3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Renault ZOE Themen, zu denen es kein eigenes Unterforum gibt

3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Berner-Zoe » Fr 9. Jun 2017, 09:04

Hallo zusammen,

nach über 4 Jahren aktivem Mitlesen hier und jetzt 3 Jahre Besitzertum eines Zoé möchte ich gerne meine Erfahrungen dazu mal teilen. Da der Bericht nun doch etwas (zu) lang geworden ist, habe versucht dies etwas zu strukturieren, daher unten die 4 Kapitel, da könnt ihr euch nicht interessante Themen überspringen:
A) Ausgangslage (warum Elektro, Einsatzprofil)
B) Fahrbetrieb über 3 Jahre (Fahrerlebnis, Verbrauch, Kosten)
C) Service-Erfahrungen Renault (Services, Pannen, Kundendienst Renault Schweiz)
D) Neukauf-Erfahrung (Offerten, Kauferlebnisse)


Kapitel A bis C beziehen sich auf 3 Jahre Erfahrung mit unserem Zoé, das Kapitel D beschreibt Erlebnisse beim angestrebten Kaufes einen neuen Elektrofahrzeuges, da unsere Leasingdauer abläuft, respektive abgelaufen ist.

Da ich in der Schweiz lebe, beziehen sich einige Punkte unten auf Schweizer Verhältnisse und mögen im Ausland nicht zutreffen. Und für mich wichtig: dies sind praktisch alles subjektive Eindrücke resp. Daten (wie Kosten oder Verbräuche), die natürlich von Person zu Person und Einsatzprofil abweichen. Und die Aussagen unten beziehen sich auf meine Erfahrungen, sind also eigene subjektive Wahrheiten, aber auch nicht Fake News...;-)


A) Ausgangslage (warum Elektro-PW, Einsatzprofil)
Warum ein Elektromobil?
Eigentlich bin ich ein Diesel-Typ, Autofahren (vor allem in den Ferien) macht mir echt Spass, auch wenn es mal sehr lange Strecken sind. Wir besitzen noch einen Volvo V60 seit 5 Jahren, wir wohnen auf dem Land, ÖV ist hier sehr schlecht (zu recht aber, da nicht rentabel). Ausserdem fahren wir einen Camper (Dodge RAM mit 6l Diesel). Ihr seht, bin nicht der Inbegriff eines Öko.
Auf der anderen Seite fasziniert mich die neue Technologie. Im 1997 war ich als Student in Colorado und habe dort für eine R&D Firma gearbeitet, die damals unter anderem schon Elektroautos gebaut hat (resp. mehrere, jedoch Versuchsträger; Lee Iaccocca war dort auch beteiligt), und zwar solche die damals schon recht weit waren. Diese Faszination hat mich nie verlassen.

Die Entwicklung der Hybrid, Plug-in und Elektrofahrzeugen habe ich als Autonarr recht eng verfolgt. Ich bin jedoch kein elektro-technisch versierter Typ, viel von dem fachtechnischen Geschreibsel hier verstehe ich nicht. Habe ausserdem vor langer Zeit über 3 Jahre bei Renault im Bereich Marketing und Service gearbeitet.

Vor 4 Jahren haben wir uns überlegt, ob wir das Risiko als recht early adapter eingehen und einen Elektrowagen anschaffen wollen, sind damals Leaf, Zoé und i3 gefahren. Leaf fiel wegen dem inkompetenten Verkäufer und der Preisofferte (Eintauschofferte unseres Nissan Micra 30% tiefer als dann bei Renault!!) weg, der i3 wegem damals hohen Preis und der unpraktischen Hintertüre. Der Zoé blieb übrig, aber nicht als Restposten, sondern als für uns perfekt passendes Zweitauto, gute Grösse, passende Ausstattung, guter Preis und eben auch etwas wegen meiner Renault Vergangenheit.

