Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

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Das Geschäftsmodell ist mittelfristig sicher nicht einfach. Langfristig sehe ich jedoch viele Faktoren, die in die richtige Richtung zeigen:

Größere Stückzahlen führen zu geringeren Kosten für die Hardware.

Mehr Ladepunkte pro Standort (ich schätze, dass es an Autobahnraststätten bis zu 100 geben wird) heißt, dass die Investitionen pro Ladepunkte viel geringer sind.

Mehr Ladepunkte pro Standort werden möglicherweise ein Lastmanagement erlauben.

Dichteres Netz bedeutet auch geringere Wartungskosten pro Ladepunkt.

Mehr Ladepunkte, die dann hoffentlich zuverlässiger funktionieren, heißt, dass weniger Headquarterkosten pro Ladepunkt anfallen.

Und last but certainly not least - die Nachfrage wird zu einer deutlich höheren Auslastung führen.
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Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchaltbar?

TeeKay
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Spiekie hat geschrieben: hmm, ich denke das können die meisten Firmen noch ewig machen. Kann sich eine Firma ein besseres Abschreibungsobjekt für die Steuerabrechnung vorstellen?
Es muss doch nur auf der anderen Seite ein zweiter Betriebszweig stehen der operatives plus macht und schon rechnet es sich perfekt.
Du hast das Prinzip glaube ich nicht verstanden. Ein Abschreibungsobjekt macht nur dann Sinn, wenn
a) du temporär erhöhtes zu versteuerndes Einkommen hast
b) du das Abschreibeobjekt nur virtuell im Wert minderst, um die Steuerlast zu senken, es real aber nicht so viel an Wert verloren hat, wie du abschriebst

Wenn du das Geld, das deine Steuerlast mindest, tatsächlich verloren hast, wie es die Ladesäulenbetreiber im operativen Geschäft tun, bringt dir die steuerliche Abschreibungsmöglichkeit auch nichts. Da wäre es dann günstiger gewesen, die Steuern zu bezahlen, die stets niedriger sind als der abzusetzende Verlust.

Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

smarty79
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Wenn ich das richtig verstehe, sind die Ladesäulen in D ja Letztverbraucher und es gibt keine Rabatte auf Netzentgelte etc. Aber an wen zahlt z.B. innogy denn die Netzentgelte, wenn die Ladesäule im Gebiet von Westnetz liegt?
e-Up! style am 02.07.20 in WOB abgeholt.

Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

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An Westnetz natürlich.
Twizy seit 3/2015, Zoe Q210 12/2015-11/2017, Ioniq 12/2017-2/2020, Kona seit 2/2020
CF Box 43kW Typ2 Kabel / 22kW Typ2 Buchse / 2x32A CEE / 2x CEE blau

Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

Elektrivirus
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ZoeDoktor hat geschrieben: ... 2018 setzte Smatrics 5,2 Millionen Euro um. Erlöse, d.h. Einnahmen waren 1,7 Millionen. Verlust war 3,5 Millionen. Wie lange können das die Ladestellenbetreiber in Kontintentaleuropa noch durchhalten....
Hmm… weiß man, wieviel der 5,2 Mio Umsatz für die Errichtung neuer Standorte oder die Ertüchtigung/Erweiterung bestehender drauf ging?
Ich meine welche Betriebskosten der bestehenden Infrastruktur stehen den 1,7 Mio Einnahmen gegenüber?

Re: Ökonomie der Betreiber: Verluste wie lange noch durchhaltbar?

