Schnellladung notwendig?

Re: Statistik

Beitragvon energieingenieur » Sa 26. Apr 2014, 22:53

Ich fahre ZOE und habe einen Backup Audi A2.
Dank dem Schnelllader im ZOE ist der Audi A2 in den letzten 6 Monaten nur zu Wartungszwecken und Lebenserhaltung bewegt worden.
Ohne Schnelllader im ZOE wären es deutlich über 2.000km gewesen, die der A2 hätte zurücklegen müssen.
Für mich ist der Schnelllader absolut sinnvoll und die einzige Möglichkeit 100% meiner bisherigen Fahrten elektrisch abzudecken. Ohne Schnelllader wäre das nicht möglich. Als Geißel einer Hetzerei von Schnelllader zu Schnelllader sehe ich mich dabei überhaupt nicht. Ich genieße die Zeit, einfach mal 30-60min an einer Ladestation ganz in Ruhe etwas lesen zu können oder ein paar private, etwas längere Mails zu schreiben, die ich sonst nicht geschrieben hätte. Das Aufladen an einem Schnelllader hat für mich persönlich etwas sehr beruhigendes. Zumindest auf meinen Strecken ist die Verteilung von 22kW-AC-Ladern schon relativ gut. Da muss ich keine großen Umwege fahren.

Im Endeffekt obliegt es aber jedem selbst, ob er diese Option benötigt oder nicht. Ich denke aber nicht, dass die eine Fraktion, die Notwendigkeiten oder Gedanken der anderen als blödsinnig bezeichnen sollte. Sowohl Schnell- als auch Schnarchladung haben ihr sinnvollen Anwnedungs- und Nutzungsbereiche. Ich bin froh, dass es beides gibt, so kann jeder wählen, was er benötigt.
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Re: Statistik

Beitragvon macdiverone » Sa 26. Apr 2014, 23:13

Es gibt halt nicht nur die "eine" Wahrheit, sondern ganz viele davon.

Gut, wenn eine respektvolle und wertschätzende Koexistenz möglich ist.
Für mich ist mein persönliches Elektro-Experiment dank nach wie vor elender Ladeinfrastruktur und BMW Ignoranz endgültig gescheitert. Rückgabe Juni 2017 (Leasingende) und gut ist. :evil:
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Re: Statistik

Beitragvon Goingi3 » Sa 26. Apr 2014, 23:51

Das mit der Schnellladung ist bei uns in Österreich noch kein großes Thema.
Vielleicht auch deshalb, weil die Ausdehung unseres Landes nicht so groß ist wie in Deutschland.
Ich kann das also schon nachvollziehen, wenn jemand seine erhöhten Anforderungen an die Mobilität
durch Schnellladung abdeckt. Immer noch besser, als einen alten Diesel zu fahren.

Aber das mit der Netzbelastung ist schon ein Thema, das auf uns alle zukommen wird.

Da ich vom Fach bin, erlaube ich mir, das Problem zu erklären.
Ich hoffe, Ihr verzeiht mir den kurzen Abschweifer vom Thema.

Nehmen wir an, an einem Niederspannungs-Versorgungskabel mit einer Länge von 300 m hängen mehrere Häuser mit ca. 20 Wohnungen, die über das Kabel mit elektrischem Strom versorgt werden. Nehmen wir weiteres an, dass über dieses Kabel eine maximale Leistung von ca. 130 kW übertragen werden kann.
Berücksichtigen wir einen gewissen Gleichzeitigkeitsfaktor, so dass alle 20 Wohnungen das Kabel mit je 3 kW vorbelasten, dann beträgt die gesamte Grundlast am Kabel bereits 60 kW.

Nun enscheiden sich 5 der 20 Wohnungsbesitzer, einen Renault Zoe zu kaufen und schließen ihre neuen Fahrzeuge in ihren Garagen an einer Schnellladestation mit 22 kW an und zwar gleichzeitig nach der Heimkehr von der Arbeit in der Zeit von 18.00 bis 20.00 Uhr.
Es würde sich dadurch die Gesamtbelastung für das Kabel auf 170 kW erhöhen. Das Kabel kann aber nur 130 kW und würde zu heiß werden (natürlich fliegt vorher die Hauptsicherung des Kabels).

