Schnelladestandard-Diskussion

Re: Faszination Wissen - Elektroautos (Bericht im BR)

Beitragvon Solarstromer » Sa 29. Nov 2014, 00:11

Spätestens als Nissan die Produktion des Leafs in UK begonnen hat, hätten sie von Typ1/CHAdeMO auf Typ2/CSS umstellen können. Da war der CCS Standard von der europäischen und amerikanischen Fahrzeugindustrie schon längst beschlossene Sache.

Die Absurdität bei Nissan geht so weit, dass sie an ihren eigenen CHAdeMO/Typ2 Ladestationen (mit Typ2 festmontiertem Ladekabel) keinen Leaf ohne die CHAdeMO Option laden können, weil der nur eine Typ1 Buchse hat.
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Beitragvon e-lectrified » Sa 29. Nov 2014, 00:24

hHoch3 hat geschrieben:
@kaiZum Beispiel hatte ich mal irgendwo im Internet gelesen, wo jemand behauptet das CCS System sei von der deutschen Industrie dazu da, um ausländiche Hersteller zu behindern. Und solche aussagen finde ich Suboptimal.


Ich will dir ja grundsätzlich zustimmen, weil du sagst, dass dir zuwider ist, dass sich E-Auto-Fahrer gegenseitig nicht ankeifen sollten, aber das schwierige ist, nicht den Eindruck zu gewinnen, CCS sein eine Verhinderungsmaschinerie, wenn man sich die vorher genannten Argumente ansieht. Hätte man die Regierung nicht dazu gezwungen (und tun wir nicht so als sei das nicht der Fall, das wissen wir alle!), CCS als "Mindesstandard" zu bestimmen und alles andere zu verhindern, wäre ein friedlicher paralleler Aufbau einer Chademo/CCS/Typ2 möglich gewesen. So stehen wir vor einer Situation, die für alle außer VW und BMW unbefriedigend ist, denn, wenn nur CCS als Schnellladeoption gefördert wird, dann sind nach aktuellem Fahrzeugbestand nur diese beiden Hersteller privilegiert, mit diesem Standard schnellladen zu können!

Und ich finde, dagegen müsste jeder E-Auto-Fahrer auf die Straße gehen und demonstrieren...
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Re: Faszination Wissen - Elektroautos (Bericht im BR)

Beitragvon Solarstromer » Sa 29. Nov 2014, 01:05

Auch wenn ich selbst ein CHAdeMO Auto fahre, sind meiner Meinung die Trippel-Lader der falsche Ansatz. Weil es nicht nur um öffentliche Ladestationen geht, sondern auch um die bidirektionale Netzintegration der Elektroautos ins heimische PV-Netz oder ins öffentliche Stromnetz.

Soll ich bei mir zu Hause dann auch beide DC Standards vorhalten? Oder mich auf einen Standard festlegen und mir damit Autos mit dem anderen Standard verbauen?

Als sinnvolle, weitsichtige Lösung bleibt eigentlich nur, dass die Fahrzeughersteller *einen* Standard verbauen. Je schneller das passiert, umso besser ist es.
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Re: Faszination Wissen - Elektroautos (Bericht im BR)

Beitragvon hHoch3 » Sa 29. Nov 2014, 01:30

e-lectrified hat geschrieben:

Ich denke doch aber, dass diese theoretische Darstellung aus Wikipedia dennoch nicht den praktischen Unsinn hinter der Sache widerspiegelt. Ich sehe mir die Welt an, in der es überwiegend Typ 1 und Chademo gibt und in der es wunderbar ohne CCS funktioniert hat und dann sehe ich Deutschland, wo auf einmal Typ 2 und CCS es richten sollen und alles andere ist "kein Mindeststandard". KEIN Land der Welt sagt: Chademo, Typ1 oder Teslas Anschluss seien alles keine Mindesstandards! Nur ein paar deutsche Lobbyisten meinen, sie könnten sich zu solch einer Aussage erdreisten.

Und nur, weil die Amis es erfunden haben mögen, stecken überwiegend deutsche Hersteller (auch wenn GM und Ford sicher potente amerikanische Autokonzerne sind) hinter der Nummer und haben sie letztlich zum deutschen Sonderweg gemacht. Und die Praxis?

