Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

der niederrheiner
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Super-E hat geschrieben: . . .

Zum Thema Russland kann ich nur lachen. Die USA haben mit Mafiamethoden versucht northstream 2 zu verhindern. Das hat sowohl Russland als auch uns viel Geld gekostet. Und jetzt ist Russland der böse? Eigentlich müsste man die USA bei de WTO auf Schadensersatz verklagen...
Den Palaver hab ich auch nicht verstanden. Es ist doch auch nicht geplant, alle anderen Versorger auszubooten. Man hat halt ein weiteres Standbein. Und wenn ich mir anschaue wieviele Gastanker unterwegs sind. Das kann ja nun auch nicht so effizient sein. . .


Stephan
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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spark-ed hat geschrieben: Ich sehe es allerdings aus Sicht der Angebot-/Nachfragesituation = Börsenstrompreis. Der dazu forciert erforderliche Netzausbau ist eher eine Fixgröße und bedarf dann eigentlich gerade keiner Flexibilisierung.

Entscheidend ist, dass die möglichst ungedämpfte Volatilität des Börsenpreises eine monetäre Handlungsmotivation beim Verbraucher auslöst.
Wir machen das, damit die Erneuerbaren besser ausgelastet werden.

Wir wollen aber auch Leitungen möglichst gut ausgelastet sehen und auch dafür ist es hilfreich, wenn Leute vor und hinter der überlasteten Leitung die Elektroautoladung verschieben, z.B. wenn man ein Ortsnetz mit viel PV betrachtet: Da muss ein besonders hoher Anreiz bestehen, die Ladung auf die Stunden zu konzentrieren, wo der Abtransport Netzausbau erfordern würde, besser da mit 11 kW pro Auto von 12-15 Uhr laden, während der Mensch im Industriegebiet in der Stadt, der am anderen Ende der überlasteten Leitung auf der Arbeit lädt vielleicht eher zu 3 kW von 8 bis 17 Uhr angereizt werden sollte, so dass kein Netzzubau erforderlich ist. Oder er lädt am Wochende im Ortsnetz, weil das billiger ist als auf der Arbeit, während Rentner und Hausfrau unter der Woche im Ortsnetz mit viel PV laden und man braucht überhaupt keinen Export von PV Strom aus dem Ortsnetz raus.

Ich sehe Netzausbau sehr kritisch, wenn da Leitungen gebaut werden, die nur in wenigen Stunden im Jahr genutzt werden. Das ist sehr teuer und macht Strom weniger attraktiv.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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drilling hat geschrieben:
Es geht nicht darum ob "Erdgas verfeuern weiter eine gute Idee ist" oder nicht, Erdgas ist notwendig, wir haben auf absehbare Zeit keine andere Wahl.
Wenn Erneuerbare zugebaut werden, sinken die Betriebsstunden für Back-up Kraftwerke beständig. GuD Kraftwerke haben eine Gasturbine und eine Dampfturbine (daher der Name) und sind besonders effizient (Wirkungsgrad 60% etwa). Sie sind aber auch für viele Betriebsstunden ausgelegt und im Vergleich zu Erdgasmotoren sehr behäbig (die Anfahrzeit und die Anfahrkosten sind viel höher).

GuD baut man zu, wenn die nächsten 20 Jahre weiter Erdgas für über 3000 Betriebsstunden im Jahr in großem Umfang verfeuert werden soll. Für diese Betriebsstundenscheibe haben wir aber schon genug GW GuD stehen.

Die GuD von RWE werden Investitionsruinen werden, wenn tatsächlich massiv Erneuerbare zugebaut werden. Sie werden auch nur gebaut werden, wenn RWE sie vom Staat durch z.B. einen Kapazitätsmarkt vergoldet bekommen, wobei der Kapazitätsmarkt Regeln bräuchte, die GuD gegenüber den Alternativen explizit bevorzugen.

