privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Hallo,

zunächst eine kurze Übersicht, bevor ich meine eigentliche Frage stelle. Ich habe mir 2015 einen Wunsch erfüllt und mit freundlicher Genehmigung der Hausverwaltung und des Wohnungseigentümers eine Wallbox am Mehrfamilienhaus errichtet, wie hier dokumentiert.

Seit Beginn an stelle ich die Ladestation auf Nachfrage gern auch anderen E-Mobilisten zur Verfügung. Dazu habe ich damals auch einen Verzeichniseintrag erstellt. Soweit so gut. Das hat über die letzten Jahre auch prima funktioniert. Inzwischen ist es aber so, dass ich vier regelmäßige Ladegäste habe und die Ladestation etwa 2x pro Woche genutzt wird. Bei bestimmten Personen habe ich nun auch auf die Voranmeldung verzichtet und mich mit ihnen verständigt: "wenn frei ist, häng dich dran". Ich selbst brauche den Stellplatz nicht zwingend, lade nur noch ganz selten zu Hause und kann auch problemlos an der Straße parken, das ist hier alles sehr entspannt. Der Stellplatz ist der Wohnung fest zugeordnet und ich zahle dafür auch eine zusätzliche monatliche Miete.

Mittlerweile verliere ich so ein wenig den Überblick, bei wem wieviel Euro Ladekosten angefallen sind. Im Moment läuft das auf Vertrauensbasis und das klappt tatsächlich sehr gut. Ich merke jedoch, dass die Nachfrage deutlich zunimmt und ich merke auch, dass ich mit der jetzigen Lösung auf Dauer nicht glücklich werde und ich es gern auch den anderen Nutzern ermöglichen möchte, jederzeit ohne Voranmeldung mit automatischer Abrechnung laden zu können. Die technische Umsetzung ist kein Problem, wir haben in der Bürgerenergiegenossenschaft bereits vier Ladestationen über drei verschiedene Backends in Betrieb und entsprechend Erfahrung diesbezüglich. Auch was das Thema eichrechtskonforme Ladestation betrifft gibt es soweit keine offenen Fragen.

Nun gibt es folgende Überlegung.
Mir schwirrt schon länger die Idee im Kopf herum, den Ladepunkt für die Dauer der Miete (noch einige weitere Jahre) zu einem echten öffentlichen Ladepunkt mit einer Ladeleistung von 11 kW zu machen. Also ohne Voranmeldung und Laden per App / Ladekarte / QR-Code mit dem jeweiligen Fahrstromangebot des Nutzers.

Das würde bedeuten: Stellplatzbegrenzung markieren (muss unbedingt eingehalten werden), Anfahrschutz montieren, Wallbox austauschen und Beschilderung anbringen. Das alles natürlich von mir selbst bezahlt und umgesetzt. Doch bestehen hier überhaupt Chancen, dies so zu realisieren, oder ist das im Sinne des Nachbarschaftsfriedens generell ausgeschlossen ("da steht ja jeden Tag ein anderes Auto") und wie würde die Hausverwaltung auf diesen Vorschlag reagieren? Ein Vorteil wäre, dass damit verhindert werden könnte, dass weitere Mieter in naher Zukunft mit Kabelbauarbeiten "drohen", weil sie selbst eine Wallbox installieren möchten. So könnten sie einfach den öffentlichen Ladepunkt nutzen. Das ist natürlich nicht das Gleiche wie eine eigene Wallbox, spart aber erstmal viel Arbeit und Kosten. Im Gegenzug muss man damit leben, dass der Ladepunkt auch mal belegt sein kann.

Was meint ihr, macht es Sinn einen entsprechenden Vorschlag auszuarbeiten und der Hausverwaltung zukommen zu lassen mit der Bitte um ein Gespräch, oder haltet ihr das ohnehin für aussichtslos aufgrund mangelnder Akzeptanz bei den Verantwortlichen oder aufgrund von Bedenken der Mieter? Vielleicht auch berechtigt, denn erfahrungsgemäß nimmt nicht jeder E-Mobilist die Stellplatzbegrenzung ernst. Aber wenn der Nachbar deswegen selbst nicht mehr parken kann, wäre Ärger vorprogrammiert.