Unser Zoé ist ein Vorführmodell, hatte nach gut 10 Monaten erst 800 Km drauf! Wurde mit einer Anschlussgarantie verkauft, ideal passend zu unserem 3 Jahres-Leasing.


Einsatzprofil
Der Zoé wird praktisch täglich gebraucht, entweder für die kurze Distanz zum Park und Ride, immer zum Einkaufen, oder für die Pendlerei zum Arbeitsplatz, also täglich zwischen 10 bis 50 Km. Viel Landstrassen, etwas Autobahn, relativ wenig Stadt.


B) Fahrbetrieb über 3 Jahre (Fahrerlebnis, Verbrauch, Kosten)
Fahrerlebnis (30'500 Km):
In Bezug auf Laufruhe, Federkomfort, Spritzigkeit, Tauglichkeit im normalen Alltag: absolut auf der Höhe mit vergleichbaren Autos. Federt klar etwas härter (Batteriegewicht), ist aber dafür auch etwas stabiler in Kurven.

Geräuschniveau: top, ausser bei Langsamfahrt, wenn der Lärmgenerator nicht ausgeschaltet ist, hört man den Zoé schon von weitem, auch bei geschlossenem Fenster zu Hause. Ist da lauter als der Volvo Diesel.
Für uns unverständlich, dass dieses Geräusch nicht dauernd abgestellt werden kann. Jedes Mal den entsprechenden Schalter betätigen (schlecht zugänglich) ist mühsam (gebe zu: ein Luxusproblem).

Heizung im Winter ist super, kaum aus der Garage raus gefahren kommt warme Luft.
Kofferraum ist ok, etwas hohe Ladekante (verkratz sehr schnell), daran gewöhnt man sich.

Und als wir auch das neue Armaturenbrett eingesetzt bekamen war die damals unendlich mühsame Spiegelung in der Windschutzscheibe praktisch weg.

Der Ladevorgang ist absolut simpel. Klar muss man öfters Laden als Tanken, dafür geht das Anstöpslen viel schneller als eine Tankfüllung.
So jedes 5. Mal mussten wir jedoch die Wallbox neu starten, oder das Kabel aus- und wieder einstecken, weil irgendwas nicht funktioniert hat.
Und ja: das Gefummel mit dem sperrigen, sich ewig verwurstelndem Ladekabel ist nicht so top, freue mich auf das induktive Laden (auch das ein Luxusproblem).

Negativer Punkt:
nach 3 Jahren (neu jetzt nach einem Jahr) läuft diese ZE connect ab. Kann ich irgendwie nachvollziehen. Was aber für mich unverständlich ist: warum ist die Funktion, am Abend beim Heimkommen das Auto am Monitor so zu programmieren, dass es erst in der Niedertarifzeit lädt, kostenpflichtig? Dafür muss man nun 100.- pro Jahr zahlen. Diese Funktion halte ich für wichtig, ist ein Komfortmerkmal, aber auch kostenrelevant. Für 100.- kann man schon gut 800kw tanken.....
Klar: auch ein Luxusproblem, für mich ist dies aber störend. Die anderen Dienste kosten zu lassen: ok (haben bei uns eh nur selten funktioniert, laut Renault Händler kennen sie Probleme bei Iphone Kunden....)

Fazit: Für unsere Bedürfnisse ein ideales, alltagtaugliches Fahrzeug. Absolut auf gleicher Höhe mit einem Benziner/Diesel. Aber irgendwie mit mehr Fahrspass, sogar für meine Frau, die im Auto einen reinen Gebrauchsgegenstand sieht.

Reichweitenangst hatten wir nie, in der Regel fahren wir je nach Reichweiten-Bedürfnis am Folgetag gut bis auf 10-20Km Restreichweite runter.
Sind nie liegengeblieben.

