Abschlussveranstaltung eMERGE2

Abschlussveranstaltung eMERGE2

Beitragvon Z0P0 » Sa 11. Nov 2017, 15:33

Ich habe mir gestern beruflich mal eine Pause gegönnt und bin zur Abschlussveranstaltung eMERGE2 nach Berlin ins BMVI gefahren, wovon ich euch (kurz) berichten und die wichtigsten Erkenntnisse mitteilen möchte.

Lest einfach die Absätze die euch interessieren:

Anfahrt:
So eine lange Strecke (Dresden-Berlin) bin ich mit meinem BED schon seit 2Jahren nicht mehr gefahren. Ich fahre täglich ca. 50km und lade zu Hause/Schuko (70%) oder an öffentlichen Ladestationen/Typ2 (30%). Von daher war ich sehr überrascht wie einfach das jetzt geht. Das letzte mal nach Erfurt war noch eine genaue Planung und Recherche im Vorfeld notwendig. Diesmal hatte ich nur die App WATTFINDER und HERE im Gepäck, plus eine TNM Karte.
Es ging 6.40Uhr (vorgewärmt per App und RangePlus) einfach in der Innenstadt von DD los. Ich wusste das am Dreieck Spreewald mehrere Ladestadionen sind, weil ich da vor einem Jahr einen Kurzurlaub gemacht hatte. Ok also Tempomat auf 95km/h eingestellt und hinter einen LKW gehangen. Der Verbrauch hatte sich nach ca. 1h / halber Strecke bei ca. 17kWh eingepegelt. Also wusste ich das ich die 200km nicht ganz schaffe, also kurzer Blick aufs NAVI (Handy mit Wattfinderkarte) und Entscheidung getroffen das ich 20min. nachlade. Angebote gab es viele, ich habe mich für das hier entscheiden (da direkt an der Autobahn und FairUsePrinzip):
https://www.goingelectric.de/stromtanks ... e-5/12614/ Danke war super dort!
Angekommen, angesteckt, Hallo gesagt (Betreiber schaute kurz aus dem Fenster und begrüßte mich), kurz probiert das kostenlose W-LAN zu nutzen (hab ich nicht gleich hinbekommen, aber auch nicht weiter probiert), 2€ für meine 3-4kWh in den Briefkasten geworfen und weitergefahren.
Nach zäh fließenden Verkehr stand ich dann 9.45Uhr direkt vor dem Ministerium und habe mich in eine Innogy Ladesäule eingestöpselt. Säulen gab es dort alle paar hundert Meter also habe ich die nächste (30m) zum Zielort probiert und mich gewundert das die dort frei war bei solch einer Veranstaltung.
Kosten ca. 12€ und das Bezahlsystem sehr einfach:
Handy→QR Code→Bezahlen per Paypal (gab auch andere Optionen)→einstecken und los
Fazit: selbst mit meinem alten BED und nur 200km Reichweite, gibt es keinen Grund für Lade/Reichweitenangst mehr

Begrüßung und Organisation:
Im Vorfeld gab es 2-3 E-Mails mit Parkplatzsituation, Anreise und Agenda. Alles war aus meiner Sicht gut organisiert im schönen Ambiente des Erich-Klausener-Saal. Es gab Namesschilder, genug Plätze mit Infomaterial/Getränken/Schreibmaterial und einer Teilnehmerliste. Es wurde nochmal kurz das Projekt und der Stand der Elektromobilität vorgestellt, der Staatssekretär Barthle sprach und dann ging es auch schon mit den einzelnen Themen/Vorträgen los.
Das man die 1Mio. bis 2020 nicht schafft war Konzens, aber man ist im Massenmarkt angekommen (1% weltweit). Als neues Ziel und Zahl habe ich 10Mio. bis 2030 mit genommen. Was aus meiner Sicht Quatsch ist, man sollte statt solcher Zahlen lieber sagen, was man konkret tun will. Ich sage nur Tipping Point und anstieg der dazugehörigen S-Kurve (die von den Maßnahmen und nicht vom Ziel abhängt). Alles andere ist Kaffeesatzleserei aus meiner Sicht, aber dazu mehr unten.
Mein Fazit: Gute Organisation und man ist sich Bewusst das man das Thema nicht aussitzen kann und weiter fördern muss z.B. Nachfrage nach E-Nutzfahrzeuge und Bussen aus China kann man z.Z. nicht bedienen

