Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

hemü
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Vielfach wurde in diversen Beiträgen Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen angestellt.
Nun gab es eine Industrieauktion, in der mehrer Schnelladesäulen mit einem ca. 1MW Trafo sehr
günstig verkauft wurde. Zu diesem Angebot errechnete ich die Kosten und den Ertrag zu dem
Betrieb von Schnellladesäulen.
Wenn ich also die Errichtungskosten, die Standortmiete , die Stromanschlusskosten,
die Betriebskosten, die Versicherung und die Betriebskosten rechne und eine vorsichtige Auslastung
kalkuliere, dann kann sich eine unternehmerische Investition in einer Ladesäule gar nicht rechnen.
Es mag einige Ausnahmestandorte geben. Deshalb wollte ich Anfragen, ob jemand
vielleicht ein wirtschaftlich positives Betriebsmodell für Ladesäulen kennt.
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Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

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  • Jogi
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Ich sag das seit Jahren, eine DC-Ladeinfrastruktur kann sich nur rechnen wenn sie erhebliche Nebenumsätze generiert, die ihrerseits Gewinne abwerfen.
Vielfach weiser ist der Narr, der sich seiner Narretei bewusst,
als jener Weise, der sich über alle Narretei erhaben wähnt.

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

keyfob
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Mit was für einer Auslastung kWh pro tag kalkuliert ihr das?

Die Studie sie ich kenne geht von 200 bis 300kwh aus (2030 bei 10millionen eAutos)

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

Michael_Ohl
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Positiv dürfte die Bilanz werden, wenn Du eine grosse Solaranlage auf eine Lagerhalle baust, und die Schnellladesäule auf dem Parkplatz installierst. Nur so könnte das was werden. Alternativ auf dem Gelände einer Firma die nicht alle Umlagen zahlen muss.

MfG
Michael
Kangoo ZE maxi seit 2015 120000km, Kangoo ZE Postkutsche seit 2018 91500km, E-UP seit 2020, 5000km, C180TD seit 2019 27000km , max G30d seit 2020 350km, Sunlight Caravan, Humbauer 1300kg, E-Expert 75kWh 3000km

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

Sebastian99
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Nenn doch ein paar Variablen die du angenommen hast bzgl. Ergebnisse auf die du gekommen bist. :) Dass es sich für 30 ct/kWh nicht rechnet ist logisch, solange eine Ladesäule als Endverbraucher angesehen wird und auch entsprechende Strompreise bezahlen muss. Sprich wenn du da als Betreiber den Strom für 30 ct rausgibst, hast du +/- 0 ct Gewinn, weil du ihn grob für den Preis auch einkaufen musst. Großartiges Geschäftsmodell. :lol:

Edit: Und von welchen Preisen reden wir bei "günstig" in Verbindung mit einem 1 MW Trafo?

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

Jupp78
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Jogi hat geschrieben: Ich sag das seit Jahren, eine DC-Ladeinfrastruktur kann sich nur rechnen wenn sie erhebliche Nebenumsätze generiert, die ihrerseits Gewinne abwerfen.
Das gilt aus meiner Sicht nicht nur für eine DC-Ladeinfrastruktur, sondern auch für eine AC-Ladeinfrastruktur. Natürlich sind die Investitionskosten bei AC wesentlich geringer, aber auch die Umsätze sind wesentlich geringer und auch die Deckungsbeiträge.

Unter dem Strich traue ich der DC-Ladeinfrastruktur sogar eher zu wirtschaftlich zu werden, im Vergleich zur AC-Infrastruktur, denn die DC-Infrastruktur hat das Potential auf eine gute Auslastung zu kommen. Bei AC wird das nichts.

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

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  • Jogi
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Wenn ich Parkraumbewirtschafter wäre, sähe eine AC Ladeinfrastruktur so aus:
Je eine blaue CEE einphasig pro zwei nebeneinander liegenden Parkplätzen.
Keine kWh Abrechnung, die Stromkosten sind Betriebskosten der Parkfläche.
Vielfach weiser ist der Narr, der sich seiner Narretei bewusst,
als jener Weise, der sich über alle Narretei erhaben wähnt.

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

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@Jogi Das ist aber kein Geschäftsmodell, sondern eine Nettigkeit gegenüber eMobilisten. Ob das Werbewirksam ist, wage ich zu bezweifeln, denn Parkraum muss in aller Regel nicht beworben werden - der ist knapp genug.

