Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon Bibothebird » Di 18. Nov 2014, 14:25

Hallo Ihr alle!

Ich bin zwar noch recht neu hier, habe aber schon so manche Stunde im Forum verbracht und mir inzwischen so dies und so das angelesen. (Bin also nicht mehr völlig unbedarft!). Ich interessiere mich hauptsächlich für den KIA SOUL EV. Meine tägliche Fahrstrecke beträgt 140km mit etwa 90% Autobahn. Das sollte mit dem SOUL nach derzeitiger Datenlage funktionieren.
Ich befürchte jetzt zwar mit meiner Frage eine gewisse Entrüstung loszutreten, wage es aber dennoch, weil ich Eure Meinung schätze.

Ist es überhaupt klug (sachlich betrachtet), im Jahre 2015 in Deutschland ein E-Fahrzeug zu kaufen, welches nur mit Typ1 AC und Chademo DC ausgestattet ist?
(Bitte keine Hersteller-Diskussion. Ein ZOE-Ladesystem inkl. CCS und Tesla Super Charger mit kostenloser Tank-Option für ganz Europa in einem variablen Kombi wäre natürlich super. Gibt es aber (noch) nicht und steht deshalb auch nicht zur Debatte!)

Ich wohne im Dreieck zwischen dem Niederbergischen, dem westlichen Ruhrgebiet und dem nördlichen Rheinland. Wenn ich es richtig recherchiert habe, ist von hier eine Reise gen Norden (z. B. Hamburg) problemlos mit Chademo (RWE-Säulen an Rastplätzen) möglich. Richtung Holland sollte ebenso kein Problem sein.
Nur scheint es derzeit von hier nicht möglich zu sein Richtung Süden zu fahren. Bis Gießen (ca 240 km) oder Frankfurt ist es einfach zu weit bei Autobahntempo.

Wie wird Euerer Meinung nach der Chademo-Ausbau weitergehen? (bei mir konkret zwischen Ruhrgebiet und Rhein-Main)
Wie verbreitet sind Typ2-AC-Säulen mit festem Ladekabel? Wird deren Anzahl zunehmen? (kenne die Bauanl. zum Steckeradapter, möchte mich aber mit so etwas nicht abschleppen. Typ1 auf Typ2 32A Kabel ist zwar teuer, aber ok!)
Der Soul soll mit 6,6kW Lader ausgestattet werden. Es ist hier zu lesen, dass an öffentlichen Typ2 Säulen das einphasige Laden über 4,6kW möglich sein soll. Stimmt das so? Wie werden die EVUs in Zukunft damit umgehen? (evtl. Softwareseitige Sperrung?)

Ich würde mich freuen, wenn Ihr eine sachliche Einschätzung geben könntet, damit ich mir ein Bild über das mögliche Fehlinvestitionsrisiko (bzgl. Restwert) machen kann.
Lange, zeitkritische Strecken werde ich aus Bequemlichkeitsgründen vermutlich weiterhin mit dem Verbrenner fahren. Nur sollte z. B. Chademo in Deutschland sterben, kann ich dem KIA am Ende noch Geld hinterher werfen um Ihn wieder loszuwerden.

Vielen Dank für Eure Mühe
Kay
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon TeeKay » Di 18. Nov 2014, 14:34

In ganz Europa werden Triple-Lader mit allen drei gängigen Schnellladesystemen gebaut. Deutschland wird sich dem nicht ewig versperren können. Auch einer Einschränkung des einphasigen Ladens mit 32A würde ich gelassen entgegen sehen. Schließlich gilt die Einschränkung auf 20A ohnehin nur für Privathaushalte. Gewerbliche Kunden dürfen ja auch Schieflasten erzeugen, ohne dass es jemanden stört.

