Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeber

Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeber

Beitragvon tomas-b » Mi 6. Sep 2017, 19:30

Ich hoffe, dass ich hier den richtigen Bereich gefunden habe.
Ziel ist es, meinen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass Ladesäulen auf dem Firmengelände für die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten ein Zugewinn sind. Perspektivisch soll dann auch ein öffentlicher Zugang zu einem Schnellladesystem gegeben sein.
Mal sehen, wie weit es gut läuft... 8-)

Zum Backround der Firma: Lokal ca. 300 Mitarbeiter, mit Produktion und Produktentwicklung im Bereich der automobilen Zulieferung.
Wir gehören zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit insgesamt ca. 10.000 Mitarbeitern.
Momentan gibt es an unserem Standort zwei Mitarbeiter mit einem reinen Elektro-Fahrzeug, beide hier im Forum angemeldet... :)

Heute war, nach etwa einem halben Jahr Vorarbeit, mein erstes Meeting mit unserer Energie- und Umweltmanagerin.
Geplant war ein kurzes, 30 minütiges Kick-off-Meeting, geworden sind es dann fast 1,5 Stunden.
Sie selbst fährt einen Hybrid von Toyota, war aber mit dem Betrieb reiner Elektrofahrzeuge überhaupt noch nicht vertraut.

Auf der Tagesordnung standen drei Themen:
1. Errichtung von 2 ... xx Schnellladesystemen (50 ... 150 kW) zum Laden von Test- und Firmenfahrzeugen sowie ein optionales Angebot für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern, wenn es überraschend mal schnell gehen soll. Zudem, wie schon erwähnt, hoffentlich dann auch die Gewährung eines öffentlichen Zugangs für alle Durchreisenden. Der Eintrag hier in das GE-Verzeichnis ist dann hoffentlich der krönende Abschluss aller Bemühungen...

2. Errichtung eines Destination-Ladesystems für die Mitarbeiter mit einer Leistung von 2,3 kW pro Ladepunkt.
Es soll ein skalierbares System werden, welches entsprechend des Bedarfes erweitert werden kann. Über den Punkt kostenlos/kostenpflichtig wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Die besten Voraussetzungen gibt es bereits, dort, wo jetzt der Mitarbeiterparkplatz ist, stand früher mal eine komplette Werkshalle mit drei fetten Drehstromanschlüssen (mindestens 125 A pro Phase), die rein vom Querschnitt auch weitaus höhere Ströme verkraften würden. Der alte Anschlusskasten steht noch am Rand des Parkplatzes und befeuert aktuell nur die Parkplatzbeleuchtung.

3. Eine "Quick-and-Dirty"-Lösung für den bevorstehend Winter, da mein Kollege den Weg 1x zur Arbeit und wieder zurück nicht mit einer Akku-Ladung schaffen würde bzw. es ziemlich knapp werden könnte.
Hier werden wir (wahrscheinlich) den Verteilerkasten am Rand des Parkplatzes schon mal anzapfen und eine Anschlussmöglichkeit für unsere Lade-Ziegel schaffen. Natürlich schön verpackt in einem kleinen IP67-Schaltschrank inklusive Ablagemöglichkeit für die "Klumpen".

Das Ergebnis der heutigen Besprechung:
1. Die Ideen zu Punkt 1 & 2 wurden wohlwollend aufgenommen und werden im Rahmen der Vorbereitung auf die Auditierung (Energie und Umwelt) im nächsten Jahr genauer ausgearbeitet und der Geschäftsführung vorgestellt.

2. Punkt 3 kann dieses Jahr noch umgesetzt werden und auch beim diesjährigen Audit noch in die Bewertung einfließen, wenn ich den Nachweis erbringen kann, dass das Laden von Mitarbeiterfahrzeugen keinen geldwerten Vorteil darstellt, wenn der Arbeitgeber den Strom kostenlos zur Verfügung stellt. Hintergrund ist, dass die Organisation eines geeigneten Abrechnungssystems unser Rechnungswesen so kurz vor dem Jahresabschluss überfordern würde und sich der Aufwand für aktuell 2 Mitarbeiter nicht lohnt.
Die entsprechenden PDF-Dokumente zu finden war ja (dank diesem Forum) kein Problem, somit steht dem eigentlich nichts mehr im Wege...

