Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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Die Strompreise ziehen gerade sehr stark an (auf Großhandelsebene). Das hat viele Gründe und die Abschaltung von etwa 4 GW an deutschen AKW zum 31.12.2021 ist davon einer.

Ein weiterer sind Probleme bei französischen AKW:

https://www.argusmedia.com/en/news/2283 ... ds-outages

Nuclear unavailability for January was revised upwards to a 10GW average, after being scheduled at 6.4GW yesterday.

Also 3,6 GW weniger verfügbar in Frankreich.

Der Preis für Peak load im Januar in Frankreich vor Bekanntgabe dieser fehlenden Kapazität war 59,1 Cent pro kWh (schon extrem hoch, settlement price am Mittwoch). Nach Bekanntgabe am Donnerstag hat sich dieser Preis verdoppelt (settlement price am Donnerstag 121,7 Cent pro kWh).

Natürlich kann man AKW ohne so Preiseffekte abschalten, dazu müsste man halt z.B. bei 8 GW an AKW Abschaltung etwa 16 GW an offshore Wind zubauen.
(es ist etwas komplizierter. aber grob passt schonmal die Kapazität)

Es macht ein großen Unterschied, ob man die nächsten paar Monate betrachtet (da ist ein Zubau von Wind/PV keine Lösung, das geht zwar schnell, viel, viel schneller als für neue AKW's, aber so schnell auch wieder nicht)
oder die nächsten paar Jahre.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Jetzt einmal langsam, bevor die Panik ausbricht. Wir haben 3 Themen:

1. Strompreiserhöhung
2. Abschaltung von Kraftwerken und die Angst vor Black Out
3. Gaslieferung aus Russland stockt, Angst vor "Gas-Black-Out"

Ok, fangen wir vorne an. Dadurch dass die Strompreise an der Börse gehandelt werden kommt es zu einem hohen Ausschlag des Spot Preises von Strom wenn sich die Nachfrage/Angebots Lage ändert. Dieser Ausschlag ist viel höher als der Strompreisindex. Wenn der Strom für 2022 schon an der Börse gekauft ist, ändert sich der Preis heute nicht mehr. Daher ist der Strompreisindex nicht so stark und nicht sofort von der Teuerung des Spot Marktes betroffen. Das wegen diesen teuren Spot Markt keine neuen Kunden aufgenommen werden ist auch verständlich, weil man ja sein Kontingent an Strom für 2022 erhöhen müsste, das ist aber gerade sehr teuer. Wer die Börse versteht warum wann ein Wert stark nach oben geht, könnte das sicher erklären, es war aber erklärt mit höherer Nachfrage wegen hoch Fahren der Wirtschaft nach Corona, daher hat sich der Preis seit Sommer für den Spot Markst stark erhöht weil viel Strom für 2022 nah gekauft werden musste. Ob und wie stark der Spot Markt nun zusätzlich durch Kraftwärksausfälle betroffen ist sollte ein Börsenkenner analysieren, Aussagen von Experten dazu fehlen mir aber, und auf Verschwörungstheorien habe ich keinen Bock. (PS: wärend Corona konnte der Strom der gekauft wurde nicht konsumiert werden, trotzdem wurde der ja schon ein Jahr vorher bezahlt. Daher hat man für 2021/22 viel weniger Strom voraus gekauft, und musste jetzt nachkaufen)

Zu 2: Der Zeitpunkt wann nun Strom gekauft wird, hat mit der VErsorgungssicherheit in Europa nun mal sehr wenig zu tun. Wenn jetzt zwei Kraftwerke ausgefallen sind, dann wurden anderer Orts andere Kraftwerke hoch gefahren, so schnell, das merkt man gar nicht. Der Strom ist nicht ausgefallen, kein Black out. Das diese Betreiber nun für den nicht gelieferten Strom Strafe zahlen müssen steht wieder auf dem Blatt des Strompreises am Spotr Markt, hat aber nichts mit der Versorgungssicherheit an sich zu tun. Da werden Kraftwerke hoch gefahren wie es das Netz benötigt und nicht erst an der Börse verhandelt. Macht auch keinen Sinn, weil der Strom ja schon seit über einem Jahr verhandelt war und verkauft wurde.

