Bosch EMiS

Re: Bosch EMiS

Beitragvon Marcel_S » Di 15. Sep 2015, 23:46

i_Peter hat geschrieben:
Marcel_S hat geschrieben:
...Das ist wie mit dem Schiverleih...

Stell Dir doch einfach vor, du kommst zu einer zukünftigen CCS-150kW-Säule, es werden 10€ pro 10 Minuten verlangt, auch für den AC-22kW Anschluss, der freundlicherweise installiert ist.


Und hier ist schon das Problem:
Warum soll ich am selben Parkplatz einer Hochleistungsschnellladestation einen AC Socket mitinstallieren??
Bei einer DC Ladestation will man Durchsatz: Je schneller ein Fahrzeug wieder weg ist, desto höher ist die Auslastung, desto geringer ist die Wartezeit (, desto höher ist die Kundenzufriedenheit).
Ein AC-Socket reduziert genau dieses Paradigma und riskiert, dass ein "Schnarchlader" den Parkplatz verstellt.

Fazit: DC Lader und zwei Parkplätze weiter ein oder zwei AC-Lader. Die Leitung wurde ohnehin gegraben und die Leistung wurde ohnehin eingekauft. An diesen AC-Ladern gibt es dann natürlich andere Zeittarife.

Apropos "Zeittarife":
Eine Ladestation dient zum Laden und nicht zum Parken. Oberste Prinzip ist somit, die Ladestation wieder frei zu bekommen, um bei hoffentlich steigender Nutzerzahl die Verfügbarkeit der Ladestationen zu gewährleisten. Dies gelingt mit Zeittarifen.

Was wären die Alternativen zum Zeittarif? Hier meine sehr persönlichen Gedanken:

"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. Man kann nicht Energieeffizienz und -einsparung predigen und dann den Strom fürs Auto verschenken. (Wirtschaftlich) Wenn keine Umsätze sichtbar sind, reduziert sich die potentielle Gruppe der Ladestationsaufbauer deutlich.

"Lademenge" (in kWh):
Positiv: Man zahlt, was man bezieht. Naheliegend und super. Genauso wie bei der Tankstelle!
Negativ: Die Kosten lassen sich bei Ladebeginn schwer kalkulieren. Zudem: RWE möchte (und forciert) das. Warum? Erstens (meine Annahme): Sie kalkuliert mit einer geringen Auslastung und legt keinen Wert darauf, die Stationen schnell wieder frei zu bekommen. Zweitens: Verrechnung nach kWh ist "Stromhandel" und somit ein streng reglementiertes Gewerbe: Nur EVUs dürfen da mitspielen und Strom verkaufen. Kommunen, EMPs (TNM, Plugsurfing, etc.) und andere, welche die Energiemenge verrechnen, begeben sich derzeit (positiv gesprochen) in einen rechtlichen Graubereich.
Zum beliebten Tankstellenvergleich: Wenn man über mehrere Stunden hinweg eine von mehreren Zapfsäulen einer Tankstelle für einen Umsatz von unter 10 Euro exklusiv blockiert, würde jeder Tankwart früher-oder-später anfangen, einen Zeittarif zu verlangen. Man muß im Auge behalten: Eine Tankstelle schafft 600Euro pro Tanksäule und Stunde, eine Ladestation (bei geringeren Investitions- und laufenden Kosten) zum Teil nur 10 Euro pro Stunde.

"Pauschalbeträge":
Positiv: Einfach zu verrechnen und fixe Einkünfte für den EVU
Negativ: Verunmöglicht de facto Laderoaming: wenn dem Kunden einen Fixbetrag pro Monat verrechnet wird, ist es sehr schwer zu kommunizieren, wie die Roaming-Beträge zustande kommen. Zumeist werden Pauschalbeträge deshalb verrechnet, weil es noch kein ensprechendes Verrechnungssystem gibt.

