Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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ubit
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Jo - meine Rede *g*

Ich stelle mir das so vor:

Ladesäulen werden von "Netzbetreibern" aufgestellt und betrieben. Die "Aufsteller" sind ähnlich zu behandeln wie Netzbetreiber im Stromnetz. Ihr "Geschäft" besteht ausschließlich darin die Ladesäulen aufzustellen, zu betreiben und die relevanten Daten für die Abrechnung zu sammeln bzw. eine Authentifizierung über EINE zentrale Authentifizierungsstelle durchzuführen. Vorrangig direkt mit Hilfe der Fahrzeug-ID. Alternative Authentifizierungen könnten angeboten werden - machen aber bei einem funktionierenden Markt nur für Pfennigfuchser (heute eher "Centfuchser") Sinn da die Preisunterschiede einfach zu gering sein werden. Ansonsten wären solche Authentifizierungsmöglichkeiten eher mit "Tankkarten" wie sie von Firmen/Flotten verwendet werden vergleichbar - mit ähnlich geringen Rabattmöglichkeiten.

Also Anstecken=>Lädt

Dafür bekommen die Betreiber eine "Durchleitungsgebühr" - ganz ähnlich den Stromnetzbetreibern beim "Haushaltsstrom". Plus ggf. einen Investitionskostenzuschuss/staatliche Förderung.

Vermutlich macht es Sinn diese "Durchleitungsgebühr" nach (möglicher) Ladeleistung der Säulen abzustufen. Betreiber von Ladesäulen mit hoher Leistung bekommen mehr, Betreiber von einfachen AC-Säulen deutlich weniger. Nennen wir das "Ladesäulen-Netzentgelt".

Den Strom verkaufen dann die ganz normalen Stromanbieter an den Endkunden. Im einfachsten Fall kommt der Strom an der Ladesäule dann vom selben Stromanbieter wie der Strom zu Hause. Der Preis für diesen Strom wird ist dann der Haushaltsstrompreis - "normale Netzentgelte" (knapp 1/4 des Preises) + Ladesäulen-Netzentgelte.

JEDER Stromanbieter würden dann an JEDER Ladesäule "seinen Strom" anbieten. Die Folge: Echter Wettbewerb bei dem vermutlich nach kurzer Zeit die Kosten/kWh sich in einer eng begrenzten Preisspanne einpendeln würden.

Für die Ladesäulenbetreiber gäbe es eine klare Kalkulationsgrundlage. Die Einnahmen wären praktisch ausschließlich abhängig von der Auslastung der Säulen. Auf den Abgabepreis hätten die Betreiber ja keinen Einfluss mehr. Im eigenen Interesse würden die Anbieter daher höher frequentierte Standorte bevorzugen und versuchen die Kosten für den Betrieb möglichst niedrig zu halten. Ganz anders als aktuell wo aus dem Ruder laufende Kosten einfach durch höhere Preise kompensiert werden können (zumindest versucht man es). Bürgermeistersäulen an "unsinnigen Standorten" würden aussterben weil sie halt unwirtschaftlich sind.

Ggf. müsste man - ähnlich dem Mobilfunk/Internet - dann irgendwann Fördermaßnahmen einführen um auch "unrentable Standorte" mit Ladesäulen auszustatten. Aber das ist ja nichts wirklich Neues.

Für den Kunden wäre der größte Vorteil: Es kann prinzipbedingt bei diesem Modell kein lokales Ladesäulen-Monopol geben. Bzw. wäre ein solche Monopol ohne Einfluss auf die Preise da diese ja von den Stromanbietern bestimmt werden und nicht von den Säulenbetreibern.

Für die Anbieter würde sich auch Vieles vereinfachen. Ein gemeinsames, einheitliches Backend für Authentifizierung und Datenerfassung würde die Software deutlich vereinfachen. Das Ausfallrisiko von Zahlungen läge auch nicht mehr beim Säulenbetreiber sondern bei den Stromlieferanten. Hotline könnten die Anbieter komplett zentralisieren. Sie müssten sich tatsächlich nur noch um die Funktionsfähigkeit der Säulen kümmern.

Der zentrale "Authentifizierungsserver" würde auch Daten über Störungen und aktuelle Belegung etc. enthalten. Mit einer offenen Schnittstelle abfragbar "für Alle" - ganz ähnlich der offiziellen Benzinpreisdatenbank.

