenzen zu bieten.
Somit finden sich Neubauten eher in oder am Rande von Ballungszentren.
Ein weiterer Fokus liegt dabei auch in der Nutzung der Abwärme, dies erfordert eine größere Anzahl an Abnehmern in direkter Nähe.
Die erwähnte Anlandestation für Windstrom ist dafür eher weniger geeignet.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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Also Abwärme kann man auch in Norddeutschland nutzen. Dass in Island sich zum Beispiel eher Zentren ansiedeln, bei denen die Datenübertragung nicht so ein Faktor ist, weiß ich. Bei dem Zentrum, von dem ich rede, werden Modelle gefahren. Da ist die Datenübertragung kein relevanter Faktor.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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Bei dem Rechenzentrum, von dem ich rede, soll in der Tat die Abwärme genutzt werden. Dummerweise zusammen mit einem erdgasgefeuertem BHKW, welches auch Wärme produziert. Das Problem ist natürlich, dass im Sommer wenig Wärmebedarf da ist und die mit gigantischem Cop mit Strom zu produzieren wäre, so dass eine kWh Abwärme im Sommer kaum einen Wert hat. Dafür reicht es im Winter nicht und es soll noch fleißig Erdgas zugefeuert werden. Über das Wärmekonzept ärger ich mich leider auch enorm. Teilweise hat das ebenfalls mit Netzentgelten zu tun, weil die halt entfallen, wenn Strom im BHKW für den Eigenverbrauch erzeugt wird. Und damit man sich das Erdgas dann schön rechnen kann, muss man ja schon fast den Wärmebedarf sichern und darf den ja nicht verlieren.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Latenzen spielen in normalen Geschäftsanwendungen keine Rolle mehr. Mit Glasfaserkabel komme ich auf ein paar ms je 1000 km.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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https://diginomica.com/icelandic-saga-s ... eir-moment

Habe dazu noch einen Artikel gefunden, zusammenfassend:

the latency issue is expected to decline in importance as network capabilities improve
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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https://www.juniper.net/de/de/research- ... uting.html
Im Normalfall implementieren Sie MEC in Datencentern, die an der Peripherie verteilt sind. Edge-Anwendungen erfordern eine hohe Bandbreite und eine Umgebung mit geringer Latenz. Dies erreichen Service Provider durch verteilte Datencenter
Ich hatte den Aspekt mal im Zusammenhang mit 5G-Mobilfunk aufgeschnappt, kann aber nicht sagen, ob diese Anwendung für die Masse an Datencentern zutrifft.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

electrifylife
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Xentres hat geschrieben: @electrifylife

Liegt halt an dem sehr günstigen Arbeitspreis im NT bei der Grundversorgung und der Deckelung des HT durch Strompreisbremse.

Somit ist der durchschnittliche Arbeitspreis günstiger als in dem anderen Stromtarif.

Nicht verwunderlich.
Aber es wird doch nicht der HT Preis pauschal auf 40ct gedeckelt, sondern ein Durchschnittpreis aus HT und NT gebildet und dann gedeckelt? Oder nicht?

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Mokka e hat geschrieben: Kann man gerne machen, ob das dann für ganz D so förderlich ist, wenn für fast 40 % der Wirtschaftskraft der Strom teurer wird.
Der Netzausbau geht uns alle an und alle zahlen in denTopf mal mehr mal weniger ein, z.B. zahle ich die gleiche Arbeitslosenversicherung wie alle, obwohl unser Landkreis bei 2,3 % liegt.
Das ist aber der falsche Ansatz alle Stromabnehmer über die Netzentgelte zur Wirtschaftsförderung heranzuziehen. Wirtschaftsförderung ist eine politische Aufgabe, die als solche dann bitte auch in den entsprechenden demokratischen Einrichtungen ausdiskutiert werden sollte. Da kann dann beschlossen werden daß der Süden gefördert werden soll und entsprechende Gelder werden dann verabschiedet. Aber Oma Erna in Norddeutschland ist nicht dafür zuständig von ihrer eh schon knappen Rente irgendwelchen Wirtschaftsunternehmen den Strom billiger zu machen.

So wie hgerhauser die Folgen zweier Preiszonen beschreibt ist das sinnvoll, weil dann eher dort, wo die Trassen verhindert werden, der Preisdruck aufgebaut wird die Trassen politisch doch durchzusetzen. Später kann man die zwei Preiszonen auch wieder zusammenlegen.

Grüazi, MaXx
#2307 - Mit koordiniertem, gemeinsamen Laden die Strompreise reduzieren und die Welt retten ;-)
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