Wallbox @work von e8energy

Alles rund ums Elektroauto-Laden / Ladeboxen / Ladegeräte

Wallbox @work von e8energy

Beitragvon dreamfish86 » Di 29. Apr 2014, 19:25

Hallo,

auf der Suche nach einer geeigneten Wallbox für meinen 16A-Schnarchlader e-up! bin ich über die "@work" von e8energy gestolpert. Ich war von dem Produkt recht begeistert und habe mal ganz blöd bei denen angefragt, was die denn kosten soll.

Die Antwort war schnell & freundlich und trotzdem traf mich der Schlag: 1.999,- EUR. Jetzt frage ich mich, ob da Goldbarren drin verarbeitet sind? Okay, sie hat ein Display wo man den Strom und die kWh anzeigen kann, lässt sich per RFID-Karte freischalten.

Aber ich finde das ein bißchen happig. Das ist 1/15 des Anschaffungspreises meines e-up!.

Was haltet ihr von der Wallbox? Was für Alternativen gibt es für Schnarchlader wie mich? Ich hab den e-up! nunmal ohne CCS bestellt und das eingebaute Ladegerät kann max. 16A.

Also wenn das Preisgefüge so bleibt, dann werde ich wohl nur den Schuko-10A-Ladeziegel benutzen. Ich meine, für 2 Riesen bekomme ich ja schon fast eine RWE Ladesäule mit 2x 22 kW und Fundament. Wahnsinn!!!

Bin für jeden Tip dankbar!

LG Peter
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon energieingenieur » Di 29. Apr 2014, 20:01

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich meine, für 2 Riesen bekomme ich ja schon fast eine RWE Ladesäule mit 2x 22 kW und Fundament.

Naja, ganz so ist es nicht. So eine 2x 22kW-Ladesäule (ohne RFID-Kommunikation) eines namhaften Herstellers kostet im Einkauf ca. 5.000 EUR. Netto. Aber dann liegt die noch in der Verpackung. Natürlich ohne Fundament und ohne Aufstellen.
Man darf nicht vergessen, was da an Material drin ist und dass das in Handarbeit zusammengebaut wird.

Bis das Ding inkl. Loch graben, Fundament gießen, Kabel anschließen, Aufstellen, Funktionsprüfung, usw. dann fix und fertig steht und benutzt werden kann sind je nach Untergrund und Kabelweg 8.000-10.000 EUR (brutto) weg.

Wenn du daheim einen e-up! laden willst, würde ich dir eine einfache Wallbox ohne RFID-Authorisation empfehlen. Vll. kommst du dann mit ca. 500-700 EUR inkl. Installation weg. 2.000 EUR für eine Wallbox, von der du sowieso nur 1phase mit 16A nutzen kannst, würde ich auch nicht investieren. Hier findest du einige Vorschläge: http://www.goingelectric.de/wiki/Station%C3%A4re_L%C3%B6sungen Ich würde mir gleich die erste mal ansehen: eMH1 EVSE501

Hat dir denn VW nicht ein Angebot über eine Bosch/ABL Sursum Box gemacht? Die wird doch üblicherweise mit dem e-up! verkauft, sofern der Kunde sie denn will.
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon rolfrenz » Di 29. Apr 2014, 21:07

Ich lade meinen e-Up! zu Hause an der PV mit einem Mennekes-Kabel mit ICCB, CEE blau (="Camping-Stecker") und spare mir einerseits die unnötige Wallbox und habe andererseits auch noch zum 10A-Schuko ein 16A Kabel zum Mitnehmen, wenn ich möchte. Wenn du das Kabel bei Volvo kaufst, dann zahlst du auch nur die Hälfte wie bei Mennekes direkt. In meinem Fall waren es mit der 8m Leitung (weil ich mein Auto an verschiedenen Positionen parken möchte) knapp 480,- €, das kürzere mit 4m kostet so um die 420,-, so viel ich weiß.

