Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschland

Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon barneby » Di 14. Apr 2015, 17:38

Es wird geforscht, getestet, Pilotprojektiert, geschaufenstert was das Zeug hält, aber praktisch ...


Ich bin da nicht ganz im Bilde ... liegt denn dazu schon irgendwas ergebnismäßig vor ?
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon TeeKay » Di 14. Apr 2015, 17:41

molab hat geschrieben:
Aber wenn ich mir die alten Threads gerade so anschaue, mutierst Du schon gerade ein wenig vom Saulus zum Paulus, oder? ;)

Ja, weil ich jetzt erstmals vor Ort sehen konnte, wie es funktioniert. Zuletzt war ich 2013 in Norwegen. Da gabs zwar auch schon viele EV, aber nur 1/3 soviele wie heute. Und ich kam an keinen Schnellladern vorbei, da ich immer mit dem Zug fuhr.
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon spark-ed » Di 14. Apr 2015, 17:45

Super Bericht von TeeKay.

Intuitiv schwebt mir die beschriebene Situation schon lange als ausgeglichenes System für eine volumentaugliche Lösung vor.

DaftWully hat geschrieben:
Aber der Bericht und seine Schlussfolgerung wirderspricht andererseits der mehrheitlichen Stimmung hier im Forum, wo massiv 22 kw besser noch 43 kw Lader gefordert werden und die Schuko-Schnarchlader gnadenlos in die Deppenecke gesetzt werden.

Viele hier im Forum reißen auch richtig Kilometer. Teilweise unter anderem auch, um zu beweisen, daß E-Mobilität ohne Einschränkungen funktioniert.
Diese Einstellung teile ich, habe aber keine Lust weiter als unbedingt nötig mit dem Auto zu fahren. Und schwupps - reicht die Tagesreichweite für mich in 99% der Fälle einfach aus.
(Vielleicht muss ich mir das auch nur ausreichend schön reden ;))

molab hat geschrieben:
Irgendwie meinten letztes Jahr noch alle, unter Typ2/22kW bräuchte man nirgends bauen. Kurz danach beschwerten sich viele, dass Schnarchlader immer die wenigen Ladesäulen in der Stadt blockieren.

:!:
Teilweise hatte man das Gefühl, jeder hier ist sich selbst am nächsten und möchte die für Ihn optimale Lösung unumstößlich als allgemeinen Standard - warum spreche ich mich hier indirekt wohl sonst für Schuko aus ;)

Interessant ist die Schlüssellösung des norwegischen E-Mobilclubs. Erinnert mich sehr stark an das Drehstromnetz welches, wie hier oft zu lesen, das mit Abstand zuverlässigste Ladenetzwerk ist.

Typ 2 ist logischerweise ungleich besser und sicherer als das mittlerweile >80Jahre alte Schukosystem. Die aktuellen Kosten für Ladesäulen und Zubehör sind für mich aber nicht wirklich nachvollziehbar und die Preise geben unerwartet langsam nach.
Solange mlies geniale Vision kein Hersteller umsetzen will und kann, sollte nicht nur mir jede Notlademöglichkeit lieber sein als gar keine.

Upgrade auf multiple DC und Typ2 (ganz wichtig für innerstädtische Bereiche mit Lastmanagement und problemlos erweiterbar) kann man, wenn die Kosten passen immer noch machen.

Oh oh - dieses Thema bietet Zündstoff für einen der üblichen Endlos Diskussions Threads ...
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon e-lectrified » Di 14. Apr 2015, 17:48

barneby hat geschrieben:
Es wird geforscht, getestet, Pilotprojektiert, geschaufenstert was das Zeug hält, aber praktisch ...


Ich bin da nicht ganz im Bilde ... liegt denn dazu schon irgendwas ergebnismäßig vor ?


Nö, aber TeeKay zeigt hier, was das Ergebnis sein müsste. Und das hat ihn keine Millionen gekostet. Der hat einfach mal Urlaub gemacht und geschaut, was es so gibt. Klar, werden die Wissenschafts-Unken dann schreien: Jaaaaaaaaaaaa, aber das ist keine Wissenschaft. Dazu gehört mindestens ein Labor und teure Apparaturen. EBEN NICHT!!! Die besten Erkenntnisse haben Menschen noch mit den einfachsten Mitteln gewonnen, weil sie schlicht ihren Denkapparat ein bisschen angestrengt haben. Hätte das hier stattgefunden, wäre Deutschland auch viel weiter von der Infrastruktur her, als es bisher ist.

Und mal unter uns: so lahm eine Schuko-Dose auch mal sein mag - die ist wenigstens kein technischer Hokuspokus - zur Not könnte ich die sogar austauschen, aber Ausfälle wären da eh Mangelware... für die Stadt absolut perfekt. Außerhalb braucht man Schnelllader, ganz klar.


spark-ed hat geschrieben:
Interessant ist die Schlüssellösung des norwegischen E-Mobilclubs. Erinnert mich sehr stark an das Drehstromnetz welches, wie hier oft zu lesen, das mit Abstand zuverlässigste Ladenetzwerk ist.


