Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Jupp78
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corwin42 hat geschrieben: Ist halt die Frage, ob Ionity nicht trotzdem günstiger dabei gewesen wäre, wenn sie statt der 4 350kW Lader pro Standort etwas kleiner angefangen wären. Ein oder zwei 350kW HPC und der Rest als 175kW oder die 350kW Hypercharger mit zwei mal CCS und Lastsharing hätten es für die ersten 2-3 Jahre sicherlich auch getan. Dann könnte man flexibel je nach Auslastung 350kW oder 175kW Lader nachrüsten.
Ich gehe ganz stark davon aus, dass die IONITY Ladepunkte über Lastmanagement verfügen und die Anschlussleistung deutlich unter der auf dem Papier vorhandenen theoretischen Ladeleistung aller Säulen liegt. Wenn z.B. vier 350kW Säulen da stehen, dann wird es keine Anschlussleistung von 1,4MW im Regelfall geben. Einfach auch weil es praktisch unrealistisch ist, dass an allen vier Säulen gleichzeitig die 350kW abgerufen werden, wird man das auch gar nicht merken. Bei den Tesla-Ladeparks ist das ja auch nicht anders, wobei dort das Lademanagement durchaus gerne mal im Eingriff ist.
Daher liegt das Einsparpotential nur in der Technik der Säule und da werden 350kW keinen riesen Unterschied zu 175kW machen.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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Richtig. Anschluß liegt bei 1.1 MW

P.S.: um Missverständnissen vorzubeugen: bei vier Säulen. Sind sechs vorgesehen werden 1.4 MW installiert. Das könnte bei nur vier installierten und zwei vorbereiteten zum Missverständniss führen, daß Vollabdeckung geplant ist.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

ubit
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1,1 statt 1,4 MW ist nun kein sooo großer Unterschied. Das macht den Braten nicht fett. Zu viel Lastmanagement hat aber Potential Kunden zu vergraulen weil nicht mit der erwarteten Ladeleistung geladen wird. Auch nicht gut.

Ciao, Udo
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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SüdSchwabe hat geschrieben: *hust* Was?
Schon mal auf deutsche Autobahnen geschaut, was da los ist? Von "Nieschenanwendung" kann da keine Rede sein.
Der Verkehr spiegelt ja nicht unbedingt den Ladebedarf wieder. Selbst mit einem Verbrenner vermeiden viele, auf Autobahnraststätten zu tanken, weil es da eben etwas teurer ist.
»Während fast 30Prozent der Verkehrsleistung auf der Autobahn erbracht wird, macht der Kraftstoffabsatz auf der Autobahn gerade einmal 4 Prozent aus«, beklagt der Geschäftsführer der »Tank&Rast«, Dr. Karl-H. Rolfes.
(Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artike ... obahn.html)

Beim aktuellen Preisunterschied zwischen dem Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz einerseits und z.B. IONITY andererseits wird es sogar noch mehr so sein, dass man möglichst vollgeladen zu Hause losfährt und an den teuren Säulen wirklich nur hält, wenn es sein muss.

Außerdem sind nicht alle Autobahnfahrten automatisch Langstreckenfahrten, die über die Reichweite des Autos hinausgehen. Die Statistik zeigt ja auch, dass einzelne Fahrten umso seltener sind, je länger sie sind. Die Fälle, wo wirklich ein HPC auf der Autobahn gebraucht wird, dürften darum relativ selten sein.
Ich schätze mal, dass momentan vielleicht höchstens 5-10% aller Ladevorgänge mit den aktuell in Deutschland fahrenden Elektroautos am HPC auf der Autobahn stattfinden, und das sehe ich schon als sehr hoch gegriffen an. Da denke ich schon, dass man von einer Nischenanwendung sprechen kann - wenn auch natürlich von einer sehr wichtigen. Was die Anzahl der geladenen kWh angeht könnte es zugegebenermaßen tatsächlich etwas anders aussehen, da man natürlich bei längeren Fahrten auch mehr Energie benötigt, als bei gelegentlichen Kurzstreckenfahrten.