Verbrauch:
Geladen haben wir gut 70% an unserer Wallbox (mit Zähler), 30% auch an Ladestationen.
An diesen Stationen hat es ja keine Zähler, daher habe ich immer die Zoé-Angaben des Ladezustandes vor und nach der Ladung notiert und dies ins Verhältnis gesetzt mit der Batteriegrösse. Klar ist dies nun etwas ungenau, daher sind die folgenden Verbrauchswerte lediglich gute Näherungswerte, und passen eben auf unser Fahrverhalten.
So komme ich auf einen Verbrauch von 18.48 Kwh/100 Km auf 30’500 KM (gut 5'600 Kwh total)

Der Bordcomputer gibt über 29'000 Km (habe nicht immer alle Fahrten abgespeichert, meist weil ich mich am Display vertippt habe oder das Abspeichern vergass) einen Verbrauch von 15.5 Kw/100km. Also eine Differenz von gut 20%. Gegenüber dem angegebenen Normverbrauch NEFZ (13.3) eine Abweichung von 40%.
In Bezug auf die aktuell geführte Diskussion über die realitätsfremde Messung der Verbräuche sieht man sich auch hier bestätigt.

Im Normalfall hat der Zoé zu Hause 3-5 Kw mehr geladen (via Wallbox Zähler) als der Zoé Bordcomputer für die gefahrene Strecke angibt. Dies wohl bedingt durch Ladeverlust und Balancing. Macht bei gut 170 Ladungen ca. 680 kwh, was gut 12% entspricht. Finde ich eher hoch.

Reichweite in unserer Praxis:
In der wärmeren Zeit 140-150 KM, im Winter maximal 100 Km. Die Faustregel, von der angegebenen NEFZ-Reichweite 25 - 30% abzuziehen für Sommerverbrauch, davon für Winterverbrauch nochmals 25 - 30% abzuziehen, um den echten Verbrauch zu erhalten, scheint gut hinzukommen.

Haben den Ecomodus am Anfang mehr gebraucht, im Winter nie, klar aus Komfortgründen.
Im Windschatten von LKWs auf der Autobahn fahren machen wir auch nicht, sorry, aber kann dies nicht verstehen, warum um einige Kilometer mehr zu fahren sich jemand diesem Risiko aussetzen tut.

Autobahn ist eh ein Reichweitenfresser beim Zoé, bei einigen Tests auf unserer Pendlerstrecke (Ausweichen auf Autobahn, 5km mehr als die parallel dazu verlaufende Landstrasse, jedoch zeitlich gleich lang) hat gezeigt, dass die Reichweite im Sommer so auf gut 100 - 120 Km schrumpft.

Kosten:
An der Wallbox kostet der Strom bei uns gut 12 Rappen pro Kwh (Nachtstrom).

Macht mit dem Durchschnittsverbrauch gerechnet pro 100Km 2.3 Franken, gegenüber dem Volvo mit 6l/100km Verbrauch also gut nur ein Viertel der Kosten.

Insgesamt konnten wir auch von Gratisstrom bei Ladestationen profitieren. Durch die Move-Karte war der Strom ein ganzes Jahr gratis, nachher hätte das KW gut 50 Rappen gekostet.
Kosten Strom total: 941 Franken (inkl. externe Ladungen).

Steuern haben wir fast keine bezahlt, da in unserem Wohnkanton energieeffiziente Fahrzeuge von der Steuer für 3 Jahre befreit sind.
Versicherung: da wir mit unserem Camper Wechselschilder haben, und das teurere Fahrzeug massgebend ist, hat der Zoé versicherungstechnisch nichts gekostet. -> Ihr seht, damit könnte das Kostenkapitel schön gerechnet werden.
Realistisch sind Versicherungskosten von gut 1'200.- (Vollkasko), Steuern von gut 250.-.

Service: bisher mussten wir trotz der eigentlich geringen gefahrenen Kilometer jedes Jahr zum Service. Da wurde jedes Mal der Innenfilter gewechselt, etwelche Updates geladen und Sichtkontrolle gemacht.
Das Öl wurde mit 30.- pro Liter verrechnet, hat mich schon recht teuer gedünkt......

