Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Skunkara
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Zur Ferienzeit wird das regelmäßig zu schlimmen Gewaltausbrüchen führen.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Jupp78
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tm7 hat geschrieben: Wie dem auch sei: a) gibt es keine Vorschrift, dass das Laden günstiger als das Tanken sein muss und b) ließe sich die Abgabenlast politisch sehr wohl drücken, wenn man z.B. die Ausnahmen für die EEG-Umlage um Ladesäulen ergänzt. Und wenn noch immer der Diesel im Verhältnis zum Benzin subventioniert wird - warum soll das nicht auch für den Strom gehen?
Das ist beim Strom doch rundrum bereits heute der Fall. Auf Strom liegt eine deutlich geringere Steuerlast, als auf Diesel und Benzin, Ladesäulen werden bezuschusst, E-Autos werden bezuschusst, KFZ-Steuer entfällt … man kann wahrlich nicht behaupten, dass die E-Mobilität nicht bereits heute durch die Allgemeinheit massiv gefördert wird. Dass die Politik irgendwo auch mal Grenzen zieht, kann ich durchaus nachvollziehen. Denn wie du richtig andeutest, es gibt auf der anderen Seite kein Recht auf billige Individualmobilität. Hier müssen Interessen auch abgewägt werden. Irgendwer muss das am Ende auch bezahlen und dem muss man erklären, warum derjenige die Mobilität des Teslafahrers bezahlen soll, wo er sich kaum seinen alten Corsa leisten kann.
SüdSchwabe hat geschrieben: *hust* Was?
Schon mal auf deutsche Autobahnen geschaut, was da los ist? Von "Nieschenanwendung" kann da keine Rede sein.
Ich glaube das war einfach nur missverständlich formuliert. Die Ladestation an der Autobahn ist die Nische, wenn man sich Ladepunkte insgesamt betrachtet und HPCs braucht es praktisch gesehen fast ausschließlich nur an Autobahnen. An der Autobahn selbst braucht es natürlich überwiegend HPCs.

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

ubit
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SüdSchwabe hat geschrieben:
HPCs zum Schnellladen auf Autobahnen werden letztendlich immer eine Nischenanwendung bleiben
*hust* Was?
Schon mal auf deutsche Autobahnen geschaut, was da los ist? Von "Nieschenanwendung" kann da keine Rede sein.
Doch - Nische ;-) Wann immer ich an einem Rastplatz ankomme und die HPCs dort sehe sind sie komplett frei. Von wirklich seltenen Ausnahmen mal abgesehen - dann steht dort EIN ladendes Fahrzeug. Oder ein Tesla der dort nur lädt weil er für den Supercharger 3 km Umweg fahren müsste.

Und wenn tatsächlich dort geladen wird dann halt fast nie mit Fahrzeugen welche die Ladeleistung auch tatsächlich nutzen. Eine Zoe an einem HPC hat dort "eigentlich" nix zu suchen - dafür müssten Ladesäulen mit niedrigerer Leistung daneben stehen - was häufig auch so ist - allerdings sind die 50 kW dann meist von einem anderen Anbieter, also EnBW 50 kW neben Ionity HPCs (bzw. gegenüber). Selbst wenn da mal ein Tesla lädt - auch der nutzt die maximal mögliche Ladeleistung der HPCs nicht wirklich aus.

Insofern sind die dicken HPCs jedenfalls im Moment noch weitgehend "überflüssig" bzw. sie können nur von einem verschwindend geringen Teil der BEVs tatsächlich sinnvoll genutzt werden. Mag sein das sich das mit der Auslieferung der ID-Modelle nun ein wenig ändert. Aber auch das wird zumindest in den nächsten Monaten nur zu einer sehr moderaten Steigerung der Auslastung führen. So hoch wird der Anteil der BEVs die häufig auf Langstrecke gehen einfach nicht sein. Zumindest nicht außerhalb der Urlaubs-Stoßzeiten.

Ciao, Udo
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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@ubit Ich stimme Dir zu, dass im Moment viele HPC nicht ausgelastet sind.Da wurde aber wieder eine Absolutheit angenommen, indem wortwörtlich steht:
HPCs zum Schnellladen auf Autobahnen werden letztendlich immer eine Nischenanwendung bleiben
Und das ist IMHO einfach zu kurz gedacht. Ich schrieb ja schon, dass man es durchaus infrage stellen kann, ob es jetzt notwendig war, dass bspw. IONITY an jedem Standort gleich jetzt vier bis sechs Lader aufstellt - und der EnBW Ansatz nicht vielleicht besser ist, nur einen pro Standort zu haben. Oder ob es zu kurzfristig gedacht ist, nur einen auf zu stellen.

