Autobahnschnelllader

Autobahnschnelllader

Beitragvon zitic » Do 27. Mär 2014, 23:16

Letztlich wünschen sich alle, dass jetzt flächendeckend diese 43/50/50-Multi-Ladestellen kommen um die Metropolen miteinander zu vernetzen. Dabei geht es quasi immer um diese Monolithen auf die ABB anscheinend ein Quasi-Monopol hat.
Aber da frage ich mich, ob das überhaupt zielführend ist?

Wie sieht es denn in Praxis aus(international, evtl. bald auch in D)? Da werden an einzelnen Stellen dann 1 vielleicht 2 solche Lader aufgebaut. Und was kommt dann, wenn endlich die 48kW-Generation kommt? Also die, wo auch Nichtenthusiasten langsam mal an längere Strecken denken? Letztlich wären dann 100kW schon das, was wirklich Schnellladen bedeutet. Und dann alles wieder komplett von vorne aufbauen? Aufrüsten wird wohl schlecht gehen. Und überhaupt: wieviele Lader stehen denn da überhaupt realistisch bei Tank&Rast? Vielleicht zwei? Wie optimal werden die ausgenutzt?

Deshalb denke ich, dass hier das Supercharger-Modell überlegenswert wäre. Man baut Inverter in kleineren Leistungseinheiten(Economy of Scale), die sich je nach Bedarf auf zwei(oder noch mehr?) Ladepunkte verteilen. Das macht dann weniger teure Inverter und Anschlussleistung nötig und beliefert trotzdem eine Menge Ladepunkte, die schließlich im seltensten Fall gleichzeitig wirklich 100kW benötigen. Das Ganze ist obendrein deutlich modularer und lässt sich besser aufrüsten. Heute z.B. 8 Inverter a 10kW für zwei Ladepunkte. Breiten sich die 48kW-Akkus aus, rüstet man dann weitere Inverter nach (hängt sie in die Racks) usw....

Bin unsicher, ob das ganze wirklich praktisch das hält, was es verspricht. Aber grundsätzlich, was haltet ihr von diesem Ansatz? Wie sehen da die technischen Möglichkeiten aus?
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon TeeKay » Do 27. Mär 2014, 23:26

1. Hat ABB mitnichten ein Monopol auf Kombilader. Die gibt es von zahlreichen anderen Anbietern auch. Zum Beispiel von Circontrol, DBT und Efafec.
2. Die ABB-Lader sind bereits modular aufgebaut und bestehen aus mehreren von ABB sogenannter Powerbanks. Daher kann ein 20kW-Lader auch auf 50kW aufgerüstet werden.
3. ABB arbeitet bereits an 100kW-Ladern, die vermutlich einfach doppelt so viele Powerbanks haben wie die 50er.
4. Die ABB-Lader sind bereits mit lastabhängiger Energieverteilung ausgerüstet. Bislang beschränkt sich das aber auf die Verteilung zwischen AC und DC. Lädt DC nur noch mit halber Last, kann der AC-Anschluss entsprechend mehr Energie abgeben. Mit ausreichend großer Zuleitung können auch AC und DC mit Maximalleistung laden. Die Verteilung der Leistung auf beide DC-Anschlüsse geht derzeit noch nicht.
5. Eine asiatische Firma hat bereits 160kW-Lader mit zwei Anschlüssen im Angebot, die mit Batteriepuffer arbeiten und mit 22kW-Zuleitungen auskommen.

Abgesehen von all dem reicht es den meisten hier schon, wenn wenigstens dieser eine 50kW-Lader da wäre. Sollten sich irgendwann Schlangen vor den Ladern bilden oder überall die 50kWh-Batterien herumgondeln, kann man über all deine Punkte nachdenken. Derzeit gibt es erst ein Land in Europa, in dem privat finanzierte DC-Lader kostendeckend betrieben werden kann: Norwegen. Wenn Deutschland also mal auf 10% Neuzulassungsanteil bei EV kommt, können wir über die Notwendigkeit mehrerer Lader an Raststätten diskutieren. Per heute ist bereits ein Lader betriebswirtschaftlich gesehen einer zuviel.
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon zitic » Fr 28. Mär 2014, 13:29

TeeKay hat geschrieben:
1. Hat ABB mitnichten ein Monopol auf Kombilader. Die gibt es von zahlreichen anderen Anbietern auch. Zum Beispiel von Circontrol, DBT und Efafec.