Der massive Zubau von GuD wäre eine doppelte Wette:

1. auf ein Scheitern der Energiewende
2. auf dauerhaft niedrige Erdgaspreise, auch wenn dank fuel switch weg von Kohle und AKW massiv mehr Erdgas verbrannt wird

Da in Europa die Erdgasproduktion voraussehbar fallen wird, ist es auch eine Wette auf billige, immer verfügbare Erdgasimporte.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

catoderjuengere
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Die GuD mit Wasserstoffturbine sind für eine Speicherung der EE über Wasserstoff optimiert.
Das ist das mittelfristige Modell. Macht Sinn, wenn man gleitend von Erdgas auf voll EE mit Speicherung über Wasserstoff kommen will.
Und da etwa 1/3 der Gesamtstrommenge übers Jahr aus Speicher kommen muß (rein bilanziell), ist auch die Auslastung ausreichend.

Kann man machen, aber ich fände Hochtemperatur-Brennstoffzellen zukunftsträchtiger. Für den Übergang mit Reformer zur Wasserstoffherstellung aus Methan.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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drilling hat geschrieben: @spark-ed du möchtest also im ernst dein Leben Moment für Moment danach richten ob gerade die Sonne scheint oder der Wind weht?
:roll:
Aufwand und Ertrag müssen auch hier in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Das ganze Alltags Klein-Klein an Verbrauchsverschiebung muss mit minimalstem Aufwand möglich sein, sonst glaube ich auch nicht an ein vernünftiges Verhältnis von Ertrag und Aufwand.

Bei vollständiger Sektorenkopplung ist etwa 2/3 des Bedarfs von Privathaushalten aber Niedertemperaturwärme und das Elektroauto laden. Die Niedertemperaturwärme kann über die Kombination von kleinem Wasserspeicher, Wärmepumpe und Spitzenlasterdgaskessel (bei Einfamilienhäusern ältereren Datums) oder großem Wasserspeicher, Großwärmepumpe und Biomasse KWK (für Fernwärme in Städten) vollständig ohne Aufwand für den Hausbewohner ablaufen. Beim Elektroauto laden sollte der Aufwand im Alltag so sein, wie heute beim Tanken, man kennt die generellen Zeiten, wenn es günstig ist und schlägt zu denen zu.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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catoderjuengere hat geschrieben: Die GuD mit Wasserstoffturbine sind für eine Speicherung der EE über Wasserstoff optimiert.
Das ist das mittelfristige Modell. Macht Sinn, wenn man gleitend von Erdgas auf voll EE mit Speicherung über Wasserstoff kommen will.
Und da etwa 1/3 der Gesamtstrommenge übers Jahr aus Speicher kommen muß (rein bilanziell), ist auch die Auslastung ausreichend.
Du kannst ja nochmal einen Blick auf mein Szenario für 100% Erneuerbare werfen, ich gehe davon aus, dass Wasserstoff als Langzeitspeicher zu teuer und ineffizient gegenüber den Alternativen ist.

viewtopic.php?p=1436804#p1436804

Ich habe das auch mal umgerechnet, ausgehend von saisonaler Speicherbedarf = Differenz PV Winter Somer + Differenz Niedertemperaturwärme Winter Sommer
in Anteile für die verschiedenen Alternativen. Da kam Wind ganz oben mit etwa 40% Anteil an der saisonalen Speicheraufgabe, weil Wind im Winter stärker weht als im Sommer und in meinem Szenario 50% mehr Strom liefert als die PV. Die anderen Alternativen sind:
es wird mehr Strom für Grundstoffe wie Stahl oder (über Wasserstoffelektrolyse für Ammoniak) im Sommer erzeugt als im Winter (etwa 15-20%)
die Biomasse wird vor allem im Winter verbrannt (etwa 15-20%)
Speicherwasser in Skandinawien wird genutzt, im Sommer wird nach Skandinawien exportiert, im Winter importiert (etwa 10-15%)
Im Sommer wird Strom nach Nordafrika exportiert, weil da sehr viel Strom für Klimaanlagen benötigt wird (Saudi Arabien verbraucht doppelt so viel Strom im Sommer wie im Winter, der Heizbedarf in Saudi Arabien im Winter ist dagegen nahe Null), im Winter wird Strom aus Nordafrika importiert. (etwa 10-15%)
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

catoderjuengere
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Du meinst das hier ?