Insgesamt Servicekosten von gut 300.-


Die Wallbox samt Hausinstallation hat gut CHF 4'500.- gekostet, 11kw Ladeleistung, 3 Phasig, 16A. 22Kw und 32A ginge laut Elektrizitätswerk mit unserer Hausversorgung nur knapp. Ich denke, dies wird für die nächste und übernächste Generation (3-6 Jahre für uns, wegem 3-Jahres Leasing) von Elektro-PW ausreichen. Im Schnitt war die Ladezeit des Zoé (zwischen 5 und 10% Ausgangs-Ladestand) gut 3.5 Stunden, also viel langsamer als angegeben.


Rechnet man also nun korrekt, mit Leasing und Batterie, kommen wir auf einen KM Preis von gut 62 Rappen (ohne Kosten Wallbox), rechne ich da die Hälfte deren Kosten dazu, so gibt es gut 76 Rappen.
Dies ist sicherlich bedingt durch die relativ wenigen Kilometer. Der Volvo kommt mit der Vollkostenrechnung auf gut 70 Rappen.

Die Grenzkosten (also nur Strom, Service) sind mit 4 Rappen pro Km extrem günstig.

Finanziell ist also ein verbrauchsgünstiger Kleinwagen klar billiger.



C) Service-Erfahrungen Renault (Services, Pannen, Kundendienst Renault Schweiz)
Service:
wie oben gesagt, sehr geringe Service Kosten, gab jedes Mal ein Ersatzfahrzeug (meist Zoé). Serviceerfahrung war gut.

Pannen:
Unser Zoé musste 3 Mal abgeschleppt werden (zum Vergleich der Volvo bei 90’000Km in 5 Jahren nie, der Dodge während 100’000Km in 3 Jahren nie).

Panne 1: wir konnten plötzlich den Wagen nicht mehr laden. Murphy’s Law zufolge just an einem der wenigem Male, als der Ladestand beim Heimkommen schon tiefrot war. Eine Fahrt zum Renault Händler daher nicht möglich. Ursache war ein Defekt des Modules, welches den Zoé mit Renault verbindet, also eigentlich die Telefon-SIM, mit welcher Renault das Auto sperren kann, wenn die Batteriemiete nicht bezahlt wird. Durch diesen Defekt hat - so der Mechaniker - das Fahrzeug keinen Link mehr zum Renault Server gehabt und daraufhin gemeint, da stimmt was nicht (wie: „wir haben die Batteriemiete nicht bezahlt“) und „beschlossen“, das Fahrzeug stillzulegen. Dass so ein Modul kaputt gehen kann, ok. Aber dass dann das Auto nicht mehr fährt, finde ich eine Zumutung, nicht gerade kundenorientiert.

Panne 2: analog oben war der Zoé plötzlich nicht mehr zu laden und zu fahren (Notprogramm). Dies ca. 1.5 Wochen nach der obigen Panne. Also wieder abgeschleppt. Diesmal laut Mechaniker das Ladegerät.

Panne 3: Am Morgen plötzlich eine kritische Meldung wegem Elektrosystem, Auto im Notprogramm, max. 35km/h zu fahren. Also wieder abgeschleppt. Ursache: 12V Batterie.
Laut Renault sollte diese spätestens nach 3 Jahren beim Service ausgewechselt werden. Warum dies bei uns nicht gemacht wurde: keine Ahnung.
Hinweis: Da der Zoé in der Garantieverlängerung war und diese die Übernahme von Defekten an der Batterie ausschliesst, berappt der Kunde die Batterie (155.-). Dass dann aber Renault noch 350.- fürs Abschleppen und Testen/Wechseln der Batterie wollte, konnte ich nicht verstehen. Nach etlichen Telefonaten und Mails am Ende dann doch in der Summe gut 400.- bezahlt, plus einen Gutschein von 100.- für Zubehör oder Werkstattaufträgen erhalten (gültig für das alte Fahrzeug!!! Welches ja gerade eingetauscht wurde).