1. Welchen Anschluss hat denn ein Ampera / Volt?
2. Welchen Anschluss hat denn ein Ford Focus Electric?
3. Hat ein B-Klasse Elektroauto CCS?
4. Und der Audi, der vielleicht irgendwann mal kommt... na ja, lassen wir's!

Also stehen noch nicht mal die Erfinder des Standards dahinter, na herzlichen Glückwunsch!!!

Bitte nochmal meinen Post lesen. ;)
Die SAE hat dasn CCS System entwickelt nicht die Autohersteller. Übrigens praktisch zeitgleich zur Chademo-Entwicklung.

Übrigens wiedersprichst du dir Selber. Wenn die Deutsche industrie CCS als "Waffe" gegen die Konkurenz einsetzen würde, dann wäre doch Mecedes auch dabei.

Übrigens Ein Auto hast du vergessen: den Chevrolet Spark EV (mit CCS)
Und was Typ1 angeht, der hat für Drehstrom nicht genug Kontakte, und ist deshalb nur für die USA (und Japan) geeignet.

e-lectrified hat geschrieben:
Und wogegen ich auch sehr allergisch bin: wenn ein Mega-Lobbyist, wie VW (genauer: mein VW-Händler vor Ort) mit meinen Steuergeldern eine CCS-/Typ2-Ladesäule aufstellt und dann offiziell nach außen sagt, die Säule sei "nur für VW-Fahrzeuge" da und der Rest solle schauen, wo er bleibt. Da spucke ich Gift und Galle!

Hmm.. Also ich zahle meine Steuern an das Finanzamt und nicht an ein Autohaus :lol:
Aber Spass bei Seite, Wenn es VW und BMW um das Durchsetzen von CCS gehen würde, würden die doch kostenloses Laden anbieten. Und was ich nicht verstehe. Woher weißt du, das die Säule aus Steuergeldern errichtet worden ist, und woher weißt du das dort keine i3 laden dürfen. Welches Autohaus ist das denn?
Im übrigen würde ich einen kleinen VW-Händler nicht als Megalobbyist bezeichnen. :D
e-lectrified hat geschrieben:
Und: mir geht es absolut nicht darum, wer zuerst da war oder irgendwelche Dinge aneinander zu messen. Wäre CCS zuerst da gewesen, wäre es genau die gleiche Nummer! Es müssen ALLE laden können! E-Autos haben es in Deutschland auch so schon schwer genug, da können wir Sonderwege und Einzelgänger nicht brauchen...

Das CCS System ist etwa gleich alt wie das Chademo System, nur die Chademo-Fahrzeuge mit waren halt früher auf dem Markt.
Eine Frage: Mal angenommen ein Freund/Bekannter käme zu dir und würde die erzählen, er wolle sich einen eGolf kaufen und er möchte deine Meinung wissen. Würdest du ihm abraten?

e-lectrified hat geschrieben:
Ich will dir ja grundsätzlich zustimmen, weil du sagst, dass dir zuwider ist, dass sich E-Auto-Fahrer gegenseitig nicht ankeifen sollten, aber das schwierige ist, nicht den Eindruck zu gewinnen, CCS sein eine Verhinderungsmaschinerie, wenn man sich die vorher genannten Argumente ansieht.

Eben dieses (öffentliche) ankeifen lässt die Elektroautos schlechter dastehen, als sie sind.
e-lectrified hat geschrieben:
Hätte man die Regierung nicht dazu gezwungen (und tun wir nicht so als sei das nicht der Fall, das wissen wir alle!), CCS als "Mindesstandard" zu bestimmen und alles andere zu verhindern, wäre ein friedlicher paralleler Aufbau einer Chademo/CCS/Typ2 möglich gewesen.

