Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Alles rund um die Batterie und Reichweite des Renault ZOE

Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Solaris_75 » Di 5. Jan 2016, 23:40

Hallo zusammen,

ich sehe gerade dass sich im Augenblick sehr viele Threads darum drehen, dass die Reichweite bei Kälte dramatisch sinkt und das Laden bei Kälte auch keine Freude bereitet.

Ich komme nämlich gerade von einem Kurzurlaub welchen ich eigentlich mit dem Zoe absolvieren wollte aber die Strecke dann doch mit meinem Stinker aus purer Angst gemacht habe.

Die Strecke wäre ca. 100 km gewesen was der Zoe vermutlich geschafft hätte, da aber in den Nachrichten am Montag von vielen Unfällen und Staus die Rede war wollte ich mir nicht vorstellen 2 Stunden im Stau zu stehen und der Batterieanzeige zuzugucken wie sie langsam gegen 0 geht.
Auch hatte es an meinem Zielort nur eine Schnelladesäule gegeben, da dann mehrere Stunden zu warten - war ein gottverlassenes Dorf - bis der Akku voll gewesen wäre wollte ich dann mir und meiner Frau bei den Temperaturen nicht antun.

In solchen Situationen kann ich dann auch die E-Auto-Kritiker verstehen. Wir sehen halt doch vieles durch eine rosarote Brille und reden uns viel schön.
Es ist einfach schwer jemanden zu verklickern, dass ein Auto welches eigentlich 240km schaffen sollte im Winter vielleicht nur 100 schafft, oder statt 30min Ladezeit plötzlich 3 Stunden braucht wenn der Akku kalt ist.
Auch finde ich dass mein Octavia bei 100kmh auch nicht recht viel lauter ist als der Zoe oder ich in Erklärungsnot komme warum das Auto wenn es im Stand heizt lauter ist als jeder mir bekannte Diesel und die Marder Reißaus nehmen wenn sie den Zoe beim Laden "zuhören"...ach du leise E-Mobilität...

...oh ich schweife vom eigentlichen Thema ab, sorry...

...ja, warum steht dem Zoe bei Kälte weniger Energie zur Verfügung wie bei warmen Temperaturen?

Folgendes Gedankenspiel:

Ich habe eine Garage mit 20°C wo ich den Zoe randvoll auf 100% auflade. Anschließend fahr ich ihn bei 20° Aussentemperatur und konstant 80km/h, ohne Klimaanlage, bis die 0% angezeigt werden sagen wir 170km weit.

Im anderen Fall lade ich in einer 20 C° temperierten Garage den Zoe randvoll auf 100% und stelle ihn dann über Nacht ins Freie bei -10°C. Am nächsten Tag fahre ich ihn dann bei -10°C Aussentemperatur und konstant 80km/h, ohne Klimaanlage, bis 0% angezeigt wird nur 100km.

Wo ist die Energie geblieben, bzw. in welche Energieform wurde sie umgewandelt, oder steckt sie noch im Akku und kann oder darf nicht abgerufen werden - in beiden Fällen war ja gleich viel Energie in den Akkus vorhanden aber bei Fall eins wurde die Energie in 170km Bewegungsenergie umgewandelt und in Fall zwei nur in 100km Bewegungsenergie.

Noch dazu kommt doch dass elektrische Maschinen effektiver arbeiten wenn es kalt ist und auch der Leitungswiderstand ist bei Kälte geringer.
Würde mich freuen wenn mir jemand diesen Sachverhalt erklären könnte.

Grüsse und danke

Solaris_75

P.S. damit ihr mich nicht falsch versteht...ich und sogar meine Frau sind absolute Zoe Fans und wir bereuen den Kauf keine Sekunde, aber gerade jetzt bei Kälte braucht man schon starke Nerven wenn man sich an der Reichweitengrenze des Zoes bewegt...
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon umberto » Di 5. Jan 2016, 23:44

Du kannst einem kalten Akku einfach weniger Energie entnehmen, bis die untere Spannungsgrenze erreicht wird. Das ist die Physik. Dagegen hilft bedingt eine Akkuheizung, die aber auch wieder Energie kostet und die sich Renault bei der Zoe gespart hat.

Dazu kommt noch, daß Du im Winter schlechter rekuperieren kannst, weil der kalte Akku nicht so viel Strom aufnehmen kann (deswegen verlängern sich auch die Ladezeiten).

Und am Schluß brauchst Du noch mehr Energie, weil die Heizung ab und zu mal durch einen PTC (=Heizwiderstand) unterstützt werden muss, Dein Rollwiderstand höher ist, weil die kalten Lager schlechter laufen und eine nasse Straße dem Reifen mehr Widerstand entgegensetzt als eine trockene.

Das trifft den Verbrenner alles auch, aber weil Du da von 6l/100 km eh 4-5 l/100 km für die Umweltheizung verwendest, fallen Dir die kleinen Deltas beim Verbrauch nicht so auf.