"Hybridverrechnung" (Zeit und Menge):
Super Sache, sehe ich sehr große Chancen. Aber auch hier ist die Transparenz der Kosten kaum gegeben und die Verbraucherschützer werden Sturm laufen: Ohne Belegdrucker (oder sonst einem Abrechnungsmodul) wird kaum kommunizierbar sein, welcher Kostenanteil durch Zeit und welcher Anteil durch Energiemenge verursacht wird.
Ausserdem: die Software ist einfach nicht so weit. Riesige Mengen an Geldern in die Entwicklung ebendieser zu investieren ist bei den geringen Umsätzen pro Stunde/kWh und Ladepunkt unwirtschaftlich.


Wir befinden uns im Jahr 2015. Im Jahr 2017 sieht es vielleicht wieder ganz anders aus. Mit der IEC15118 und PLC wird deutlich mehr zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur kommuniziert werden und somit vielleicht andere Verrechnungsmodelle spannend werden.
Derzeit befinden wir uns aber immer noch an der Schwelle zwischen Fördermodell/Leuchttürme/etc. und Kommerzialisierung der Ladeinfrastruktur. Wo die Reise hingeht, wissen die wenigsten.

Fakt ist: Ladeinfrastruktur wächst und die Nachfrage seitens Betreiber und E-Mobilisten steigt. Es gibt verschiedene Ansätze der Verrechnung und man weiß einfach noch nicht, was sich durchsetzen wird. Derzeit ist es der Zeittarif, weil der Kunde bereits beim Weggehen vom Auto weiß, was er zahlt, wenn er in einer Stunde zurückkommen wird. So wird es wahrscheinlich nicht bleiben. Technische Fortschritte, coole Apps und neue Autos werden (hoffentlich) ihren Teil dazu beitragen.

Es bleibt spannend :)

bg
Marcel

PS: der Vergleich ist ganz ok: Kinderschi (max. 22kW AC) haben andere Stundesätze im Schiverleih als Rennski (50 kW DC). Und niemand käme auf die Idee, diese nur als Set zu vermieten.

Das macht dann 0,40 €/kWh für den Audi Q6, ein Zoe oder Tesla zahlt ebenfalls 10 € pro 10 Minuten an 22kW, ist doch fair, oder ?
:o
Bist Du immer noch für Abrechnung nach Nutzungsdauer ?
:twisted:
Ja ? Dann rechne mal: 2,73 € pro kWh für Tesla oder Zoe an 22 kW.
Klingelt es jetzt ?????
Oder hörst Du das rascheln der Scheine nicht, die Dir aus dem Portemonnaie gezogen werden ?

Ich jedenfalls boykottiere Ladesäulen, die für mich Wucherpreise bedeuten.
Ganz konkret: >300 EnBw- und RWE-Ladesäulen im Großraum Stuttgart / Tübingen / Sindelfingen.
Alternativ tanke ich z.Zt. gratis an ca. 20 CCS-Säulen, wenn ich mal mehr Reichweite brauche.

Freue mich auf Deine ehrliche Antwort !

Gruß,
i_Peter
Marcel_S
 

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Re: Bosch EMiS

Beitragvon MarkusD » Mi 16. Sep 2015, 07:32

Marcel_S hat geschrieben:
"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. ...
Und das ist der Denkfehler.
Irgendwann in der Zukunft wird Energie "einfach da" sein. Genauso wie die Luft zum Atmen.

"Wertvoll" ist Energie heutzutage nur deshalb, weil sie zu großen Teilen aus fossilen Enrgieträgern erzeugt wird, deren Förderung einfach viel Geld kostet.
Weil Firmen mit dem Verkauf von Energie ihren Reibach machen wollen, sind sie natürlich nicht sehr daran interessiert, Energie zu verschenken oder gar eine dezentrale umweltfreundliche Erzeugung direkt beim Kunden zu fördern.