Zu 3: Bedingt macht das Gasproblem auch Probleme beim Strompreis. Aber auch hier nicht das Thema Black Out, sicher einmal nicht beim Strom.
Ob uns Russland tatsächlich das Gas abdreht und Europa frieren lässt gilt in Politischen Kreisen als unwahrscheinlich. Es zeigt aber deutlich welche Abhängigkeit wir hier mit dem Gas eingegangen sind. Schon im Sommer wurden die Lieferungen gedrosselt um so jetzt eine Situation zu schaffen, dass Abdrehen des Gases auch zu Problemen führen kann. Das aber ist ein rein Politisches Thema, das werden die Politiker lösen und hier müssen wir auf die Aussage der Politik Experten vertrauen, dass es als unwahrscheinlich gilt, dass uns Russland das Gas abdreht.

Kurzum: Ja, wer heute Strom für 2022 kaufen will hat ein Problem. Wer Strom weiterhin am Spot Markt kauft auch. Ein Wechsel hin zu seinem Netzbetreiber ist aber immer möglich, und die Preise sind da so hoch wie für alle. Schnäppchen wird man jetzt aber nicht mehr finden.
Und Gas ist reine Politik, da können wir jetzt nichts ändern. Hat aber mit den Preisen am Spot Markt fast nix zu tun,
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Mal angenommen Putin macht bald in der Ukraine Ernst und dann so weiter wie damals auch in der Krim. Genug Soldaten hat er ja zwischenzeitlich an der Grenze zusammengezogen, was aber dann ? Dann sollten wir doch auf russisches Gas ganz verzichten können / müssen ? Sanktionen ja, aber Gas schön weiter beziehen ? Nicht besser heute schon gegen jedwede Abhängigkeit von Gasbelieferungen anarbeiten ? Das wirkt heute schon bestimmt nicht senkend auf die Gaspreise. Ich würde auch niemandem heute mehr eine neue Gasheizung empfehlen und dazu wie wir das bei unseren Kraftwerken auch ohne viel Gas und mit wenig CO2-Ausstoß und Belastung zukünftiger Generationen hinbekommen bedarf es längst der Verfolgung einer guten und klaren Zubau-Strategie. Man müsste vielmehr schon längst und viel intensiver am Ausbau von neuen Stromerzeugungsstrukturen sein. Nach meiner Meinungen bleiben da auch nur noch aktuell die EE als Möglichkeit übrig, Zwischenzeitlich sind uns leider andere Länder da schon voraus.
Ist das nicht gut ?
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Ich bin kein Politiker. Wenn aber Russland in der Krim einmarschiert können wir so oder so nur zu schauen. Zu welchen Zweck sich Russland hier diesen "Vorteil" der Gaslieferung im Sommer aufgebaut hat, wissen wir nicht. Die neu Pipeline? Die Grimm? keine Ahnung. Ich bin kein Politik Experte.
Vielleicht stimmt ja die Aussage, das die bestellte Menge Gas geliefert wurde, und die war eben aus genannten Gründen weniger, und das die Nachbestellung Zeitgerecht geliefert wird, aber es gibt weitere Regionen die mehr Gas als bestellt benötigen. Es gibt für mich keinen Grund an zu nehmen, dass dies nicht so ist. Ich habe die Bestellungen für Sommer 2021 nicht auf gegeben, ich kann auch nicht beurteilt ob diese erfüllt wurden.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Wir haben letzte Woche für 2022 bei einem Kunden "zugemacht".
Er zahlt in Salzburg für das MW 44€.
In Wien 82€.
Wien ist halt anders...
Von 01.01 bis 30.21.2022.
Bezug auf 10 kV Ebene.

Was in Wien fast das doppelte des laufenden Jahres ist...

Ungeplante Kraftwerksabschaltungen lassen, um so knapper diese zum Termin angekündigt liegen, fast zwangsläufig immer die Spotpreise steigen.
Insbesonders in, oder wenn der Abschaltende selber nicht mehr genug Reserven zum Einspeisen hat.
Dass er diese vor der Bekanntgabe der geplanten Abschaltung etwaig schon einkaufte ist wohl logisch....

Und, zuschaltbare Kaltreserven gibt es im Regelfall genug.

So nebenbei..
Krim...
Diverse E Fahrzeuge von 18 bis 90 Kwh.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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@env20040 Dass er diese vor der Bekanntgabe der geplanten Abschaltung etwaig schon einkaufte ist wohl logisch....

