aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

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hgerhauser hat geschrieben: Mit den 40 Cent pro kWh ist garantiert der Endpreis gemeint, ist nur zufällig so, dass der Deckel ebenfalls auf 40 Cent angehoben wird.
Stimmt! Er meint wohl den Endpreis.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

gekfsns
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Stimmt meine Vermutung, dass es für den Energieversorger einen langfristigen Markt gibt, bei denen sich herkömmliche Anbieter den meisten Strom relativ günstig besorgen und einen Spotmarkt, an dem herkömmliche Anbieter nur den unerwarteten Bedarf kaufen und aWattar dagegen rechnet nur mit dem kurzfristigen Spotmarkt, der momentan etwas außer Ruder läuft ?
Das wäre ja ein Fehler im System, weil da zu Zeiten von Strommangel aWattar und Co chancenlos sind. Damit das funktionieren kann, müsste dann nicht alle Stromanbieter an einem gemeinsamen Markt gleichzeitig Strom einkaufen (also Spotmarkt only) ?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir so schnell wie möglich einen variablen Strompreis für Endkunden brauchen, aber so wird es nicht funktionieren. Zusätzlich müssten auch die Netzentgelte noch variabel werden, also abhängig von welchem Kraftwerk ich beliefert werde und wie hoch die Auslastung das ganze Netz dazwischen ist.

Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

Stromerian
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Na ja, normalerweise deckt man sich im Voraus entsprechend dem geplanten/abgeschätzen Bedarf ein (egal ob Strom oder andere Roh-/Betriebsstoffe). Dann hat auch der Produzent ein wenig Planungssicherheit. Diese Planungssicherheit ist dem Produzenten oft soger einen Rabatt wert. Die Lieferung kann dann - wenn es passt - just in time erfolgen.
Der Spotmarkt ist eher für "upsi, verschätzt!" Da kann man dann nachchkaufen - oder aber übezähliges Kontingent loswerden. Wenn der Spotmarkt aber längere Zeit billiger ist als die Futures, fangen viele, besonders "kostenbewusste" Abnehmer an, sich nur noch am Spotmarkt zu versorgen. Der planende Produzent wiederum fährt die Kapazitäten für die Zukunft zurück - ist ja nix bestellt worden. Ist die Zukunft dann da, ist der Bedarf am Spotmarkt höher als das ohnehin schon reduzierte (ge- bzw. verplante) Angebot - und die Preise gehen durch die Decke...
Ich denke, die Lösung wäre ein Mix: ein fester Kostenanteil, um die Kapazitäten planen zu können, und ein variabler Anteil, um den Verbrauch zu lenken.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

hgerhauser
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Beim hourly cap kauft Awattar glaube ich auch langfristig ein, wobei ich die Berechnung des Sync Bonus für Verbrauchsverlagerungen nicht nachvollziehen kann.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

excited_machine
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Es treibt einen zum Wechsel oder Verbleib. Andere Provider setzen auf eine eigenprofitable Mittelung - daher mein Rezept
- wird der Strombedarf durch das E-Mobil dominiert, ist ein Stundentarif mit gewisser Wahlfreiheit sicher günstig
- nimmt die statische Wind- Sonnenarmut dieses Jahres weiter zu, wird aWattar das, auch mit 40ct-Deckel, nicht mehr finanzieren können und man muß wandern.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

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gekfsns hat geschrieben: Stimmt meine Vermutung, dass es für den Energieversorger einen langfristigen Markt gibt, bei denen sich herkömmliche Anbieter den meisten Strom relativ günstig besorgen und einen Spotmarkt, an dem herkömmliche Anbieter nur den unerwarteten Bedarf kaufen und aWattar dagegen rechnet nur mit dem kurzfristigen Spotmarkt, der momentan etwas außer Ruder läuft ?
Ja, das stimmt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Energieversorger sich mit Kontingenten zu versorgen. Je kürzer die Entscheidung (Awattar 24h), je volatiler der Preis. Langfristige Verträge dagegen, sorgen für Preisstabilität und Planbarkeit der Anbieter.

Es geht aber auch noch kürzer. Für die Industrie stehen auch 15 Minuten-Preise zur Verfügung. Da können ganz kurfristig noch Kontingente gekauft werden. Im Aluminiumbereich durchaus üblich.

In der jetzigen Situation steigen dadurch die kurzfristigen Preise - letztes Jahr konnten wir durch den gleichen Effekt profitieren. Eine komplett Umstellung auf Börsenpreise würde die Ausschläge reduzieren - in beide Richtungen. Ob das dann jedoch das Verbrauchsverhalten der Konsumenten beeinflussen hilft, bezweifele ich.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

hgerhauser
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@gekfsns

Awattar hat drei Tarife, hourly, hourly cap und yearly.

Der hourly reicht 1:1 den Spotmarkt durch.

Bei yearly und yearly cap sichert sich Awattar über langfristige Lieferverträge ab. Wie genau, sagen die nicht.

Sie sagen aber, dass das Standardlastprofil H0 für Haushalte zugrunde gelegt wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Standardlastprofil

Die Stadtwerke Lauterbach haben eine Formel für die Absicherung von H0

https://www.stadtwerke-lauterbach.de/do ... chnung.pdf

76,1% Base, 23,9% Peak

Base ist das einfache Mittel der Preise über alle Stunden. Peak ist das einfache Mittel über alle Stunden zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends.