Vorträge:
Ergebnisse Flottentest:
Aufbau und Ablauf eMERGE2: z.B. 103BEV / PHEV 18 Fahrer haben teilgenommen, 2,8/1,9Mio. € Fördervolumen, Arbeitspakete (z.B. wie gestalte ich das laden und verhindere Unterbrechungen)
-Es wurde gezeigt das die meisten Nutzer das Fahrprogramm B nutzen (ist aber auch voreingestellt und das Auto merkt sich beim nächsten Start die Änderung nicht).
-Es wurden div. Dinge zw. C350e (PHEV) und B250e (BEV) verglichen (nach ca. 0,4Mio. km):
Hohe Verweildauer bei SOC Stand: niedrig – hoch
Starten häufig ihr Fahrzeug mit Batterie: niedrig – voll
Kilometer je Fahrt im Durchschnitt: 12.5 – 9.1
Ladevorgänge in der Zeit: 850 (2800kWh) – 12200 (132000kWh)
kWh je Ladevorgang: 3kWh (50%) - 11kWh (33%)
laden jede x-te Fahrt: 10 - 4
-Die Teilnehmer empfanden geräuschloses Fahren: 95% angenehm, 20% gefährlich, 75% das es geräuschlos bleibt
-Nur ca. 25% wollen eine optische Differenzierung des E-Autos, die meisten laden zu Hause und mehrmals die Woche
-Das Nutzerverhalten nach Fahrstrecke entspricht ungefähr dem Durchschnitt, bis auf Landstraßen die werden weniger von Elektromobillisten genutzt
Fazit: Meine Meinung!
1. PHEV ist quatsch, der Fahrer nutzt den Verbrenner nicht wirklich als Sicherheit für Reichweite und fährt nicht wirklich elektrisch (siehe jedes 10te Fahrt nur laden vs. 12.5km je Fahrt), man holt sich nur doppelte Technik (mehr Maintenance & Kosten) und Gewicht ins Auto
2. Soundgeneratoren sind quatsch, die Umwelt gewönnt sich an die Ruhe, mache ich ja beim Fahrrad auch nicht anders
3. Elektroautos brauchen kein Alleinstellungsmerkmal und nicht das ganze Technikarsenal als Standard (nur als Option wie beim Verbrenner), ein Elektroauto braucht nicht unbedingt innerstädtisch einen Spurhalteassistenten um am Massenmarkt anzukommen, Radar zum Stromsparen schon, zudem sollte man Autonomes Fahren und E-Mobilität zur Massenmarkteinführung entkoppeln

Bedarfsgerechte Auslegung Antriebsstrang:
Hier gab es für mich weniger Fakten zu berichten, da es auf den PHEV ausgerichtet war, so das ich einfach sagen kann das eine Auslegung des Antriebsstranges nur nach Pareto-Optimale Lösung erfolgen kann. Das heißt ich schaue mir die Anforderungen an das Fahrzeug/Kunden an (Verbrauch vs. Leistung vs. Festigkeit) und kann nur so ein Optimum finden und nicht alle drei Ziele bestmöglich erreichen. Für den C350e hätte das wohl bedeutet, das in der Simulation die Werte 350Nm und 155kW besser wären. Sorry das ich da den interessierten nicht mehr liefern kann.

Nutzerakzeptanz:
Für mich sehr interessant, hier ging es um Akzeptanz und Motive der E-Mobilität:
Einflussgrößen für die Anschaffung waren: Vorwissen, Kompatibilität und Komplexität ; andere Dinge wie Umwelt, Technologieaffinität, soziale Wahrnehmung, Erprobungsmöglichkeiten, Geldanreize spielten eher eine Untergeordnete Rolle
Mein Fazit: Damit es vorwärts geht muss ein E-Auto nicht gefördert werden (erst ab 5000€ spürt man da eine leichte Änderung), es muss einfach und alltagstauglich gestaltet werden und man muss aufklären wie es funktioniert.

Bereitstellung & Finanzierung der Ladeinfrastruktur:
Das Thema zielte darauf ab welche Infrastruktur benötigt wird und wo es Lücken gibt. Ich denke das war eines der wichtigsten Themen. Zusammenfassend kann man sagen, das man die LI in drei Bereiche einteilen kann: Privat (z.B. eigener Parkplatz), Öffentlich (z.B. Supermarkt) und Halbstaatlich (Netzabdeckung auch in der Peripherie) die unterschiedliche Förderungen und Gesetze braucht.
Mein Fazit: Meiner Meinung nach sollte hier der Staat vor allem die Autobahnen mit Schnellladern fördern und im Urbanen Regularien mittels Belohnungssystem einführen um Arbeitgebern und Wohnungseigentümergemeinschaften zum Aufbau von LI zu bewegen.