Die beschriebene Situation wird sich auch langfristig, jedenfalls relativ zum Gesamtbestand an E-Fahrzeugen, nicht ändern, eher wird es durch noch größere Reichweiten noch weniger Bedarf geben, unterwegs nachzuladen.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Jupp78
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Beim aktuellen Preisunterschied zwischen dem Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz einerseits und z.B. IONITY andererseits wird es sogar noch mehr so sein, dass man möglichst vollgeladen zu Hause losfährt und an den teuren Säulen wirklich nur hält, wenn es sein muss.
Kleine Ergänzung: Daran würde sich selbst bei moderaten Preisen nicht wirklich was ändern, denn die wenigsten betreiben als Hobby ihrem Auto beim Laden zuzusehen. Deswegen wird immer das Motto lauten: So viel wie nötig und dann geht es weiter.

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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Wir hängen uns hier zu sehr an Ionity auf. Die wurden gegründet, damit die zukünftigen Autos von Audi, BMW, Porsche und Mercedes (und wenn es sein muss auch VW) den SCs was entgegenzusetzen haben. Und damit man TESLA nicht hinterherhinkt wurden eben gleich 350kW aufgestellt. Jetzt hat TESLA aber blöderweise auf CCS umgestellt und einige Tesla-Fahrzeuge können an Ionity schneller laden als an den SCs und haben die verstopft. Ionity will (will vielleicht schon, soll) aber keine hohe Auslastung haben, sondern soll "Premiukmunden" sicheres Laden gewährleisten. Volle Ladesäulen sind da eher hinderlich. Deshalb hat man eben versucht "unerwünschte" Kunden zu vergraulen. Das funktioniert ja aus der Sicht auch ganz gut. Wenn man z.B einen etron fährt, bezahlt man deutlich weniger als der "Normalo" und hat die Säulen fast für sich alleine, während die TESLA Säulen voll sind...

Ansonsten: Es gibt verschiedene Motivationen Ladesäulen aufzustellen: Man ist ein Fahrzeugbauer und will einen Service bieten, Man will Kunden locken, man ist Stadtwerke und soll politisch die Säulen fördern, oder man will damit Geld verdienen. Die ersten Drei haben Möglichkeiten die Kosten quer zu finanzieren und haben bei vielen Emobilisten falsche Erwartungen geweckt. Ionity hat vermutlich aus oben erwähnten Gründen den Kurs gewechselt. Schwierig haben es Letztere. Hier wird oft ein Wachstumskurs mit Verlust gefahren, aber das geht auch nur mit starken Investoren im Rücken. Jeder weitere staatliche Eingriff oder Verzerrung, von denen sie nicht auch profitieren bringt weitere Schieflage/Probleme.

Ich habe nichts gegen eine gewisse Planwirtschaft, aber sie muss als Aktivierungsenergie wirken um ein marktwirtschaftliches System zu ermöglichen.

Meiner Meinung nach müsste hauptsächlich ein Punkt angegangen werden: Die leistungsabhängigen Gebühren brechen den meisten Wirtschaftlichkeitsrechnungen das Genick. Das ist ja auch der Grund für manche Akkuinstallationen. Hier wären alternative Lösungen gefordert. Ggf könnten auch Ladeparks, die sich in gewissen Bereichen abregeln lassen als Regelreserve betreiben...

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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Welche leistungsabhängigen Gebühren meinst du ? Das sind bei entsprechender Ausgestaltung einmalige Baukostenzuschüsse. Und können auch selbst erstellt werden. In beiden Fällen ist das eine Investition und auch als solche zu behandeln.

Gruß SRAM
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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@SRAM Wahrscheinlich sind mit leistungsabhängigen Gebühren die Spitzenlastzuschläge gemeint, die, wie ich das so heraus gelesen habe, durchaus mal heftig ausfallen können. Wenn ein Akku da steht und hilft, Lastspitzen über den Trafo zu vermeiden, ist das zwar in der Anschaffung teuer, könnte sich aber mittelfristig rechnen.

SüdSchwabe.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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Der Baukostenzuschuß liegt bei 60 bis 80 € pro kW (da wäre der Trafo mit drin). Dafür stellst du keinen Akkuspeicher hin. Davon abgesehen, daß ein Stück Kupfer oder ein Trafo bei weitem pro kWh nicht so schnell altern, wie ein Akku.

Gruß SRAM
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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@SRAM Es geht nicht um den Bau, sondern um den Betrieb. Wenn sehr viele Autos an einem "Ladepark" oder eben einer Standort von einem Betreiber (bspw. IONITY) laden, wird Netzseitig eine Lastspitze erzeugt. Die auf zu fangen lassen sich die Netzbereiber vergolden. Was glaubst Du, warum der Bäcker aus Schüren (unter Anderem) auch so einen riesigen Akku da hin stellt?

SüdSchwabe.
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