Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Alf67 » Mi 20. Mai 2015, 00:29

Ich bitte schon im Voraus um Entschuldigung für den langen Text :oops:

Hallo liebe Elektromobilisten - Kollegen,

Nach einem Monat und knapp etwas über 1000 gefahrenen km möchte ich nun endlich ein Zwischenfazit, einen quasi Ersteindruck von unseren Erfahrungen mit dem B-ED abgeben.

Generell eines vorweg - meine ersten Erfahrungen haben sich bestätigt, was den Verbrauch anbelangt. Der Baby Benz ist zwar kein amerikanischer Straßenkreuzer, aber schon deutlich über dem, was man ein sparsames Elektro-Auto nennen würde.

Aber eines nach dem anderen, und Punkt für Punkt:

1. Verbrauch:
- Der B-ED lässt sich auf der Ebene, abseits von Autobahnen einigermaßen sparsam bewegen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er mit 15-16 kwh/100 km gut im Verkehr mitschwimmt, Stop and Go drücken nicht wirklich auf den Verbrauch. Genial: Die Stellung D-Auto mit radarunterstützter Reku: Geht´s abwärts, oder kommt man in diesem Mode, während der Benz gemütlich mit seinen 1,8 Tonnen dahin-"segelt", einem Vordermann zu nahe, wird die Reku verstärkt, bis hin zu einem recht kräftigen Mode, wenn man nicht mit der Bremse eingreift. Klasse. Allerdings wirkt dieser Modus nicht im Tempomat-Betrieb.
- Im Streckenprofil, wo wir ihn täglich nutzen, sind wir mittlerweile auf einem Verbrauch von 21,5kwh/100km ab Übernahme. Recht viel, - aber was der B-ED gar nicht mag, sind Steigungen, welche wir täglich fahren.
- Außerdem habe ich ein seltsames Phänomen ausgemacht: Vom Start weg schnellt der Verbrauch laut Anzeige immens hoch, auch kurze Heizungseinsätze lassen den Verbrauch dramatisch hochgehen - da können mal gleich 30kwh/100km und mehr auf der Anzeige stehen. Während der Fahrt sinkt dieser Wert dann allmählich. Bei Kurzstrecken kommt man da ständig auf Durchschnittsverbräuche von 23-25 kwh/100km. Meine Theorie: Beim Benz ist kein Nebenaggregat, ob Heizung, Servopumpe, Heizung, Licht (!) - ich habe Xenon genommen, großartig optimiert und zieht recht deutlich am Akku.
Ich habe auch den Eindruck, dass der B-ED höher ist, als ihm vom Luftwiderstand durch Verwirbelungen am Unterboden gut tut. Mein Ampera schnüffelt dagegen ja richtig über den Asphalt, und hat sogar noch eine lange Spoilerlippe vorne, mit der man ständig irgendwo streift :lol:
Im direkten Vergleich mit meinem Ampera, den ich zumeist zwischen 14,5 und 18,5, im Winter nie mehr als 25 kwh/100km bewege, säuft der B-ED gut 1/3 mehr Strom. So als Richtwert. Ich rechne im Winter mit 28-30 kwh/100km mit Heizung, mal sehen, was dann Realität ist. Ich bin schon zufrieden, wenn ich 100km erreiche.

