PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon PowerTower » Di 9. Jan 2018, 08:55

Genau vor diesem Problem stehe ich auch. Zu meiner Verwunderung erzählte mir mein Bruder, dass er sich als nächstes Fahrzeug durchaus einen PHEV Kombi vorstellen könnte. Laden zu Hause wäre kein Problem, auf Arbeit jedoch schon. Damit das Auto also perfekt in die Arbeitswoche passt, müssten 60 km Tagesfahrleistung sicher elektrisch zu bewältigen sein. Eigentlich keine unlösbare Aufgabe. Und doch gibt der Markt nichts her.

Ihm gefällt der Kia Optima Sportswagon Plug-in Hybrid sehr gut. Kann ich verstehen, schickes Gefährt. Aber von Fahrzeugen, die lediglich eine Strecke elektrisch schaffen und die Rückfahrt nur mit Benzin, bin ich ebenso wenig begeistert wie er selbst. Ich meine es drängt nicht. Aber spätestens im Sommer wollte er eigentlich umsatteln. Nur auf was? :?
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon Schüddi » Di 9. Jan 2018, 09:06

Ich finde hier wird ein bisschen unter dem Tellerrand hervor geschaut. Vielleicht haben einige das Einsatzgebiet eines PHEV nicht so richtig begriffen. Dabei geht es nicht darum, nur elektrisch zu fahren und im Notfall den Verbrenner anzuwerfen. Es ist tatsächlich ein Hybrid der das beste beider Welten vereint. Alles andere wäre ein BEV mit Range Extender wie der I3, der im übrigen alles andere als sparsam ist im Benzinbetrieb.
Der Gedanke ist, den Großteil der Fahrten unter der Woche elektrisch zu meistern und am Wochenende trotzdem ein vollwertiges Auto für Langstrecken zu haben - der arbeitende hat hierzulande wohl durchschnittlichen Weg zur Arbeit und zurück von insgesamt etwa 30km habe ich mal gelesen. Die meisten PHEV sollten diese Distanz bezwingen können.
Daher muss man sich im vorraus klar werden - passt dieses Auto zu meinem Fahrprofil?
In meinem Fall gibt es noch ein paar andere Dinge zu beachten: Ich bin im Außendienst. Heute zum Beispiel muss ich 2 Kunden anfahren und bei beiden kann ich mit ein wenig Laufweg laden. Der erste Termin ist 38km entfernt, der zweite ca. 20km vom ersten, dann ins Büro und nach Hause sind zusammen nochmals ca. 50km. Aber ich komme fast den ganzen Tag elektrisch aus.
Ich kann solche Aussagen wie von PowerTower nicht nachvollziehen: Es müssten 60km zu bewältigen sein - warum? Es ist ein Hybris - klar wäre es schön aber so eine Strecke ist mit einem 1,0l Verbrauch fahrbar je nach Topografie. Dann springt auf der Fahrt 2-3 mal der Verbrenner kurz dazu weil der an manchen Stellen effizienter ist als der e-Motor.

Für mich ist der e-tron (oder auch die GTE Modelle) eines der besten Autos, die man derzeit auf dem Markt bekommen kann. Alles richtig gemacht! Und auch wenn man nicht laden kann, ist es keine Schwierigkeit ein Fahrzeug mit über 200PS mit 5,4l im Langzeitverbrauch zu bewegen. Dazu eine qualitativ hochwertige Verarbeitung zu einem (Austattungsbereinigt) geringen Aufpreis das nach einem normalen Auto aussieht. Wir sind inzwischen 3 Kollegen die einen e-tron fahren und haben alle die selbe Meinung. Ich würde ihn immer wieder kaufen denn ein BEV kommt für mich aus den schon vielfach genannten Gründen einfach noch lange nicht in Frage.
Im Winter habe ich einen Benzindurchschnitt von um 1,5-2l - im Winter hat er sich nahezu verdoppelt, was aber okay für mich ist da ich schon vorher wusste auf was ich mich einlasse. Gesamt bin ich jetzt nach 22.000km bei 3,77l/100km und 11,24kWh/100km auf 100km. Wobei man sagen muss das ich 2500km im Urlaub komplett ohne nachladen unterwegs war.
Man muss das gesamte sehen. Wer nur elektrisch unterwegs sein möchte, der ist mit einem Hybridfahrzeug falsch bedient. Bei wem das Fahrprofil aber einigermaßen passt, der fährt damit genau richtig - und wie gesagt, auch ohne nachladen ist der e-tron richtig sparsam im Vergleich mit ähnlich motorisierten Fahrzeugen. Und wer solche Alternativeb hat und dann zum hässlichen Diesel greift ist selber schuld.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon PowerTower » Di 9. Jan 2018, 09:21

Ich denke schon, dass man bei 40.000 Euro gewisse Ansprüche haben darf. Und einer davon wäre, dass man einen kalt laufenden Verbrennungsmotor vermeidet. Ist das nicht nachvollziehbar? Natürlich passt das PHEV Konzept perfekt zu ihm. In der Woche rein elektrisch und in der Freizeit oder bei Urlaubsfahrten eben mit Benzin. Nur das eben die Pendelstrecke etwas über dem Durchschnitt, aber keinesfalls in unrealistischen Regionen liegt.

