Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon ubit » Do 16. Aug 2018, 11:02

Hallo,

ich denke seit längerer Zeit darüber nach ob unser nächstes Auto elektrisch sein kann. Vom Fahrprofil her wird das kein Problem. Nur die Lademöglichkeit...

Wir haben einen (billigen Baumarkt-)Carport der nicht direkt an unser Haus grenzt - daher ist eine Stromversorgung von unserem normalen Elektroanschluss aus nicht möglich. Neben dem Carport gibt es aber 1,5 m Grünstreifen, dann kommt der Gehweg bzw. eine Spielstraße. Direkt an unserem Carport-Grundstück steht ein Verteilerkasten des Energieversorgers. Strom ist also "prinzipiell" in der Nähe vorhanden...

In meiner grenzenlosen Naivität stelle ich mir jetzt vor, dass wir (natürlich durch einen Elektriker) auf den Grünstreifen einen "Kasten" stellen, in diesen Kasten einen Stromzähler und eine Wallbox einbauen (ggf. die Wallbox sogar außen) und dann nur noch ein Kabel von unserem Kasten zum Verteilerkasten fehlt.

Ohne nun konkrete Angebote einzuholen (auch weil das ja derzeit alles nur Vorplanung ist):

Hat jemand Erfahrung mit so einer Situation? Ist das überhaupt sinnvoll machbar?

Wie sieht es mit den Hardware- und Installationskosten aus? Womit müsste man da rechnen? Ladeleistung von 11 kW müsste reichen, 22 kW wäre sicher angenehmer. In der Regel würden wir "über Nacht" laden - es kann aber Situationen geben wo wir auch tagsüber nochmal nachladen möchten - und dann sollte es einigermaßen schnell gehen ;-)

Den Arbeitsaufwand kann man vermutlich als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen - was die effektiven Kosten dann ja auch etwas rediziert.

Neben den reinen Installationskosten bräuchten wir dann ja halt auch einen zweiten Stromzähler. Geht sowas bei den gängigen Energieversorgern überhaupt? Kostet das extra? Unser lokaler Stromversorger wäre die Enni Niederrhein. Aktuell beziehen wir unseren Strom aber von einem anderen Anbieter. Ein Wechsel wäre ggf. ohnehin mal wieder "fällig" und es gibt ja auch Anbieter die z.B. die private Wallbox fördern - was man ja ggf. mitnehmen könnte.

Ciao, Udo
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon AndiH » Do 16. Aug 2018, 11:52

Das Problem dürfte sein das du für einen (Strom)Anschluss ein eigenes erschlossenes (=Baugebiet) Grundstück brauchst und der Energieversorger gewisse Vorgaben für die Unterbringung des Anschlusses machen kann. Damit stellt sich die Frage ob dein Carport Grundstück überhaupt als Bauland/Wohngebiet ausgewiesen ist und ob ein Anschluss in einem (offenen?) Carport aus Holz zulässig ist. Der erste Punkt ist wahrscheinlich gegeben wenn ringsum weitere Häuser sind, bei Ortsrand Lage kann das kniffelig werden. Der zweite Punkt steht in den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers welche auch für Neubauten gelten.
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon ubit » Do 16. Aug 2018, 12:07

Grundsätzlich hatte das Grundstück eine Baugenehmigung für eine Garage. Das Grundstück befindet sich mitten in einem Neubaugebiet direkt neben dem Garagengrundstück des Nachbarn. Zwischen unserem Reihenhaus und dem Carport liegt das Nachbargrundstück inkl. Garage. An der Nachbarsgarage Strom zapfen (auch mit eigenem Zähler) kommt leider nicht in Frage.

Der Carport selbst besteht aus ein paar Holzbalken mit Dach - ist also komplett offen.

Informationen des Netzbetreibers sind schwierig... der lokale Versorger hat das Netz an Weststrom verpachtet - man soll sich dort schlau machen. Bei Westnetz wird zumindest online behauptet man sei nicht zuständig ;-) Den Aufwand das in persönlichen Gesprächen zu klären würde ich gerne aufschieben bis das Problem tatsächlich akut wird. Wenn Weststrom tatsächlich zuständig ist, kostet der Anschluss wohl pauschal 499 €. Genauer Leistungsumfang unbekannt. Wenn ich davon ausgehe das da der Zähler bereits inkl. ist, bräuchte ich zusätzlich halt noch einen "Kasten", FI-Schalter + Wallbox und ggf. ein Fundament für den Kasten (das könnte ich selbst machen). Wobei Weststrom aktuell wohl noch einen kostenlosen Anschluss anbietet, wenn man die Ladezeiten "steuern" lässt, also nicht 24/7 laden kann/darf. Und dann gibt es wohl aktuell noch die NRW-Förderung für die Wallbox von 50%, max 1000,- €. Diese Förderungen könnten den Gesamtpreis natürlich senken - es ist aber fraglich ob die noch gelten wenn es für uns tatsächlich "zur Sache" geht.

