Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

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Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon JOnas_ » Mi 16. Mai 2018, 11:03

Hallo,
ich bin vom Beruf her Taxifahrer und ich habe letztens einen älteren Mann gefahren, der mir erzählte, dass er Alzheimer Stufe 3 hat (das bedeutet leichte Vergesslichkeit z.b Wertgegenstände verlegen, Namen vergessen usw..) und dann sind wir auf das Thema Autofahren gekommen. Er kam sehr energisch rüber und man hat es ihm kaum angemerkt, dass er Alzheimer hat. Er meinte er fährt fast jeden Tag Auto und es klappt super. Dieses Thema beschäftigt mich seit dem sehr. Ich habe mich mal Belesen über Ärztliches Fahrverbot (https://www.fahrverbot.com/anlage-4-fev/), doch leider habe ich nicht so viel Antworten bekommen. Was passiert, wenn der Mann laut den Ärzten noch Fahrtüchtig ist und eines Tages einen schweren Unfall baut in dem einer ums Leben gekommen ist, weil er auf einmal vergessen hat wie man fährt bzw wie genau die Verkehrsregeln sind ? Ich meine eigentlich wäre es doch die Schuld von den Ärzten, dass sie ihm die Fahrerlaubnis nicht entzogen haben oder ?
Würde mich über Antworten freuen ! :?:
JOnas_
 
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Beitragvon Dirki3 » Mi 16. Mai 2018, 11:09

Nein. Ärzte sind nicht für die Erteilung oder den Entzug von Fahrerlaubnissen zuständig. Man kann uns nicht für alles haftbar machen.
Gruß, Dirk

BMW i3s seit 10.01.2018 :-)
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon Jeggo » Mi 16. Mai 2018, 13:15

Erst wenn etwas passiert wird gehandelt.
Typische Situation: Es gibt einen Unfall, an dem gesundheitliche Gründe mit beteiligt sind, die sich nicht beseitigen lassen sondern eher sich noch verschlechtern. Dem Unfallverursacher wird nahe gelegt die Fahrerlaubnis freiwillig abzugeben. Dann würde es kein Verfahren geben und alles wird gütlich beigelegt.

Bis bald

Jens
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon Rudi L » Mi 16. Mai 2018, 13:34

Der Führerschein gilt, außer bei LKW, lebenslang. Er kann nur entzogen werden wenn es dafür Gründe gibt.
Die Gründe müssen erstmal vorliegen und auf denjenigen zutreffen. Das geht zum Glück erst wenn tatsächlich was vorgefallen ist. Zum Glück deswegen, weil man den Führerschein sonst jedem vorsorglich entziehen könnte, was gegen geltendes Recht verstoßen würde.


Das ist in der Tat ein Problem. Drum wird schon auf EU Ebene eine Befristung der Führerscheine samt Gesundheitscheck diskutiert. Ich denke da wird sich noch was ändern.
Rudi L
 

Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon brushless » Mi 16. Mai 2018, 17:52

Bei uns in A sind Scheckkartenführerscheine grundsätzlich auf 15 Jahre befristet. Dies gilt auch für unbefristete alte Führerscheine die bei Verlust durch neue (dann befristete) Scheckkartenführerscheine ersetzt werden (Duplikat).
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon mlie » Mi 16. Mai 2018, 18:19

Macht man in A dann nach 15 Jahren nochmal die Fahrschulprüfung oder wie ist das zu verstehen?
170 Mm elektrisch ab 11/2012.
Ein Eckpfeiler kann durchaus rund sein. Beethovens Neunte war übrigens NICHT ein Fräulein Hochleitner aus Passau...
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon Lokverführer » Mi 16. Mai 2018, 18:20

Das ist in Deutschland nicht anders, die Fahrerlaubnis bleibt aber trotzdem gültig. Die begrenzte Gültigkeitsdauer des Führerscheins hat lediglich den Sinn, dass das neue Dokument den jeweils aktuellen Anforderungen an die Fälschungssicherheit erfüllt bzw. auch mit einem aktuellen Foto ausgestattet wird. Selbiges kennt man ja von Personaldokumenten schon lange.