Betriebswirtschaftlich ist kurzfristig der EnBW Ansatz sicher "vernünftiger". Die Frage ist, wie kurz nun "kurzsfristig" ist, wie schnell die Zahlen an eMobilen steigen, dass man zunächst weniger Verluste und dann irgendwann mal vielleicht gewinn machen kann. Und ob EnBW dann die Gekniffenen sind, weil sie zu wenig Umsatz an einem Standort generieren können und dann vielleicht (warum auch immer) keinen weiteren HPC aufstellen können, weil vielleicht der Standort von der elektrischen Anschlussleistung "ausgebucht" ist.

Nochmal: Es musste jedem der Marktteilnehmer klar sein, dass man mittelfristig keinen Blumentopf mit dem Betrieb der Infrastruktur gewinnen kann. Da braucht es einen sehr langen Atem. Wie man die "Durststrecke" durchsteht, was da die richtige Strategie ist, wird die Zeit zeigen. Diese "Probleme" mussten aber allen klar sein - ansonsten waren sie grundsätzlich naiv und gehen zurecht pleite.

Die signifikanten Probleme der Ladeinfrastruktur liegen woanders, eher im Organisatorischen / Administrativen / Logistischen:
- Schlechte Zuverlässigkeit der Systeme
- Ladefürstentümer / mangelndes Roaming
- Squeeze Out von Wettbewerbern durch abenteuerliche B2B Tarife (siehe IONITY, teilweise offensichtlich auch EnBW > siehe Maingau Roaming und "individuelle Straftarife").

SüdSchwabe.
--
Kona 64kWh Premium Facelift Acid Yellow GSD - bestellt am 09.September 2019 - abgeholt am 5.Juni 2020

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

ubit
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Naja - in der jetzigen Form sind HPCs auch langfristig eine Nischenanwendung. Man braucht genug Ladestellen um Spitzenlasten abzudecken. Diese Spitzenlast gibt es aber nur selten - Urlaubszeit halt. In der restlichen Zeit des Jahres wird man selbst bei 100% BEV-Anteil dort nur ein gewisses "Grundrauschen" finden - gelegentliche Ladevorgänge der wenigen Vielfahrer halt.

Das ist auch eines der größten Probleme. Selbst bei einem kompletten Umstieg auf e-Mobilität wird man ein sehr unregelmäßiges Ladeverhalten an den DC-Ladern haben. Betreibt man die Infrastruktur dann "wirtschaftlich" gibt es zu den Stoßzeiten lange Warteschlangen. Stellt man genug Ladesäulen auf um diese Stoßzeiten abzudecken, dann wird es in der restlichen Zeit unwirtschaftlich.

Es gibt ja Untersuchungen darüber wie "häufig" die Menschen tatsächlich längere Strecken fahren. Und mit Reichweiten >200 km ist Ladebedarf auf der Autobahn für Otto-Normalfahrer die absolute Ausnahme. Wenn also für alle BEV-Fahrer sinnvolle Lademöglichkeiten "zu Hause" (oder am Arbeitsplatz oder bei Lidl...) zur Verfügung stehen wird kaum jemand tatsächlich regelmäßig öffentlich schnellladen. Und wenn doch mal, dann halt "alle gleichzeitig" auf dem Weg in den Süden.

Ciao, Udo
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

Jupp78
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SüdSchwabe hat geschrieben: Ich schrieb ja schon, dass man es durchaus infrage stellen kann, ob es jetzt notwendig war, dass bspw. IONITY an jedem Standort gleich jetzt vier bis sechs Lader aufstellt - und der EnBW Ansatz nicht vielleicht besser ist, nur einen pro Standort zu haben.
Das hängt sicher direkt am Geschäftsmodell, welches eben für diese beiden Anbieter nicht das Gleiche ist.
Aus meiner Sicht lautet das Geschäftsmodell von IONITY bzw. der dahinter stehenden Eigentümer E-Autos zu verkaufen und ihren Kunden passende Zusatzleistungen in Bezug auf sicher Laden verkaufen zu können. Mit den aktuell vier bis sechs Säulen ist min. mittelfristig mit hinreichender Sicherheit sichergestellt, dass der Kunde eine freie Ladesäule zu jedem Zeitpunkt zur Verfügung hat. Das ist eine geldwerte Zusatzleistung und ein echtes Argument sich ein E-Auto zu kaufen von einem "Ionity-Hersteller".
Der EnBW geht es darum Stromkunden zu gewinnen und am Markt Präsenz zu zeigen. Da geht es um einen günstigen Strompreis und um Umsatz. Ob die Ladesäule nun besetzt ist oder nicht ist das Problem des Kunden.
Hier geht es sicher auch um zwei unterschiedliche Kundenkreise. Die Schnäppchenlader und die, bei denen der Preis untergeordnet ist und der Komfort wichtiger ist.