Ciao, Udo
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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ubit
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SüdSchwabe hat geschrieben:
Do 30. Jan 2020, 15:28
Und wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, ist es das aber auch nicht. Das Problem ist: Niemand will sich beschäftigen. Alle wollen alles mit dem Silberlöffelchen mundgerecht und wohltemperiert in den Mund geschoben bekommen.
Eben - Niemand WILL sich damit beschäftigen. Niemand will, dass "e-Auto laden" komplizierter ist als "Verbrenner tanken". Fortschritt sollte doch auch eigentlich zu einer Verbesserung führen - nicht zu einer Verschlechterung.

Für Otto-Normalfahrer ist die aktuelle Situation erstmal eine hohe Hürde die Viele davon abhält sich ein e-Auto zuzulegen. Insbesondere weil derzeit Niemand wirklich abschätzen kann wohin sich die Preise an den Ladesäulen entwickeln. Im Gegensatz zu Benzin/Diesel wo die Menschen sehr viele Jahre Erfahrung mit der Preisentwicklung haben und die Preise sich nur relativ langsam und in geringem Umfang verändern. Ob man 1,40 €/Liter oder 1,80 €/Liter bezahlt ist ein kleiner Unterschied gegenüber 0,25 € vs. 0,79 € pro kWh.

Ciao, Udo
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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ubit hat geschrieben:
Do 30. Jan 2020, 15:37
Eben - Niemand WILL sich damit beschäftigen. Niemand will, dass "e-Auto laden" komplizierter ist als "Verbrenner tanken". Fortschritt sollte doch auch eigentlich zu einer Verbesserung führen - nicht zu einer Verschlechterung.
Um beim Bild zu bleiben: Jo, war schon eine enorme Verschlechterung, als man sich mit den Mobilfunktarifen beschäftigen musste. Es wäre einfach besser gewesen, wenn die Post einen für alle gültigen Einheitstarif für "portable Fernprecheinrichtungen" festgesetzt hätte und den dann in aller Regelmäßigkeit an die allgemeine Preisentwicklung angepasst hätte. So war ja klar, dass sich das nie durchsetzen konnte....

(Ich hoffe Du verstehst, was ich meine.)

SüdSchwabe.
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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ubit
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SüdSchwabe hat geschrieben:
Do 30. Jan 2020, 15:44
Um beim Bild zu bleiben: Jo, war schon eine enorme Verschlechterung, als man sich mit den Mobilfunktarifen beschäftigen musste.
Ironie ist hier unangebracht. Es WAR eine enorme Verschlechterung. Manche Anbieter haben damals ebenfalls "Mondpreise" aufgerufen. Dazu kam dann das "Kostenrisiko" Auslandsroaming. Man hat damals ja zum Teil erhebliche Kosten gehabt wenn man z.B. aus dem Ausland angerufen wurde. U.v.m.

Letztendlich "musste" regulierend eingegriffen werden weil "der Markt" das nicht geregelt hat. Es war nämlich für viele Kunden einfach zu kompliziert. Wir erinnern uns z.B. auch ans Festnetz. Call-By-Call gab es damals mit teilweise sehr unübersichtlichen Tarifen. Die Kosten waren tageszeitlich unterschiedlich, abhängig davon wo sich der Angerufene befand etc. Unübersichtlich. Kompliziert. Kundenunfreundlich.

Die aktuelle Situation an den Ladesäulen ist nur unwesentlich besser.

Denk' doch 'mal ein wenig über den Tellerrand hinaus! Die meisten Menschen wollen sich nicht mit dem Auto beschäftigen. Das ist ein simples Werkzeug um von A nach B zu kommen. Getankt wird wenn die Lampe an ist. Meist immer an der selben Tankstelle. Wer sparen möchte achtet auf Tageszeit und Preise - wer das nicht macht zahlt halt im Durchschnitt verschmerzbare 5-10% mehr. An den Ladesäulen kann ein Ladevorgang 0 € kosten oder - wenn es ganz dumm läuft - auch mal >100 €. Das ist einfach ein völlig unhaltbarer Zustand.

Ciao, Udo
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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ubit hat geschrieben:
Do 30. Jan 2020, 15:34

Ich stelle mir das so vor:

Ladesäulen werden von "Netzbetreibern" aufgestellt und betrieben.
Herzlichen Glückwunsch - ich hoffe, dass es nie in der Masse so sein wird!