Den Betrieb würde ich entweder selbst übernehmen ohne Gewerbe, sprich der Stromverkaufspreis entspricht 1:1 dem Stromeinkauf, so wie jetzt auch schon. Aktuell sind das 27 Cent/kWh. Oder ich gebe den Betrieb z.B. an die Bürgerenergiegenossenschaft ab und die könnten dann auch noch 2-3 Cent/kWh daran verdienen. Das Geld würde dann in den Topf fließen, mit dem unter anderem die nächsten PV Projekte realisiert werden.

Vielen Dank & viele Grüße
Micha
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Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Wie sollen wir wissen wie deine Hausverwaltung auf deine Idee reagieren wird?
Das hängt doch ganz von deiner Hausverwaltung ab, das kann man nicht verallgemeinert beantworten.
Probier es einfach, schlimmstenfalls werden sie nein sagen, dann bleibt es eben alles beim alten.

Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Hätte ja sein können, dass es da ohnehin schon irgendwelche Paragraphen gibt, die so eine Idee von vornherein untersagen. Z.B. gemieteter Stellplatz darf nicht für dieses und jenes "zweckentfremdet" werden.

Und vielleicht gibt es ja jemanden, der das hier Beschriebene schon umgesetzt hat oder umsetzen wollte und über seine Erfahrungen berichten kann. Manchmal ist es hilfreich, wenn man nicht der Erste mit einer solchen Idee ist.
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Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Hallo PowerTower!

Beim Lesen Deines Beitrags stellte sich mir die Frage wie man mit dem Auto auf den Stellplatz gelangt. Wenn der Stellplatz direkt von der öffentlichen Straße aus befahrbar ist könnte ich mir vorstellen daß sich das juristisch einfacher gestaltet als wenn man erst über die Einfahrt rein und im zweiten Hinterhof rechts auf den dritten Parkplatz fährt.

Vielleicht auch vorher noch mit den beiden direkten Parkplatznachbarn erstmal ratschen und schauen welche Ängste bei denen aufploppen.

Jedenfalls finde ich es eine gute Idee...

Grüazi MaXx

Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Sobald Du an ein Backend zwecks Roaming möchtest, mußt Du die Mehrwertsteuer ausweisen können. Sonst ist für den Endverbraucher in dem Preis die Mehrwertsteuer doppelt enthalten.
Bei mir hat das Modell damals unter dem Aspekt des Vorreiters für eine spätere Gesamtversorgung mit der Hausverwaltung harmoniert.
Vom Eichrecht brauche ich ja nicht zu erzählen.

Eine andere Frage:
Gibt es zwischen Grundstück und Straße einen Gehweg? Wenn nein, wäre auch eine geförderte doppelte Station interessant.

Bei mir in München habe ich innerhalb eines knappen Jahres fast 9000kWh an Abnahme.
Fiat 500e seit 2017, VW eGolf bestellt. 12 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
Link: Story meiner öffentlichen Ladestation vor der Haustür

Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Danke für die Hinweise. Dann würde ich wohl doch das Thema Abrechnung auslagern, das soll aber nicht das Problem sein. ;) Die Ladestation ist von der Straße aus gut sichtbar und kann direkt befahren werden. Nachts ist es leider recht finster, da nicht direkt beleuchtet. Eine doppelte Station ist schwierig, da ja die benachbarten Stellplätze auch vermietet sind. Ich möchte die Nachbarn ungern mit ihren Autos auf die Straße verscheuchen und würde dafür wohl auch zurecht keinen Zuspruch bekommen. :) Abgesehen davon ist das bereits verlegte Kabel ja nur für 1x11 kW ausgelegt (5x2,5 mm²). Förderung an sich könnte ein Thema sein, aber eigentlich ist mir das zu viel Papierkram und dauert auch zu lange und bringt ja auch weitere Verpflichtungen mit sich. Darauf hätte ich vermutlich wenig Lust.