Wenn beim PHEV bei einer normalen Tagesetappe der Verbrenner schon mitlaufen muss, dann kann er sich auch gleich bei Toyota einen Hybrid Kombi kaufen. Gibt es für 10.000 Euro weniger.

Ich kann Karlsson hier voll und ganz verstehen.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon OlafSt » Di 9. Jan 2018, 09:29

Nur das bei einem Hybrid der E-Motor nur als Anfahrhilfe dient bzw. zum "segeln", für den Vortrieb dient primär der Verbrenner. Beim PHEV ist der E-Motor die primäre Antriebsquelle (und Bremse), der Verbrenner kommt nur dann zum Einsatz, wenn der E-Motor nicht mehr langt.

IMHO ist der PHEV die eigentlich richtige Mischung für diese Zeit der Umstellung vom Kohlenwasserstoff-Verbrenner weg zum was-weiß-ich-was-es-nachher-wird hin. Und selbst für den Arbeitskollegen mit 60km Wegstrecke dürfte der PHEV das allermeiste davon elektrisch meistern.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon Schüddi » Di 9. Jan 2018, 10:01

Richtig! HEV und PHEV sind komplett unterschiedliche Fahrzeuge und wer mal einen e-tron und einen Auris Probe gefahren ist erkennt ganz schnell, das die 7000€ Aufpreis mehr als nur gerechtfertigt sind. Das sind komplett verschiedene Welten. Allein qualitativ und fahrerisch erst recht. Das muss man auch sehen in der Gesamtbetrachtung.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon kub0815 » Di 9. Jan 2018, 10:14

Ich kann Karsson nicht verstehen das man ein heuteige PHEV als "scheisse gemacht" tituliert. Weil es zu ihm nicht passt.
Leider ist es halt die die Crux, das man irgenteinen Kompromiss immer eingehen muss!
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon Fire » Di 9. Jan 2018, 10:25

Als Ampera Fahrer muss ich das ja sagen aber ich finde das Konzept des Ampera noch immer perfekt und finde es echt schade dass man das nicht weitergezogen hat. Ich kann theoretisch bis 160 fahren, habe die volle Leistung auch ohne dass ein Motor angeht und habe ausreichend Reichweite für fast alle Fahrstrecken. Ich fand das bei Probefahrten mit anderen PHEV immer schrecklich dass beim Kickdown immer der Motor angesprungen ist.

Mit heutiger Technik wären wohl statt 40-80 km Reichweite 100-160 drin, dazu noch eine schnellere Ladeleistung und somit hätte man das fast perfekte Auto.

Die 80km Sommerreichweite reichen mir für alle Fahrten ausser Urlaub. So kann ich auch 99% aller Fahrten rein elektrisch bewältigen. Wenn man sich einmal an das elektische Fahrgefühl gewöhnt hat, dann hasst man es wenn der Verbrenner angeht.
Das geht bei mir so weit dass ich auch schon mal 2x3.5 Stunden Ladepause auf einer 250km Fahrt gemacht habe um den Verbrenner zu vermeiden ;-)
Die 40-50 km Winterreichweite sind hingegen schon wieder etwas knapper. Da passiert es mir gelegentlich dass ich für wenige Kilometer noch den Motor anschalten muss oder dass ich die Heizung auf ein Minimum drehe um die 50 statt 40 Kilometer zu schaffen.

Je nach Fahrprofil sind die Anforderungen wohl auch recht unterschiedlich, ich denke wir sind uns aber einig dass man mit dem doppelten der heutigen PHEV Reichweite deutlich mehr Anwendungsfälle abdecken könnte und dass die Hersteller technisch sehr wohl auch in der Lage wären diese Anforderungen umzusetzen, nur dass es eben kein Autohersteller will.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon eDEVIL » Di 9. Jan 2018, 11:13

kub0815 hat geschrieben:
Ich kann Karsson nicht verstehen das man ein heuteige PHEV als "scheisse gemacht" tituliert. Weil es zu ihm nicht passt.

Kann ich 100% Zustimmen. Wenn man schon die teure technik einbaut, dann soltle man sie auch bestmöglich nutzen.

Von den aktuellen PHEV Modellen ist da noch der Outi am besten. Wenn man das Konzept mit etwas mehr akku ausrüstet und die Chadmeo-Ladeleistung steigert, klappt das schon sehr gut im Alltag. Habe in Belrin shcon öfter Outi-Fahrer an LAdesäulen getroffen, die nur auf Langstrecken den Stinken laufen alssen müssen (zumindest in 3 Jahreszeiten)

Der alte Ampera mag technsich ein Meisterwerk sein, aber viel zu komplex, um das kostengünstig anbieten zu können.

Warum baut BMW nicht die Technik vom i3 REX in den 2er gran tourer?
Mit 11kW AC klappt das im Alltag dann gut.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon Super-E » Di 9. Jan 2018, 13:11

Ich kann Karlssons Wunsch nachvollziehen, stimme aber nicht 100%ig zu.