Mittlerweile sehe ich das so, daß die Energie künstlich verknappt wird (bzw. es wird erzählt, daß sie knapp ist), um den Preis hoch zu halten.
MarkusD
 

Re: Bosch EMiS

Beitragvon AbRiNgOi » Mi 16. Sep 2015, 07:42

Marcel_S hat geschrieben:
Und hier ist schon das Problem:
Warum soll ich am selben Parkplatz einer Hochleistungsschnellladestation einen AC Socket mitinstallieren??
Bei einer DC Ladestation will man Durchsatz: Je schneller ein Fahrzeug wieder weg ist, desto höher ist die Auslastung, desto geringer ist die Wartezeit (, desto höher ist die Kundenzufriedenheit).
Ein AC-Socket reduziert genau dieses Paradigma und riskiert, dass ein "Schnarchlader" den Parkplatz verstellt.
.....
Apropos "Zeittarife":
Eine Ladestation dient zum Laden und nicht zum Parken. Oberste Prinzip ist somit, die Ladestation wieder frei zu bekommen, um bei hoffentlich steigender Nutzerzahl die Verfügbarkeit der Ladestationen zu gewährleisten. Dies gelingt mit Zeittarifen.
...


Es ist aber schon bekannt, dass es auch AC Schnellladen gibt oder? Wenn es neben 50kW DC auch 22kW AC gibt, dann immer nur an einer eigenen Säule, wenn AC 43kW an der gleichen Säule ist das Schnellladen und geht in den meisten Fällen parallel zu DC. Wo ist also das Problem mit dem 43kW AC???? Der ZEittarif ist für mich genau die Lösung, kein 7,2kW AC Lader würde sich dort freiwillig anstecken, weil er für den Kauf des CCS Paketes im Fahrzeug zu geizig war. Auch die Sterne mit 11kW würden fern bleiben. Und wenn Not am Man ist und sich dieser mal schnell eine STunde an 11kW hängt weil er sonst hängen bleibt und bereit ist den Zeittarif zu zahlen ist es doch auch OK.
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Re: Bosch EMiS

Beitragvon Lindum Thalia » Mi 16. Sep 2015, 09:44

Dazu meine ich man sollte das Stromverschenkten beenden und und an BAB und Bundesdurchzugstrassen nur noch CCS und Chademo min. 20 - 50 kW Lader aufstellen , an mindesten einer Tankstelle in jedem Ort , so kann jeder Tankwart auch damit Geld verdienen . Dann kann das E Auto für Jedermann/Frau ohne Reichweite u Ladeangst gefahren werden. Es ist immer Barrierefrei zugaengig und bei geschlossen mit EC / Kreditkarte. ,50 ct./kwh oder 3,0 Euro /15 min. Die ganzen 22 kW Säulen dürfen weiter an Parkplätzen , bei Geschäften usw gegen Bezahlung genutzt werden. Was nichts kostet ist nichts Wert. Wetten dann sind die Oelfirmen sofort dabei an Ihren Tankstellen Lader aufzustellen. Denn man kann ja lesen der geizige E Autofahrer sucht immer nach Ladestellen für lau....Ich fordere Ende des kostenlosen Ladens...
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Re: Bosch EMiS

Beitragvon smart_ninja » Mi 16. Sep 2015, 09:48

@Moderator eigentlich geht es hier um das lokale EMiS Projekt. Grundsätzliche Diskussion bitte abkoppeln oder den anderen Treads zuordnen. Danke.
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Re: Bosch EMiS

Beitragvon Marcel_S » Mi 16. Sep 2015, 21:04

MarkusD hat geschrieben:
Marcel_S hat geschrieben:
"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. ...

Und das ist der Denkfehler.
Irgendwann in der Zukunft wird Energie "einfach da" sein. Genauso wie die Luft zum Atmen.


Das ist kein Denkfehler, sondern einfach der derzeitige Stand. Wenn man also jetzt Ladeinfrastruktur aufbauen will, muß man dmait kalkulieren, dass Energie ein wertvolles Gut ist.

Wenn sich diese Situation in Zukunft ändert, wird sich sicherlich auch das pricing ändern. Man muß nur zu den Handytarifen blicken und die heutige Situation mit den Tarifen von vor 10 Jahren vergleichen.