Ciao, Udo
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon HubertB » Do 16. Aug 2018, 13:16

Ich habe mir einen Netzanschluss zur Garage legen lassen, durchaus vergleichbar mit Deiner Situation.

Westnetz schreibt:
Netzanschluss außerhalb des Gebäudes
Falls Sie keine Möglichkeit haben, die Anschlusseinrichtungen im Gebäude unterzubringen, kann der Netzanschluss außen am Gebäude in einer Zähleranschlusssäule erstellt werden. Bei nicht bewohnten Standorten oder nicht jederzeit zugänglichen Grundstücken (z. B. Lagerhallen, landwirtschaftliche Ställe) ist die Zähleranschlusssäule an der Grundstücksgrenze zu errichten.


Eine Zähleranschlusssäule (ZAS) die kostet ab ca. 1500€. Das ist so ein grauer Kasten wie man sie häufig am Straßenrand sieht. Da kommt der Zähler rein. Der ZAS hat eine Doppelschließung damit Das EVU an den Zähler kommt und Du auch.
Bei mir (Rheinische Netzgesellschaft) enthielt die Anschlusspauschale von 1000€ auch die Tiefbaukosten bis zum ZAS. Dabei gibt es eine Begrenzung auf x Meter. Der Strom wird wahrscheinlich unter dem Bürgersteig liegen und von dort geholt, nicht aus dem grauen Schrank von dem Du schreibst.
Die ZAS würde ich gleich mit beauftragen. Man kann die auch selbst besorgen, das würde ich aber nicht empfehlen.
Das Kabel von der ZAS zur Ladebox musst Du selbst verlegen (lassen), kostet extra.

Mit allen drum und dran wirst Du wahrscheinlich so um die 5000€ landen (die angegebenen Preise sind meist netto), dafür hast Du dann wahrscheinlich auch 3 x 63A.
Wenn Du gleich bei der Beauftragung angibst dass Du eine Ladesäule anschließen willst entfällt auch eine spätere Anmeldung / Genehmigung beim Netzbetreiber. Hier sind 3*63A Standard, genug für eine Doppelsäule mit je 22kW oder eine 43 kW Crowdfunding Box.

Die Entstehung meines Anschlusses ist hier dokumentiert:
goingelectric-crowdfunding/in-planung-cf-ladepunkt-50829-koeln-t15611.html
Die ZAS ist bei mir etwas größer und teurer, wg. 3*100A. Was Du brauchst ist etwa halb so breit.
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon ubit » Do 16. Aug 2018, 13:49

Danke für die Infos - das hilft schonmal weiter.

Puh.... 5000 € wäre schon heftig - und ein spürbarer Rückschlag bei der Diskussion mit meiner besseren Hälfte zu dem Thema. Die steht dem Thema eh schon skeptisch gegenüber.

Wobei ich für solche Zähleranschlußsäulen jetzt problemlos ohne lange zu googlen Preise finde die halb so teuer sind. Haben diese günstigen Dinger irgendwelche Nachteile?

Ernsthafte Erdarbeiten dürften nicht fällig werden. Wie gesagt: Der aktuelle Verteilerkasten steht so das er praktisch an unserem Grundstück kratzt. Der neue Kasten könnte sich im Prinzip daran "anlehnen". Tiefbau würde dann im Worst-Case 1 Meter brauchen... Im Idealfall würde ein 50cm-Kabel von ZAS zum vorhandenen Schaltkasten reichen - wenn das denn möglich wäre.

Kabel von ZAS zur Ladebox? Kann ich die Ladebox nicht direkt in/an die ZAS schrauben? Da wäre ein idealer Platz - leicht zugänglich und 1 m vom Stellplatz entfernt. Insofern wäre Kabelverlegung: 1 Loch bohren, Kabeldurchführung einsetzen, Kabel durchziehen, Box anschrauben. Wenn ich die Wallbox natürlich nicht an die ZAS montieren kann/darf wird es komplizierter.

Wenn ich das bei Westnetz richtig verstehe verzichten die bei einem Anschluss für einen Ladepunkt auf die Anschlussgebühr, wenn ich eine lastabhängige Abschaltung in Kauf nehme. Ansonsten dürfte ich da mit den 499,- € dabei sein - bis 30 m Erdarbeiten.

