Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Re: Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Beitragvon Grottenolm » Mo 6. Jun 2016, 22:59

Kellergeist2 hat geschrieben:
Ein BEV muss also gar nicht in 5 Minuten vollgeladen werden können, sondern nur während der ohnehin nötigen Pausen genügend Reichweite bis zur nächsten Pause nachladen können.


Die offizielle Pausenemfehlung des ADAC ist 15min nach 2h 30 min nach je zwei weiteren.
Nachdem man in 2 h durschnittlich 250km weit kommt auf der Autobahn wäre die maximal nötige Ladeleistung ohnehin 500km/h, also ca. 200kW. Mehr macht gar keinen Sinn.

Kellergeist2 hat geschrieben:
Die "termingestressten" Vertreter, welche mal eben ohne Pause von Hamburg nach München durchkacheln sollten mal über ihren Fahrstil sowie das Gefährdungspotential nachdenken, aber das wäre hier jetzt viel zu offtopic.


Leider kann man müdikeit schwer nachweisen. Völlig übermüdet am Steuer zu sitzen sollte genauso bestraft werden wie volltrunken fahren. In Zukunft werden das allerdings wol die Autos selbst verraten können nach einen Crash....
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Beitragvon eve » Mo 6. Jun 2016, 23:30

Kann mich i300 nur anschließen.

z.B. zur Arbeit war verschwendete Lebenszeit zum umfüllen schädlicher Flüssigkeiten an einem ungemütlichen Ort


Absolut.

Fakt ist, eine Fahrt im Elektroauto (Tesla) über 800km dauert mit selbigem locker eine Stunde länger


Beachte auch dies:

  • Laden: Ein Verbrenner kann - in den allermeisten Fällen - nur an der Tanke laden. Das EV in vielen Fällen - bei verbesserter Infrastruktur - unmittelbar am Wohnort.
  • Effizienz: Beim Verbrenner hat der größte Betriebsbereich einen sehr niedrigen Wirkungsgrad. Das EV hingegen einen sehr hohen.
  • Mit der Länge der Strecke sinkt die statistische Haufigkeit solche am Stück zu fahren. Sehr lange Strecken werden aus ökonomischen und anderen Gründen dann oft im Zug (man kann die Zeit teils nutzen und sich zudem bewegen) oder im Flugzeug (dreckig aber sehr schnell) absolviert.
  • Mit höherer Geschwindigkeit steigt der Verbrauch überproportional (Luftwiderstand, Beschleunigungsvorgänge, etc) während die Sicherheit abnimmt.

Ich persönlich muss immer recht viel trinken für meinen Flüssigkeitshaushalt und dementsprechend ohnehin regelmäßig zum stillen Örtchen.

Die ursprüngliche Rechnung finde ich theoretisch nett, in der Praxis jedoch bedeutungslos. Das Tankstellennetz ist in seiner Entwicklung am Ende. Höhere Dichte ist schlicht unwirtschaftlich. Das Elektrizitätsnetz ist als Grundgerüst bereits vorhanden, die Ladepunkt gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung. Aufbau und Unterhalt sind günstiger und damit kann die Dichte perspektivisch sehr viel höher sein.

An einer Zapfsäule pausieren ist kaum möglich. Die Säulen dürfen i. d. R. nur während des sehr kurzen Befüllvorgangs belegt werden. Danach muss man umparken, was wiederum Zeit kostet. Klar, wenn man es drauf anlegt obschon des finanziellen/energetischen Aufwands so schnell wie möglich eine längere Strecke zu fahren, hat der Verbrenner noch eine kurze Zeit die Nase vorn. Für wen das aus gewissen Gründen sehr wichtig ist, bitte. Statistisch gesehen ist es jedoch ein Bruchteil der 45 Mio. Fahrzeuge, die dieses Nutzungsprofil aufweisen.