https://www.dwd.de/DE/presse/pressekonf ... onFile&v=2
screenshot_20211009_002249.png
screenshot_20211009_002324.png
Das hat nur einen Nachteil: einfach mal die Variabilität des Kapazitätsfaktors betrachten. Ferner wäre es notwendig, Wind nur an der Küste und auf See zu bauen, während PV nur in Süddeutschland lokalisiert werden sollte. Das wiederum bedeutet, daß die Transferleitungen richtig groß werden müssen. Durchsetzbarkeit ? Fraglich......
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

Casamatteo
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Beim Kapazitätsfaktor-Vergleich bitte die farbig markierten Spielräume beachten:
bei Sonne wird 0,15 als knallrot angezeigt, 0,11 als schwarzblau. Das sind immer noch 960 kWh pro kWp im Jahr, damit kann man zufrieden sein, also auch im Norden PV bauen wenn das Dach was taugt.
Bei Wind sind dieselben Farben von unter 0,1 auf 0,5 verteilt, also viel größerer Unterschied. Natürlich sieht es im Süden nicht gut aus für Wind, aber an den brauchbaren Standorten mit 0,2 sollte man konsequent WKAs bauen weil man mangels Leitung nicht einfach Windstrom aus den Norden importieren kann.

In BaWü und Bayern wohnen ungefähr 25 Mio. Menschen, die brauchen gut 25 Gigawatt im Maximum, und haben gefälligst einen nennenswerten Teil davon vor Ort zu produzieren und dafür auch den Anblick von Windrädern zu ertragen. Im Winter bringt PV auch in Süddeutschland wenig.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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Die Graphiken sind hübsch, die Variabilität ist noch etwas größer als hier dargestellt, weil über viele Jahre gemittelt wird, PV kommt in der Spitze an manchen Tagen auf etwa 25%. Über einen ganzen Tag gemittelt überschlage ich ein Maximum von etwa 65% für Wind in den letzen 365 Tagen.

Ein paar der Graphiken der Studie hatte ich schon gesehen, die beiden aber nicht, also Danke dafür.

https://www.mdpi.com/1996-1073/14/17/5230

Die Kapazität Nord Süd liegt bei etwa 9 GW und wird in den nächsten Jahren auf 18 GW ausgebaut und das reicht überschlägig.

Das gerade von mir zitierte Paper bezieht internationalen Austausch nicht ein, die 10 GW Austausch mit Nordafrika (Importe im Winter) würden vor allem nach Süddeutschland gehen. Außerdem sitzt in deren Modelierung vermutlich irgendeine Begrenzung des Nord Süd Austausches drin, weil sonst die Optimierung mehr HVDC in deren No Wind in Süddeutschland Szenario bauen würde statt Elektrolyseure mit niedriger Auslastung aus PV in Süddeutschland zu füttern.

Mein Szenario sieht insgesamt deutlich anders aus, ich zitiere das Paper hier vor allem als Quelle für die Nord Süd Kuppelkapazität jetzt und in naher Zukunft.

Wie gesagt ich sehe den innerdeutschen Netzausbau sehr kritisch. Das Ganze ist extrem intransparent und teuer. Was mir über die Planung bekannt ist, zeigt Ähnlichkeiten mit dem Berliner Flughafen, wozu noch dazu kommt, dass die Netzbetreiber eine feste Rendite auf eingesetztes Kapital haben und einen Anreiz möglichst teuer und möglichst langsam zu bauen.

https://www.landundforst.de/landwirtsch ... auf%202028.

Gegebenenfalls ist es noch nicht zu spät und man kann Südlink in der jetzigen Planung ganz streichen. Als Verfahren hätte ich gerne eine Ausschreibung mit Festpreis und Vertragsstrafe für zu späte Fertigstellung, ich verstehe auch nicht, warum sich nicht an bestehenden Routen (von Stromtrassen, Autobahnen, Schienen, Erdgasleitungen) orientiert wird, um das mit den Wegerechten massiv zu vereinfachen.
heikoheiko.blogspot.com

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Was das Problem mit den Stromkosten etwas verzerrt ist unser Börsenstromsystem. Der Spotpreis wird durch die teuerste Erzeugeranlage definiert. Das bedeutet aber nicht, dass aller erzeugte Strom zu dem Zeitpunkt so teuer ist. Man könnte Ausschreibungen doch auch nach einem anderen System durchführen?
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