Dass es grundsätzlich auch andere Anbieter gibt, habe ich nicht in Abrede gestellt. Das war mir schon bewusst. Wenn man sich aber in Europa die größeren Schnellladenetzwerke anguckt, kam mir der Gedanke einer Monopolstellung. Natürlich subjektiv - da werden mir sicherlich gleich noch andere Beispiele vor den Latz gehauen :lol: . Generell habe ich auch nichts gegen ABB.
TeeKay hat geschrieben:
2. Die ABB-Lader sind bereits modular aufgebaut und bestehen aus mehreren von ABB sogenannter Powerbanks. Daher kann ein 20kW-Lader auch auf 50kW aufgerüstet werden.

Ok, abseits dessen, dass diese 20kW-DC-Laderpolitik sich mir nicht ganz erschließt, sprach ich ja explizit von Autobahnen und Raststätten. Sicherlich wird da auch ein Kommentar kommen, wie sinnvoll es ist, auch 20kW-Lader an der Autobahn hinzustellen. Aber generell ging es mir ja eher um das Aufrüsten der 50kW. Das sind ja wohl von der Auslegung her 50kW-Anlagen, die halt auch als 20kWler vertrieben werden. Mit einer Aufrüstung über 50kW, um die es hier geht, sieht es wohl schlecht aus oder? Oder kann man dann "einfach" einen weiteren Kasten dazustellen?
TeeKay hat geschrieben:
3. ABB arbeitet bereits an 100kW-Ladern, die vermutlich einfach doppelt so viele Powerbanks haben wie die 50er.

Was hat das direkt mit dem Topic zu tun? Mal abgesehen, dass auch das jetzt keine neue Nachricht für mich ist, unterstreicht es wohl eher meine Feststellung der fehlenden Aufrüstmöglichkeit.
TeeKay hat geschrieben:
4. Die ABB-Lader sind bereits mit lastabhängiger Energieverteilung ausgerüstet. Bislang beschränkt sich das aber auf die Verteilung zwischen AC und DC. Lädt DC nur noch mit halber Last, kann der AC-Anschluss entsprechend mehr Energie abgeben. Mit ausreichend großer Zuleitung können auch AC und DC mit Maximalleistung laden. Die Verteilung der Leistung auf beide DC-Anschlüsse geht derzeit noch nicht.

Es freut mich und war mir bekannt, dass ABB über die Technik verfügt. Wie schon gesagt, habe ich gar nichts gegen ABB. Nur ändert das ja nichts an die Modularität und Aufrüstbarkeit des aktuellen Produktes. U.a. muss man sich dann ja auch "nur" 50kW teilen.
TeeKay hat geschrieben:
5. Eine asiatische Firma hat bereits 160kW-Lader mit zwei Anschlüssen im Angebot, die mit Batteriepuffer arbeiten und mit 22kW-Zuleitungen auskommen.

Das ist ein schönes Angebot, dass die Kosten/Aufwand(Trafo etc.) für den Anschluss und dessen Skalierung ggf. optimieren. Solche Batteriepuffer man sicherlich je nach Standort erwägen.
TeeKay hat geschrieben:
Abgesehen von all dem reicht es den meisten hier schon, wenn wenigstens dieser eine 50kW-Lader da wäre. Sollten sich irgendwann Schlangen vor den Ladern bilden oder überall die 50kWh-Batterien herumgondeln, kann man über all deine Punkte nachdenken.