Das wären bei mir insgesamt dann (mit der günstigen Anschlußsäule) zwischen 750,- und 1250,- um die Voraussetzungen für eine Wallbox zu schaffen. Dazu dann eine günstige Wallbox und ich lande bei maximal 2000 €. Dazu dann vielleicht noch ein paar Elektrikerstunden - steuerlich absetzbar - das sollte es doch dann eigentlich gewesen sein, oder? Meine Kalkulation wäre also halb so hoch wie Deine Schätzung. Bei Deiner Rechnung sehe ich: Box = 1500 €, Anschluss = 1000 € - wo verstecken sich die übrigen 2500 € Differenz zu den genannten 5000 €? Für eine Wallbox und etwas Arbeitszeit sieht das für mich jetzt erstmal etwas hoch aus.

Bei den Stromtarifen blicke ich leider auch noch nicht durch. Irgendwie kann ich nicht wirklich abschätzen was der zweite Zähler monatlich an Kosten verursacht, ob es da Tarife gibt die mehrere Zähler "unterstützen" oder ob man einen komplett eigenen Vertrag für den zweiten Zähler braucht. Aber selbst wenn Letzteres nötig wäre liegen die Kosten für die "Betankung" wohl immer noch unter den Benzinkosten.

Ciao, Udo
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon E-lmo » Do 16. Aug 2018, 14:15

Im Herbst werde ich fürs Carport auch einen separaten Anschluss samt Zähler installieren. Ich möchte einen Anschluss für abschaltbare Lasten beauftragen und hoffe dann solch einen Tarif abzuschließen:
https://www.turbine-energie.de/heizstrom/
Bei mir 18,8ct/kWh + 60€ pro Jahr.

Die Anschlusskosten samt Zähleranschlusssäule werde ich erfahren, wenn der Elektriker ein Angebot gemacht hat.
PS: so ein größerer Kasten vom Energieversorger steht bei mir auch direkt 1m vor dem Grundstück. Bin gespannt, ob das Kabel dort angeschlossen wird!
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon ubit » Do 16. Aug 2018, 14:20

Jo - so ein Tarif wäre der Hammer *g* Halt' uns auf dem Laufenden. Wobei die Kennzeichnung als "Heizstrom" ja schon irgendwie pervers ist.... Auch wenn man im Elektroauto ja tatsächlich mit Strom heizen muss...

Ciao, Udo
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon HubertB » Do 16. Aug 2018, 14:30

Grobe Rechnung:
1500€ ZAS
1000€ Netzanschlusspauschale (bei mir)
1000€ Elektriker (incl. Kabel, Sicherungen, FI)
+ 19% Umsatzsteuer auf alles

Wenn die Bedingungen bei Dir wirklich so günstig sind kannst Du allerdings billiger wegkommen.
Ich würde mal eine konkrete Anschlussanfrage für Autostrom machen.
So ein Angebot für einen kostenlosen Anschluss gibt meines Wissens nur bei Westnetz. Es scheint aber max. 30 kW zu geben wenn ich das richtig gelesen hab, reicht auch dicke.

Da Du die ZAS kaufst darfst Du auch eine Box daran befestigen, das wäre dann ideal.
Vergiss Sicherungen und FI nicht (Platz und Kosten).

Ich drück die Daumen.

Gruß

Hubert
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon Lokverführer » Do 16. Aug 2018, 16:00

E-lmo hat geschrieben:
Im Herbst werde ich fürs Carport auch einen separaten Anschluss samt Zähler installieren. Ich möchte einen Anschluss für abschaltbare Lasten beauftragen und hoffe dann solch einen Tarif abzuschließen:
https://www.turbine-energie.de/heizstrom/
Bei mir 18,8ct/kWh + 60€ pro Jahr.


Da wird doch dann sicher ein Smartmeter installiert. Im Kleingedruckten von Turbine steht:

Preisaufschlag für das intelligente Messsystem brutto (netto) 100,00 EUR (84,03) EUR.
Wichtig für Sie: Der Preisaufschlag für intelligente Messsysteme fällt erst mit Einbau eines intelligenten Messsystems durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber an. Für weitere Informationen einfach hier klicken www.turbine-energie.de/messtechnik.

Ein elektronischer Zähler mit unterbrechbarer Verbrauchseinrichtung ist bei denen offenbar immer ein "intelligentes Messsystem".
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Re: Carport ohne Strom. Kosten? Aufwand?

Beitragvon ubit » Do 16. Aug 2018, 16:19

Jo, aber der vorhandene Zähler wird ja wohl auch irgendwann kostenpflichtig gegen eine intelligente Version getauscht, oder? Ich meine das es dazu irgendein Gesetz in BRD gibt... Insofern rechne ich diese Kosten nicht wirklich mit.

Ciao, Udo
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