SnowyZoe
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Elektrivirus hat geschrieben:
ZoeDoktor hat geschrieben: ... 2018 setzte Smatrics 5,2 Millionen Euro um. Erlöse, d.h. Einnahmen waren 1,7 Millionen. Verlust war 3,5 Millionen. Wie lange können das die Ladestellenbetreiber in Kontintentaleuropa noch durchhalten....
Hmm… weiß man, wieviel der 5,2 Mio Umsatz für die Errichtung neuer Standorte oder die Ertüchtigung/Erweiterung bestehender drauf ging?
Ich meine welche Betriebskosten der bestehenden Infrastruktur stehen den 1,7 Mio Einnahmen gegenüber?
Das würde mich auch interessieren, aber ich kann von Smatrics keinen Jahrebericht finden.
Und auch der Fastned Jahresbericht lässt so einige Fragen offen. Hier gibt es bspw. fast 25 Mio an "non current assets", also Investitionen die sich innerhalb des Geschäftsjahres nicht amortisieren. Bei den Ladestationen sind dies gut 23,5 Mio (net book value), allerdings sind fast 6 Mio davon "im Bau" (construction in progress), ich bin mir also nicht sicher ob diese in den 25 Mio gesamt nun enthalten sind oder nicht.
Und gibt es in den Niederlanden keine Förderung zum Aufbau der Infrastruktur? Von Deutschland gab es in 2018 für Fastned gut 1 Mio an Förderung. In 2017 gab es von der EU "nur" 640 k. Eine Förderung seitens der Niederlande wird nicht erwähnt.

Ich bin eben auch mal den Jahresbericht der Stadtwerke München für 2018 überflogen (https://www.swm.de/privatkunden/unterne ... ichte.html). Auch hier gibt es keine detaillierten Angaben wieviel in die Säulen investiert wurde, wieviel Förderung es gab, wieviel Strom über die Säulen verkauft wurde etc. Die SWM sind ein Mischkonzern welcher ÖPNV (MVG), Schwimmbäder, Strom, Internet, Gas etc. beinhaltet und welcher der Stadt München gehört.
Beim Strom wurde der Umsatz auf 2483 Mio (!) gesteigert (von 2021 Mio in 2017), der Gesamtumsatz in 2018 betrug 8334 Mio. Strom ist also gut ein Viertel des Geschäfts (nur mit Gas wird noch mehr Umsatz gemacht, nämlich 4223 Mio). Der ÖPNV bspw. trägt nur 547 Mio zum Umsatz bei, ist aber, laut Kommentar im hinteren Teil des Berichts, selbsttragend. Schwimmbäder tragen nur 20 Mio bei und sind üblicherweise defizitär (zumindest wird das üblicherweise so behauptet, aus dem Bericht geht das nicht hervor).
Insgesamt hat die gesamte Gruppe SWM also 8334 Mio Euro Umsatz (da sind Strom- und Energiesteuer schon rausgerechnet), EBIT ist 522 Mio, davon bleiben knapp 225 Mio Gewinn wovon knapp 159 Mio "an den Betrieb gewerblicher Art U-Bahnbau und -verpachtung der LHM (Landeshauptstadt München)" abgeführt wurden.
Zugegebenermassen haben die SWM fast nur AC-Lader in Betrieb (350 Stück in 2018). Aber wenn das Geschäft damit defizitär ist, dann scheint sich dies in den Zahlen eines Mischkonzerns gut verstecken zu lassen. Und wenn es dramatisch defizitär wäre, dann würde dies in einem Jahresbericht üblicherweise Erwähnung finden. Da dem nicht so ist gehe ich davon aus, dass die Verluste mit der Ladeinfrastruktur sich in Grenzen halten und die Perspektive besteht dass sich die Infrastruktur mittelfristig selbst trägt bzw. bezahlt macht. Eine ganz normale Investition also. (in 2018 wurde übrigens bei den SWM an den Ladestationen noch nach Zeit bezahlt).

Bevor man also davon ausgeht, dass Ladestationen kurz-, mittel oder gar langfristig defizitär sind würde ich gerne erstmal von einem Unternehmen die detaillierten Zahlen sehen. In Deutschland gibt es ja eine nicht unerhebliche Förderung die dort ebenfalls noch reingerechnet werden müsste.
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