Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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AndiH hat geschrieben: So what? Bisher waren die Erzeugungspreise mies und dafür die EEG Umlage hoch, nun geht der "Börsenstrompreis" hoch und die EEG Umlage runter. Das einzige was damit gezeigt wird ist das es falsch ist den Strompreis bzw. die Netzstabilität den Zockern (Markt!) zu überlassen und hinterher zu schreien die "Energiewende" ist Schuld. Das einzige was daran Schuld ist, ist der Fakt das die Marktakteure mehr Interesse am Gewinn als am Ergebnis für den Kunden haben und die gesetzlichen Regelungen das nicht energisch genug unterbinden. Solange mit Energie gezockt werden kann und der "Markt" die Netzstabilität ermöglichen soll wird das ein Ritt auf Messers Schneide bleiben. Hat aber nix mit den technischen Möglichkeiten oder der Erzeugungslage zu tun.
So ähnlich sehe ich das auch. Bei bestimmten, lebenswichigen Gütern kommt es ohne staatliche Eingriffe zu extremen Ausschlägen, erst geht es nach unten und z.B. der Getreidepreis geht in den Keller und Betriebe gehen auf. Dann kommt ein Jahr mit schlechtem Wetter in mehreren Anbaugebieten gleichzeitig und weil das Gut lebenswichtig ist, steigt der Preis und einige Leute hungernn.

OPEC macht das eigentlich ganz gut. Sie halten Reserven vor, damit sie bei Ausfällen Preisausschläge nach oben verhindern können und ergänzen damit die strategischen Reserven der importierenden Länder (letztere in Form von Ölspeichern, bei den Förderländern geht es um Produktionsreserven). Sack der Preis zu sehr weg, wird ebenfalls die Produktion angepasst, dann nach unten.

Dieses Management des Ölmarkts durch OPEC ist an sich gut und vorteilhaft für beide Seiten.

Bei Erdgas ist offensichtlich zur Zeit ein erhebliches Versagen von Markt und Staaten zu konstatieren. Ohne Not ist die CO2 Bepreisung so gestaltet worden, dass die Preisauschläge nach unten und oben noch verstärkt werden. Zugleich besteht keinerlei Sicht darauf, wieviel Reservekapazitäten bei Erzeugern da sind. Die Niederlande haben Slochteren runtergefahren (wegen Bergschäden) und haben keinerlei Notfallstrategie für die Reaktivierung.
https://www.rtvnoord.nl/nieuws/857253/v ... gieprijzen
'We gaan ook niet de gaskraan in Groningen wat meer openzetten om de gasprijs tijdelijk te drukken',
Zitat, Sprecher des niederländischen Wirtschaftsministeriums
Übersetzung "Wir werden auch nicht den Gashahn in Groningen wieder etwas aufmachen, um den Gaspreis für eine Zeit zu drücken."
Im Vereinigten Königreich ist man hingegangen und hat den größten Langzeitspeicher für Erdgas geschlossen.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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MaXx.Grr hat geschrieben: Ja, das ist Deine Erwartung. Jetzt liest Du Dir noch den von mir verlinkten Text durch dann kannst Du auf deren Argumente eingehen und sagen warum Dein an die Wand geworfenes Szenario das wahrscheinlichere ist. Auch bei Tagesschau und ähnlichem findest Du daß der Strompreis demnach halbwegs stabil bleibt. Aber wahrscheinlich sind die alle doof...

Grüazi, MaXx
Der Future für Grundlast für das volle Jahr 2022 ist um ca. 8,5 Cent gestiegen, von 5 auf 13,5 Cent. Da reicht die bisher bekannt gegebene Senkung der EEG Umlage alleine nicht.

https://www.theice.com/products/5760994 ... 113&span=3

Da muss der Preis entweder wieder deutlich fallen, oder die Umlage muss komplett weg und zusätzlich müsste die Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum gesenkt werden.

Das Sondierungspapier ist leider supervage, was so Sachen angeht.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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drilling hat geschrieben:
Sein Argument ist, das Öl muß er nur ein mal im Jahr kaufen und da sucht er sich dann den günstigsten Zeitpunkt aus. Außerdem wirkt bei ihm die mediale Hetze gegen den "bösen Russen" (auch deshalb kein Erdgas).