Ich werde hier dann weiter berichten, vielleicht helfen meine Erfahrungen und Ideen bei der Herangehensweise an dieses Thema ja auch anderen Lesern bei der Überwindung der Hürden in ihrer Firma. Oder vielleicht hat jemand das auch schon hinter sich und kann wertvolle Anregungen und Argumente einbringen.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon steiner » Mi 6. Sep 2017, 20:17

Wäre ja toll wenn dein Arbeitgeber da mitzieht. Viel Glück ;)
Gruss
Andreas
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon kub0815 » Mi 6. Sep 2017, 20:37

Zu 2. Plant ihr das mit Schukosteckdose?
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon tomas-b » Mi 6. Sep 2017, 20:45

kub0815 hat geschrieben:
Zu 2. Planung ihr das mit Schukosteckdose?


Sowohl Schuko als auch CEE blau.
Bei der Schuko allerdings ein Modell, welches für 16A Dauerlast ausgelegt ist. Unser Werks-Elektriker steht uns hilfreich zur Seite, es gibt bei uns einige Geräte, die ähnliche Voraussetzungen (10 A Dauerlast) haben und auch über Schuko betrieben werden.
Die Ladestationen (wenn sie denn genehmigt werden) fallen bei außerdem in die Kategorie der Anschlüsse, die im Ein- oder Zwei-Jahres-Intervall auf elektrische Sicherheit überprüft werden.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon PowerTower » Mi 6. Sep 2017, 20:56

Du Glücklicher, dass dein Arbeitgeber bereit ist, soviel Geld dafür in die Hand zu nehmen. Ich vertrete eigentlich auch die Meinung, dass Schuko für Mitarbeiter ausreichend ist. Ist halt nur ein wenig unkomfortabel, weil man halt immer sein eigenes Kabel jeden Tag aus dem Kofferraum kramen muss. Aber würde schon gehen. Alternativ wäre Typ2 3,7 kW, das würde aber bei 8 Ladeplätzen Mehrkosten im Bereich von 4-7.000 Euro verursachen.

Da der Strom kostenlos für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden soll, ist die Installation mit überschaubarem Aufwand und Kosten verbunden. Das kann ich hier leider nicht vermitteln. Muss auch nicht, ich brauch den Strom nicht geschenkt. Wichtig ist, dass die Kollegen mit 70-80 km Arbeitsweg wieder sicher nach Hause zurück kommen.

Bezüglich qualitativ guter Schukos bin ich bis jetzt bei Gebr. Albert hängen geblieben. Die Doppel-Schuko Säule wird mit 4 mm² angeschlossen, klingt sehr ordentlich. Wie es intern verdrahtet ist, weiß ich nicht genau, vermutlich jede Dose mit 2,5 mm². Das ist ein wichtiger Faktor, um die Wärme weg zu bekommen.
Zuletzt geändert von PowerTower am Mi 6. Sep 2017, 21:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon kub0815 » Mi 6. Sep 2017, 21:02

Bei uns war die schuko steckdosenlösung wegen Sicherheitsbedenken nie ein Thema. Deswegen haben die typ2 steckdosen angeschafft.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon mweisEl » Mi 6. Sep 2017, 21:04

tomas-b hat geschrieben:
wenn ich den Nachweis erbringen kann, dass das Laden von Mitarbeiterfahrzeugen keinen geldwerten Vorteil darstellt, wenn der Arbeitgeber den Strom kostenlos zur Verfügung stellt. Hintergrund ist, dass die Organisation eines geeigneten Abrechnungssystems unser Rechnungswesen so kurz vor dem Jahresabschluss überfordern würde und sich der Aufwand für aktuell 2 Mitarbeiter nicht lohnt. Die entsprechenden PDF-Dokumente zu finden war ja (dank diesem Forum) kein Problem

... da hättest Du die Fundstelle(n) evtl. gleich nochmal verlinken können...

kub0815 hat geschrieben:
Deswegen haben die typ2 steckdosen angeschafft.