Ansonsten keine Probleme.

Schade aber ist, dass man den Zoé nicht ferngesteuert heizen/kühlen kann, wenn er nicht am Strom angeschlossen ist. Diese Funktionalität wurde beim Kauf vom Händler zwar bejaht, ging bei uns nie, die Bedienungsanleitung will, dass der Wagen am Strom hängt.


Kundendienst
Habe mich wegen der Batteriegeschichte und den doch hohen Kosten einmal an den Kundendienst (telefonische Hotline) gewandt.
Ich denke, dass diese wohl in Deutschland ist (kein Problem, macht Sinn für DACH), aber dass auch nach dem 3. Mal darauf Hinweisen, dass ich ein Schweizer Kunde bin und die Rechnung in Franken, nicht Euro ist, wurde ich ein wenig unruhig.
Habe die Story der Panne erzählt, und mir wurde versprochen, dass ich in den nächsten 2-3 Tagen eine Antwort des entsprechenden Gebietsleiters erhalten werde. Dass ich heute noch auf eine Antwort warte: wer glaubt mir das?

Der Kundendienstmitarbeiter hat sich nach den Startschwierigkeiten echt Mühe gegeben. So habe ich ihm dann noch erzählt, wie meine Erlebnisse bei der Offerteinholung (siehe nächstes Kapitel) war. Er war geschockt und hat dann gesagt, auch dies werde er weiterleiten.


Habe dann von mir selber aus wiederum der Hotline angerufen, alles nochmals erzählt. Dann wurde ich dem Schweizer Kundendienst weitergeleitet. Dort wusste man von der ganzen Geschichte nichts.

Von dort gab es dann diesen Service-Gutschein.
Da dieser aber an die Fahrgestellnummer des „alten“ Zoé gebunden ist, habe ich mich nochmals beim Kundendienst gemeldet. Da wurde mir versprochen, dass dies dann auch für den neuen gilt.
Bin da mal gespannt.



D) Neukauf-Erfahrung (Offerten, Verkaufserlebnisse)
Hier wird es nun seeeehr subjektiv, versuche die Fakten zu beschreiben, aber ihr werdet den Ärger - oder besser die Enttäuschung - dieser Erlebnisse wohl merken. Grundlage für alle Offerten war ein 3-Jahresleasing, gleiche Anzahlung, gleich Konfiguration via Renault-Homepage.

Gut 4 Monate vor Ablauf des Leasingvertrages habe ich angefangen, einen Ersatz für den Zoé zu evaluieren. Dies zum Zeitpunkt, als Renault die neue Batterie gerade lanciert hat. Also hin zum Händler, der auch die Services und Pannendienste gemacht hat (nicht der Verkäufer des aktuellen Zoé, da dieser relativ weit weg ist):
Lange Wartezeit im Showroom, keine Überbrückung mit Kaffee oder so. Der Verkäufer war über die neue Batterie wie auch die Preise nicht informiert. Hat dann im System nachgeschaut, und eine Suddelpapier-Offerte gemacht (Basis war der Konfigurator von Renault). Leasing-Offerte gab es keine, da scheinbar der neue Zoé noch nicht aufgeschaltet war und dies sicherlich noch 2 Wochen dauern würde (Aussage Verkäufer). Restwert: 36% (Renault Konfigurator gibt 50% an; klar ist das hoch). Finde ich arg tief!