2. Nun aber zu den Vorzügen des B-ED:

- Der Baby Tesla ist ein richtig tolles Fahrzeug, Mercedes eben. Top verarbeitet, sehr solide Haptik, schönes, klassisch angehauchtes Design im Innern mit vielen Sperenzchen, so man sie bezahlt. Sitze sind hervorragend, die Rundumsicht sehr gut, Lenkung sehr leichtgängig und direkt. Bremsen packen gut zu, wenn nötig. Meine Kids stehen auf die Ambientebeleuchtung in 12 Farben (hat echt was :) ), in mountaingrau metallic mit 19 Zöllern steht der B-ED richtig fett da. Hat mehr von einem SUV, als von einem normalen Mercedes B. Das liegt daran, dass er ein Stück höhergelegt wurde, wegen der Batterie am Unterboden. Bodenfreiheit ist sehr großzügig - was sicher auch auf den Verbrauch drückt.
Die Fahrdynamik ist sehr schön, wenn auch nicht supersportlich. In Kurven schaukelt sich die Karosse trotz tiefem Schwerpunkt durch die Batterien subjektiv empfunden doch mehr auf, als z.B. im Ampera. Kanaldeckel schluckt das Fahrwerk leider nur mit harten Schlägen - sind halt eben 1,8 Tonnen Leergewicht. Im Normalmodus E beschleunigt der B-ED seidenweich, rupft nicht wirklich weg, erst bei forcierterem Druck aufs Strompedal, oder eben aber in S. Die Beschleunigung bei Vollstrom ist phänomenal, richtigehend beängstigend :) Zumeist genieße ich aber den großzügig bemessenen Pedalweg, man kommt so selten in Versuchung, zu stark zu beschleunigen, so man es nicht muss. Beim beherzten Tritt aufs Strompedal beim Überholen ist aber sofort verzögerungsfrei volle Leistung da. Auf Wunsch noch E+ - Nicht mehr volle Leistung abrufbar und Heizung/Klima auf Sparmodus. Bringt allerdings nicht wirklich so viel Ersparnis... (Besser Heizung ausschalten, wenn man sie nicht braucht).
Innenraum sehr geräumig, auch der Kofferraum mit doppeltem Ladeboden (ebene Fläche zum Durchladen bei umgeklappten Sitzen oder tiefer unten, dann vergrößert sich das Volumen noch. Meist liegt aber da drunter eh das Ladekabel). An den Rücksitzlehnen Tischchen und Gepäcknetze für die Kids. Klasse.
Der B-ED ist ein richtiger Segler. Einmal in Fahrt in D-Auto, und man rollt und rollt und rollt, bei Null Verbrauch.
- Laden geht mit 11kw an einer Öffi Ladestation, oder zuhause. Damit ist der Benz in 2,5 Stunden von Null auf Voll. 220 V habe ich noch nicht probiert, da Ladebox zuhause. Ich denke, das liegt dann aber bei bis zu zehn Stunden.
- Range Plus (gg. Aufpreis): Frontscheibe beheizt, besser isoliert und die nutzbare Akkukapazität lässt sich bei zu erwartenden längeren Fahrten vor dem Laden auf 32 statt 28 nutzbar konditionieren und nutzen. Dann lädt der B-ED voll auf 100% und braucht dann noch eine Weile, bis der Ladevorgang abgeschlossen ist. Beim Entnehmen des Stroms steht der Benz dann auch 20-30 km auf 100% und nimmt praktisch erst mal die Energie, die auf die 100% drauf geladen wurde, bevor die Prozente wieder sinken. Mit Range Plus kommt man - zumindest jetzt bei diesen Temperaturen, auf ordentliche Reichweiten - ich denke, an die 210 km in der Ebene sind machbar, in meinem Streckenprofil um die 150km.

Mein persönliches Fazit:
Der B-ED ist nicht das perfekte E-Fahrzeug für sehr energiebewusste Fahrer. Vom Verbrauch her liegt er gut 1/3 über meinem Ampera, welcher selbst schon etwas durstiger daherkommt, als vergleichbare reine E-Fahrzeuge. Wer allerdings darüber hinweg sehen kann, erhält mit dem B-ED ein alltagstaugliches Fahrzeug, sehr sicher, komfortabel, auf Wunsch mit allen Extras samt einer hervorragenden Soundanlage (Harman Kardon), Xenon, Intelligent Light System uvm. ausgestattet. Verarbeitung? Ein Mercedes eben. :) Materialien nicht durchgehend auf höchstem Niveau (Plastik), aber alles sehr solide, und summa summarum edel und gemütlich. Von der Reichweite her gibt es bestimmt bessere Elektro-Autos, aber der B-ED fällt auf an jeder Ladestation. Ständig interessieren sich Normalfahrer für den Wagen, er lädt ein, macht neugierig: "Ich wusste gar nicht, dass Mercedes auch ein E-Fahrzeug hat - sieht toll aus...". Somit hat der B-ED auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Ein Schritt näher zu massentauglicher E-Mobilität (weil Akzeptanz), wenn auch nicht gerade in Sachen Ökonomie und Reichweite.

