Noch eine Insellösung ?

Noch eine Insellösung ?

Beitragvon E_souli » Di 25. Mär 2014, 18:31

Der WDR berichtet heute über folgendes:

Modellregion Elektromobilität im Siegerland:
(09.36 Uhr)
Das Siegerland wird zur Modellregion für eine bessere Elektromobilität. Dafür sorgt ein bundesweit einmaliges Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das am Montag gestartet ist. Es wird vom Bund mit 1,4 Millionen Euro gefördert. Bei dem Modellprojekt arbeiten die Stadt Siegen, die Universität und fünf heimische Unternehmen in den kommenden vier Jahren zusammen. Sie wollen ein Netzwerk für Elektromobilität schaffen und das Siegerland fit für den abgaslosen Verkehr der Zukunft machen. Dazu soll es zum Beispiel mehr Stromtankstellen und ein CarSharing für Elektrofahrzeuge geben. Außerdem sollen Firmen und Kommunen dabei unterstützt werden, ihren Fuhrpark auf umweltfreundliche Autos und E-Bikes umzustellen.

Stand: 25.03.2014, 09.36 Uhr
Manche finden Schukosteckdosen auf Langstrecke cool,
weil sie sich schämen würden, einen Abschlepper zu holen, wenn nix mehr geht.
Saugeil, sinnvoll und genau so funktioniert E Mobilität in den Köpfen einzelner.
Knaller :-)
E_souli
 
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon energieingenieur » Di 25. Mär 2014, 19:13

Ich finde, dass diese Insellösungen aktuell deutliche Vorteile haben, vor einer allumfassenden Gesamtlösung.

Ich hatte bereits mit mehreren Förderprojekten zu tun und beobachte einige sehr intensiv. Ich habe den Eindruck, dass lokal begrenzte Projekte (Insellösungen) deutlich einfacher und schneller Erfahrung sammeln können, als wenn alles als bundesweites Projekt durchgeführt würde.

Ich finde das vergleichbar mit kleinen und großen Unternehmen. Im kleinen Handwerksbetrieb unterhält sich der EV-Fahrende Angestellte mit dem Chef, überzeugt, der sagt im besten Fall sofort ja und 4 Wochen später geht die Ladestation in Betrieb und man kann Erfahrungen sammeln. Bei größeren Unternehmen muss man sich erst durch zig Abteilungen wühlen, es werden Experten gefragt, Juristen beschäftigt, man will ja nichts falsch machen. Wenn man Glück hat geht da nach 6 Monaten etwas in Betrieb, was vll. etwas von dem enthält, was die ursprüngliche Anforderung war.

Die kleineren, lokalen Projekte sind deutlich überschaubarer, einfacher und können schneller kommunizieren und reagieren. Beispiel für ein kleines Projekt: E-Wald. Die Projektidee enstand bei einem "Biergespräch". Vor 2 Jahren gab es an 4 Hochschulstandorten dann eine handvoll Test-Ladesäulen. Inzwischen fahren dort 250 EVs herum, der gesamte Bayerische Wald verfügt flächendeckend über mehr als 50 Ladeorte mit über 300 Ladepunkten und aus dem Projekt wurde eine eigenständige GmbH, die im Franchise-System sogar Ladeinfrastruktur nach ganz Deutschland verkauft und betreibt. Es gibt bereits viele EV-Erfahrungen mit 3 strengen Wintern, Schnee und Eis. Jeder Bürger kann sich hier Fahrzeuge im Car-Sharing mieten und ausprobieren. Was sich da alleine im letzten Jahr entwickelt hat, ist wirklich gigantisch!

Beispiel für ein großes Projekt: Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg, "Unsere Pferderstärken werden elektrisch". Die gibt es sogar schon länger, als den E-Wald. Die politischen Kontakte sind super, tolles Marketing und super Veranstaltungen, ABER... die haben es grad mal geschafft im letzten Herbst 80 VW e-up! an Kommunen zu bringen. Die fahren seit nichtmal 6 Monaten und der Aufbau von Ladestationen in der Metropolregion wird zwar immer fleißig beworben, aber faktisch passiert ist hier bisher absolut gar nichts. Es gibt über 50 Unterprojekte, die gefördert werden, von denen aber bis auf die Motorräder im Harz bisher nichts in der realen Welt angekommen ist. Zumindest kommt von den Ergebnissen beim Bürger nichts an. Und selbst mir - der die Projekte recht intensiv beobachtet - bleibt verborgen, wohin das alles führen soll. Man sieht immer teure Veranstaltungen, viel Werbung, aber keine echten Ergebnisse und viele Bürger fragen sich: "Wozu das ganze?" Ich kenne einige Mitarbeiter der Metropolregion. Die haben echt einen anstregenden Job, viel Motivation und organisieren zig Veranstaltungen, aber dennoch bleibt die Frage: Was kommt dabei konkret heraus?

Das kleine Projekt im Bayerischen Wald hat in nur 12 Monaten mehr Ladestationen neu geplant und gebaut, als in der gesamten Metropolregion bis heute in Summe stehen.

Ich bin daher lieber für kleinere Projekte, die auf den kurzen Dienstwegen echte Praxiserfahrungen sammeln und die sich dann mit echtem Erfahrungen zu größeren Projekten zusammen schließen und ihre Ergebnisse austauschen. Viele kleine Erfahrungen bringen m.E. mehr, als der Versuch, gleich ganz Deutschland abdecken zu wollen.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon dibu » Di 25. Mär 2014, 20:33

Ich stimme dir im Wesentlichen zu. Bis auf einen Aspekt: die Insellösungen können auch zu dem hier schon oft angeführten Problem der Einzellösungen für die Infrastruktur ("Fürstentümer") führen. Das heißt, eigene Zugangssysteme, eigene Ladesäulen (z.B. nur CCS, nur Chademo oder nur Schuko,...) und keine Zugangsmöglichkeit von außen.

Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass die Ladeinfrastruktur für längere Reisen bundesweit geregelt werden muss. Und dann mit Ladestationen im 50-kW-Bereich. Das kann m.E. nur ein bundesweites Projekt oder ein überregionales Konsortium stemmen.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon TeeKay » Di 25. Mär 2014, 20:36

Warum sind alle so scharf auf 50kW? Bei den heutigen Batteriegrößen machen 50kW vs. 20kW einen Unterschied zwischen 2min (i-Miev) und 5min (Leaf).

Abgesehen davon stimme ich euch beiden zu. Regionale Lösung geht schneller - aber Einbindung in ein mindestens deutschlandweites Zugangsnetzwerk wie The New Motion ist ein Muss und eigentlich von einer regionalen Lösung unabhängig.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon energieingenieur » Di 25. Mär 2014, 20:55

An den Benzintankstellen können wir alle mit den gleichen Zugangsberechtigungen zahlen: Bargeld und EC-Karte.

Ich denke nicht, dass EIN System, mit RFID-Zugangs-Berechtigungs-Karten bundesweit funktionieren wird. Alleine schon, weil irgendwann die Datenschützer auf den Plan kommen, dass zu verhindern und der Verwaltungsaufwand irgendwann gigantisch wird. Zudem besteht bei nur einem Anbieter ein gewisses Monopolproblem. Und bei allem optimismus glaube ich schlichtweg nicht, dass sich alle Betreiber auf einen Standard bei der RFID-Daten-Nutzung einigen können. Irgendwer will immer ein Sonderfeature.

Tesla zeigt im Grunde, wie es geht: Etwas mehr Reichweite im Fahrzeug und dann reichen bereits 30-50 Schnellade-Stationen im Bundesgebiet an den Autobahnknotenpunkten aus. Ich hoffe nach wie vor, dass es an wichtigen Punkten richtige E-Tankstellen mit Tesla-Chargern, CCS, Chademo und auch AC 43kW geben wird. Du fährst hin, lädst 30min, trinkst nen Kaffee und zahlst dann an der Kasse. Alle können den Ladepunkt nutzen - ganz ohne Karte. Dabei stelle ich mir den Verkaufsraum eher wie die Lounge bei der DB oder in Flughäfen vor. Evtl. WLAN, usw. Da gehen 30min dann auch verdammt schnell rum. Die schon existierenden Autohöfe bieten sich dafür auch an. Da gibt es meist sogar Gastronomie.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon energieingenieur » Di 25. Mär 2014, 21:03

TeeKay hat geschrieben:
Warum sind alle so scharf auf 50kW? Bei den heutigen Batteriegrößen machen 50kW vs. 20kW einen Unterschied zwischen 2min (i-Miev) und 5min (Leaf).

Kannst du das bitte nochmal erklären, wie Ladeleistungen von 20kW und 50kW nur eine Differenz zwischen 2 und 5min ausmachen sollen? Ich habs glaube ich nicht verstanden, was du sagen wolltest.

Ich rechne nach wie vor so: Wenn ich meine ZOE bis 10% runtergefahren habe und dann mit 43kW lade, kann ich nach nach knapp 30min mit ganz gutem Füllstand weiter fahren. Wenn ich 20kW Ladeleistung habe, brauche ich ungefähr die doppelte Zeit, also etwa 1 Stunde, bis ich mit einem angemessenen Füllstand weiter fahren kann.

Das ist immerhin eine Zeitdifferenz von Faktor 2. Den meisten Menschen kann ich 30min noch als angemessene Pausenzeit verkaufen. 1h aber nicht mehr. Ich sehe durchaus einen deutlichen Komfortgewinn zwischen 20kW, 50kW bzw. die fast 150kW bei Tesla.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon TeeKay » Di 25. Mär 2014, 21:12

Der ZoE ist ein Sonderfall. Mir ist kein anderes Fahrzeug bekannt, das über einen so großen SOC-Bereich mit maximaler oder annähernd maximaler Leistung lädt. Bei den anderen Fahrzeugen geht die maximale Ladeleistung vergleichsweise früh in den Keller. e8energy hat daher bei Tests Zeitdifferenzen von 2-5min (i-Miev und Leaf) gemessen.

Und am InnoZ in Berlin sagten sie mir, dass ein zweiter Aspekt hinzu kommt: Bei hohen Ladeleistungen steigt der Innenwiderstand der Zellen, sie heizen sich auf, brauchen stärkere Kühlung (Verbrauch), gleichzeitig senkt das Auto die maximale Stromstärke. Am Ende ist man mit den heutigen Fahrzeugen mit 50kW kaum schneller.
Zuletzt geändert von TeeKay am Di 25. Mär 2014, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon energieingenieur » Di 25. Mär 2014, 21:15

@TeeKay: Das ist interessant. Das war mir nicht bekannt. Hast du evtl. die Testergebnisse greifbar? Die Ladekurven - sofern vorhanden - würden mich sehr interessieren.
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon TeeKay » Di 25. Mär 2014, 21:44

Ich frag morgen mal nach
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Re: Noch eine Insellösung ?

Beitragvon ATLAN » Di 25. Mär 2014, 22:09

Man sollte bedenken: JETZT macht es eventuell nicht viel aus, ob 50 oder 20 kW am Chademo oder CCS zur verfügung stehen, sobald die Akkus aber über 40kWh Kapazität kommen, wird das sehr wohl ein Kriterium. So gesehen ist die 50kW Variante zukunftssicherer.

MfG Rudolf
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