War enttäuscht, ging dann einen Tag später gegen Mittag spontan bei einer anderen Renault Garage vorbei. Der Kundendienstberater hat gesagt, dass der Verkäufer draussen sei, kurze Wartezeit. Da ich noch meine Konfiguration im Auto liegen gelassen habe, bin ich rausgegangen. Der Verkäufer war mit einem Kollegen am Privatisieren (sein Auto stand direkt neben meinem, da habe ich mitgekriegt um was es ging). Drinnen (ca. 10 Minuten Wartezeit) habe ich dem Verkäufer die Konfiguration gegeben. Er hat gesagt, er werde dies gerne offerieren, er würde mir eine Mail schicken. Habe also beim Besuch keine Offerte erhalten. Dafür war diese dann gegen Abend im Mail, inklusive der Leasingofferte. Also ging das System doch. Jedoch Restwert von 28%!!! Bei meiner Mail-Nachfrage, warum der Restwert so tief sei im Vergleich zum Internet Konfigurator, war die Antwort, dass Renault Credit dies so vorgebe, da könne er nichts machen. Dann hat er vorgeschlagen, doch lieber einen neuen Clio oder Mégane zu kaufen!!!!

Also waren 2 Händler schon mal weg. Ein Dritter Händler hat dann eine sehr gute Offertphase gemacht, jedoch auch mit sehr tiefem Restwert (36%), dies aber damit erklärt, dass sie als unabhängige Firma nicht gewillt sind, ein allzu grosses finanzielles Risiko einzugehen. Klar verständliche Erklärung, offen, transparent. Für mich aber die Frage, warum Renault nicht soviel Vertrauen in die eigenen Fahrzeuge hat.

Händler 4 war dann derjenige, der mir den aktuellen Zoé verkauft hat. Per Mail Konfiguration versandt, 1 Woche später kam die Offerte. Restwert 50%. Dann kam Weihnachten und Ferien, bin dann im Januar hingegangen, um zu unterschreiben. Gab minime Anpassung in der Konfiguration (kein metallic), über das Jahresende haben die Leasingkonditionen geändert (Zinssatz von 0% auf 3.9%), es gab dafür die Wallbox und ein Satz Winterpneu gratis. Das ist ok. Aber was soll ich mit einer zweiten Wallbox. (Eine Kundendienst-Anfrage hierzu ist nach 3 Monaten noch immer unbeantwortet!)
Plötzlich war aber der Restwert nur noch 46% (1'000.- Differenz), und keine Möglichkeit, dies anzupassen. Speziell! Darum geht es weniger um die Erhöhung der Leasingrate, sondern um die Selbstverständlichkeit des Händlers, mit der er eine verbindliche Offerte einfach negiert.

Fazit: habe dann doch bei ihm den Zoé genommen. Aber mit einem sehr schlechten Gefühl, nicht gegenüber dem Auto, sondern dem Händlernetz/Renault gegenüber.


In diesem Prozess habe ich nochmals den Leaf, den i3 und den neuen Ioniq angeschaut.
Beim Nissan war der Händler nicht interessiert, ein Angebot zu machen für eine Batteriemiete. Auf die von ihm versprochene Einladung zu einer Probefahrt warte ich heute noch. Die Offerte kam sauber, professionell, aber eben auch viel teuer als der Zoé. TCO (total cost of ownership) für die 3 Jahre sind gut 5'500.- teuer als der Renault.

Bei BMW hingegen eine absolut tolle Leistung. Der Verkäufer hat von Anfang an gesagt, dass er nicht alle Details des i3 kennt, dafür aber kann er den sogenannten Product Genius anfragen. Durften den i3 ein ganzes Wochenende testen. Tolles Fahrzeug, aber ein Wochenende mit den gegenläufig öffnenden Türen war genug. Schade. Super Beratung, Offerte auch gut (53% Restwert, aber BMW rechnet da anders, und die wollen mit dem i3 keinen Gewinn machen), TCO 4'500.- teurer als der Zoé, was somit eigentlich recht günstig ist, da der Neupreis des BMW bei fast 45'000.- lag (mit Winterreifen)

