Mythos Destination Charging

Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon spark-ed » Do 13. Jul 2017, 22:10

Volker.Berlin hat geschrieben:
"Laden mit der Pipette" ist kein Problem. Selbst Schuko-Ladung ist (rein mathematisch, aber auch praktisch) unendlich viel besser, als gar nicht laden. Es ist ein m.E. ein fundamentaler Irrtum, zu glauben, dass größere Akkus höhere Ladegeschwindigkeiten beim Destination Charging erfordern. Das Gegenteil ist der Fall! Wenn ich einen riesigen Akku habe, den ich bei jeder Gelegenheit ein bisschen nach laden kann, dann genügt Schuko* vollkommen. Das Auto steht sowieso den größten Teil seines Lebens in der Gegend rum. (Für Schnelllader gilt natürlich eine andere Logik.)

* Schuko im übertragenen Sinn. Ich bin absolut kein Freund davon, Autos an Schuko-Dosen aufzuladen, und meine damit einen Typ 2-Anschluss mit niedriger Leistung, z.B. 3,7 kW.

Danke für diese Stellungnahme aus Tesla Sicht, genau so sehe ich es auch.
Gerade je größer die Batterien werden um so besser funktioniert das. Wo gibt es ein Ladeleistungsproblem solange man die Standzeiten nutzen und dadurch täglich locker auch über 200km laden kann. (und erzählt mir nicht, es lohne sich selbst bei nur z.B. 2,3kW nicht für 10h am Stellplatz oder 8h am Arbeitsplatz das Kabel einzustecken)
Es gibt natürlich echte Ausnahmen z.B. Taxibetriebe oder Viel-/Langstreckenfahrer, bei denen eine zügige Destination-Zwischenladung hilfreich ist, um Wartezeit am DC-Charger unterwegs einzusparen. Das betrifft aber vielleicht 5%
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon ecopowerprofi » Fr 14. Jul 2017, 05:31

spark-ed hat geschrieben:
Es gibt natürlich echte Ausnahmen z.B. Taxibetriebe

Ich betreue gerade ein Taxi-Betrieb mit LEAFs. Der Schnelllader mit 43 kW ist nur erforderlich, weil die verbauten 30 kWh Akkus für ca. 200 bis 230 km gut sind. Hätten die 40 bis 50 kWh könnte man auf den Schnelllader verzichten und es würden die WB mit 7,4 kW ausreichen. Jedenfalls sind die Fahrer schon so erzogen, dass die die Pausen zum Nachladen nutzen.

Ein "Normalnutzer" verbraucht ca. 3000 bis 5000 kWh für 15.000 km pro Jahr. Bei einer mittleren Geschwindigkeit von 30 km/h und Verbrauch von 15 kWh / 100 km ist das Auto nur 500 h von 8760 h in Betrieb. D.h. es steht jedes Jahr 8360 h rum. Wenn die Standzeiten zum Laden genutzt würden und die Batterie ausreichend groß wäre, käme man mit eine Ladeleistung von ca. 0,6 kW aus. Daher sind DeC mit mehr als 11 kW absolut nicht erforderlich, wenn man eine Batterie mit ein paar Reserven hat die sein tägliches Fahrprofil abdeckt. Selbst ein Außendienstler fährt im Jahr ca. 25.000 bis 40.000 km. Pro Arbeitstag sind das ca. 100 bis 150 km. Wenn er bei jedem Kunden nachladen könnte, käme er mit 3,7 kW aus.
Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. :idea:
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon Priusfahrer » Fr 14. Jul 2017, 06:42

Hab neulich das Anschlussschema eines neuen Gewerbeobjektes gesehen. Die einzelnen Gastrobetriebe und Büroetagen bekommen Anschlüsse zwischen 150-500A. Das ganze Objekt verfügt über 630KVA (eigener Trafo). Zusätzlich wird ein Nutzer direkt aus dem Ortsnetz mit 492KVA versorgt. Die Tiefgarage verfügt über ca. 50 Stellplätze.

Ich glaube selbst wenn 10 Stellplätze mit 22KW ausgestattet würden, wäre da noch genug Reserve auch ohne Lastmanagement. Selbst wenn 10 Teslas da gleichzeitig anstöpseln. Dazu noch 10-20 Plätze mit 3,7KW würden abfallen.
Zuletzt geändert von Priusfahrer am Fr 14. Jul 2017, 09:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Jul 2017, 08:18

So ist es. Das Problem kleiner Akkus ist nicht primär, dass sie zu schnell leer sind, sondern vor allem, dass sie zu schnell voll sind! Die Zeiten, in denen das Auto rumsteht und nicht laden kann, weil der Akku keine weitere Kapazität hat, sind reine Verschwendung und machen dann bei der nächsten Fahrt ein baldiges Nachladen erforderlich. Dieses Problem löst man mit einem größeren Akku, ganz ohne Änderungen bei der Ladeleistung. Wir hatten das in anderem Zusammenhang neulich* schon mal diskutiert:
:arrow: ladeequipment/crohm-icd1-next-revolution-t16587-30.html#p344229

