Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Leafler » Mi 15. Feb 2017, 13:59

Hallo,

angenommen man hat einen stark frequentierten Platz mit bisher schlechter Ladeinfrastruktur, viel Ladeweile, vorhandene gute Netzinfrastruktur und gute Erreichbarkeit, kann man dann von einem gewinnbringenden Betrieb eines Triple Chargers ausgehen oder fressen die Instandhaltungskosten das auf?

Die neuen Fördermöglichkeiten lassen mich da etwas aufhorchen...
Ich könnte mir ein Crowdfunding unter regionalen Windkraftbetreibern vorstellen! Wichtig wäre mir dann allerdings, dass die laufenden Kosten gedeckt sind. Hat da jemand Vorstellungen? Konkret fasse ich einen Veefill Kombi-Lader ins Auge.
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Tho » Mi 15. Feb 2017, 14:03

Wird sich auch mit der Förderung nicht wirtschaftlich darstellen lassen. :?
Durch bräuchtest vor allem eins: zuverlässige, regelmäßige Nutzer.
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon MineCooky » Mi 15. Feb 2017, 14:41

Die Instandhaltung ist nicht viel, denke ich zumindest. Aber die Anschaffung, das macht einen arm und den Triplecharger auf lange Zeit nicht rentabel
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Tho » Mi 15. Feb 2017, 14:54

Schreib mal 15.000-20.000 der mehr Eigenanteil auf 10 Jahre ab. Da muss ganz schön geladen und gezahlt werden, allein für den invest.
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon AndiH » Mi 15. Feb 2017, 15:10

Das Problem ist eher die Anzahl der Ladevorgänge pro Tag. Wie viele sind das im Schnitt an einem guten Standort?
Ich kann mir kaum vorstellen das zur Zeit schon irgend wo in DE ein Schnelllader steht der im Durchschnitt mehr als 2-3 bezahlte Ladevorgänge pro Tag hat.

Gruß

Andi
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon TeeKay » Mi 15. Feb 2017, 17:22

ABB nimmt für die Jahreswartung einen niedrigen vierstelligen Betrag, bietet alternativ aber auch einen 500 Euro Lehrgang an, um das selbst zu machen. Ein viel genutzter Schnelllader braucht dann alle 2-3 Jahre eine neue Steckergarnitur für 5000 Euro - siehe z.B. Niedersächsische Botschaft in Berlin. Die sind nach 2 Jahren bis auf Chademo schon so hinüber, dass eine zuverlässige Ladung schon Stirnrunzeln erzeugt. Ab und an raucht auch ein Gleichrichterboard ab. Das kostet rund 2000 Euro - 5 Stück gibts davon bei ABB. Und die Kommunikations-Elektronik ist auch schon mindestens einmal in Berlin ausgefallen und musste ersetzt werden.

Dann solltest du eine aktive Überwachung der Säule vornehmen lassen, damit nicht irgendwer vor einer defekten Säule strandet. Macht bei ABB wieder einen niedrigen vierstelligen Betrag pro Jahr aus.

Für eine norddeutsche Stadt ergaben sich zudem folgende Kosten für den Netzanschluss. Dabei wurde davon ausgegangen, dass nur ein Fahrzeug gleichzeitig laden kann und maximal 55kW Last anfallen:

Leistungspreis: 1.023 Euro
Messstellenbetrieb und Abrechnung: 533 Euro

Als Einkaufspreis inkl. aller Abgaben für die Energie wurden 22,3 Cent pro kWh angesetzt. Verkaufspreis waren 35 Cent pro kWh. Als Wartung setz ich mal 1000 Euro pro Jahr an. Eine aktive Anlagenüberwachung gibt es nicht.

Abschreibungszeit 10 Jahre.

Bei der Kalkulation der Säule mit 75% Förderanteil wäre die Säule profitabel:
bei 9kWh pro Ladung (wie in Estland) und 6.800 Ladungen im Jahr
bei 15kWh pro Ladung und 4.050 Ladungen im Jahr
bei 20kWh pro Ladung und 3.050 Ladungen im Jahr
bei 30kWh pro Ladung und 2.025 Ladungen im Jahr
bei 50kWh pro Ladung und 1.225 Ladungen im Jahr
bei 75kWh pro Ladung und 810 Ladungen im Jahr

Du hast in dem Fall rund 4300 Euro Fixkosten im Jahr, die du irgendwie auf die geladenen kWh verteilen must. Bei einem Preishub von nur 2-4 Cent ist da kein Gewinn drin. Das erklärt auch Allegos Zielpreis von 80 Cent pro kWh. Bei der Kalkulation wären sie dann bei 50% Subvention bei 650 Ladungen a 20kWh im Jahr profitabel und nicht erst bei 3.050.