Das die Regierung nicht merkt das eine Energiewende hin zum Strom nicht durchsetzbar ist wenn unsere Strompreise, die eh schon die höchsten in Europa sind, noch weiter steigen, ist wirklich erstaunlich, eigentlich sollten sie alles tun um Strom attraktiv zu machen.
Wobei Strompreise generell gar nicht fallen müssen, sie müssen für flexible Anwendungen fallen, also Wärmepumpen, Elektroautos, Grundstoffindustrie (wie Aluminium, Elektrostahl oder zukünftig Wasserstoffelektrolyseure).

Bei Heizungen fehlen bisher verlässliche Investitionsanreize. Die Förderungen sind auch zu bürokratisch, Mehrwertsteuer auf Null senken für Wärmepumpen und man braucht keine komplexen Anträge.

Im Gegensatz zu Autos halte ich Hybridsysteme bei Heizungen für eine gute Wahl.

Eine Hybridheizung kann so konzipiert werden, dass sie in warmen, windigen Wintern überhaupt kein Erdgas/Heizöl/Bioerdgas/Biodiesel braucht und in kalten Dunkelflauten fast ohne Strom auskommt.

Die Regulatorik ist in meinen Augen auch noch sehr schlecht für Quartiersspeicher (Strom, Wärme), gerade wenn es um Wärme auf niedriem Temperaturniveau geht (damit Häuser eine Wärmepumpe auch bei kaltem Wetter mit hohem Cop verwenden können, ohne dass sie selber im Erdreich wühlen müssen).
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

disorganizer
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Das ungesehene Problem ist das über 50% in Miete wohnen. Hier wird man mit regelbaren Lasten PV und anderem schicken Zeug für Hausbesitzer nicht wirklich weiterkommen wenn man nicht gerade Wohneinheiten mit mehr als 2 Parteien (um den Rentner mit Untervermietung nicht zu stark zu belasten) dazu zwingt entsprechend nachzurüsten.

Ins unreine gesprochen:
* So kann ein 6-Familien Haus welches früher eine Ölheizung hatte und nun Gas hat an der Stelle an der der Tank war eine Riesige Batterie verbauen.
* Man könnte alle Hausbesitzer von Mehrfamilienhäusern dazu verpflichten die Dächer für die Netzanbieter als PV Fläche zur Verfügung zu stellen (also quasi Zangs-Bürgerstrom in Kooperation mit dem lokalen Einspeiser)
usw usw

Es gäbe da sicher noch einiges, aber alles Dinge die man schon vor Jahren hätte starten müssen.

Kurzfristig wird sich da sicher nichts tun, leider wird dies nun vom Wahlvolk sicher der aktuellen Regierung angelastet und leider nicht der Vorherigen die es verbockt hat.
Zoe Ph2 R135 ZE50
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

electrifylife
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„ Man könnte alle Hausbesitzer von Mehrfamilienhäusern dazu verpflichten die Dächer für die Netzanbieter als PV Fläche zur Verfügung zu stellen“

Es wäre schon etwas gewonnen, wenn man die Hürden abschaffen würde, die Vermieter daran hindern PV aufs Dach zu packen. Ich habe es jetzt von mehreren Vermietern mitbekommen, die würden gerne PV installieren. Aber das Drumherum, unnötige Steuern und die fehlende Möglichkeit Mieter zu verpflichten den Strom (zu günstigen Preisen) abzunehmen (wobei das wohl noch das kleinste Problem ist, die meisten Mieter akzeptieren hoffentlich den Aufwand eines zweiten Stromvertrages, wenn sie dafür Strom für 22 ct/kwh bekommen) machen das unwirtschaftlich.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

disorganizer
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Ja, da wären dann auch sinnvolle Lösungen nötig. Wenn das für den Vermieter (Gross und Mittelgross) aber Kostenneutral wäre, also sprich PV aufs Dach, bezahlen wird der Einspeiser, kann mon so was doch sinnvoll die erledigen lassen.
Der Einspeiser verlangt von den Mietern ganz normale Preise wie für jeden, gewinnt aber im Prinzip auf jedem Haus strom den er weiterverkauft.
Somit werden auch nicht mehrere Zähler benötigt für jeden Haushalt im Mietobjekt.

Im Bereich Mietobjekte sehe ich da auch ein grosses Problem:
Sobald dort was an der Elektrik gemacht wird müsste eigentlich komplett umgebaut werden bei vielen Mietobjekten, ganz zu schweigen das bei einem 6-Parteien Mietshaus für jede Partei ein Zähler installiert werden müsste (6 zusätzliche Zähler!) was schon am Platz oft scheitert.