Es geht mir nicht darum was mir als EV-Nerd oder anderen schon genügt. Für mich wären 50kW auch völlig ausreichend. Es geht mir um die schnelle Verbreitung insgesamt. Und wenn dann mal die 50kW-Karren kommen fängt es dann auch an Spaß zu machen längere Strecken zurückzulegen. Dann wird es für die breite Masse akzeptabel. Bitte hier jetzt nicht die hundertste Diskussion, wie schön man jetzt schon weite Strecken zurücklegen kann. Das reize ich auch zur genüge aus. Aber für den Alltag von Otto Normal bleibt das auch mit <30kWh und 50kW-Ladern einfach umständlich.

Es geht mir bei dem Thread auch einfach nur um die technischen Vor- und Nachteile auch bzgl. des Aufrüstens, wenn ich bspw. 6 Stellplätze an einer Raststätte habe. Aber wenn man dann nur 3 Monolithen hat, bei denen sich dann zwei Autos 50kW teilen müssen und Aufrüstung einem Neukauf gleichkommt, frage ich mich ob das nicht zu kurzfristig investiert wäre. Wenn man dann für die nächste Generation(und Tesla) 100kW anvisiert, damit man nicht eine ganze Stunde laden muss, gäbe es dann evtl. Alternativen zum Kompletttausch, die evtl. günstiger und effektiver wären.

Das war auch nur als Diskussionsgrundlage gedacht. Leitungsdicken müsste man natürlich auch schon frühzeitig ordentlich auslegen und die Auslegung des Anschlusses, der ja auch nicht billig ist, muss auch entsprechend gegeben sein(so ein Batterieepuffer ist ja auch nicht so billig - das ist dann eher die Abwägung des kleineren Übels). Wie sind da so die Kosteneinschätzungen? Durch die kleinen Inverter-Blades(Skaleneffekte..) für ein entsprechend erweiterbares Rack, wäre man in jedem Fall flexibler. Allein schon bei den 50kW. Anfangs treffen sich da nur wenige gleichzeitig. Da ist die Chance groß, dass man einzeln relativ viel Leistung bekommt. Nimmt die Frequenz zu, rüstet man dann 20 kW nach, damit die Fahrer gleichzeitig noch relativ viel Leistung haben usw..
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon TeeKay » Fr 28. Mär 2014, 14:16

Niemand investiert auch nur in einen einzigen 50kW-Lader, ohne dass nicht der fünffache Kaufpreis als Fördergeld fließt. Wenn du zu Tank&Rast gehst und den flächendeckenden Bau von je einem 50kW-Lader an ihren Rasthöfen vorschlägst, lachen sie dich aus.

Kommst du da hin mit den Worten:
- bald, ganz sicher, kommen dicken Batterien, dann sind 50kW nicht ausreichend und
- noch bäldiger geht der Boom los, dann fährt jeder Elektroauto und ihre eine Ladestation reicht nicht, darum
- müssen Sie selbst neue Lader entwickeln, die min. 100kW Peakleistung bringen und jeweils drei Autos in voller Höhe zur Verfügung stellen können, insgesamt aber mindestens 6 Ladepunkte mit dynamischer Lastverteilung,
- und bitte alle überdacht, damit ich nicht nass werde (die Forderung gabs im Forum auch schon)

dann werden die dich nicht auslachen, sondern in der Psychatrie anrufen. Das baut niemand. Das baut niemand, weil es weder die Batterien noch die riesigen Verkaufszahlen auch nur am Horizont erahnbar gibt. Ein CEO denkt maximal 3 Jahre in die Zukunft, denn solange geht sein Vertrag. Steht am Ende der Vertragslaufzeit ein 100 Mio Euro Projekt (400 Supercharger a 250.000) in den Büchern, das pro Jahr nur 3,5 Mio Euro Umsatz abwirft (1100 Ladungen pro Jahr und Supercharger a 26min nach dem DC-Tarif von The New Motion, 1100 Ladungen pro Jahr sind 50% mehr, als der durchschnittliche DC-Lader in den Niederlanden heute hat), dann ist die Vertragsverlängerung so unwahrscheinlich wie nur irgendetwas.