Sehr gut auch die Beratung beim Hyundai. Auch da vom Verkäufer der Hinweis, dass da für ihn sehr viel neu ist und er noch wenig Erfahrung mit Elektroautos und Ladetechnik hat. Fahrzeug super erklärt.
Offerte während der Zeit gemacht, als ich auf Probefahrt war, hat von sich aus das Vorführmodell gerechnet, welches ich auch fragen wollte.
Restwert 41%, also auch tief, aber auch da gute Begründung. TCO auch wegem hohen Leasingzins von fast 6% um 7'500.- höher als Zoé.
Das Auto aber ist genial, super Materialien, perfekt verarbeitet. Meiner Meinung klar besser als Renault, Das Fahrverhalten (auch wegem grösseren Radstand) feiner. Rekuperiert auch bei tiefen Temperaturen viel besser als der Zoé. Trotz der grossen Preisdifferenz haben wir lange darüber diskutiert und nachgedacht, doch den Ioniq zu nehmen. Dies vor allem wegen der enttäuschenden Performance des Renault Netzes.

Schliesslich hat aber doch der Geldbeutel und die eigentlich guten Erfahrungen mit dem Zoé gesiegt. Und die Reichweite des neuen Renault ist aktuell unerreicht.

Kleiner Exkurs:
war auch bei Opel, wegem e-Ampèra. Die wussten lediglich, dass ein Elektroauto kommt. Aussagen waren: „.... das sei der Wagen auf Astra Basis, er sei ja noch nicht mal in den USA lanciert, also könnte es Herbst werden...Reichweite sei auf Basis der realistischen Angaben sicherlich über den 300 KM, die Renault angibt, wieviel genau wissen sie noch nicht. Aber ich könne gerne eine Reservierung machen, und zur Überbrückung der Zeit von der Abgabe des Zoé bis zum Liefertermin des Opel finden wir sicherlich eine Lösung; aber nein, Preisofferte können sie keine machen......“
Fragen?

Fazit:
Der Zoé ist ein ok Auto. Die 3 Pannen würden den Todesstoss bei Langzeittests à la Auto Bild bedeuten. Für uns halt ein Teil des Risikos, neue Technologie zu fahren, und klar Langzeittester für die Automobilhersteller zu sein. Das ist bei andern Marken und Fahrzeugen (nicht nur Elektro) aufgrund der viel kürzeren Entwicklungszeiten aber auch so.

Am neuen Auto werden wir sicherlich wieder Freude haben, und die grössere Reichweite bedeutet, dass wir mehr fahren werden, so kommen die KM-Kosten trotz des nun höheren Preises runter. Da ist zwar nicht so relevant.
Ein (sehr) bitterer Geschmack jedoch bleibt, dies wegem Kundenservice.

Die Chance, dass wir in 3 Jahren wieder einen Renault kaufen werden, wird eher gering, vor allem da dann wohl auch andere Marken gute EV’s anbieten werden (Tesla, Opel, Hyundai, etc.).


Letzter Exkurs: Übernahme des neuen Zoé
Haben letzte Woche den neuen Zoé abgeholt. Die Übergabe dauerte 30 Minuten, kein Kaffee, lediglich den ganzen Papierkram unterschreiben (25 Minuten).
Autoübergabe: 5 Minuten.
Dabei keine neuen Bodenteppiche (ist eigentlich ein Standardfeature), also habe ich die alten Teppiche in den neuen Wagen genommen.
Autobahnvignette: hat der Händler vom alten Zoé in den neuen geklebt. Ist gesetzlich nicht korrekt, und vor allem in der Übernahme Pauschale von 350.- eigentlich drin.
Die in der Offerte angegebenen Winterreifen und die Wallbox waren noch nicht vorrätig, also muss ich die dann später einmal abholen (bedingt gut 2 Stunden Aufwand).
Die vom Händler bestätigte Gratis MOVE-Karte (gratis Strombezug während eines Jahres an dem MOVE Netz) war auch nicht da.

Eine Mail, die ich diesbezüglich dem Händler am Montag geschrieben habe ist noch immer unbeantwortet. Worst case Szenario, das ich nun habe ist, dass ich diese Produkte nie sehen werde.