* Oops! Kinder wie die Zeit vergeht... das ist ja schon wieder über ein Jahr her!
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon Volker.Berlin » Mi 16. Aug 2017, 17:57

Hier wird übrigens im TFF-Forum gerade eine ähnliche Diskussion geführt:
:arrow: Konzept für öffentliche Ladestellen
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon Yorch » Mi 16. Aug 2017, 20:17

Eine nicht zu geringe Ladeleistung könnte aber auch zur Netzstabilisierung sinnvoll sein, bzw. es dem Nutzer ermöglichen, das Auto zu Zeiten aufzuladen, wenn der Strom besonders günstig ist, z.B. am Sonntag Mittag bei viel Sonnenschein, oder wenn nachts zwischen 3-5 Uhr viel Wind weht.
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon ecopowerprofi » Do 17. Aug 2017, 06:37

Was passiert, wenn alle die Autos laden, wenn der Strom günstig ist. Der Preis steigt wieder. Das wird sich einpendeln. Die überwiegende Mehrheit ist zu bequem um sich wg. ein paar Cent sich damit auseinander zu setzen. Bei der "Home"-Box wird sich eine Leistung von 3,7 bis 11 kW etablieren und für eine Ladung über nacht sorgen. Stromspeicher im Home-Bereich werden ein übriges tun und die Strompreisschwankungen glätten.
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon kub0815 » Do 17. Aug 2017, 09:23

Ich glaube noch nicht daran das diese Variablen Strompreise kommen werden da diese das Netzt eher destabilisieren und anfälliger für Manipulationen machen.
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon HeinHH » Do 17. Aug 2017, 11:04

Ich habe mir jetzt nicht alles durchgelesen, habe aber echt den Eindruck, dass einige ein einer echten E-Mobilitätsfilterblase stecken. Ich fahre nun noch nicht soooo lange ein E-Auto und ganz ehrlich: DeC ist schlichtweg _unbequem_. Der aktuelle Stand im fehlerfreien Ablauf einer Fahrt ins trockene, überdachte Einkaufszentrum
1. Ladepunkt suchen
2. Passend einparken
3. Ladekarte nehmen
4, Ladeklappe öffnen
5. Ladekabel aus dem Kofferraum hohlen
6. Ladekabel abwickeln
7. Ladekabel am Fahrzeug einstecken
8. Ladekabel an der Wallbox einstecken
9. Wallbox freischalten

Nach dem Einkauf

10. Wallbox entriegeln
11. Ladekabel aus Wallbox ausstecken
12. Ladekabel am Fahrzeug entriegeln (zumindest bei dem Zoe)
13. Ladekabel aus dem Fahrzeug ausstecken
14. Ladeklappe verriegeln
15. Ladekabel aufwickeln
16. Ladekabel im Kofferraum verstauen
17. Ladekarte verstauen
18. Losfahren

Ok, einparken und losfahren muss ich auch beim Verbrenner :-). Bei fasst jedem der anderen Punkte hatte ich in meiner kurzen E-Auto-Zeit "Erfahrungen". Angefangen von nicht vorhandenen Beschilderungen, über bockige Ladesäulen bis hin zu Ladungsproblemchen und vergessene Ladekarte. Und dieses Gefummel mit dem Kabel ... Für mich als bequemer Mensch eher eine Hürde für DeC als 11kW vs. 22kW ... Wahrscheinlich bin ich nicht kompatibel und somit ein Einzelfall :-)

Bye Thomas
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Re: Mythos Destination Charging

Beitragvon phonehoppy » Do 17. Aug 2017, 12:18

HeinHH hat geschrieben:
Ich habe mir jetzt nicht alles durchgelesen, habe aber echt den Eindruck, dass einige ein einer echten E-Mobilitätsfilterblase stecken. Ich fahre nun noch nicht soooo lange ein E-Auto und ganz ehrlich: DeC ist schlichtweg _unbequem_. ...


Die von Dir beschriebenen Vorgänge nehmen normalerweise insgesamt weniger als eine Minute ein. Da ist oftmals die Warteschlange vor dem Parkaus-Automaten länger, und auch da gibt es Probleme, wenn man nicht das passende Kleingeld oder die passende Karte dabei hat, den Parkschein verliert, oder ähnliches.

Der Alltag ist eben insgesamt mit bestimmten alltäglichen Vorgängen angefüllt, die man eben einfach so macht, ohne den Sinn oder die Notwendigkeit zu hinterfragen.
Natürlich wäre eine automatische induktive Ladestation weniger umständlich, aber mir ist das hantieren mit dem Kabel immer noch sehr viel lieber, als das Anfahren einer Tankstelle, warten bis die Zapfsäule frei ist, anhalten, Tankdeckel auf, die richtige Spritsorte tanken (gefährliche, übelriechende Flüssigkeiten!), Tankdeckel zu, zur Kasse gehen, an der Kasse warten, bezahlen (mit Karte auch noch unterschreiben oder PIN eintippen), wieder zum Auto gehen und wegfahren.

Außerdem hätte ich dann gerne auch gleich, dass die Kassenautomaten und Schranken im Parkhaus abgeschafft werden und man einfach so reinfahren und parken kann, wo man will...
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