Der Restwert heutiger Elektroautos wird ohnehin rapide sinken in den kommenden Jahren. Nicht, weil die Autos schlecht sind. Sondern weil es bessere geben wird mit größeren Batterien. Ob da dann nun Chademo, CCS oder Typ2 verbaut wurde, wird eine untergeordnete Rolle spielen. Der Automarkt ist international. Wenn es in Deutschland Chademo-Fahrzeuge gibt, dann kaufen auch Norweger, Dänen, Franzosen oder Estländer diese Autos.

Im Übrigen habe ich mehr als 50 gebrauchte und sehr gut gewartete ABB 50kW Chademos an der Hand. Wenn du auf deiner Route einen interessierten Investor kennst, der bislang nur die hohen Kosten scheute, dann sprich ihn doch mal an. Dieser Lader braucht nur einen 80A-Hausanschluss. 63A gingen auch noch, dann lädt er eben mit etwas gedrosselter Leistung. An einem Addon für 43kW Typ2 arbeite ich bereits. Diese 50kW Lader sind auch deutlich günstiger als z.B. die 22kW Lader von e8energy.
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon Nichtraucher » Di 18. Nov 2014, 19:28

Bibothebird hat geschrieben:
Ist es überhaupt klug (sachlich betrachtet), im Jahre 2015 in Deutschland ein E-Fahrzeug zu kaufen, welches nur mit Typ1 AC und Chademo DC ausgestattet ist?

Wie wird Euerer Meinung nach der Chademo-Ausbau weitergehen? (bei mir konkret zwischen Ruhrgebiet und Rhein-Main)
Wie verbreitet sind Typ2-AC-Säulen mit festem Ladekabel? Wird deren Anzahl zunehmen?


Ich persönlich halte es nicht für klug. Ich habe derzeit einen Leaf. Hätte der einen 3-Phasen Lader mit 22 kW wäre das ein ganz anderes Auto. Um Welten praktischer, da einfach die Verfügbarkeit von 22 kW Typ 2 Ladesäulen schon heute sehr groß ist. Alles andere ist eine Wette auf die Zukunft. Feste Typ-2 Kabel an normalen Ladesäulen habe ich bis heute noch nicht gesehen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die noch viel mehr werden, da sie bzgl. Beschädigungen empfindlicher sind. Das sehen andere anders, ok.
Die Anzahl der Ladesäulen mit Chademo nimmt zwar langsam zu, aber normale Typ2 Säulen werden sie so schnell nicht einholen. Außerdem empfinde ich es als großen Vorteil auch zu Hause bei Bedarf zügig aufladen zu können. Das wird mit DC so schnell nichts werden.
Wenn es mal verfügbar und bezahlbar ist und ich dann den Leaf noch habe, würde ich ein 22kW AC Ladegerät nachrüsten.
Wenn es zu diesem Zeitpunkt schon überall Chademo gibt, natürlich nicht mehr. Aber daran glaube ich nicht.
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon eDEVIL » Di 18. Nov 2014, 19:48

Schwer zu sagen, wie sich das in DE entwickelt, aber SOUL EV und Leaf sind zwei Fahrzeuge, die schon sehr überzeugend sind.
Man sieht auch sehr schön an den Gebrauchpreisen des Leaf, das es trotz dieser Einschränkungen in DE keinen übermäßig großen Wertverfall gibt.

Bzgöl 32A Ladung zu Hause sehe ich da keine Probleme.Wer soll den VErhindern, das man an ner Dreiphasigen Wallbox mit 32A auf einer Phase läd? :mrgreen:
Wobei ich zu hause lange zeit mit Shcuko gut kalr gekommen Bin. Mit 3,7KW hatte ich bisher nur 1x einen Engpaß.
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon Marcel_S » Di 18. Nov 2014, 22:58

Aus Infrastruktursicht kein Problem(*):
* Typ 2 wird öffentlich nur als Socket aufgebaut - ein passendes Typ2 auf Typ1 Kabel bekommst wahrscheinlich bei einem neuen Soul bereits mit
* DC-Laden wird zukünftig entweder CCS/Chademo oder CCS/Chademo/Typ2 aufgebaut.

Die Schwäche bleibt halt bei Typ1 grundsätzlich das einphasige Laden und dadurch die Limitierung auf 3,7kW.


