Ladeleistung versus Reichweite 2018

Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon NotReallyMe » So 25. Mär 2018, 11:34

Weil in verschiedenen Threads immer wieder über das Thema Reichweise vs. Ladeleistung theoretisiert wird hier mal ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Sonntag, Ziel 146 km entfernt (eine Strecke, also 292 km gesamt), Toleranz der Familie für Ladestopps unterwegs maximal 10 Minuten, Sollvorgabe der Familie für die Geschwindigkeit auf der Autobahn (ca. 3/5 der Strecke) sind 120 km/h. Auf dem Weg liegt ein Rastplatz mit exakt einem nicht als gestört gemeldeten 50 kW Lader, leider schon nach 46 km. Am Ziel im tiefsten Sauerland gibt es zwei Destination-Charger, davon sind 0 Sonntags geöffnet (grrr). Die Destination-Charger wären aber ohnehin familieninkompatibel weit vom Reiseziel entfernt gelegen.

Die 292 km hin und zurück schaffe ich mit dem I3 ohne zu laden wenn ich will, aber nicht mit 120 km/h. Die 50 kW Ladesäule auf dem Hinweg kommt zu früh, und auf dieser einen Säule mit der letzten bestätigten Ladung vor mehr als einem Monat kann ich keine Planung für diese Reise aufbauen.

Selbst wenn der I3 mit 150 kW laden könnte, würde mir das in diesem Jahr nichts nützen. Auch in den nächsten Jahren wird es auf dieser Strecke keine 150 kW Lader geben. Deshalb meine Antwort an die Theoretiker, die sich immer wieder einen Winz-Akku mit mehr als 50 kW Ladeleistung schönrechnen: Wenn ich die Wahl hätte, den I3 (willkürliches Beispiel) mit 28 kWh und maximal 100 kW Ladeleistung oder mit 56 kWh und maximal 50 kW Ladeleistung zu kaufen, dann nehme ich die 56 kWh.

Wir sind noch so unfassbar weit von einer Minimalversorgung mit Ladesäulen entfernt. Es macht aktuell noch gar keinen Sinn viele E-Autos (mit kleinen Akkus) auf den Markt zu werfen, oder gar den Kauf zu fördern.
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Beitragvon TeeKay » So 25. Mär 2018, 12:27

So seh ich das auch als jemand, der öfter lange Strecken ohne Schnelllader fährt. Wer oft Strecken mit vielen Schnellladern und nie Strecken ohne bzw. mit wenigen Schnellladern fährt, wäre mit dem Ioniq besser bedient. Und die Alltagstauglichkeit des Ioniq wächst mit dichter werdendem Ladenetz.

Letztendlich stellt sich dann aber auch die Frage, ob man als jemand, der seit 5 Jahren an langsameres Reisetempo gewöhnt wurde, sich noch abhetzen will. Will man alle 75-90min eine 20-minütige Ladepause? Ich nicht.
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon ecopowerprofi » So 25. Mär 2018, 15:00

NotReallyMe hat geschrieben:
Am Ziel im tiefsten Sauerland gibt es zwei Destination-Charger,

Da hab ich mich am Ziel (auch im Sauerland) mir am Anfang mit dem Schukolader beholfen, da die Aufenthaltdauer doch länger dauern durfte weil es sich am Ziel um Familie handelt. Außerdem gehts auf der Rückfahrt überwiegend bergab, was sich günstig auf den Verbrauch auswirkt.

NotReallyMe hat geschrieben:
Wenn ich die Wahl hätte, den I3 (willkürliches Beispiel) mit 28 kWh und maximal 100 kW Ladeleistung oder mit 56 kWh und maximal 50 kW Ladeleistung zu kaufen, dann nehme ich die 56 kWh.