Der Netzbetreiber müsste dem stolzen Elektroautobesitzer mitteilen, dass er die gewünschte Leistung nicht zur Verfügung stellen kann. Wünscht der Elektroautobesitzer aber trotzdem, sein Auto mit Schnellladung anschließen zu können, muss der Netzbetreiber das Kabel austauschen. Anschließend kann der Netzbetreiber dem Autobesitzer seine gewünschte Leistung bereitstellen, indem er seine Hauptsicherung erhöht. Für die Mehrleistung muss der Autobesitzer je kW einen gewissen Betrag zahlen. Das können dann gleich einmal ein paar tausen Euro sein.

Der nächste Flaschenhals ist dann der Transformator, an dem mehrere solche Kabel und viele andere Wohnungen hängen.
Wenn die Leistung zu groß wird, muss der Transformator ebenfalls ausgetauscht werden. Und so zieht sich das dann weiter über die Mittelspannungs- und Hochspannungsleitungen bis zu den Kraftwerken.

Für die Elektroversorungsunternehmen wird das sehr wohl ein Thema werden, wenn der Trend zu höheren Ladeleistungen anhält. Bezahlen wird das in jedem Fall immer der Kunde in Form höherer Kosten für die Leistungsbereitstellung, aber langfristig auch über höhere Stromkosten.

Ich hoffe, Ihr verzeiht den kurzen Abschweifer vom Thema, es erscheint mir aber wichtig, dass diese Problematik verstanden wird.
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Re: Statistik

Beitragvon energieingenieur » So 27. Apr 2014, 00:21

Goingi3, technisch hast du absolut recht, aber in der Praxis sieht es so aus, dass kaum ein ZOE-Fahrer die 22kW zu Hause braucht. Zu Hause hat er - wie alle anderen E-Fahrer auch - Zeit zum laden und kann das entsprechend der Strominfrastruktur langsam tun. Ich lade zu Hause auch langsamer.
Die 22kW oder mehr, werden unterwegs benötigt, wenn man längere Strecken unterwegs ist, die über die 100%-Reichweite des Fahrzeugs hinausgehen. Und das passiert auch nicht jeden Tag. Ich persönlich bin ca. 1x pro Woche auf eine 22kW-Ladung angewiesen. Und im Vergleich zum Lastgang von Unternehmen oder Industriebetrieben ist eine Netzbelastung mit 22kW jetzt nicht so ungewöhnlich. Für eine Wohnstraße gebe ich dir aber recht. Da kann es mit der Kapazität eng werden. Aber nur weil die Kapazitäten heute nicht zur Verfügung stehen, heißt das nicht, dass es nicht irgendwann so sein wird - Benzin gabs zu Beginn des Automobils auch nur in kleinen Mengen in Apotheken ;-)
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Re: Statistik

Beitragvon zitic » So 27. Apr 2014, 01:24

Leider sehe ich auch hier wieder, dass viele nur zu sehr auf ihr eigenes Erlebnis gucken und da dann wenig auf das Volkswirtschaftliche und vor allem die ZUKUNFT! Da schadet es manchmal auf sich selbst zu sehr zu gucken und darum versuche ich da auch eine gewisse Distanz zu meinen eigenen "Interessen" zu bekommen.

AC ist enorm wichtig. 22kW halte ich auch für Pflicht. Aber trotzdem ist ein breit ausgebautes Schnellladenetz wichtig. Leute, wir wollen EV in der Breite oder nicht? Und da muss man dann auch an andere denken! Mit der Größe des Akkus steigt auch die Relevanz der Schnellladung. Erst wenn man locker 200km am Stück fahren kann, tun sich die Leute das irgendwann in der Breite an 30 Minuten nachzuladen. Vergleicht das nicht mit uns Nerds! Andersherum bringt Typ 2 mehr wenn ich für den Rückweg bei der aktuellen Generation nachladen muss. Den kann man relativ einfach in viel größeren Massen bauen, damit er auch überall in der Nähe des nächsten Termins steht. Dann ist er optimaler Weise danach schon wieder voll und ich verplempere wenig Zeit mit einem "Ladeevent".
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Re: Statistik

Beitragvon fdl1409 » So 27. Apr 2014, 06:48

Mit der Größe des Akkus steigt auch die Relevanz der Schnellladung.

Seh ich anders. Je größer der Akku desto weniger Schnelllader werden gebraucht, weil es immer weniger Fahrten gibt, die die Kapazität der Batterie überschreiten.
Denke wir werden irgendwann Reichweiten von 500km und mehr kriegen. Dann reichen Schnellladestationen an jeder Autobahnraststätte. Im Kurzstreckenbereich um den Wohnort herum gibt es dann keinerlei Notwendigkeit mehr für schnelle Ladung.