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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Ist halt die Frage, ob Ionity nicht trotzdem günstiger dabei gewesen wäre, wenn sie statt der 4 350kW Lader pro Standort etwas kleiner angefangen wären. Ein oder zwei 350kW HPC und der Rest als 175kW oder die 350kW Hypercharger mit zwei mal CCS und Lastsharing hätten es für die ersten 2-3 Jahre sicherlich auch getan. Dann könnte man flexibel je nach Auslastung 350kW oder 175kW Lader nachrüsten.

Ich habe aber keine Ahnung, wieviel sie dadurch wirklich gespart hätten und ob das in Anbetracht der Fördermittel so einfach ist, da je nach Bedarf entsprechende Leistung nachzubauen.

Ich finde auch ganz klar, dass die Politik hier eingreifen muss und Ladesäulen zumindest von der EEG Umlage befreit werden müssten. Wobei ich in Zukunft schon sehe, dass die HPC an den Autobahnen auch stärker ausgelastet werden. Wartet erst mal ab, bis weitere Langstreckenfähige Autos auf den Straßen sind. Man sieht ja schon bei Tesla, dass die Auslastung da schon erheblich besser ist. Wenn ich an einem Standort mit normalen CCS HPCs stehe, wo auch SuC sind, sind die HPCs meist immer komplett leer, die SuC habe ich aber in letzter Zeit in den seltensten Fällen leer gesehen.
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Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

aling
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Unterschiedliche Lader am gleichen Standort setzt aber voraus das die Autofahrer mitdenken bei der Auswahl der Ladesäule. So fährt man an eine freie und bekommt für sein Auto die passende Leistung.
Der Netzanschluß muß ja sowieso für die irgendwann einmal vorhandene maximale Leistung ausgelegt sein. Da fallen die Ladesäulen selber nicht weiter auf.

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

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bei den ganzen Betrachtungen zur Auslastung sollte man eines nicht aus den Augen verlieren: auf Grund der Corona-Situatiion wird sicherlich derzeit weniger gefahren, als das zu "Normalzeiten" der Fall wäre. Es würde mich daher nicht wundern, so es denn mal wieder "Normalzeiten" geben wird, wenn die "Nische" HPC dann auf einmal ziemlich überlaufen sein wird... zudem diese Zeit nach dem Auslieferungsstart des ID.3 sein wird.
Ich sehe es so wie @SüdSchwabe: die Fährnisse der aktuellen Ladeinfrastruktur sind derzeit mehrheitlich in den von ihm genannten Punkte zu suchen:
- Schlechte Zuverlässigkeit der Systeme
- Ladefürstentümer / mangelndes Roaming
- abenteuerliche B2B-Konditionen
Viele Grüße, Stephan

seit dem 24.01.2020 rein elektrisch im BMW i3 - 120Ah unterwegs: die rote Zora

Re: Das neue Problem der Ladeinfrastruktur

ubit
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corwin42 hat geschrieben: Wobei ich in Zukunft schon sehe, dass die HPC an den Autobahnen auch stärker ausgelastet werden. Wartet erst mal ab, bis weitere Langstreckenfähige Autos auf den Straßen sind. Man sieht ja schon bei Tesla, dass die Auslastung da schon erheblich besser ist. Wenn ich an einem Standort mit normalen CCS HPCs stehe, wo auch SuC sind, sind die HPCs meist immer komplett leer, die SuC habe ich aber in letzter Zeit in den seltensten Fällen leer gesehen.
Wird sich halt zeigen ob die SuC nur deshalb ausgelastet sind weil die Menschen mit Bedarf an regelmäßigen Langstrecken halt Tesla kaufen und die übrigen Käufer andere Autos bevorzugen. Tesla-Fahrer sind halt schon eine "besondere Gruppe" - es gab halt lange Zeit keine wirkliche Alternative bei BEVs die relativ hohe Reichweiten mit passablen Ladeleistungen kombinieren. Otto-Normalfahrer kauft in der Regel keinen Tesla wenn er kein (E-)Autofan ist - gerade in Deutschland wo die Markenbindung in der Masse doch relativ hoch ist. Und bisher heißt "langstreckentauglich" halt auch noch eher "Oberklasse" mit entsprechenden Preisen. Mit dem ID.3 kommt nun das erste Fahrzeug welches zumindest theoretisch Langstreckentauglichkeit und "Massenkompatibilität" kombiniert (Preis, Golfklasse).

Ciao, Udo
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