Oder wie präsentierte Ole Henrik Hannisdal (Managing Director des Norwegischen Schnellladestationsbetreiber)
"Predicting the future is hard
If you were asked in the 1980s about having a camera in your phone..what would you have imagined
?"
Die Antwort findet sich auf Seite 24 in http://www.intercharge.eu/intercharge-n ... nisdal.pdf (überhaupt sehr empfehlenswerte und pointierte Präsentation)
Marcel_S
 

Re: Bosch EMiS

Beitragvon bernd71 » Mi 16. Sep 2015, 22:31

MarkusD hat geschrieben:
Marcel_S hat geschrieben:
"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. ...
Und das ist der Denkfehler.
Irgendwann in der Zukunft wird Energie "einfach da" sein. Genauso wie die Luft zum Atmen.


Das ist doch ein wenig arg utopisch.
bernd71
 
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Re: Bosch EMiS

Beitragvon MarkusD » Do 17. Sep 2015, 07:11

bernd71 hat geschrieben:
MarkusD hat geschrieben:
Marcel_S hat geschrieben:
"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. ...
Und das ist der Denkfehler.
Irgendwann in der Zukunft wird Energie "einfach da" sein. Genauso wie die Luft zum Atmen.


Das ist doch ein wenig arg utopisch.
Nein.
Es fängt doch schon an.
MarkusD
 

Re: Bosch EMiS

Beitragvon MarkusD » Do 17. Sep 2015, 07:19

Marcel_S hat geschrieben:
MarkusD hat geschrieben:
Marcel_S hat geschrieben:
"Verschenken":
Positiv: keine Verrechnung, keine Karten, kein Backend, kein ... Super Sache
Negativ:(Philosophisch) Energie ist wertvoll. ...

Und das ist der Denkfehler.
Irgendwann in der Zukunft wird Energie "einfach da" sein. Genauso wie die Luft zum Atmen.
Das ist kein Denkfehler, sondern einfach der derzeitige Stand. Wenn man also jetzt Ladeinfrastruktur aufbauen will, muß man dmait kalkulieren, dass Energie ein wertvolles Gut ist.
Das ist die typische Manager-Denkweise. Nur auf das Hier und Jetzt schauen, bloß nicht zu weit in die Zukunft denken.

Gerade mit deinem Hinweis auf den Vortrag von Ole Henrik Hannisdal sollte man meinen, daß die Manger inzwischen etwas schlauer geworden sind.
Jeder weiß, daß sich eine Ladesäule mit Abrechnungstechnik und dem ganzen Brimbamborium drumherum ggf. nie amortisiert oder es zumindest sehr, sehr lange dauert.
Bis das aber dann doch mal soweit ist, haben sich diese Ladesäulen mit der Technik und Verfahren längst überholt.
Mit anderen Worten: Die Manager werfen wohlwissend Geld raus, das sie nie wieder reinbekommen werden.

Marcel_S hat geschrieben:
Wenn sich diese Situation in Zukunft ändert, wird sich sicherlich auch das pricing ändern. Man muß nur zu den Handytarifen blicken und die heutige Situation mit den Tarifen von vor 10 Jahren vergleichen.
Exakt.
Und daher ist es für mich unverständlich, warum irgendwer glaubt, daß das bei den Ladesäulen anders laufen soll.

Marcel_S hat geschrieben:
Oder wie präsentierte Ole Henrik Hannisdal (Managing Director des Norwegischen Schnellladestationsbetreiber)
"Predicting the future is hard
If you were asked in the 1980s about having a camera in your phone..what would you have imagined
?"
Er hat sicherlich recht, ohne daß ich mir das jetzt durchgelesen habe.
Und auch deshalb abermals die Anmerkung:
Warum glaubt irgendwer, daß das mit den Ladesäulen anders laufen wird?
Sind Manager phantasielos?
MarkusD
 

Re: Bosch EMiS

Beitragvon endurance » Do 17. Sep 2015, 09:42

MarkusD hat geschrieben:
Das ist die typische Manager-Denkweise. Nur auf das Hier und Jetzt schauen, bloß nicht zu weit in die Zukunft denken.
naja das ist nicht fair, manager ist ein weiter begriff. Leider ist das bei Aktien getriebenen Firmer oft so,dass dort das TOP management (C level...) einen recht kurzen Zeithorizont sieht (sehen muss).
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