NAja aber ohne eine gestzlich Regelung hätten wir Typ1, Typ2, Typ3, CCS, Chademo, CEE Blau, CEE Rot 16A, CEE Rot 32A, CEE Rot 63A und Schuko
Und das "das wissen wir alle!" würde ich in formulieren "das vermuten einige." Aber schauen wir dochmal welcher Lobbyverband die Einfürung CCS für Gleichstromladung in Europa gefordert hat: der ACEA und zu dem gehören
BMW Group
DAF Trucks
Daimler
Fiat
Ford of Europe
Hyundai Motor Europe
Iveco
Jaguar Land Rover
Opel Group
PSA Peugeot Citroën
Renault
Toyota Motor Europe
Volkswagen
Volvo Car
Volvo Group
alo nicht nur deutsche Hersteller
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon TeeKay » Sa 29. Nov 2014, 10:34

Wir wollen es doch bitte unterlassen, Geschichte umzuschreiben. CCS wurde nicht von amerikanischen Herstellern oder einer amerikanischen Herstellerorganisation im Alleingang entwickelt. Das VW Tochterunternehmen Carmeq schreibt dazu:
"Die Initiative Ladeschnittstelle, eine Kooperation von Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen, hat in den letzten Jahren in enger Abstimmung mit amerikanischen Automobilherstellern die Entwicklung des Combined Charging System zu einem offenen und universellen Ladesystem für Elektrofahrzeuge maßgeblich vorangetrieben. Mit der Leitung der Geschäftsstelle der Initiative verantwortet Carmeq die Koordination der herstellerübergreifenden Entwicklung und Standardisierung."

In der IEC-Standardisierungsgruppe sind von 35 Teilnehmern 4 Amerikaner, 8 sind Deutsche.

Fakt ist, dass erste Dokumente zu CCS zwar im Frühjahr 2010 auftauchten, erste Ladestationen sowie Autos nach diesem Standard aber erst 2013. Chademo wurde im Frühjahr 2010 bereits installiert, Autos gab es sogar schon Ende 2009 (i-Miev).

Wenn es also um Harmonisierung gegangen wäre, so hätte jeder Autohersteller im Jahr 2013 erkennen und sich daran anpassen müssen, dass der Standard Chademo ist. Hat man aber nicht gemacht, weil man ja seinen eigenen Standard durchdrücken wollte. Fakt ist weiterhin, dass es zwar viele Fahrzeuge gibt, die serienmäßig mit Chademo ausgeliefert werden, CCS aber in Deutschland bei allen Herstellern aufpreispflichtiges Extra oder ignoriertes Feature (Daimler) geblieben ist.
Fakt ist, dass es mit Ausnahme Deutschlands in halb Europa bereits eine gut ausgebaute Chademo-Infrastruktur gab, als man in Deutschland begann zu versuchen, den eigenen Standard durchzudrücken.

Und Fakt ist, dass die Ausgrenzung von Chademo in Deutschland dazu führt, dass die Ladeinfrastruktur nun von ausländischen Anbietern errichtet wird. Die beiden eu-geförderten Ladekorridore in Nord- und Süddeutschland werden doch nicht durch Zufall von Fastned und Clever errichtet, sondern weil die Niederländer und Dänen sonst nicht mit ihren Fahrzeugen, ob CCS oder Chademo, durch Deutschland zu ihren Urlaubszielen kämen.

Es wurde also völlig ohne Not versucht, einen Steckerkrieg vom Zaun zu brechen. Die beiden Standards waren eben nicht zeitgleich da. Stattdessen kam der zweite drei Jahre später. Das fällt in Deutschland nur nicht auf, weil die mit Milliarden finanzierten Elektromobilitäts-Förderprojekte das Thema Infrastruktur, insbesondere Schnellladeinfrastruktur, 6 Jahre lang überhaupt nicht bearbeiteten und es in Deutschland noch gar keine Infrastruktur gab. Alle Welt ignoriert den von Deutschland aufgezwungenen Krieg und baut Triple-Lader - oder ignoriert wiederrum CCS gleich ganz. Was kümmerts die weltweite Eiche, wenn die deutsche Sau sich an ihr reibt? Und in Europa ignoriert man auch den von Deutschland aufgezwungenen Krieg und baut mit EU-Fördergeldern einfach auch in Deutschland Triple-Lader. Vielleicht sollte Mutti mal Cameron-gleich mit dem EU-Austritt drohen, wenn die fiesen Ausländer nicht sofort aufhören, japanische und französische Ladestandards im geheiligten Leidmarkt zu installieren?