Letztendlich stoßen die Ingenieure bei einem Auto aus dem Konzernbaukasten halt eben an physikalische Grenzen: Höheres Gewicht, mehr Stromverbrauch durch Nebenaggregate, kompensiert durch eine mit bis zu 32 kwh nutzbare Füllmenge recht große Batterie. In etwa vergleichbar mit einem deutlich leichteren optimierten E-Fahrzeug mit 20 kwh eben... (=weniger Gewicht, besserer Luftwiderstandswert, weniger Verbrauch). Mal sehen, was die Zukunft da noch so bringt.

Meiner Frau und den Kids gefällt der B-ED jedenfalls richtig gut, und auch ich fahre ihn zwischendurch ganz gern, wenn auch nichts über meinen geliebten Ampera kommt 8-)

Edit: ich bitte untertänigst um Verzeihung, ich wurde von einem Kollegen darauf aufmerksam gemacht, dass ich versehentlich geschrieben habe, dass der B-ED mit 22kw zu laden ist (Verwirrung wegen des Ladens an den 22kw Ladestationen - allerdings nur mit 11kw, wie richtiggestellt...).

Gruß
Alf
Zuletzt geändert von Alf67 am Mi 20. Mai 2015, 10:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Ollinord » Mi 20. Mai 2015, 05:04

Schön geschrieben :-)
Dreimal weiß: Smart Cabrio ED / Model S 90D / Zoe 40
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Jan » Mi 20. Mai 2015, 06:38

Im Grunde genommen war das auch genau mein Eindruck. Was den Verbrauch betrifft, so waren meine Eindrücke aber noch schlechter, was vielleicht daran lag, das ich vorher mit anderen E Autos schon deutlich bessere Verbrauchswerte hatte. Es ist eben das erste Testfahrzeug der Firma, ein E Motor, der Rest ist so geblieben. Selbst die große 12Volt Batterie vom Verbrenner sitzt noch drin. Da ist noch sehr viel Optimierungspotenzial im Auto, wie mir im Schriftverkehr mit DB auch bestätigt wurde. Die Aussage, das Fahrzeug ist unser erster Versuch. Ich glaube, wenn in dem Konzern ein Wille ist, kann ein großartiges Produkt dabei herauskommen, nur der fehlt eben noch, leider. Dir Wünsche ich weiter viel Spaß mit Deinem schneller Flitzer, auch wenn ihm schnell die Puste ausgeht.
Kommt bei Dir auch schon Strom vom Dach? :) https://www.youtube.com/watch?v=bBPRBxziQOI
Der Ioniq wartet schon auf die ersten Sonnenstrahlen. :)
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Alf67 » Mi 20. Mai 2015, 10:09

Jan hat geschrieben:
Im Grunde genommen war das auch genau mein Eindruck. Was den Verbrauch betrifft, so waren meine Eindrücke aber noch schlechter, was vielleicht daran lag, das ich vorher mit anderen E Autos schon deutlich bessere Verbrauchswerte hatte. Es ist eben das erste Testfahrzeug der Firma, ein E Motor, der Rest ist so geblieben. Selbst die große 12Volt Batterie vom Verbrenner sitzt noch drin. Da ist noch sehr viel Optimierungspotenzial im Auto, wie mir im Schriftverkehr mit DB auch bestätigt wurde. Die Aussage, das Fahrzeug ist unser erster Versuch. Ich glaube, wenn in dem Konzern ein Wille ist, kann ein großartiges Produkt dabei herauskommen, nur der fehlt eben noch, leider. Dir Wünsche ich weiter viel Spaß mit Deinem schneller Flitzer, auch wenn ihm schnell die Puste ausgeht.


Danke Jan! - Die Puste reicht zum Glück für unsere Bedürfnisse und Fahrgewohnheiten mehr als aus. Dazu haben wir in Österreich, insbesondere in Westösterreich ein annehmbar gut ausgebautes 22 kw Ladenetz, und auch von der Vlotte (vlotte.at) eine Karte für 10 Euro im Monat. Man weiß ja nie :)

Und für ein bis zweimal im Jahr eine weite Strecke tuts dann entweder die Bahn, der Flieger oder auch der Ampera mit Nutzung fossiler Energie (nur im äussersten Notfall).