Außerdem - Tanken vs Laden:
  • schmutzig - sauber
  • Tankzüge - Kabel und Leitungen
  • Öldämpfe - Ladesurren
  • Bei Regen ...meist trocken - ...meist nass :|
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Re: Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Beitragvon Poolcrack » Di 7. Jun 2016, 07:57

Phoenix Contact hat auf der Hannovermesse einen CCSplus-Prototypen mit 350 kW Ladeleistung vorgestellt. Das wären 87,5 kWh in 15 Min. Nehmen wir an es gäbe 2021 ein Fahrzeug, das 1000V Maximalspannung hat, einen Ladestrom von 350A verträgt und eine Batterie von um die 120 kWh hat. Da wäre es denkbar, dass in den ersten 15 Min 76 kWh reinfließen. Das wären bei einem Verbrauch von 19 kWh/100 km die weiter oben geforderten 400 km. Das müsste bei einem windschnittigen Auto Tempo 130 km/h entsprechen.

Meiner Meinung nach wäre das in den nächsten 5 Jahren machbar. Ob es so kommt, ist natürlich eine andere Frage. Muss ja nicht in Deutschland sein. Erst gestern habe ich bei einem Vortrag in der Mäulesmühle erfahren, dass es bereits 2002 in Italien einen Bus gab, der induktiv mit 120 kW geladen hat.

Edit: Korrektur: In Italien sind es 120 kW, in Betrieb seit 2002: http://www.heise.de/autos/artikel/Induk ... 12803.html . Ich habe das wohl mit dem 200 kW System in Braunschweig verwechselt: http://www.zeit.de/mobilitaet/2014-12/e ... aunschweig .
i3 BEV (SW: I001-17-07-500), BJ 04/2014, LL >83.000 km, Gesamtdurchschnitt 12,8 kWh/100 km im BC (=netto)
Model ≡ r≡s≡rvi≡rt
Mitglied bei Electrify-BW e.V., einem unabhängigen Verein von eFahrer für eFahrer und Interessierte.
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Re: Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Beitragvon Rudi L. » Di 7. Jun 2016, 17:00

Grottenolm hat geschrieben:
Leider kann man müdikeit schwer nachweisen. Völlig übermüdet am Steuer zu sitzen sollte genauso bestraft werden wie volltrunken fahren.


Das ist richtig.

Eine grundsätzliche Kernaussage wann eine Pause sein muß kann nicht hergeleitet werden. Dazu sind die Menschen zu unterschiedlich veranlagt und es kommt auf die Strecke, das Wetter, das Fahrzeug und das Verkehrsaufkommen an. Je nach dem kann ich schnell fahren oder eben nicht.

Klar ist aber, irgendwann braucht jeder eine Pause unterwegs. Je nach gefahrenem Tempo bin ich dann noch weiter vom Ziel weg oder schon viel näher dran. Ideal ist es daher, wenn ich mir die Location für die Pause raussuchen kann und nicht gezwungen bin alle 300km oder früher anzuhalten.

Um nun die Kurve zum Topic zu kriegen, natürlich ist es darum wichtig, daß sich die Ladezeiten unterwegs verringern und die Kapazität sich erhöht. Umso größer ist die Auswahl der möglichen Rastplätze und umso schneller kann man fahren, sofern es die Umstände erlauben. Wer gerne sein Leben auf der Straße verbringt und auf Rasthöfen, der kann ja gerne langsam fahren und alle 200km eine Pause machen.

Nebenbei,
bei Tesla habe ich im Moment den Eindruck, daß die die Ladeleistung etwas verringert haben, das aufladen dauert trotz nicht überhitztem Akku in letzter Zeit deutlich länger. Teilweise bis zu 40 Minuten, in Einzelfällen 50. Dies obwohl kein weiteres Fahrzeug am Ladeplatz war.

Grüße
Rudi
Rudi L.
 

Re: Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Beitragvon TeeKay » Di 7. Jun 2016, 17:09

Das Gefühl hatte ich auch. Dann hab ich das aber mal mit Björn Nylands Video von Anfang 2015 verglichen. Die Ladekurve ist gleich. Man gewöhnt sich einfach an die Ladegeschwindigkeit und mit der Zeit kommt es einem langsamer vor.
https://www.facebook.com/ElektroautoImAlltag/
Projekt Stromspeicher im Selbstbau mit BMW i3 & Passat GTE Batterien: http://www.stromspeicher.blog/
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Re: Ladeleistung-Äquivalent zu Kraftstoff-Tankstellen

Beitragvon Rudi L. » Di 7. Jun 2016, 17:12

ok.

Danke für den Hinweis, ich werde das beobachten.
Rudi L.
 

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