Ohne Berücksichtigung der durchschnittlichen Verweildauer ist so eine pauschale Aussage zudem ziemlich nichtssagend. Da können dann auch mal schnell die günstigen Anschaffungen für blaue CEE Dosen rausgeschmissenes Geld sein. Last not least: Wer gibt denn das Geld für einen Ladeziegel mit CEE blau aus? Im Lieferumfang sind ja nicht einmal mehr überall Schuko-Ladeziegel.

Sinnvoll sähe ich beispielsweise bei einem P+R Parkplatz eine Serie von ordentlichen Schukos mit Schlüsselschalter, die gegen eine kleine monatliche Pauschale ausgegeben werden. So kann auch ein Geschäftsmodell entstehen. Geringer Invest, geringe laufende Kosten und ggfs. treue Kundschaft.

Bei AC Typ-2 Säulen hat man gleich von Anfang an einen relativ hohen Invest in der Größenordnung von bis zu 10.000€ für 2 Ladepunkte. Dann die laufenden Kosten für Standby Strom und Roaming (was dann zwingend notwendig ist, um überhaupt akzeptiert zu werden).

Theoretische Rechnung:
Maximale Abgabemenge: 2x11kW*24h = 528kWh pro Tag bzw. 15.840kWh pro Monat.
Viele laden mit 11kW, etliche mit weniger - aber auch eben ein paar mit 22kW.
Reale Auslastung: Vielleich 30% - und das ist schon recht hoch angesetzt, wenn ich mal spekulieren darf. Dann werden da 4752kWh abgesetzt.

Da AC Säulen Endverbraucher sind, muss jemand, der nicht gerade selbst VNB ist, den Strom für im Mittel 30ct/kWh in Deutschland einkaufen. Das kostet alleine 1.425,60€. Standby Strom und Roaming gedöhns noch nicht mit eingerechnet.

Jetzt kann sich jeder mal selbst zurecht klöppeln, wie lange es dauert, wenn er pro kWh vielleicht 3-4ct Marge erwirtschaftet, bis die Säule sich amortisiert hat. Von Gewinn will ich da mal noch gar nichts schreiben. Etwaige Förderung mal ausgelassen. Gibt es die für AC Infrastruktur derzeit überhaupt noch?

So gesehen geht das überhaupt nur dann einigermaßen auf, wenn man selbst Netzbetreiber ist, weil die Marge beim Strom EK nicht drauf ist, sondern nur über den VK an der Säule erwirtschaftet wird.

Hier sind AC Ladepunkte in einem Parkhaus als Nettigkeit aufgehangen. Die Stromkosten werden über die Parkgebühren Quersubventioniert. Das funktioniert aber nur als Mischgeschäft.

Ich hab hier mal mit dem VNB gequatscht. Der meinte, ein 100kW Schnellader kostet so ~110.000€ bis der betriebsfertig da steht. Selbst, wenn das Mittelspannungsnetz das her gibt und nicht *extra* ein Trafo aufgestellt werden muss.
Da muss 'ne Oma lange für Stricken, bis der Invest wieder drin ist.

SüdSchwabe.
--
Kona 64kWh Premium Facelift Acid Yellow GSD - bestellt am 09.September 2019 - abgeholt am 5.Juni 2020

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

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  • Jogi
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Es gibt kein tragfähiges "Geschäftsmodell Ladeinfrastrukturbetrieb".

Du sagst es doch selbst, es geht nur als Quersubvention.
Das Geschäftsmodell muss dann Parkraumbewirtschaftung oder Hotelbetrieb oder Einzelhandel oder Freizeitpark oder, oder, oder... heißen.
Und da gilt es dann einfach, den Invest für die Hardware möglichst gering zu halten und den Stromverbrauch einfach über den Anschlusswert (16A einphasig) zu begrenzen.
Vielfach weiser ist der Narr, der sich seiner Narretei bewusst,
als jener Weise, der sich über alle Narretei erhaben wähnt.

Re: Wirtschaftlichkeit von Ladesäulen

sheridan
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hemü hat geschrieben: Wenn ich also die Errichtungskosten, die Standortmiete , die Stromanschlusskosten,
die Betriebskosten, die Versicherung und die Betriebskosten rechne und eine vorsichtige Auslastung
kalkuliere, dann kann sich eine unternehmerische Investition in einer Ladesäule gar nicht rechnen.
Welche Betriebskosten hast du konkret errechnet ? Und welche Auslastung angenommen?
Ioniq Electric 28, A250e mit 24 kW DC
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