Viele Leute werfen leider Führerschein und Fahrerlaubnis durcheinander. Während das Fahren ohne Führerschein nicht sonderlich schlimm ist (Ordnungswidrigkeit) ist das Fahren ohne Fahrerlaubnis eine Straftat.

Fakt ist, dass die Fahrerlaubnisbehörde einer Person die Fahrerlaubnis entziehen MUSS, wenn der Inhaber ungeeignet oder nicht befähigt ist ein Kraftfahrzeug zu führen (https://www.gesetze-im-internet.de/stvg/__3.html)
In § 2 (4) StVG heißt es dann
"Geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt und nicht erheblich oder nicht wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder gegen Strafgesetze verstoßen hat. Ist der Bewerber auf Grund körperlicher oder geistiger Mängel nur bedingt zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet, so erteilt die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis mit Beschränkungen oder unter Auflagen, wenn dadurch das sichere Führen von Kraftfahrzeugen gewährleistet ist."

Wenn jemand die körperlichen und geistigen Anforderungen nicht mehr erfüllt, müsste ihm die Fahrerlaubnis entzogen werden.
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon mlie » Mi 16. Mai 2018, 21:34

Oh, in der Tat. Mein Fehler, ich habe Fahrerlaubnis und Führerschein verwechselt. Danke für den Hinweis. Kam mir gleich komisch vor.
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Ein Eckpfeiler kann durchaus rund sein. Beethovens Neunte war übrigens NICHT ein Fräulein Hochleitner aus Passau...
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon Wiese » Mi 16. Mai 2018, 21:58

Eigentlich ist es ganz einfach.
Ärzte unterliegen der Schweigepflicht, und melden daher fahruntaugliche Patienten nicht den Behörden. Der Patient selbst muss einsichtig sein, oder ein Verwandter, Nachbar oder sonstwer kann den Fall der Polizei melden, die dann eine amtsärztliche Untersuchung veranlassen kann.
Ich weiß das, weil mein Sohn nach einem schweren Verkehrsunfall mit Koma usw. Vom Arzt gebeten wurde nicht mehr zu fahren. Den Führerschein/Fahrerlaubnis hat ihm niemand entzogen. Das ist im Prinzip als wäre man betrunken. Auch da muss niemand seinen Schein abgeben, und wenn man wieder nüchtern ist, darf man auch wieder fahren.
Umweltrelevantes: ab 2007 5,76 kWp PV, ab 2008 Naturstromkunde, ab 2009 20m² Thermie, ab Mai 2006 Honda Civic Hybrid
Eine Frau, 2 Kinder, 3 Enkel, eine Katze :old:
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Re: Alzheimer und kein Ärztliches Fahrverbot bekommen?

Beitragvon Ranzoni » Do 17. Mai 2018, 08:23

brushless hat geschrieben:
Bei uns in A sind Scheckkartenführerscheine grundsätzlich auf 15 Jahre befristet. Dies gilt auch für unbefristete alte Führerscheine die bei Verlust durch neue (dann befristete) Scheckkartenführerscheine ersetzt werden (Duplikat).


Gilt für alle ab 19. Jan 2013 ausgestellten Führerscheine.
Davor ausgestellte Scheckkartenführerscheine gelten bis 19. Jan 2033, damit wäre eine maximale Gültigkeit von 27 Jahren möglich. Wer also seit 2006 (erstes Ausgabejahr) eine solchen FS besitzt muss nicht fürchten, dass er ab 2021 illegal unterwegs ist.

Da wir aber 2018 haben, gelten auch diese FS nur noch 15 Jahre... :mrgreen: und eine ärztliche Untersuchung ist nicht vorgesehen.

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