Kann ich nur bestätigen. Mit einem großen Akku kann man auf die Pittstopps zum Nachladen verzichten. Den Ladekarten-Wirrwarr tut ein übriges dazu. Wollte gestern im Vollme-Center in Hagen im Parkhaus laden, weil wir mit der Familie in Hagen shoppen waren. Bietet sich ja an beim Parken auch zu Laden. Ging nicht, weil nur bestimmte Ladekarten funktionieren über die ich nicht verfüge. Ich habe dann in Bochum auf dem Rückweg nochmal zur Beruhigung meiner Gattin mit einer Zwangspause von 10 Min. nachgeladen (die Reichweitenberechnung im ZOE ist sehr sehr konservativ und daher was für den Poppo). Mit einem größeren Akku hätte ich meine Gattin nicht beruhigen müssen.

TeeKay hat geschrieben:
Will man alle 75-90min eine 20-minütige Ladepause? Ich nicht.

Ich auch nicht.
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon NotReallyMe » So 25. Mär 2018, 22:18

Schukoladung schafft in ein paar Stunden nicht nennenswert Reichweite rein und es ging am Ziel heute auch nicht. Mit Grundversorgung meine ich wenigstens ein paar 32A Ladesäulen (mit zwei Ladepunkten) pro Stadtteil. Allein in meiner kleinen Gemeinde mit 8700 Einwohnern wären das 15 Ladesäulen, wenn wenigstens eine Säule pro Gemeindeteil vorhanden sein soll. Tatsächlich ist genau eine Ladesäule, womit wir relativ zur Einwohnerzahl wahrscheinlich noch gut ausgestattet sind. Bei dieser einen Säule wird es aber auf absehbare Zeit auch bleiben :-/ ...
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon Elektro-Hai » So 25. Mär 2018, 22:46

Du bist also hin und zurück gekommen ?

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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon HeinHH » Mo 26. Mär 2018, 09:29

ecopowerprofi hat geschrieben:
TeeKay hat geschrieben:
Will man alle 75-90min eine 20-minütige Ladepause? Ich nicht.

Ich auch nicht.

+1
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon ecopowerprofi » Mo 26. Mär 2018, 10:05

Elektro-Hai hat geschrieben:
Du bist also hin und zurück gekommen ?

Fast 300 km auf der normalen Straße mit einer Ladung von ca. 29 kWh ist mehr als Rekord verdächtig.
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon backblech » Mo 26. Mär 2018, 12:54

Das größte Problem ist oft die Freischaltung der Ladestation. Das darf dann nicht zur Ladezeit gehören, sonst lohnt sich der 10 Minuten Stopp eh nicht.
Ich tendiere auch zum größeren Akku um das Problem zu umgehen, habe aber von der "Regierung" zu Hause als Kommentar bekommen, daß es doch für die täglichen Fahrten immer reicht. Stimmt.
Wir gurken also dann ab und zu am WE durch die Lande und machen Zwischenstopps wo es sich am ehesten lohnt, zB. Stuttgart Innenstadt, Flughafen, also möglichst nicht an der Autobahn, dann haben die Kinder Spaß in der Ladepause. Der letzte Stopp ist dann so nah am Ziel, daß es mit der Ladung auf der Rückfahrt wieder an die Ladestation reicht.

Ah und Oh sind funktionierende Ladestationen. Davon sind wir leider weit weg. Wir haben auch schon eine Schleichfahrt runter von der AB zu BMW Darmstadt hinter uns mit einstelliger Restreichweite. Solche Geschichten kosten viel Zeit und noch mehr Nerven.
Ohne diese Systemkrankheiten - Kinderkrankheiten wäre verharmlosend -wäre für unsere Familie auch der kleine Akku dauerhaft ok - ich will daher den Großen, egal ob ist mit 40 oder 70 kW lade, macht am Schluß wahrscheinlich eh wieder nur 10 - 20 Minuten Unterschied.
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon ecopowerprofi » Mo 26. Mär 2018, 17:11

backblech hat geschrieben:
Wir haben auch schon eine Schleichfahrt runter von der AB zu BMW Darmstadt hinter uns mit einstelliger Restreichweite.