Ich habe ja selbst schon gesagt, dass mir bei PHEVs die Grundidee zu verbrennerlastig ist. Also eigentlich ein Verbrenner, der im Nahbereich und Stadtverkehr elektrisch unterwegs ist und rekuperieren kann. Aber von der Seele her ein Verbrenner und darauf optimiert. Der I3 ist das andere Extrem. Eigentlich ein Elektroauto, aber mit "Reservekanister".

Ich fände für mich einen Passat mit e-golf Akku und up 3 Zyl. Benziner optimal - gerne als seriellen Hybriden um das System zu vereinfachen. Die maximale Leistung wird nur elektrisch erzielt. Für den Energiebedarf für konstantes Autobahntempo reicht der Motor locker - Leistungsspitzen (überholen, am Berg anfahren) kommen aus dem Akku.

Das System wäre für mich und vermutlich viele andere sehr gut. Für einen Vertreter wohl eher weniger, da ein serieller Hybrid nicht so effizient ist. Für mich wäre das egal. Ein optimierter REX Motor (Generator = Anlasser, Vorheizen bei Kaltstart, Betrieb nur im optimalen Betriebspunkt) sollte aber trotz Wandlerverlusten von seinen Vorzügen überwiegen. Die gesamtheitliche Betrachtung ist aber immer schwierig. Es ist den meisten Leuten zum Beispiel nicht vermittelbar, dass es scheißegal ist, dass der Verbrenner beim i3 nicht sonderlich effizient ist. Denn er wird selten gebraucht und seine Bauform ist so sehr einfach gehalten. Trotzdem liest man immer wieder Beschwerden.

Und wenn man zudem einen sündteuren PHEV kauft, dann soll der auch rocken. Nicht umsonst hat TESLA erfolg damit, dass ihre BEVs rational betrachtet unsinnig performant sind. Das bringt aber die Käufer. Deshalb will zum Beispiel VW dem GTE etwas das "GTI in Öko" Image verpassen. Scheint halbwegs zu klappen. Der Ampera, der eher in meine Richtung ging hingegen nicht...

Wobei man dem Konzept von mir natürlich durchaus im EV Mode 200kW mit Allrad verpassen kann.

Trotzdem haben aber auch die 30-50km PHEVs ihren Sinn. Meine Eltern wären die Musterkandidaten für einen Outlander. Sie fahren täglich damit 10km ins Dorf. Manchmal 20km in die Stadt zum Arzt, oder auch mal 25km zum IKEA (alle Angaben hin und zurück). Mahr als 50km fahren sie zu Hause gar nicht. Zwei mal im Jahr fahren sie mit dem 1to Kastenanhänger vollgepackt mit Gruscht (Hund im Kofferraum) 600km zu Ihrem Ferrienhäuschen und haben dort ein ähnliches Fahrprofil wie zu Hause. (trotzdem würden sie auch mit einem kleineren Motor auskommen, da sie auf der Bahn mit Hänger nur 100 fahren). Sie haben sich aber einen nagelneuen Benziner gekauft (immerhin kein Diesel - ihr zweitwagen ist ein Diesel, 12 Jahre alt mit 50.000km). Ich hab mir den Mund fusselig geredet, dass sie doch einen Outlander nehmen sollen)

Was für mich ein fail ist, ist wenn man bei der kleinsten Gasberührung sofort der Verbrenner anspringt und die Maximalgeschwindigkeit nur mit Benzin erreicht wird. Das sollte eben umgekehrt sein.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Beitragvon Solarmobil Verein » Di 9. Jan 2018, 13:12

kub0815 hat geschrieben:
Ich kann Karsson nicht verstehen das man ein heuteige PHEV als "scheisse gemacht" tituliert. Weil es zu ihm nicht passt.
Zum wem nicht paßt?
Karlsson oder dem PHEV? Meine Meinung: Zum PHEV.

Fire hat geschrieben:
Ich kann theoretisch bis 160 fahren, ...
Nicht nur theoretisch.
Ok, ich fahre auch selten über 130, aber ansonsten d'accord zu deinen Ausführungen.

eDEVIL hat geschrieben:
Der alte Ampera mag technsich ein Meisterwerk sein, aber viel zu komplex, um das kostengünstig anbieten zu können.
Mag nicht nur sein, ist er. Und dafür läuft er sehr zuverlässig - in meinem Fall schon 120000km bei ca. 15% Spritanteil.
Er war damals seiner Zeit eben voraus, genau wie vorher beispielsweise schon mal der Audi A2.

(Nicht) Kostengünstig ist relativ.
Für ein BEV mit vergleichbarer (Gesamt)Reichweite legst du auch heute noch in etwa den gleichen Betrag hin.
Und ich bin ganz ehrlich: Die Urlaube, die ich in den letzten Jahren mit dem Ampera gemacht habe, möchte ich auch heute noch nicht mit einem BEV machen. Ganz so experimentierfreudig wie z.B. AbRiNgOi, bei dem ja da etliches schief gelaufen ist, bin ich nicht. Urlaub ist Urlaub - und BEV ausreizen ist BEV ausreizen. Mache ich lieber getrennt voneinander.
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