Schaut Euch doch an, wo die Säulen der Netzbetreiber so sind. Das sind doch dann die sogenannten 'Bürgermeistersäulen' die irgendwo vor einem Rathaus stehen. Ich habe hier monatelang gekämpft, damit eine Säule nicht vor ein schon 10 Jahre geschlossenens Freibad kommt. Jetzt steht sie da und gammelt unter einem Baum vor sich hin - schön dreckig vom Saft der Blattläuse. In unserer Kernstadt - mit etwa 6000 Einwohnern - gitbt es genau eine öffentliche Säule. Die ist vom Netzbetreiber und steht in einer kostenpflichtigen Tiefgarage, hat keinen RFID-Leser und kann daher nur schlecht mit App gestartet werden.

Die haben doch überhaupt keinen Bock dazu und machen es lediglich als Pflichtprogramm. Wenn wir auf die warten, können wir noch lange warten. Nein, dass muss die Privatwirtschaft machen, sonst wird das nix. Denkt Euch nur mal Ionity und Fastned weg - was bleibt denn da noch großartig? Ein paar Innogy DC-Lader, die ständig offline sind - von EOn mal ganz zu schweigen. Einzig die EnBW macht ihre Sache ganz gut.
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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Nochmal: Wir sind hier immer noch in einem sich entwickelnden Markt. Der Gesetzgeber wird jetzt noch nicht hier eingreifen. Er wird dem Markt eine Weile geben und dann regulierend eingreifen. Denn wenn man jetzt schon zu sehr reguliert, wird der Markt abgewürgt, bevor er sich richtig entwickelt.

Einfach mal ein bisschen Abwarten. Es wird werden.

Ihr fordert schon wieder die perfekte Lösung von Anfang an, die Euch auf dem Silbertablett mundgerecht serviert wird.
Die wird es nicht geben.

SüdSchwabe.
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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Ähem - jetzt bin ich aber etwas ratlos...
Jetzt bedanken sich noch welche für Deine Aussage des Abwartens?

Hatten wir (die Betreiber) jetzt nicht seitenlang genau das Gegenteil vorgehalten bekommen? Eben nicht abzuwarten, sondern alles schon im vornherein zu wissen?
Jetzt also doch einfach weitermachen und dann den Gesetzgeber irgendwann einmal sagen lassen, wie er sich das vorstellt? Und dann wieder alles neu machen, weil es irgendwelchen Anforderungen nicht entspricht?

Oder meinst Du mich nicht?
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Re: Anfang vom Ende des Lade-Preis-Chaos?

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Lieber @Schwani, lieber @SüdSchwabe, dann will ich mal klarstellen, wofür ich mich bedankt habe: Für die Aussage, dass der Markt ein bisschen Zeit braucht und man deshalb nicht vorschnell nach Regulierung rufen muss.

Die Betreiber auf der anderen Seite sollten diese Zeit nutzen und ihre Tarif- und Geschäftsmodelle möglichst schnell weiterentwickeln! Das ist das Gegenteil von Abwarten. Über kurz oder lang wird sich unter den Betreibern ein Konsens herausbilden, welche Tarif- und Geschäftsmodelle tragfähig sind, und welche nicht. Parallel dazu wird eine Konsolidierung unter den Anbietern stattfinden, manche werden sang- und klanglos verschwinden, andere werden übernommen werden oder sich zusammenschließen. Das alles muss und wird in den nächsten paar Jahren passieren, und das hat mit Abwarten nichts zu tun.

Wir als Nutzer hingegen haben kaum eine Wahl, als abzuwarten (und durch unser Nutzungsverhalten "mit den Füßen abzustimmen"). Und auch der Gesetzgeber tut gut daran, abzuwarten und die Kräfte des Marktes ihre Arbeit tun zu lassen, bevor man sich auf eine angemessene Regulierung festlegt. So habe ich @SüdSchwabe verstanden und in dem Punkt stimme ich ihm zu.

P.S. Wenn eichrechtskonforme Hardware bei Deinem Anbieter zu teuer ist, dann schau Dir mal die Ladestationen von Ebee an (nur AC, bis 22 kW). Die Inselwerke eG verwendet die seit Jahren (deutschlandweit 80+ Ladepunkte) und konnte sie aktuell vergleichsweise preiswert auf- und umrüsten, um alle aktuellen Anforderungen zu erfüllen.
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