Einspruch. Der Unterschied ist aber, dass du beim E-Mobilclub Mitglied sein kannst per Mitgliedsbeitrag, beim Drehstromnetz musst du schon eine Ladesäule bei dir oder bei jemand anders für die Öffentlichkeit zugänglich aufstellen. Und leider hat nicht jeder ein Haus, wo das mal "easy cheesy" realisierbar ist.
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon mutle » Di 14. Apr 2015, 17:50

Als ich in Norwegen war habe ich primär GrønnKontakt Schnelllader benutzt. Dort kann man über die iOS App per Kreditkarte zahlen. Nächstesmal werde ich mir auch von Fortum einen RFID chip bestellen, denn SMS Zahlung funktionierte nicht mit meiner Prepaid SIM. Die meisten Schukos lassen sich auch ohne Schlüssel nutzen, allerdings war damals (letzten August) die Abdeckung von Type-2 eher schlechter als CCS/CHAdeMO und Schuko.
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon TeeKay » Di 14. Apr 2015, 17:54

mutle hat geschrieben:
Als ich in Norwegen war habe ich primär GrønnKontakt Schnelllader benutzt. Dort kann man über die iOS App per Kreditkarte zahlen. Nächstesmal werde ich mir auch von Fortum einen RFID chip bestellen, denn SMS Zahlung funktionierte nicht mit meiner Prepaid SIM. Die meisten Schukos lassen sich auch ohne Schlüssel nutzen, allerdings war damals (letzten August) die Abdeckung von Type-2 eher schlechter als CCS/CHAdeMO und Schuko.

In der iOS App von Grönn Kontakt kannst du dich aber nur mit skandinavischer SIM registrieren. Die Karte habe ich bisher nicht bestellen können, weil der einzige Mitarbeiter, der auf meine zahlreichen Mails reagierte, ausgerechnet dann ging, als ich ihm meine Bestelldaten durchgeben wollte.

Typ2 ist immer noch sehr rudimentär verbreitet. Der Zoe und die B-Klasse sind ja auch erst seit kurzem erhältlich. Davor gabs nur Autos, die unterwegs DC schnellladen.

Und ja, die meisten Schukos sind nicht verschlossen. Aber sie sind prinzipiell verschließbar. Was ist, wenn nach mir einer kommt, der die Säule abschließt? Dann steckt da mein Ladekabel drin und ich bekomme es nicht raus.
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon graefe » Di 14. Apr 2015, 18:05

Schuko überall und Schnelllader an den Autobahnen - das ist sicherlich eine interessante Lösung. :clap:

Wenn man sieht, wie schwachsinnig manche Typ2-Säulen aufgestellt werden, oft schön subventioniert durch Steuergelder...
So etwas passiert halt, wenn der Staat sein Füllhorn ohne Plan ausschüttet: Das Geld wird einfach hirnlos verprasst. :evil:

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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon Wolfgang21 » Di 14. Apr 2015, 18:52

Vielen Dank für den super Beitrag! :applaus:

Das Modell welches Du aus Norwegen beschreibst, ist meiner Meinung nach sehr gut, weil praktikabel und ohne astronomische Investitionen schnell umsetzbar.
Ich denke der Unterschied ist, dass Norwegen offensichtlich die Elektromobilität tatsächlich will, während sich mir in Deutschland der Eindruck aufdrängt, man tut nur so als ob und in Wirklichkeit haben weder Politik noch Wirtschaft ein echtes Interesse am Ausbau.
Ich bin zur Zeit im mail-Kontakt mit dem verkehrspolitischen Sprecher von "Bündnis 90 / Die Grünen" in Baden-Würrtemberg, der mir mitteilte, dass "im Land verschiedene Projekte zum Ausbau der Ladeinfrastruktur gefördert" würden und verweist auf http://www.livinglab-bwe.de/projekte/en ... r-und-ikt/.
Wenn ich mir die Projekte anschaue, komme ich zum Ergebnis:
mlie hat geschrieben:
Es wird geforscht, getestet, Pilotprojektiert, geschaufenstert was das Zeug hält, aber praktisch was rüber kommt praktisch gar nicht. Die Forschungsgelder sollten in Triplelader investiert werden. Sollte ja reichen für jeden ort mit mehr als 3000 Einwohnern einer.
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon fabbec » Di 14. Apr 2015, 18:56

In welchen Verzeichnissen suchst du um in Norwegen Ladepunkte zu finden?
GoingElektric und?
Im Norden wird es eng mit Ladepunkten
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Re: Infrastruktur: Norwegen macht alles anders als Deutschla

Beitragvon Spürmeise » Di 14. Apr 2015, 21:48

DaftWully hat geschrieben:
Aber der Bericht und seine Schlussfolgerung wirderspricht andererseits der mehrheitlichen Stimmung hier im Forum, wo massiv 22 kw besser noch 43 kw Lader gefordert werden und die Schuko-Schnarchlader gnadenlos in die Deppenecke gesetzt werden.


Lösung: das GE-Forum repräsentiert nicht die E-Autofahrerschaft in Deutschland, deren Fahrzeuge nur zu ca. 10% einen Mehrphasenlader haben.
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