Gruß
Alf
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Hasi16 » Mi 20. Mai 2015, 10:49

Kleine Korrektur, da du es das zweite Mal schreibst: Die B-Klasse lädt maximal mit 11 kW (3 phasig 16 Ampere).

Viele Grüße
Hasi16
Zuletzt geändert von Hasi16 am Mi 20. Mai 2015, 11:55, insgesamt 1-mal geändert.
Hasi16
 

Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon midimal » Mi 20. Mai 2015, 11:04

Danke für den schönen Bericht - sehr schade, dass die ED-B-Klasse so ein Strom"fresser" ist :(
Aber hey, selbst mit einem Schnitt von 20kw/h auf 100KM kosten die 100KM unter 5 Euro - der Spass ist allerdings unbezahlbar :D
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I3s 94Ah+REX ab Nov'18 -> Ladesäule zu teuer oder kaputt - so what ... :roll:
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon wim3600 » Mi 20. Mai 2015, 11:10

Quote: Von der Reichweite her gibt es bestimmt bessere Elektro-Autos, aber der B-ED fällt auf an jeder Ladestation.

Welcher (100% electrisch, außer Tesla) auto hat ein bessere reichweite dan die B-ED range plus?
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Alf67 » Mi 20. Mai 2015, 11:37

midimal hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht - sehr schade, dass die ED-B-Klasse so ein Strom"fresser" ist :(
Aber hey, selbst mit einem Schnitt von 20kw/h auf 100KM kosten die 100KM unter 5 Euro - der Spass ist allerdings unbezahlbar :D


Also wenn ich konsequent zuhause mit Ökostrom nachts lade, komme ich auf 2,75 Euro im Sommer und 3,75 Euro im Winter*. Reiner Tagstrom wären es 3,74 Euro und 5,25 Winter. Dabei sind wir gerade am Umsteigen auf einen anderen Ökostrom-Anbieter, (http://www.pullstrom.at) wo wir uns noch einmal zirka 20% auf unsere jetzige Stromrechnung ersparen werden.

Also mit dem neuen Anbieter im besten Fall 2,6 Euro pro 100 km im Jahresschnitt, wenn wir ausschließlich zuhause mit österreichischem Nachstrom-Ökostrom laden.
Im schlechtesten Fall, - also 100% Tagstrom 3,64 Euro pro 100 km im Jahresschnitt.

Im Mix 50:50 dann wohl 3,12 Euro. Derzeit 2,5 Liter Sprit....

* Anmerkung: Die Kilowattstunde Ökostrom kostet uns derzeit 0,125 Euro nachts und 0,175 Euro tags.

Gruß
Alf
Zuletzt geändert von Alf67 am Mi 20. Mai 2015, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Alf67 » Mi 20. Mai 2015, 11:39

Hasi16 hat geschrieben:
Kleine Korrektur, da du es das zweite Mal schreibst: Die B-Klasse lädt maximal mit 11 kW (3 phasig 16 Ampere).

Viele Grüße
Hasi16


Sorry, wenn ich so verpeilt bin - wo meinst Du? Ich hab das doch im Artikel korrigiert? Hab ich was übersehen?

Also nochmal von meiner Seite ganz deutlich: Der B-ED lässt sich auch an einer 22kw Ladesäule nur mit 11kw laden.

Gruß
Alf
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Re: Mein B-ED Fazit nach 1000 Kilometern

Beitragvon Alf67 » Mi 20. Mai 2015, 12:15

wim3600 hat geschrieben:
Quote: Von der Reichweite her gibt es bestimmt bessere Elektro-Autos, aber der B-ED fällt auf an jeder Ladestation.

Welcher (100% electrisch, außer Tesla) auto hat ein bessere reichweite dan die B-ED range plus?


Ich denke, die ZOE, E-Golf, Kia Soul EV Fahrer werden Dir dazu eventuell mehr sagen können. Besonders letzterer soll auch über 200km kommen. Aber ich denke, da kommt wohl kaum ein anderes E-Fahrzeug an die vom Benz zu schaffenden 200km+ mit Range Plus und guten Bedingungen ran.

Gruß
Alf
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