Für Base und Peak gibt es Futures:

https://www.eex.com/en/market-data/power/futures

Settlement gestern für Base 2022 ist 14,6 Cent pro kWh
für Peak 18,3 Cent pro kWh

Für das Jahr 2027 ist Base 7,7 Cent pro kWh

Beim yearly braucht man kein Smartmeter. Da wird das Standardlastprofil abgerechnet. Für 2022 wäre das (14,6*76,1+18,3*23,9)/100*1,19

= 18,6 Cent pro kWh + Umlagen, Steuern etc. (bei mir 17,05 Cent pro kWh ab 1,1.2022)

=35,65 Cent pro kWh

Ich nehme an, dass der Future günstiger gekauft worden ist, denn es werden für Bestandskunden bei mir 31,46 Cent angegeben.

Für Neukunden jetzt 35,65 Cent zu nehmen und das mit Futures abzusichern, will Awattar wohl nicht.

Beim hourly cap steht folgendes:

"Der SYNC-Bonus ist die Differenz zwischen Ihrem gemessenen durchschnittlichen HOURLY-Preis an einem Tag und dem HOURLY-Preis, den ein Standardhaushalt am selben Tag erzielt hätte."

Nehmen wir morgen als Beispiel.

https://www.epexspot.com/en/market-data ... le&period=

Base ist morgen 19,5 Cent, Peak 26,9 Cent

Durchschnitt also 25,5 Cent (Formel siehe oben)

Nehmen wir an, dass ich morgen nur eines tue, das Elektroauto laden und zwar zwischen 1 und 2 Uhr nachts zu 3,4 Cent die kWh.

Die Differenz zum Durchschnitt für das Standardlastprofil beträgt 22,1 Cent die kWh. Das müsste also abgezogen werden vom festen Preis (noch sind das 25,2 Cent pro kWh, ab 1.1. die oben genannten 31,46 Cent).

Lade ich also um 1 Uhr nachts, zahle ich für die Ladung mit dem hourly cap tatsächlich nur 25,2-22,1=3,1 Cent die kWh.

Der sync Bonus ist nicht symmetrisch, sprich man kann nicht mehr als 25,2 Cent die kWh zahlen (noch bei mir). Bin ich gemein und lade 17:00 direkt nach der Arbeit ist der Börsenpreis morgen 42,2 Cent die kWh. Satte 17 Cent mehr als der Schnitt für einen Standardlastkunden und die buttert Awattar zu.

Machen die wohl so, weil sie davon ausgehen, dass die Anzahl Kunden, die ein Smartmeter haben und gezielt vom Standardlastprofil abweichen in Richtung der teuren Stunden, vernachlässigbar klein ist???
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

hgerhauser
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An den Netzentgelten kann Awattar nichts tun, aber den Putinfaktor ausschalten geht mit dem hourly cap. Jetzt müssten die den hourly cap und den sync bonus nur noch etwas besser erklären, am besten mit aktuellen Beispielen, und auch ausreichend viele Futures günstig absichern.

Vielleicht könnten sie auch power purchase agreements direkt mit Produzenten einbauen.

Das Problem da könnte sein, dass ein 10 MW PV Park oder ein 300 MW offshore Windpark gerne Verträge über 20 Jahre hätten.

Die gehen sicher nicht hin und verkaufen ein Jahr für 5 Cent, wenn sie auch Base zu 14,6 Cent verkaufen könnten, wovon sie noch ein bisschen für den Marktwert offshore abziehen müssten (ein, zwei Cent weniger als Base).

5 Cent akzeptieren die doch nur, wenn die auch 2030 noch gezahlt werden müssen, zu einem Zeitpunkt, wo bei schlecht gemanagter Energiewende der Marktwert PV/Wind einstürzen könnte gegenüber Base.
https://www.pv-magazine.de/2021/11/26/a ... windkraft/

Bei dann vielleicht 6 Cent für Base und 40% Abschlag für PV/Wind, kriegen die 2030 nur noch 3,6 Cent die kWh und freuen sich dann natürlich, wenn jemand sich verpflichtet hat, den Strom für 5 Cent abzunehmen.

Wie man Privatkunden Power Purchase Agreements durchverkaufen könnte, dass weiß ich nicht. Hat da jemand Ideen zu?
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

hgerhauser
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Gerne auch Rückmeldung zu meinem Beispiel für morgen. Ist es wirklich so, dass man beim hourly cap morgen nur 3,1 Cent pro kWh Endkundenpreis!!! zahlt, wenn man um 1 Uhr nachts das Elektroauto lädt?

Das erscheint ja erstmal sehr komisch, weil man ja meinen sollte, dass Börsenpreis, Abgaben, Steuern etc. sich zu mehr als 20 Cent addieren sollten, solange der Börsenpreis nicht negativ ist.
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Re: aWATTar: Strom zum Börsenpreis für Endkunden

hgerhauser
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Würde an einem Tag mit drei mal so hohen Preisen in jeder Stunde wie morgen, mit hourly cap der Endkundenpreis dann auf

76,5 Cent für Standardlastkunde
10,2 Cent um 1 Uhr nachts
=>Differenz 64,3 Cent

Abzuziehen von hourly cap Preis von etwa 31 Cent ab 1.1.=>

Also minus 33 Cent fallen???

(Wenn man um 1 Uhr nachts lädt und sonst nichts verbraucht).
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