Wenn du einen Verkaufspreis von 50 Cent pro kWh ansetzt, bist du bei durchschnittlich 9kWh pro Ladung und 2.450 Ladungen im Jahr profitabel. Verkaufst du pro Ladung sogar 20kWh, reichen 1.100 Ladungen.

Ich plädiere daher für folgende Preismodelle:
1. Flatrate-Modell mit Fair Use Klausel
2. Abo-Modell mit monatlichem Grundentgelt und vergleichsweise geringem kWh-Preis. Das animiert zur Vielnutzung und die Aboentgelte helfen, die Fixkosten zu decken.
3. Günstigen kWh Preis, um schnellstmöglich die Zahl der Ladekunden hochzutreiben, um die Fixkosten auf mehr kWh verteilen zu können.

Bei Allego nehme ich mal global für alle deutschen Schnelllader 0,5 Ladungen pro Tag an und wenn mal jemand lädt, dann höchstens 15kWh, weil man wieder weg will, sobald die Ladeleistung sinkt. Pro Säule machen sie dann mit 80 Cent pro kWh 4.550 Euro Verlust (ausgehend von 50% Subvention der Baukosten). Bei 150 Säulen also 600.000 Euro pro Jahr. Würden Sie mit 50 Cent pro kWh doppelt so viele User bekommen, steigt der Verlust nur um 140 Euro pro Säule, sie haben aber pro Säule 185 User glücklich gemacht, die von hohen aber vertretbaren Preisen berichten. Bei 35 Cent pro kWh und 1,37 Ladungen pro Tag steigt der Verlust auf 5.250 Euro pro Säule - dafür wird aber überall in den Foren und bei Unterhaltungen erzählt, wie toll das mit der Elektromobilität klappt und wie günstig das alles ist.

Und weil ich ein fieses Arschloch bin, leg ich jetzt mal die Nutzungsdaten von ELMO auf Allego um. Heißt: 2,47 Ladungen pro Säule und Tag mit je 9,87kWh.

Bei 35 Cent pro kWh bleibt der Verlust dann gleich: 5.150 Euro pro Säule. Dafür würden die Säulen aber richtig intensiv genutzt. Das beugt unentdeckten Fehlern vor, die ewig und drei Tage nicht diagnostiziert werden. Es ist Werbung, da immer mal wieder Autohofgäste jemanden laden sehen. Und jeder Elektroautofahrer könnte berichten, wie gut das mit dem Laden an der Autobahn läuft.
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Tho » Mi 15. Feb 2017, 17:35

Wie man an deiner Rechnung schön sieht, ist ein profitabler Betrieb aktuell, unabhängig vom Preis, nicht möglich:
Wer kann also Schnelllader aufstellen:
a) Städte, Gemeinden die Budget "übrig" haben (Umweltschutz, Marketinggründe)
b) Einrichtungen, die sich davon Mehrverkauf bei ihrem Kerngeschäft erwarten, also auch Marketing (Rasthöfe, Ikea, Aldi)
c) reine Ladestionsbetreiber wie Allego oder FASTNED, denen irgendjemand langfristiges Risikokapital gibt.
Für c) sieht es aktuell wirtschaftlich eher finster aus und ich rechne mit einigen Pleiten/Konsolidierung des Marktes in den nächsten Jahren.
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Spüli » Mi 15. Feb 2017, 18:09

Moin!
Ich meine mal aufgeschnappt zu haben, das jetzt auch 100% Förderung möglich sind. Bleiben also nur der Stromanschluß und die laufende Wartung. Dadurch verbessert sich die Rechnung ein wenig.
Ein echtes Geschäft ist so derzeit wohl nicht zu machen, aber ich denke für gute Standorte sollte es keine Verluste mehr geben.
Gruß Ingo
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon Tho » Mi 15. Feb 2017, 18:25

Wo soll es denn 100% Förderung geben?
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Re: Triple Charger mittlerweile gewinnbringend?

Beitragvon gekfsns » Mi 15. Feb 2017, 18:43

Wären da Beteiligung der Nutzer eine Möglichkeit, sei es Genossenschaften oder Firmenanteile ?
Momentan gibt's 0%-0.1% Guthaben-Zinsen, würde da gern investieren wenn es mir die Möglichkeit gibt auf eine bessere DC-Schnelllader Infrastruktur zuzugreifen, vielleicht mit günstigeren Tank-Konditionen anstatt Zinsen.

Der Fastned Founders Club würde sich z.B. nicht schlecht anhören, ist aber mit 50t€ "etwas" viel und auch für neue Mitglieder geschlossen.
https://fastned.de/de/investieren/fastned-founders-club-3
gekfsns
 
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