Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon frontloop » Mi 10. Jan 2018, 19:25

Hi,

ich versuche gerade eine Lösung für bis zu 20 E-Autos in unserer Wohnanlage zu entwickeln:
Dazu habe ich mal ein Bild gezeichnet, um die Situation zu verdeutlichen:

Auf einem Grundstück (1 Flurnummer, Wohnungseigentümergemeinschaft) gibt es 3 Häuser mit 4 - 2 - 4 Wohnungen (Haus 1, Haus 2, Haus 3).
Zu jeder Wohnung gehört ein Doppelcarport.

Zwischen den Carports (diese sind geschlossen mit ca. 1 Meter Betonsockel umlaufen - bis auf die Einfahrt natürlich) ist jeweils eine Grünfläche.
Zwischen Haus und Carport bzw. zwischen den 3 Häusern läuft ein Fussweg. Da das Gelände jedoch abschüssig ist, hat der Fußweg auch jeweils eine kleine Treppe.

Am 1. Carport (ganz rechts) ist zudem ein OVK der örtlichen Stadtwerke. Von dort wird der Technikraum in Haus 1 versorgt.
In diesem Technikraum befindet sich der Hausanschluss und die Zählerplätze.
Von den Zählerplätzen geht dann jeweils eine Leitung in die einzelnen Wohnungen. In den Wohnungen ist dann wiederum eine Wohnungs-Unterverteilung aufgebaut.

Jetzt soll eine zukunftsfähige Lösung für eine Ladeinfrastruktur geschaffen werden (zumindest mal gedanklich vorbereitet).

Grundsätzlich ist es so, dass der Hausanschluss max. 3 PKW mit je 11 kW versorgen kann, bevor er überlastet wird.
D.h. es ist auf alle Fälle ein dynamisches Lastmanagement nötig, wenn mehrere Ladepunkte vom Technikraum aus versorgt werden sollen.
Der Hausanschluss ist dabei auch der wesentliche limitierende Faktor. Die restliche Installation bietet mehr "Reserven".

Zum rechtlichen: Es ist eine Wohnungseigentümergemeinschaft. Grünflächen und Wege sind Gemeinschaftseigentum. Die Carports sind jeweils Gemeinschaftseigentum mit Sondernutzungsrecht der jeweiligen zugeordneten Wohnung.

Prinzipiell fallen mir 2 Varianten ein:
1. Möglichkeit:
Wir bauen eine Ladeinfrastruktur mit dynamischem Lastmanagement auf. D.h. Messung am Hausanschluss, welche Leistung aktuell (Echtzeit) zur Verfügung steht. Jeder Eigentümer der eine Ladesäule möchte, kann sich in dieses System einbinden.

Vorteil: Die Ladesäulen sind relativ günstig, die Installation relativ einfach.

Nachteil:
  • Es muss eine Messung am Hausanschluss installiert werden (Auch bei nur wenigen PKW. Wer zahlt? Was ist mit den Eigentümern, die keine Ladesäule aktuell wollen?).
  • Es müssen Datenkabel zwischen den Ladesäulen und dem Hausanschluss gelegt werden (Auch bei nur wenigen PKW. Wer zahlt? Was ist mit den Eigentümern, die keine Ladesäule aktuell wollen?).
  • Jede Ladesäule muss in das System eingebunden werden (Was ist, wenn einer jetzt eine Ladesäule will und ein anderer erst in 7 Jahren? Passen die Systeme dann zusammen?).
  • Die Ladeleistung ist relativ begrenzt (nämlich ca. 33 kW), so dass bei vielen PKW kaum Leistung verfügbar bleibt (Beispiel: 33 kW Ladeleistung, 10 Stunden Ladedauer ergibt 330 kWh. Bei 20 Autos gleichzeitig bleiben je Fahrzeug nur 16,5 kWh übrig. Das sind unter 100 km Reichweite bei Ladung über Nacht. Nicht besonders viel also).