(*) vorbehaltlich Lobby-getriebener Installationen und Unwissenheiten bei manchen aufbauenden EVUs ;)
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon TeeKay » Di 18. Nov 2014, 23:34

Marcel_S hat geschrieben:
Aus Infrastruktursicht kein Problem(*):
* Typ 2 wird öffentlich nur als Socket aufgebaut - ein passendes Typ2 auf Typ1 Kabel bekommst wahrscheinlich bei einem neuen Soul bereits mit

Das ist so nicht richtig. VW z.B. baut nur Wallboxen mit festem Kabel bei den Händlern.
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon ZoePionierin » Mi 19. Nov 2014, 00:10

Ja, aber ich würde jetzt mal behaupten, dass 99 Prozent der Typ2-Säulen kein festes Kabel haben. Und ob der VW-Händler einen KIA laden lässt, ist wohl auch sehr Einzelfallabhängig.
Die, die ein festes Kabel haben sind in der Regel Duo- (DBT) oder Triple-Lader und da ist dann auch ein festes CHAdeMO-Kabel dran.

@Bibothebird: Schau, was es an Infrastruktur bei dir in der Umgebung gibt. Sind genug Typ2 mit 22kW da, dann passt es ja.
In die Niederlande kommst du dann eh problemlos und da ist Triple-Paradis. Wenn das Auto nur zum Pendeln ist und du damit (vorerst) nicht in der Weltgeschichte rumfahren willst, spricht nichts gegen den KIA. Ein Auto ist immer eine individuelle Entscheidung und letztlich ein Kompromiss. Da muss jeder selbst entscheiden, was einem wichtig ist und welches der Fahrzeuge die meisten für einen wichtigen Merkmale hat.
Mach dir eine Liste, was du haben willst, priorisiere und vergleiche was die Modelle dir bieten.

Wenn man wie manche darauf wartet, dass ein Auto allen ihren Ansprüchen genügt, fährt man halt den Rest seines Lebens Bus ;)
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon Deef » Mi 19. Nov 2014, 07:19

Kurze Rückfrage: Willst Du die 160km am Stück pendeln - auch im Winter? Dann hätte ich meine ZWeifel, ob das mit dem Soul geht. Das halte ich aufgrund meiner Erfahrungen mit dem LEAF auch mit dem Soul für nicht machbar.

Sind es zwei mal 80 und kannst Du zwischendrin beim Arbeitgeber laden, dann ist das kein Problem und auch im dicken Winter machbar.

Ich habe den LEAF nun wohl noch zweieinhalb Jahre und hoffe auf den Ausbau von Chademo südlich von Frankfurt. Wenn das kommt, bleibt der Wagen vielleicht länger, sonst nicht.

Gruß, Deef
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon kai » Mi 19. Nov 2014, 09:01

ZoePionierin hat geschrieben:

Wenn man wie manche darauf wartet, dass ein Auto allen ihren Ansprüchen genügt, fährt man halt den Rest seines Lebens Bus ;)


Wieso?
So ein Auto gibt es doch :)
Tesla gibt gerade schöne Rabatte auf das Model S mit 60kwH Akku.

Der kann TYP2 11/22kw, Schuko und CEE16/32, mit optionalem Adapter CHAdeMo und optional sogar Supercharger.
Mehr Flexibilität kenne ich nicht.

Nur die Größe .. Der passt eben nicht unter den Carport ...

Gruß

Kai
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Re: Zukunftsfähigkeit eines Chademo/Typ1-Fahrzeugs

Beitragvon eDEVIL » Mi 19. Nov 2014, 09:09

TeeKay hat geschrieben:
VW z.B. baut nur Wallboxen mit festem Kabel bei den Händlern.

Mag sein, aber hätte eh kein Inetresse dort zu laden,w enn der nicht egrade perfekt gelegen ist.
Typ2 LAdepunkte sind ja keine Mangelware...
Notfalls geht auch CEE...
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