Servicequalität? Kunden Excellence? Kunden Retention?
Ich brauche keinen roten Teppich und das ganze Gesülze, aber wie wäre es mit Pragmatismus und versprochene Leistungen erbringen?



Der neue Zoé selber ist eigentlich in allem gleich, subjektiv bessere Federung, etwas spontaner im Antritt, und fühlt sich leiser an. Klar besser ist das Bremsverhalten auf den letzten paar Metern, wenn keine Rekuperation, sondern die echten Bremsen einsetzen.

Fazit:
Zoé Elektroauto ist nicht billig, macht Spass, bedingt immer noch etwas „Pionier-Gedankengut“.
Renault: ???
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Twizyflu » Fr 9. Jun 2017, 09:53

Hallo
Die ZOE kann ferngesteurert vorkonditioniert werden, auch wenn sie NICHT angesteckt ist.
Dies geht mit der App oder der Keycard (10 Min oder so) und das nur wenn du mind. 45% SOC drin hast.
Das war bei meiner Q210 so und bei meinem Q90 war es auch so.
Shop unter https://www.nic-e.shop YouTube-Kanal unter https://www.youtube.com/channel/UC7uzeZzsjUvhpjX1cN4L5ig
01/14 bis 08/15 - ZOE Intens Q210 | 08/15 bis 01/17 - Leaf | 01/17 bis 04/17: ZOE Intens Q90 | seit 04/17: IONIQ Elektro Style
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon VoltWattAmpereOhm » Fr 9. Jun 2017, 10:35

Vielen Dank für den sehr ausführlichen Beitrag, Berner-Zoe.

Vieles davon kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Und manches (in Sachen Service) ist selbst bei einem konventionellen Fahrzeug nicht besser.

Ich wünsche viel Freude und allzeit gute Fahrt mit dem neuen Wagen
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Nik » Fr 9. Jun 2017, 11:03

Ich kann das auch bestätigen.
Zum Thema Fahrgeräusch:
bei meiner Q210 hat es geholfen, die Sicherung zu ziehen.
Seitdem lautlos in jeder Lebenslage :D
Guck mal in der Suche.
Gruß Nik
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Alex1 » Fr 9. Jun 2017, 16:23

VoltWattAmpereOhm hat geschrieben:
Vielen Dank für den sehr ausführlichen Beitrag, Berner-Zoe.

Vieles davon kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Und manches (in Sachen Service) ist selbst bei einem konventionellen Fahrzeug nicht besser.

Ich wünsche viel Freude und allzeit gute Fahrt mit dem neuen Wagen
Kann ich mich nur anschließen nach 3 Jahren und 64 Mm :mrgreen: - und bald einer R90... :D
Herzliche Grüße
Alex
Neue Zoe R90 Intens 15" 06/17
So gelingt die Energiewende. Alternativlos.
Echten Ökostrom: http://www.ews-schoenau.de/ Fast Alternativlos.
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Pol-Pott » Fr 9. Jun 2017, 18:48

Feiner, sensibler Bericht. Antesten, Eindruck verschaffen, Geldbeutel kontrollieren, Weitblick produzieren und den Nutzen abwägen.
Auch die einordnende Beurteilung der z.T. hilflosen, desinteressierten "KoofMichs (die haben es auch schwer; um den Job zu behalten, müßten die 10-15 Fahrzeuge / Monat verkaufen - ein E-Mobil mit 1-3% Umsatz-Gewinn bringt da kaum was).
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Re: 3 Jahre Erfahrung mit dem Zoé

Beitragvon Dilbert » Fr 9. Jun 2017, 19:28

Vielen Dank für deinen Bericht und viel Spaß mit der neuen ZOE.
"Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe."
2015-2017 Renault ZOE Q210 *** seit 2016 Peugeot iOn *** ab 11/2017 Hyundai Ioniq Premium
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