Man schleicht meisten umsonst. Der ZOE hat bei Restreichweite von unter 5 km noch die volle Leistung. Durch die Schleichfahrt wird wird der Akku gerade im Winter nicht wärmer. Steigt die Akkutemperatur, dann hat der auch wieder mit Kapazität und damit wieder mehr Reichweite. Schleichfahrten sind gerade im Winter kontraproduktiv. Im Sommer ist der Akku warm genug und da kann eine Schleichfahrt eventuell noch was bringen.

backblech hat geschrieben:
ich will daher den Großen, egal ob ist mit 40 oder 70 kW lade, macht am Schluß wahrscheinlich eh wieder nur 10 - 20 Minuten Unterschied.

Im Winter kann man auf Grund der niedrige Akkutemperatur sowieso nur mit einer geringen Ladeleistung laden. Bein ZOE sinkt die beim 43 kW Lader sogar bei Temperaturen von unter 0°C auf unter 10 kW. Im Winter wo wegen der geringere Akkukapazität eine hohe Ladeleistung sinnvoll wäre, kann man diese gar nicht nutzen. Daher dann besser eine höhere Akkukapazität. Hat man mehr von.
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Re: Ladeleistung versus Reichweite 2018

Beitragvon AbRiNgOi » Di 27. Mär 2018, 09:54

Es war einmal, und es war ein mal schön.
2013, 22kWh Akku, 43kW Schnellladung. Die Zukunft war 2013 bei uns angebrochen. Wir waren überall. Amsterdam, Genf, Dubrovnik, Athen, Lemnos, Heviz, Stuttgart... 22,6kWh (Jetzt nur mehr 21,1kWh). 150km Fahrt in 2 Stunden, 40 - 70Minuten Ladepause...
Wir haben Bürgermeisterladestellen gesehen (2013!) in Göppingen, Fürstenfeld, Graz, Linz, Hof bei Salzburg, Ljubljana (wie konnten wir an dieser schönen Stadt Jahrzehnte lang vorbei fahren???), Rijeka, Sopron, München, Kitzbühl, Split... und keinen Ausflug haben wir bereut.

Aber, es ist genug. Unsere ZOE ist 5 Jahre, mit einem 21kWh Akku einfach nicht mehr Zeitgerecht.
Wenn meine Frau gerade in Ottenschlag ist, will sie bei der Heimfahrt nicht zwischen laden (Tiefster Winter im Waldviertel).
Wenn ich meinen Schwager in Horn besuchen will, möchte ich nicht dort zum Schnelllader, sondern gleich zu meinem Schwager.
Wenn ich mit dem Anhänger nach Horn fahre, möchte ich nicht drei mal laden...

Es war einmal, und es war einmal schön.
Und so nehme ich das Angebot das mir Renault Frankreich nun bestätigt hat gerne an. Einen 40kWh Akku Ende April / Anfang Mai.
(Bitte, wer zwischen den Zeilen einen Widerspruch ließt, Mund halten, ich möchte keine schlafenden Hunde wecken. Wenn ich den fetten Akku eingebaut habe, können wir gerne über Ungenauigkeiten bei der Vorprüfung sprechen.)
Ich nehme bewusst in Kauf, das die Erfahrungen der ZE40 Fahrer ein schlechteres Ladeverhalten beschrieben haben. Sicher wäre die Ladeleistung eines IONIQ gepaart mit 40kWh noch besser. Das gibt es aber noch nicht. Auch will ich nicht alle 5 Jahre ein neues Fahrzeug kaufen.

Und daher die Antwort auf die Frage hier: Reichweite ist zu 95% der Fahrten wichtiger als Ladeleistung.
ZOE Live 6/2013 * Ladegerät 60.500km * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * neuer Motor 71.250km
Vertrag für 40kWh Batterie am 05.03.2018 abgeschlossen.
Aktuell: 75.500 km
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