Bei uns zum Beispiel müsste ein "Kellerverschlag" komplett entfernt werden da nach aktueller TAB zu wenig Platz.
Würde hier ein grosser Umbau erfolgen würde der Elektrikumbau des 70-er Jahre Hauses sicher mindestens ebensoviel kosten wie die PV.
Dazu käme noch die Entfernung des Alten Öltanks aus der Garage (bzw dem "Raum" darunter) um Platz für die Speichertechnik zu schaffen.

Wenn man nun den Einspeisern/Netzbetreibern/VNB einfach die Möglichkeit gibt gegen vollständige Kostenübernahme die entsprechenden Massnahmen an passenden Objekten durchzuführen, also Elektroumbau, PV aufs Dach, ggf Speicher in passende Räume, dann wäre denke ich allen geholfen.

Aber wie gesagt, alles Dinge die Zeit brauchen werden und die somit schon vor zig Jahren gestartet hätten müssen.
Aber man dachte ja der Markt wird das schon regeln.
Zoe Ph2 R135 ZE50
EZ 18.09.2020

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

disorganizer
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Zum Thema Strompreise und Tarife:
Auch die "Flucht" zu noch günstigen Tarifen mit Preisbindung bis 2022 dürfte wenig bringen wenn das worst case Szenario dauerhaft hoher Strompreise am Markt wirklich durchschlägt.
Ich habe bisher bei allen imho seriösen Anbieter die ich gefunden habe (für Ökostrom) immer in den AGB "Fluchtklauseln" gefunden die mit 4-8 Wochen Frist zum Monatsende bei unerwartet starkem Anstieg der Beschaffungskosten auch dem Anbieter eine Kündigung erlauben.
Ich gehe somit davon aus das wir bei vielen der Verträge mit Preisversprechen etc Ende 2021 eine Kündigungswelle sehen werden. Oder viele Pleiten in 2022.
Zoe Ph2 R135 ZE50
EZ 18.09.2020

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

electrifylife
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Ja das sind gute Punkte. Bei uns macht das die SWM angeblich mittlerweile auch. Ich habe da jetzt mal eine Anfrage gestartet, was die Konditionen sind, wenn man ihnen das Dach zur Verfügung stellt.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

disorganizer
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Momentan scheitert das oft daran das die entsprechenden Anbieter für das ganze Haus dann einen Abnahmevertrag mit allen Mietern wollen.
Klar, damit sich das lohnt.
Das liegt aber daran das man quasi primär das Haus selbst beliefert und im Haus andere Tarife abrechnet.

Ich würde das so gar nicht machen sondern wirklich sagen:
Entweder verpflichtet sich der Hausbesitzer eine eigene PV Anlage installieren zu lassen ODER
Er muss zwangsweise den VNB eine Anlage installieren lassen.
Und die Entscheidung muss schon 2022 dann getroffen werden, wobei der Hausbesitzer eine Frist von 2 Jahren bekommt selbst eine zu installieren.

Das Opa-Rente-Hauseigentum Argument aus dem Wahlkampf zieht da nicht da der VNB die Fläche zu eigenen Kosten nutzen muss, sprich es kostet den Hausbesitzer nichts.
Er hat aber auch direkt nichts davon (ausser vielleicht ein renoviertes Dach) da der Strom der erzeugt wird dem VNB gehört.

Im Zeitalter von Solarziegeln könnte man daraus auch eine einfache win-win situation erzeugen:
Der VNB deckt das Dach gratis mit Solarziegeln => Der Hausbesitzer hat keine Wartungskosten mehr.
Der VNB bekommt PV Fläche zur Stromerzeugung.

Wenn man alleine die Garagendachfläche nimmt oder andere Flachdächer mit PV versieht wäre das denke ich schon ein Ansatz um extrem viel Solarenergie zu bekommen.
Bleibt die Frage der Speicherung...
Zoe Ph2 R135 ZE50
EZ 18.09.2020

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Sind die Ziegel denn nur ansatzweise so effizient wie große Module?

Ich finde schon, dass sich das für die Eigentümer lohnen sollte. Dann werden die aktiv und vor allem passiert dann auch bei kleineren Objekten etwas, bei denen würden die Stadtwerke wahrscheinlich nichts machen.
Es wäre auch nicht schwer das wirtschaftlich zu gestalten. Momentan wird das nur aufgrund von Abgaben und dämlichen Vorschriften unwirtschaftlich.

Und die Wartungskosten eines Ziegeldachs sind minimal, damit köderst du niemanden.
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