Gibt es versicherungstechnisch etwas zu beachten? Der nebenstehende Nadelbaum harzt manchmal und bei der Kastanie fliegt im Herbst die ein oder andere Frucht aufs Auto (wobei der Mittelstellplatz da noch halbwegs verschont bleibt). Können sich die Ladenden dann darüber beschweren, oder müssen sie das akzeptieren? Der Hausmeister ist da zwar schon hinterher darauf zu achten, dass so etwas möglichst nicht vorkommt, aber 100% ausschließen kann man es eben auch nicht.
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Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Ich würde mich an deiner Stelle fragen:
was hat die Hausverwaltung bzw. die Eigentümer, dessen Interessen sie vertritt, davon?
Wenn dir dazu gute Argumente einfallen dann könntest du sie eher überzeugen.
Aus reinem Idealismus wird die Hausverwaltung wohl eher nicht "ja" sagen.

Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Berechtigte Frage. Bei der Installation im Jahr 2015 hatten sie auch nichts davon, abgesehen von einem zufriedenen Mieter. Und alle Wohnungseigentümer hatten da sogar einstimmig zugestimmt. Mit Ausnahme von "lass ihn machen und wir haben unsere Ruhe" fällt mir tatsächlich kein stichhaltiges Argument ein, warum sie das befürwortet haben. Rückblickend bin ich aber allen Beteiligten sehr dankbar, dass sie bei diesem Anliegen keine Steine in den Weg gelegt haben. Selbstverständlich war das keineswegs.

Das einzige Argument, was mir bei der Aufrüstung einfallen würde, wäre wie gesagt die gleichzeitige Nutzung durch die Mieter und die Vermeidung weiterer Bautätigkeiten auf absehbare Zeit. Dass langfristig gesehen ein Anschluss nicht ausreichen wird, um 8 Mieter + den öffentlichen Bedarf zufrieden zu stellen, ist allerdings unbestritten. Und für den Fall, dass mal ein Umzug unsererseits ansteht, wird der Nachmieter den Stellplatz sehr wahrscheinlich wieder für sich beanspruchen wollen. Das ist aber ein Szenario, welches 5+x Jahre in der Zukunft liegt.
Zuletzt geändert von PowerTower am Mo 18. Mai 2020, 01:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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Ja klar aber es ist schon ein erheblicher Unterschied einem Mieter auf seinem Stellplatz eine private Ladestation zu erlauben (wie du sagst, damit hat man einen zufiredenen Mieter), oder eine öffentliche Ladestation mit vielen ungeklärten Haftungsfragen (und möglicherweise Lärm in der Nacht, Unbekannte die sich auf dem Grundstück aufhalten, usw.) zu erlauben.

Re: privater Ladepunkt am Mehrfamilienhaus soll öffentlich werden - realistisch?

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PowerTower hat geschrieben: oder ist das im Sinne des Nachbarschaftsfriedens generell ausgeschlossen ("da steht ja jeden Tag ein anderes Auto") und wie würde die Hausverwaltung auf diesen Vorschlag reagieren?
1. An anderer Stelle hast Du von Wohnungseigentümern gesprochen. Maßgebend dürfte also die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) sein und nicht der WEG-Verwalter ("Hausverwaltung"), der bestimmt keine Handlungsvollmacht für eine öffentliche Umwidmung des Sondereigentums "Stellplatz" eines der Wohnungseigentümern besitzt

2. Von diesem Projekt möchte ich dringen abraten. Falls die WEG Kenntnis davon erhält, ist ein Beschluss zur Anbringung von Kfz-Schildern an den Stellplätzen zu erwarten, damit nur noch jeweilige Eigentümer/Mieter auf den privaten Stellplätzen parken
Schon 12 Jahre lang Kfz-Steuer für meine E-Autos gezahlt - seit 28 Jahren mit eigenem PV-Strom elektromobil unterwegs (CityEL mit 1.8 kWh-Akku, seit '13 Smart ED3). Fahrrad & U-Bahn für die Stadt, Fernreisen mit der Bahn.
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