Wenn sich das Elektroauto in der Breite durchsetzen soll wird es extrem wichtig, wie und wann wir laden. Es wäre absolut tödlich, wenn sich ein hoher Prozentsatz der E-Auto-Fahrer abends routinemäßig an die 22 kW Ladestation hängt, um den Akku sofort wieder voll zu laden. Das würde die Kapazität der Netze um Größenordnungen überschreiten. Wir müssen langfristig dann laden, wenn Strom aus erneuerbaren Energien im Überfluß vorhanden ist. Das wird im Sommerhalbjahr oft in den Mittagsstunden sein, wenn sehr viel PV-Strom ins Netz fließt. Ansonsten vor allem nachts und an den Wochenenden. Eine volle Akkuladung reicht ja bei 500km Reichweite den meisten Nutzern für eine ganze Woche und mehr.

Die Autos müssen auch kommunizieren mit dem Netz und den Netzbetreibern. Ich stelle mein Auto dann abends in die Garage über die Induktionsschleife, oder auch auf dem Parkplatz am Arbeitsplatz. Da ich in den nächsten Tagen keine längeren Fahrten geplant habe gebe ich der Regelung vor, daß der Ladezustand nicht unter 30% fallen sollte bei z.B. 500km Kapazität. Oberhalb der 30% gebe ich dem Netzbetreiber frei, den Akku nach Belieben zu laden oder auch Strom zu entnehmen. In der Regel wird dann der Akku am Wochenende voll geladen, werktags kann es bei Spitzenbedarf auch mal zu einer Entnahme kommen. Wenn viel Wind und Sonne ins Netz gedrückt werden können diese Mengen auch während der Woche in den Akkus eingelagert werden, es muß kaum noch EE-Strom durch Abregelung vernichtet werden.

Es wird sehr viel darüber diskutiert, wie wichtig der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist. Mindestens ebenso wichtig ist es, daß die Nutzer lernen, netzdienlich zu laden, wo immer es die vorhandene Kapazität der Akkus erlaubt.
Damit kann und sollte man übrigens heute schon beginnen. Habe meinen i-MiEV fast immer in der Nacht geladen zwischen 23:00 und 07:00. Mit dem i3 werde ich das genauso machen. Den i3 kann ich mit etwas mehr Leistung laden und auch die Zeit programmieren. Dann werde ich eher mit 12A und nur in der tiefen Nacht zwischen 01:00 und 05:00 laden. Dann ist die Netzbelastung am geringsten.

Geplant ist kurzfristig noch eine PV-Anlage. Dann werde ich eigenen EE-Strom gezielt am frühen Nachmittag laden. Im Sommerhalbjahr werde ich wohl annähernd 100% PV-Strom laden. Im Winter werde ich bei trübem Wetter keinen PV-Strom laden, der knappe EE-Strom ist dann besser im Netz aufgehoben. Nur am Wochenende werde ich dann PV laden, ansonsten in der Nacht, um die Netzbelastung zu glätten.

Grüße
Frank
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Beitragvon molab » So 27. Apr 2014, 07:11

Wahre Worte, Frank. Nur bringst Du das hier kaum jemandem bei. Die Leute ignorieren die Netzseite weiterhin. Auch dass man CCS an BABs ans Mittelspannungsnetz anschließen könnte, was mit AC oder daheim halt nicht funktioniert.
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Re: Statistik

Beitragvon macdiverone » So 27. Apr 2014, 07:26

Und wie laden die Leute ohne Lademöglichkeit zu Hause oder an der Arbeit?
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Beitragvon molab » So 27. Apr 2014, 07:46

An Parkplätzen mit billiger Infrastruktur, die man dafür überall hinbauen kann (Laternen, Induktion). Wie in Norwegen z.B.. Zusätzlich wenige Schnelllader am Mittelspannungsnetz für Durchfahrende/Eilige (teurer).
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Re: Statistik

Beitragvon zitic » So 27. Apr 2014, 11:14

fdl1409 hat geschrieben:
Seh ich anders. Je größer der Akku desto weniger Schnelllader werden gebraucht, weil es immer weniger Fahrten gibt, die die Kapazität der Batterie überschreiten.
Denke wir werden irgendwann Reichweiten von 500km und mehr kriegen. Dann reichen Schnellladestationen an jeder Autobahnraststätte. Im Kurzstreckenbereich um den Wohnort herum gibt es dann keinerlei Notwendigkeit mehr für schnelle Ladung.

Naja, von 500km und mehr bin ich für die nächste Zeit nicht gleich ausgegangen. Und ansonsten sehe ich das ja auch so.
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