Wo werden die Ladepreise hin gehen?

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Wo werden die Ladepreise hin gehen?

Schüddi
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Ich würde mir gerne eine ernsthafte neutrale Diskussion wünschen ohne einen Vergleich zwischen Verbrenner und BEV oder ähnliches.

Ich beobachte den Markt schon eine Weile und frage mich aufgrund der aktuellen Entwicklung wie es denn nun weiter gehen wird mit der Ladepreisentwicklung. Der Markt ist undurchsichtig und vielseitig, genauso wie ihre Tarife. Bei den Stradtwerken Tübingen z.B. funktionieren (meines Wissens) keine Ladekarten, man muss erst einen QR Code scannen, dann seine Kreditkartendaten angeben und bekommt einen Tarif der bestehend ist aus: Startgebühr, Standgebühr, Preis pro kWh.

Aber auch die großen am Markt haben allesamt die Preise ordentlich erhöht.
Tesla, Maingau, ENBW, die EWE Flat kann ich nicht mehr bestellen und viele mehr. Wenn ich die Zeit hätte würde ich ja mal eine Tabelle mit der Preisentwicklung anfertigen. Vielleicht hat einer von euch die Muse?
Jedenfalls steigen die Preise pro 100km so massiv das ich als nicht Kunde bei der ENBW z.B. Fast bei 10€/100km mit einem e-Golf beispielsweise lande. Das ist locker das doppelt vom daheim laden. Da muss man als Vielfahrer schon rechnen.

Mein Problem ist aber das man aktuell nicht absehen kann wo denn die Fahnenstange ist. Gibt es eine Prognose wo und wann sich das ganze eventuell stabilisieren könnte?
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

Jake1865
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Letztlich wollen die Betreiber der Ladesäulen Geld verdienen.
Wie funktioniert das?
Je mehr pro Säule abgenommen wird, desto niedriger kann der Verkaufspreis sein, um die Säule zu amortisieren.
Je mehr Strom ich einkaufe, desto günstiger der Einkaufspreis.
Natürlich müssen auch noch weitere Parameter berücksichtigt werden, aber die beiden genannten dürften die größten Stellschrauben für den zu kalkulierenden Verkaufspreis sein.

Wenn es mal viele E-Autos gibt, kann der Verkaufspreis deutlich unter 30 Cent/kWh liegen.
Es kommt auch auf den EK an und da hat derjenige Vorteile, der viel Strom kauft und verkauft.
Grundsätzlich lassen sich zukünftig Ladepunke auch mit niedrigem VK rentabel betreiben, wenn genug Abnahme da ist.
Maingau verkauft nach der Erprobungsphase jetzt zu 15 und 25 Cent/kWh. Das kann für die schon rentabel sein, wenn genug Kunden die Karte benutzen.


Gruß Jake
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

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Genau in dem Bereich zwischen 15-25ct/kWh erwarte auch ich langfristig die Preise.
e-Golf am 29.9.2017 bestellt, Abholung 1/2018 in DD. VW Code: VDRWLSAH

Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

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Da ich selbst Ladesäulen betreibe, weiß ich, dass man im AC Bereich ca. 10cent über Stromeinkauf braucht, um eine Wirtschaftlichkeit dazustellen. Nun ist die Ladesäule ein Letztverbraucher und hat den selben Strompreis wie wir daheim, also würde ich mal mit Preisen um 35-40cent/kWh rechnen.
Im DC Bereich ist mir eine Preisfindung unmöglich, das sich dort für mich keine Wirtschaftlichkeit darstellen lässt.
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

ubit
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Tho hat geschrieben:Nun ist die Ladesäule ein Letztverbraucher und hat den selben Strompreis wie wir daheim, also würde ich mal mit Preisen um 35-40cent/kWh rechnen.
??? Wenn ein Energieversorger die Ladesäule betreibt wird er wohl kaum im Einkauf den selben Strompreis haben wie wir daheim, oder? Ich gehe da eher von 10-20 Cent pro kWh aus. Ca. 10 Cent bei Energieversorgern, <20 Cent bei Wiederverkäufern.

Aber es hängt halt alles vom Einkaufspreis, ggf. Be- und/oder Entlastungen bei den Energiesteuern, Investitionskosten für die Ladesäule und - vor Allem - von der Auslastung ab. Ich versuche mal etwas zu rechnen:

Auslastung 10%, 2 Anschlüsse, 22 kW:
Theoretische Abgabe pro Tag: 1056 kWh. Auslastung 10% => 105,6 kWh Mal 365 Tage im Jahr = 38544 kWh im Jahr
Bei einem "Aufpreis" auf den Einkaufspreis von 10 Cent also ein Überschuß von 3854,40 € pro Jahr. Rechnet man das auf eine Amortisationszeit von 5 Jahren sind das fast 20000 € für eine Ladesäule. Davon gehen dann noch die Kosten für Wartung und ggf. für das "Grundstück" ab.

Bei 20% Auslastung verdoppeln sich die Erlöse. Dann sind wir schon bei 40000 € in 5 Jahren - das sollte eigentlich mehr als kostendeckend sein für eine 2*22kW-Säule inkl. Wartung - zumindest wenn die Teile vernünftig und "langlebig" konstruiert sind.