Variante 2:
Jeder Eigentümer beantragt einen eigenen (zusätzlichen) Hausanschluss für seine Ladesäule.
Vorteile:
  • Es zahlt nur der, der auch eine Ladesäule will.
  • Es wird direkt eine Leitung vom OVK zur jeweiligen Ladesäule im Carport gelegt. Damit ist das Leistungsproblem beim EVU und nicht bei uns. Dementsprechend steht nahezu unbegrenzte Ladeleistung (jaja, ich weiß) zur Verfügung.
Nachteil: Die TAB-konformen Ladesäulen für einen direkten EVU-Anschluss sind vermutlich sau teuer.

Wie seht ihr das? Was würdet ihr Vorschlagen?

Aktuell haben 2 - 3 Eigentümer Interesse an einem Elektroauto. Alle anderen noch nicht.
Dass diese 2 - 3 Autos direkt ungesteuert vom Technikraum aus versorgt werden, wäre zwar technisch möglich, jedoch ist dann der 4. Eigentümer der "Dumme", der dann den Hausanschluss überlastet.
Aus meiner Sicht muss gleich eine passende Lösung her, die nicht den 1. bevorzugt und den 5. (oder so) dann deutlich benachteiligt.
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Zuletzt geändert von frontloop am Mi 10. Jan 2018, 22:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon DiLeGreen » Mi 10. Jan 2018, 21:51

Hallo und willkommen bei uns im Forum! :)
Schönes Vorhaben!

Wegen der Technik hätte ich gleich ein paar Rückfragen:
Es gibt also nur einen Hausanschluss für alle Häuser?
Die Zähler für alle 11 Wohnungen in allen Häusern sind im Technikraum in Haus 1 ?
Wieviel A haben die Sicherungen am HAK?
Stehen euch evtl. Vertraglich mehr kVa zu als abgesichert?
Was kostet eine Aufrüstung der Anschlussleistung?
Habt ihr elektrische Wassererwärmung oder andere Großverbraucher?
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon frontloop » Mi 10. Jan 2018, 22:54

Zur Technik:

Hausanschlusskabel (vom OVK zum Hausanschluss im Technikraum - Einziger Hausanschluss): 4x95² Alu. Abgesichert mit 100 A Hausanschlusssicherung. Maximal möglich laut EVU: 125 A

Von dort mit 4x50² zum Zählerschrank.
Im Zählerschrank befinden sich 10 Zählerplätze/Zähler mit jeweils 35 A Zählervorsicherung. Der Schrank selbst ist mit 250 A - Schienen ausgestattet.

Vom jeweiligen Zähler zur Wohnungsverteilung (in den einzelnen Wohnungen): 5x16² mit 2 x 40A FI-Eingangssicherungen in der Hausverteilung.


Laut DIN 18015 benötigen 10 Wohneinheiten 55 kW / 80 A (bei entsprechender Gleichzeitigkeit).
D.h. maximal 45 A (also ca. 33 kW oder 3 Stück 11 kW - Ladeplätze) wären ungesteuert möglich - allerdings nur einer je Wohnung, da sonst die Wohnungsverteilung bzw. die jeweilige Zählervorsicherung (35 A) an ihre Grenzen kommt. (Ebenfalls DIN 18015 für 1 Wohnung: 15 kW/22 A zzgl. 11 kW - Auto macht grob 25 kW / 35 A).

Sprich: Bei Variante 1, dem gesteuerten Laden kommt man aus meiner Sicht sehr schnell an diverse Grenzen. Sei es die Wohnungsverteilung (35 A), sei es der Zählerschrank (250 A) oder der Hausanschluss (max. 125 A).
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon HubertB » Mi 10. Jan 2018, 23:16

Variante 2 wird unbezahlbar.
Ein zusätzlicher Hausanschluss würde reichen, Abrechnung über Zwischenzähler.
Mit 63A und Lastmanagement sollte man IMHO gut auskommen.
Wäre dafür noch Platz im Technikraum?
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon Ilchi » Mi 10. Jan 2018, 23:29

Ich würde mal überlegen, ob es nichts reicht, jeden Stellplatz nur mit 3,6 kW zu versorgen. Wir fahren 30 Tkm im Jahr, das reicht bei uns immer. Vorteil wäre, dass man lange nicht über Lastmanagement nachdenken muss, da auch hier die Gleichzeitigkeit nicht 1 ist.