Lieber der AG investiert in 36 mit je 10A abgesicherte Schuko-Dosen statt in 6 Stück gleich teure Typ 2 erstmal gar nicht. Auch Typ 2-Fehlkonstruktionen können durchschmelzen - im Außenbereich aber ziemlich folgenlos, wie bei Schuko
Zuletzt geändert von mweisEl am Mi 6. Sep 2017, 21:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon PowerTower » Mi 6. Sep 2017, 21:08

kub0815 hat geschrieben:
Bei uns war die schuko steckdosenlösung wegen Sicherheitsbedenken nie ein Thema. Deswegen haben die typ2 steckdosen angeschafft.

Es gibt einfache Spielregeln bei Schuko.
- Ordentliche Steckdosen einsetzen und mit 2,5 mm² anschließen.
- Keine Verlängerungen verwenden.
- Wenn möglich Ladestrom auf max. 13 A beschränken.

Die ICCBs haben temperaturüberwachte Schuko Stecker. Wird es zu warm, drosseln sie ihre Leistung oder brechen wenn nötig den Ladevorgang ab. Klar, Typ2 ist in jedem Fall vorzuziehen. Du musst aber erst mal einen Arbeitgeber finden, der bereit ist, entsprechend zu investieren. Meiner macht das leider nicht.
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon tomas-b » Mi 6. Sep 2017, 21:47

Wir sind schon froh, wenn es Schuko wird, bei 2,3 kW hab ich auch wenig Bauchschmerzen.
Wie gesagt, es soll ein skalierbares System werden, wo jeder jeden Anschluss nutzen kann. Und perspektivisch müssen halt (theoretisch) 300 Anschlüsse möglich sein und das möglichst einfach...

Die Ladekästen werden dann (wahrscheinlich) bei uns in der Lehrwerkstatt montiert und die Forderung vom Betriebsrat ist: Es muss immer eine Ladedose mehr vorhanden sein, als benötigt.

Von daher wird es auf eine einfache Lösung mit Staufach für die ICCB's hinauslaufen. Ein Kompromiss, der für uns erst einmal in Ordnung geht...
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Re: Tagebuch: Aufbau einer Lade-Infrastruktur beim Arbeitgeb

Beitragvon GTE-Manni » Mi 6. Sep 2017, 22:15

tomas-b hat geschrieben:
2. ... Über den Punkt kostenlos/kostenpflichtig wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
...
Das Ergebnis der heutigen Besprechung:
...
2. Punkt 3 kann dieses Jahr noch umgesetzt werden und auch beim diesjährigen Audit noch in die Bewertung einfließen, wenn ich den Nachweis erbringen kann, dass das Laden von Mitarbeiterfahrzeugen keinen geldwerten Vorteil darstellt, wenn der Arbeitgeber den Strom kostenlos zur Verfügung stellt.


Hallo tomas-b,
da ich (wie bestimmt einige weitere Leser hier) Ähnliches vorhabe, hier das unhandlichste Problem:
Die Juristen unserer Firma sagen, daß der Arbeitgeber seinen Strom (evtl. selbst produziert, evtl. zugekauft) nicht gänzlich an den Arbeitnehmer verschenken darf.
Um Mißverständnisse zu vermeiden: Wir sind uns alle einig, daß der Strombezug seit diesem Jahr keinen geldwerten Vorteil darstellt und somit nicht vom Arbeitnehmer versteuert werden muß. Allerdings müsse der Arbeitgeber ein paar im Strompreis enthaltene Steuern/Entgelte weiterberechnen, so daß vom Arbeitnehmer ca. 9 Cent pro kWh einzubehalten sind.

Mit den verlinkten Doks finde keinen Passus, der diesen komplexen Zustand ausschließt.
Ist jemand unter den Lesenden, der mir zeigen kann (Quelle), daß an den Arbeitnehmer gar nix berechnet werden muß?

Vielen Dank
Manni
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