Du kannst gern darüber phantasieren, wie toll die Zukunft wäre mit riesigen Batterien, riesigen Verkaufszahlen, riesigen DC-Ladern und riesigen Stückzahlen selbiger. Doch der "man", der das alles bauen soll, kann nur der Staat sein. Und was der von Elektromobilität wirklich hält, zeigen die tollen Förderprojekte der letzten 5 Jahre. Zitat: "[...]Papierprojekte und zu Tode getestete Einzelfälle." (Unternehmerverband Berlin/Brandenburg)
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon steuerzahler » Fr 28. Mär 2014, 18:08

Auch hier tut sich was, aber laaangsaaam für eine Schnellladesäule.
http://www.bkw.ch/medienleser/items/ins ... uholz.html
Gibt wohl eine der bekannten EVTEC-Säulen.
http://www.evtec.ch/c5website/index.php ... arge-3in1/
Bin immer noch der Meinung, dass die 2 x DC gleichzeitig können, eventuell nur mit kleinerer Leistung.
Gruss
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon zitic » Fr 28. Mär 2014, 19:19

TeeKay hat geschrieben:
Niemand investiert auch nur in einen einzigen 50kW-Lader, ohne dass nicht der fünffache Kaufpreis als Fördergeld fließt. [...] Doch der "man", der das alles bauen soll, kann nur der Staat sein. Und was der von Elektromobilität wirklich hält, zeigen die tollen Förderprojekte der letzten 5 Jahre. Zitat: "[...]Papierprojekte und zu Tode getestete Einzelfälle." (Unternehmerverband Berlin/Brandenburg)

Irgendwie alles nicht zum Thema, aber gut. Die realen Umstände sind mir durchaus bewusst. Aber schön, dass du dich mal grundlegend hier abreagieren konntest. So ein Forum kann auch Therapie sein :lol: Eigentlich wollte ich nur grundsätzlich Vor- und Nachteile solcher modularer Bauweise diskutieren. Aber anscheinend besteht da ja kein Bedarf.
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon TeeKay » Fr 28. Mär 2014, 19:27

2020, wenn sich das Problem stellt, reden wir noch einmal darüber
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon midimal » Fr 28. Mär 2014, 19:40

steuerzahler hat geschrieben:
Auch hier tut sich was, aber laaangsaaam für eine Schnellladesäule.
http://www.bkw.ch/medienleser/items/ins ... uholz.html
Gibt wohl eine der bekannten EVTEC-Säulen.
http://www.evtec.ch/c5website/index.php ... arge-3in1/
Bin immer noch der Meinung, dass die 2 x DC gleichzeitig können, eventuell nur mit kleinerer Leistung.
Gruss


Also der CCS/CHademo von Evtec der In der HafenCity in HH steht kann nur ein DC auf einmal!
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon TeeKay » Fr 28. Mär 2014, 19:43

So war auch die Aussage des Geschäftsführers von e8energy: AC und DC zusammen geht, DC und DC zusammen geht nicht.
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Re: Autobahnschnelllader

Beitragvon mlie » Fr 28. Mär 2014, 20:19

Was doch auch in gewisser Weise logisch oder zumindest verständlich ist, der Gleichrichter kann eben nur eine bestimmte Leistung liefern, bei 2x DC müsste man die Leistung also irgendwie aufteilen ähnlich der Supercharger, und das wäre z.B. an einer 20kW-DC-Säule witzlos...

AC+DC hängt nur von der Stromanbindung (evtl. acuh mit Pufferakkus) ab und ist also in gewissen Grenzen kein Problem, welches sich nicht durch Münzeinwurf an den Versorger lösen liesse.
110Mm elektrisch ab 11/2012.

Bevor man den 200. Tröt zu einem längst ausdiskutierten Sachverhalt aufmacht, IMMER erstmal die Suche benutzen. Es gibt in diesem Forum KEIN Elektroautothema, welches nicht schon längst abschliessend diskutiert wurde!
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