Zusätzlich würde ich perspektivisch einen Gästeparkplatz mit einem 20 kW DC mit gesonderter Abrechnung ausstatten. Hier können dann sowohl die Gäste als natürlich auch eilige Eigentümer im besonderen Fall laden. Leider sind mir hier noch keine bezahlbaren Lösungen zum Beispiel von TNM bekannt - das kommt aber sicherlich irgendwann.
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon BernhardLeopold » Mi 10. Jan 2018, 23:30

frontloop hat geschrieben:

D.h. maximal 45 A (also ca. 33 kW oder 3 Stück 11 kW - Ladeplätze) wären ungesteuert möglich - allerdings nur einer je Wohnung, da sonst die Wohnungsverteilung bzw. die jeweilige Zählervorsicherung (35 A) an ihre Grenzen kommt. (Ebenfalls DIN 18015 für 1 Wohnung: 15 kW/22 A zzgl. 11 kW - Auto macht grob 25 kW / 35 A).


Wäre es nicht sinnvoller die Ladeplätze 1-phasig mit max. 20 A zu versorgen? Dann reichen die Reserven bereits jetzt für 6 Autos (ohne die Gleichzeitigkeit zu berücksichtigen). Wenn dann die Zukunft so richtig ausgebrochen ist, wird man ohnehin um eine Lösung nicht herum kommen, aber ob das dann ein stärkerer Hausanschluss oder ein Powerpack mit Solar am Dach wird, ist für mich heute schlecht abzuschätzen.

Aktuell können nur die wenigsten Autos die 11 kW sinnvoll nutzen, viele können ohnehin nur 1-phasig. Mit 4,6 kW kann man über Nacht schon ganz brauchbar laden (und es muss ja nicht jeden Tag eine 60 kWh Batterie zu Hause voll geladen werden.)
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon yousoom » Do 11. Jan 2018, 00:27

Interessante Geschichte.
Ich denke, dass vorerst eine einfache, relativ kostengünstige Lösung für die 2-3 Fahrzeuge umgesetzt werden sollte, die auch noch für 4-5 Fahrzeuge passt. Wenn es in ein paar Jahren mehr werden sollten, kann man immer noch umrüsten. Und man produziert jetzt nicht hohe Kosten für wenige. Wer weiß, welche Möglichkeiten es später mal gibt.

Mein Vorschlag: Neben dem OVK einen Schrank mit einem Verrechnungszähler der Stadtwerke und über Subzähler dann zu den einzelnen Ladestationen. 20 A einphasig werden wohl für die meisten reichen, je nach Fahrzeug kann das individuell gestaltet werden. Idealerweise befinden sich alle Ladestationen in einem Carport.
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon Ilchi » Do 11. Jan 2018, 00:36

Warum 20 A und nicht die üblichen 16 A? Oder anders gefragt: Was schließe ich dann für eine Wallbox an? Um die 20 A nutzen zu können, brauche ich dann doch eine 7,4 kW-Box (sehr selten) oder eine 22 kW-Box (kann die überhaupt einphasig angeschlossen werden?). Das erhöht den Aufwand immens. Ich würde bei den einfachen 16 A bzw 3,6 kW bleiben.
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon kub0815 » Do 11. Jan 2018, 01:06

Jedem der will 4,6kw geben. Dann wenn das Problem wirklich Auftritt denke ich wird die beste Lösung sein den Hausanschluss zu verstärken. Genug Leute für eine Mehrheit wird sich dann auch finden.
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Re: Lösung für bis zu 20 Stellplätze?

Beitragvon Eckhard » Do 11. Jan 2018, 08:12

Ich finde einen extra Hausanschluss für die E-Autos für die Versorgung mit 3,6kW plus eine „Schnellademöglichkeit“ mit extra Säule und Abrechnung interessant.

Wir brauchen bei unseren beiden E-Autos selten mehr als 3kW Ladeleistung und haben dann unseren Juicebooster der 11 und 22kW liefern kann.
Ab diesem Jahr bieten einige DC-Ladestationen für zu Hause an. Z.B. Webasto. Die sollten erschwinglich sein.
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