Vorsicht! Das wäre Front-Running und ist europaweit verboten. Da wünsche ich den Marktaufsichtsbehörden mal viel Spaß beim Ermitteln.
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Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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Bitte:

die Halbinsel Krim (ukrainisch Крим, Krym; russisch Крым, Krym; krimtatarisch Qırım; in der Antike Tauris), hat nichts mit Grimms Märchen zu tun und wurde im übrigen schon 2014 völkerrechtswiedrig von Russland gewaltsam annektiert. Gegenwärtig bereitet Russland die Annektion des Donezbeckens (Donbass) vor.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

kirovchanin
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Bitte:

Eine Annexion (von lateinisch annectere ‚anknüpfen‘, ‚anbinden‘; auch als Annektierung bezeichnet) ist die erzwungene (und einseitige)[1] endgültige Eingliederung eines bis dahin unter fremder Gebietshoheit stehenden Territoriums in eine andere geopolitische Einheit.

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

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tommywp hat geschrieben: Tun sie auch und werden bei Störungen verantwortungsbewusst runtergefahren.
Na dann bin ich mal froh daß diese Kraftwerke, auf die man sich offensichtlich nicht verlassen kann, bald nicht mehr von Belang sind. Das wäre ja schlimm wenn wegen dieser ausgefallenen Atomkraftwerke der Strompreis noch weiter ansteigen würde... :-D

Grüazi, MaXx

Re: Ziehen die Strompreise gerade kräftig an?

hgerhauser
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@AbRiNgOi

Das Wort "spot" bedeutet soviel wie "kurzfristige Lieferung" oder "sofortige Lieferung"

https://www.epexspot.com/en/market-data

Hier wird noch unterschieden zwischen day ahead und intraday. Day ahead = Lieferung am nächsten Tag.

Futures sind für Lieferungen in der Zukunft

https://www.eex.com/en/market-data/power/futures

Das kann für einen einzelnen Tag sein oder für ein ganzes Jahr.

Aus Kraftwerkssicht ist der wichtigste Markt der day ahead Markt. Das ist nah genug, dass die Prognosen für Wind/PV, Verbrauch und Kraftwerksverfügbarkeit sehr gut sind und weit genug weg für eine einfache Kraftwerksplanung. EEG Strom wird verpflichtend über den day ahead Markt verkauft.

Der Preis im day ahead Markt wird durch die variablen Kosten des teuersten Kraftwerks bestimmt, welches nötig ist, um den Bedarf zu befriedigen.

Zur Zeit ist das meist ein Erdgas oder Kohlekraftwerk.

Damit Kraftwerksbetreiber und Stromlieferanten sich langfristig absichern können gibt es die Futures. Ein Kraftwerksbetreiber kann z.B. Futures für das Jahr 2022 verkaufen. Bei Baseload bekommt er dann für jede Stunde des Jahres 2022 den vereinbarten Preis. Ein Stromlieferant kauft dagegen so Futures zur Absicherung ein.

Diese Futures werden auch täglich gehandelt.

Wenn Du als Privatkunde Strom kaufst, ist der Normalfall, dass Du von einem Stromlieferanten einkaufst. Der bietet Dir normalerweise einen fixen Preis für z.B. ein ganzes Jahr an. Da Dein stundengenauer Verbrauch meist nicht gemessen wird, kann er ein Standardlastprofil zu Grunde legen und das mit einem Mix aus Baseload und Peakload Futures an der Börse absichern.

EEG Einspeiser haben keinen Grund Futures zu verkaufen, andere Kraftwerksbetreiber müssen dies nicht.

Als Privatkunde und genau ausreichend abgesicherter Stromlieferant hat man kein Preisrisiko. Hat der Stromlieferant keinen genauen Match zwischen Stromverkäufen an Endprivatkunden und Futures, hat er sehr wohl ein Preisrisiko.

Awattar hat mich deswegen angeschrieben und nach meiner Meinung zu Mindestlaufzeiten gefragt. Was die nicht wollen ist, dass sie jetzt Neukunden kriegen zu 26,5+17,5 Cent die kWh (26,5 Cent die kWh ist der Mix aus Baseload und Peakload, den sie jetzt für 2022 absichern könnten, 17,5 Cent sind in meinem Fall die EEG Umlage, Stromsteuer etc.) und dann der Futures Preis auf 5 Cent fällt, die Kunden von einem Monat zum nächsten wechseln, und Awattar mit 21,5 Cent Verlust zurücklassen.

Dass der private Endkunde gegen Preissprünge abgesichert ist, heißt nicht, dass nur ein kleiner Teil des Stroms von den Preissprüngen betroffen ist.
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