Gruss
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Solaris_75 » Di 5. Jan 2016, 23:59

...danke für die schnelle Antwort,

ok, das würde dann aber doch bedeuten, wenn ich den Akku bei -10°C auf 0% leergefahren habe und Ihn dann für einen Tag in eine +20°C Umgebung stelle müsste ich doch dann die restlichen 70km bei 20°C noch fahren können. Die Randfaktoren wie Klimaanlage, Nässe, Reifen, Reku wollte ich bewusst für das Gedankenspiel ausblenden.
In beiden Akkus war ja zu Anfang gleich viel Energie gespeichert - die kann ja nicht "verbraucht" sondern nur umgewandelt werden....

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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Tho » Mi 6. Jan 2016, 00:05

umberto hat geschrieben:
Das trifft den Verbrenner alles auch, aber weil Du da von 6l/100 km eh 4-5 l/100 km für die Umweltheizung verwendest, fallen Dir die kleinen Deltas beim Verbrauch nicht so auf.
Gruss
Umbi

So klein ist das Delta beim Verbrenner auch wieder nicht. Fahrt mal mit einem nicht vorgewärmten, ausgekühlten Verbrenner bei -10C los und beobachtet den realen Verbrauch auf den ersten 5-15km. :roll:
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon umberto » Mi 6. Jan 2016, 00:12

Solaris_75 hat geschrieben:
Ihn dann für einen Tag in eine +20°C Umgebung stelle müsste ich doch dann die restlichen 70km bei 20°C noch fahren können.


Auf jeden Fall wäre wieder was "drin", ob Du alle 70 km wieder rausbekommst, bezweifle ich, weil die Effekte nichtlinear sind.

Tho hat geschrieben:
So klein ist das Delta beim Verbrenner auch wieder nicht. Fahrt mal mit einem nicht vorgewärmten, ausgekühlten Verbrenner bei -10C los und beobachtet den realen Verbrauch auf den ersten 5-15km. :roll:


Schon, aber der Verbrenner fängt sich über längere Strecken und ein Reichweiteneinbruch von 600 auf 500 km ist weniger gravierend als einer von 150 auf 100.

Gruss
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Chip-Tuning » Mi 6. Jan 2016, 00:19

@ Solaris_75 Ich fahre selbst erst seit 2 Monaten den R240, für eine Strecke von ca.100 km mache ich mir auch bei den minus Temperaturen keine Sorgen.
Fahrzeug steht im Freien zeigt nach laden 99-89km an wenn ich dann eine Strecke auf 90km zurück lege steht Rest von 35-40km.
Das Laden ist dann auch so schnell wie wenn es warm ist. Selbe Strecke vollgeladen wieder zurück und es steht am Ziel immer noch ca. 25% Akku. :D
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Tho » Mi 6. Jan 2016, 00:22

Ein Problem tritt nur bei ungeplanten Ereignissen ein, z.B. Stau oder erheblich längere Fahrtdauer durch zähfließenden Verkehr.
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Chip-Tuning » Mi 6. Jan 2016, 00:24

Chip-Tuning hat geschrieben:
@ Solaris_75 Ich fahre selbst erst seit 2 Monaten den R240, für eine Strecke von ca.100 km mache ich mir auch bei den minus Temperaturen keine Sorgen.
Fahrzeug steht im Freien zeigt nach laden 99-89km an wenn ich dann eine Strecke auf 90km zurück lege steht Rest von 35-40km.
Das Laden ist dann auch so schnell wie wenn es warm ist. Selbe Strecke vollgeladen wieder zurück und es steht am Ziel immer noch ca. 25% Akku. :D

Muss aber auch dazu sagen das ich schon so fahre das der Akku warm wird, also nix mit 50km, bin normal unterwegs auf Autobahn 100-110km so wie es der Verkehr erlaubt.
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon Chip-Tuning » Mi 6. Jan 2016, 00:29

Tho hat geschrieben:
Ein Problem tritt nur bei ungeplanten Ereignissen ein, z.B. Stau oder erheblich längere Fahrtdauer durch zähfließenden Verkehr.

Gut das Problem gibt es bei uns nicht, ist ja mindestens nach jeder Autobahnausfahrt irgend wo eine Ladestelle zu finden. Österreich ist ein Ladeparadies.
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Re: Wo geht die Energie bei Kälte eigentlich hin?

Beitragvon xado1 » Mi 6. Jan 2016, 00:55

ein sehr guter beitrag,der die problematik ganz einfach auf den punkt bringt.
kälte ,stau,kaputte/verparkte ladestationen sind die nicht wegzuargumentiernden punkte die einer lösung bedürfen.
ich kam mit dem tesla mit fast null reichweite sonntag 2 uhr früh zu einer ladesäule ,an der ich am freitag vormittag noch vollgeladen hatte.
leider wurde die säule am freitag nachmittag gegen einen anderen triplelader getauscht und war noch n icht am strom,so und nun stand ich da.
Lebenskunst ist die Fähigkeit, auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten.
Intelligenz ist, wenn man unlogische Sachverhalte logisch einordnen kann
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