Bei einer 150 kW Säule, 2 Anschlüsse, 10% Auslastung sieht es dann so aus:
Theoretische Abgabe pro Tag: 7200 kWh. 10% Auslastung => 720 kWh pro Tag. 365 Tage => 262800 kWh im Jahr, also 26280 € bei 0,1 € Aufpreis. Mal 5 Jahre = 131400 €.
Das ist doch schon mal eine Hausnummer... Entsprechend mehr wenn die Auslastung steigt. Ich denke langfristig kann man auf 30-40% Auslastung im Durchschnitt kommen. Das sind dann schon ganz nette Summen...

Auch wenn die Investitionskosten bei Säulen mit höheren Ladeströmen natürlich höher sind sehe ich keinen wirklichen Grund warum DC-Ladung teurer sein sollte als AC-Ladung. Eher im Gegenteil weil man bei gleicher Auslastung DC einfach viel mehr Strom verkaufen kann als AC. Die Investitionskosten kann man zumindest an "guten" Standorten reduzieren wenn man mehr Anschlüsse anbietet - das senkt die Kosten pro Anschluss etwas.

Ich denke wenn sich die e-Mobilität langfristig durchsetzen soll MÜSSEN die Preise an öffentlichen Ladesäulen gleichauf mit dem heimischen Laden sein. Ansonsten hätten "Laternenparker" einen deutlichen Kostennachteil - und das wird man "dem Volk" kaum vermitteln können.

Ciao, Udo
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

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  • Tho
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ubit hat geschrieben:??? Wenn ein Energieversorger die Ladesäule betreibt wird er wohl kaum in Einkauf den selben Strompreis haben wie wir daheim, oder?
Doch, genau das hat er. Die Ladesäule ist ein Letztverbraucher.

Natürlich ist es irgendwo "linke Tasche - rechte Tasche", wenn der Netzbetrieb auch zum Firmengeflecht gehört. Trotzdem zahlt er die Netzkosten (und Stromsteuer, und EEG Umlage und..) auch erstmal und muss sie in den Ladepreis einkalkulieren.
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

Jake1865
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Tho hat geschrieben:
ubit hat geschrieben:??? Wenn ein Energieversorger die Ladesäule betreibt wird er wohl kaum in Einkauf den selben Strompreis haben wie wir daheim, oder?
Doch, genau das hat er. Die Ladesäule ist ein Letztverbraucher.

Natürlich ist es irgendwo "linke Tasche - rechte Tasche", wenn der Netzbetrieb auch zum Firmengeflecht gehört. Trotzdem zahlt er die Netzkosten (und Stromsteuer, und EEG Umlage und..) auch erstmal und muss sie in den Ladepreis einkalkulieren.
Wir haben eine Einkaufspreis von ca. 19 Cent Brutto, weil wir Großverbraucher sind.
Damit können wir gut Geld verdienen, wenn wir den Strom zunächst für 30 Cent und bei genügend Abnahme für <25 Cent verkaufen.
Energieversorger zahlen noch wesentlich weniger für den Strom, soweit mir das bekannt ist.

Was meinst du mit Letztverbraucher? Gibt es da eine gesetzliche Vorgabe für einen festen Strompreis?
Gruß Jake

PS: @ubit: Super Rechnung, habe ich auch so ähnlich für unsere 10 Ladepunke, die wir demnächst betreiben wollen, so durchgerechnet. Mit dem gleichen Ergebnis.
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Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

witt18
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tstr hat geschrieben:Genau in dem Bereich zwischen 15-25ct/kWh erwarte auch ich langfristig die Preise.
Warum sollte der Strom an einer öffentliche Ladesäule günstiger abgegeben werden als zuhause? Das setzt nur Fehlanreize, weil dann auch diejenigen eine öffentliche Ladesäule belegen, die problemlos zuhause laden könnten.
ubit hat geschrieben:Auch wenn die Investitionskosten bei Säulen mit höheren Ladeströmen natürlich höher sind sehe ich keinen wirklichen Grund warum DC-Ladung teurer sein sollte als AC-Ladung.
Das Verhältnis von Normal- und Schnellladesäulen liegt bei etwa 10:1 und wenn ich die Planungen richtig sehe ist das auch für die Zukunft so erwünscht. Damit die vorhandenen Schnelllader möglichst gut verfügbar sind würde ich den Preis als Steuerungsinstrument sehen: wer genug Zeit hat, der soll einen Anreiz haben, eben nicht am Schnelllader zu laden sondern woanders.
Zuletzt geändert von witt18 am Fr 1. Feb 2019, 10:52, insgesamt 2-mal geändert.

Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

Isomeer
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Für mich sind die aktuellen Preissanstiege und die absehbar kommenden (Kohleausstieg - und sei es auch nur als politische Begründung im Sinne von "ätschbätsch, das habt ihr jetzt davon...") ein Grund mehr, beim nächsten BEV so viel wie möglich Reichweite und Effizienz zu kaufen.
In diesem Sinne geht nach dem I3s und dem Smart und nach heutiger Situation, eigentlich kein Weg an Tesla vorbei.

Re: Wo werden die Ladepreise hin gehen?

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Rechnung unter der Annahme einer 50%-igen Senkung der Kosten für die nackte Säule am Beispiel einer 50 kW Station:
Ladestation.JPG


Gruß SRAM

https://esl-shop.de/de/ecotap-dc-ladest ... gJoevD_BwE
Zuletzt geändert von SRAM am Fr 1. Feb 2019, 10:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Schwarzwald gegen Wind: https://www.youtube.com/watch?v=7jEQii_9yWw
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