Verbesserungspotenziale durch Vernetzung
Hier ging es um Effizienz durch Rekuperation beim Bremsprozess z.B. in Kolonnenfahrten, wenn einer vorne bremst und was man da durch Vernetzung (V2V) vs. Radar vs. Human sparen kann. Bis 30km/h gibt es da kaum Unterscheide, bei 50km/h setzten sich ca. gleich Radar und Vernetzung ab und ab 80km/h kommt Vernetzung auf ihr Potential. Das ganze hat man für die Stadt Amsterdam simuliert. Die Reichweitenkosten durch Mehrgewicht und Stromverbrauch der Technik Fallen nicht ins Gewicht.
Fazit: Ich denke das hat auf alle Fälle Potenzial, z.B. auch zur Stauvermeidung. Wichtig ist hier aber auch das Thema Datensicherheit, Latenzen und Netzinfrastruktur. Wenn das alle haben lässt sich richtig Strom sparen, weil die Kolonne ja fast Stoßstange an Stoßstange fahren kann und damit den Windwiderstand extrem minimieren kann (z.B. Autobahn).

Neue Geschäftsmodelle aus der TCO Perspektive
Das Thema reicht eigentlich als Durchbruch für die Elektromobilität völlig aus, den es zeigt das wenn man den Gesamtblick auf die Kosten wirft sich ein Elektroauto lohnt. So ähnlich habe ich es vor 3 Jahren mit einer Exceltabelle bei der Kaufentscheidung meiner B-Klasse E vs. Diesel gemacht. Was mich überrascht hat war die Tatsache das der E-BED sich eher (schon ohne Subvention) als der E-Smart im Vergleich zu seinem explosionsgetriebenen Äquivalent lohnt:
TCO 10000km/5J. Haltedauer/mit Subv.: e.GO Life 20 - 0,42€/km vs. smart ForTwo 0,44 €/km
Bei dem Vortrag ging es vor allem um neue Geschäftsmodelle die den TCO noch gravierender drücken, indem man das Auto als Flottenbetreiber mit z.B. Großkundenstrom betreibt, den Secound Life der Batterie ausnutzt,...:
BED mit Flex. Mobilitätspaket: @5000km 787€ vs. 127€ / @10000km 859€ vs. 257€
Mein Fazit: Elektromobilität setzt sich alleine durch die Kostenersparnis durch:
Immer günstigere/leichtere/bessere Akkus
weniger Wartungskosten, langlebigere Komponenten
Secound Life Markt der Akkus
immer bessere Rekuperation, Energierückgewinnung und weniger Bremsenverschleiß
geringere Energiekosten pro km
Einfachheit der Produktion...siehe gesunkene Eintrittsschwelle der ganzen Start-Ups in die Automobilindustrie

Heimreise
Nun ja da ich es ja fast bis Berlin auf der Hinreise geschafft habe, habe ich den ECO-Plus Modus eingestellt und bin einfach losgefahren. Leider hat es die ganze Zeit geregnet, es war kalt und Dresden liegt etwas höher als Berlin, so das ich es auch Heimwärts nicht ganz geschafft habe. Also 30km vor Dresden wieder kurz Blick auf Wattfinder geschaut und dann habe ich mich für eine kostenlose Stromtankstelle an der Autobahn mit angeschlossenen Fastfoodbetreiber entschieden. Hier war die TNM Karte ganz nützlich da ich die nur anhalten musste und lostanken konnte. Kurz auf Toilette, was essen und ab nach Hause.

Grüße Z0P0
Zuletzt geändert von Z0P0 am Mo 13. Nov 2017, 11:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Abschlussveranstaltung eMERGE2

Beitragvon eos21 » So 12. Nov 2017, 15:03

Hallo Z0P0

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!
Mercedes-Benz B 250 e seit 8.1.2016 | Zwischenstand 11.2017: 50'000 Km | Zufriedenheit: Sehr hoch | Probleme: Null |
Jaguar I-Pace vorbestellt |
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Re: Abschlussveranstaltung eMERGE2

Beitragvon BED » So 12. Nov 2017, 18:39

Danke!

Wieviel Teilnehmer waren anwesend?
BED
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Re: Abschlussveranstaltung eMERGE2

Beitragvon Z0P0 » Mo 13. Nov 2017, 11:15

Es waren ca. 30-40 Leute da, 4-5 Projektteilnehmer und der Rest von den Kooperationspartnern...
http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Social ... 32932.html

Ach ja das habe ich ganz vergessen, da war ein Projektteilnehmer der eine schöne Rede aus Teilnehmersicht gehalten hat. Klein- bis Mittelständigesunternehmen, hat seinen kompletten Fahrzeugpark auf E umgestellt und stellt die Fahrzeuge und Energie seinen MA zur Verfügung. Fand ich Klasse!!! Bei uns sind es leider 1500MA, Tendenz stark steigend, da muss der Gesetzgeber noch etwas Basis schaffen.
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