Was V2G angeht, so braucht es dazu kein CCS. Ich bezweifle ehrlich gesagt auch, dass das jemals kommen wird. Der Preisabstand zwischen teuren und günstigen Preisphasen auf dem Strommarkt ist viel zu gering, als dass einem Privatnutzer finanzielle Anreize geboten werden könnten, erstens seine Fahrzeugbatterie zur Verfügung zu stellen und zweitens überall V2G-fähige Ladegeräte und Wechselrichter zu installieren.
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon AbHotten » Sa 29. Nov 2014, 11:03

TeeKay hat geschrieben:
...

+1

Hinzu kommt, dass die beiden CCS-Verfechter VW und BMW ihre Fahrzeuge im Ausland auch mit CHAdeMO anstatt CCS verkaufen... Nachtigall ick hör dir trapsen... :roll:
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon mutle » Sa 29. Nov 2014, 11:14

> Hinzu kommt, dass die beiden CCS-Verfechter VW und BMW ihre Fahrzeuge im Ausland auch mit CHAdeMO anstatt CCS verkaufen... Nachtigall ick hör dir trapsen... :roll:

Das stimmt nicht ganz. Bei BMW ist es nur für den Japanischen Markt. Zu VW habe ich noch nix diesbezüglich gehört. Ausserhalb von Japan gibt es aber definitiv keinen i3 oder eGolf mit CHAdeMO zu kaufen.
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon Jogi » Sa 29. Nov 2014, 11:45

@TeeKay:

Nagel auf den Kopf getroffen! :thumb:
Wenn früher alles besser war,
hätte man's ja auch so lassen können.
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon kai » Sa 29. Nov 2014, 12:10

Noch ne Info:

Vom EU-Parlament wurde TYP2 mit 43kw UND CCS mit 50kw als Schnelladestandard definiert.
Also CCS ist nicht der alleinige EU-Standard für Ladung >22kw.
Das wissen die meisten nicht, und stellen CCS als alleinigen Standard dar. Auch die Herren von VW/BMW, z.B. im Plusminus Beitrag.

Für Investoren sollte man auch betrachten wieviele Autos es übehaupt mit welchem Ladestandard in Europa gibt.
Da CCS bei BMW und VW ja nicht serienmäßig ist, 43kw AC und CHAdeMO aber schon bei einigen Autos schon ist die fahrende potentielle Menge an CCS Ladern auch nicht berauschend.

Am Ende werden wir in 2-3 Jahren durch EU-Projekte ca. 400-600 Triple Lader bzw. SLAM Lader in D haben.
Da SLAM und die Triple Lader immer CCS und 43kw AC haben und die Triple Lader dazu noch CHAdeMo wird sich die Lage an den Autobahnen entspannen. Allerdings zu Preisen von Clever usw. (80ct die kwH)

Ich finde es traurig das es ausgerechnet Tesla mit 120kw / 135kw DC und einem modifiziertem TYP2 Mennekes Stecker schafft technische Maßstäbe zu setzen ohne einen neuen Stecker zu erfinden, der auch noch mehr Platz beansprucht.

Die "richtigen" Elektroautos mit 80-100kwH Akkus in 2-3 Jahren werden über 50kw CCS / 43kw AC Lader eh nur schmunzeln und gleich an den Tesla Stationen mitladen.

Hier noch zwei Graphiken aus der Praxis (Stand Mitte Oktober), TYP2 und CCS >= 20kw mit 24H Erreichbarkeit.

Typ 2 mindestens 22 kW 247.jpg
TYP2 Min 22kw, 24H offen


und

Combined Charging 247.jpg
CCS ab 20kw, 24H offen


Gruß

Kai
BildZOE Zen, CrOhm Box mit 22kw, PV seit 2009 mit Eigenverbrauch und 9,43 kWp (Hausspeicher mit 25 kWh geplant)
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Re: Schnelladestandard-Diskussion

Beitragvon lingley » Sa 29. Nov 2014, 12:24

Umgekehrt könnt man auch so argumentieren:
Die CCS durchdrücker in D können froh sein, das ein ausländischer Konzern Ihnen und ihren Kunden die Arbeit abnimmt und Ihnen die CCS Säulen durch den eigenen Hausflur baut !
Wie groß wäre das Geschrei der CCS Benutzer, würde Fastnet beim Aufstellen auf den CCS Anschluss gänzlich verzichten, so wie die Schaufensterprojekte in D auf Schademo ?
Zuletzt geändert von lingley am Sa 29. Nov 2014, 12:59, insgesamt 1-mal geändert.
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