Laden funktioniert seit Beginn problemlos, du kannst von 6-8-10-13-16A den Ladestrom am "Ziegel" einstellen, oder auf 16A lassen und mit der App im e-Up! den Ladestrom zwischen 5-10-13-16A regeln. Alle Kombinationen laden problemlos. Sowohl wenn du im e-Up! 16A eingestellt hast und am Ziegel die Stromstärke änderst, als auch umgekehrt. So mache ich es meistens, weil ich noch für eine automatische Regelung in Abhängigkeit vom vorhandenen Sonnenstrom teste. Ich lasse das Ladekabel auf 16A und regle dann mit dem Handy von 5-16A je nach vorhandenem Überschussstrom.

lg
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon dreamfish86 » Di 29. Apr 2014, 21:32

Hallo,

doch, VW hat mir ein Angebot gemacht, allerdings für 1.200,- EUR inkl. Installation (die ich nicht benötige, aber man bekommt es nur so).

Das günstigste, was ich dann bisher gesehen habe ist von RWE: https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de ... /rwe-ebox/ kostet unter 700 EUR.

Okay, die richtigen Ladesäulen sind teurer, hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Also ich bin wirklich nicht geizig, aber ich sehe das irgendwie nicht ein. Hier scheint sich eine Art e-Mafia gebildet zu haben, die der Meinung ist, daß der bekloppte Überzeugungstäter (zu Deutsch: EV-Käufer) soviel Kohle rausfeuert, daß er sich dann auch noch für einen 4-stelligen Betrag einen Blechkasten an die Wand schraubt, wo (ich sag das jetzt mal umgangssprachlich) ein bißchen Elektronik für max. 100 Euro drin ist.
Die Industrie hat offenbar den Bezug zur Realität verloren. Was VW mir da anbietet, das sind (umgerechnet 2.400 DM), ja - ich rechne das immer noch um. Das ist fast ein Netto-Monatsgehalt. Und nur, damit ich statt mit 10 nun mit (theoretisch) 16 Ampere laden kann. Sorry, hier stimmt ganz gewaltig was nicht.

Natürlich wäre es ein schickes "Nice to have", wenn in der Garage eine schicke Wallbox mit festem Typ-2-Kabel hängt. Das sieht sauber aus, hat Hand und Fuß. Aber wie gesagt, bei den aufgerufenen Preisen platzt mir echt der Kragen und eigentlich darf man das schon aus Prinzip nicht kaufen. Um der Industrie deutlich zu zeigen, wo die Schmerzgrenze des Kunden liegt.

Also ich überlege ernsthaft, ob ich mir ein EVSE-Modul von Phoenix-Contact kaufe (die verkaufen auf eine Typ-2 Dose mit Verriegelung) und mir das selbst zusammenbaue. Ich habe in meiner Installation bereits 30 mA FI-Schutz aber wenn's schön macht, nehme ich aus meinem Keller noch einen und stopfe den da noch mit rein. Und ein Trennschütz brauche ich auch nicht. 230 Volt mit 16A sind nicht gefährlicher als mit 10A und in meiner Garage regnet es auch nicht.

LG Peter
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon TeeKay » Di 29. Apr 2014, 21:40

Und jetzt überlege mal, welche Stückzahlen die Hersteller absetzen. Das geht in die dutzenden. Dutzende, nicht hunderte, tausende oder Millionen. Für diese dutzenden Verkäufe im Jahr müssen die Teile designt, entwickelt, getestet, produziert, garantiert, verkauft und versandt werden. Ein Teil der Fixkosten wird auf die wenigen verkauften Produkte umgelegt und machen sie aus deiner Sicht zu teuer. Aus Sicht von e8energy sind sie zu billig, denn die schreiben Millionenverluste, so wie wohl außer Tesla jeder, der mit Elektromobilität zu tun hat.

Wenn du eine Million andere Käufer auftreibst, die mit dir zusammen eine Wallbox kaufen, dann werden die Teile auch billiger. Solange sie aber in Manufakturbauweise entstehen und die große Firmenparty losgeht, wenn mal drei auf einmal verkauft werden, bleiben die Preise hoch.

Was glaubst du denn, weshalb es in vielen Ländern Subventionen für EV gibt. Damit die Stückzahlen steigen und sich die Fixkosten auf mehr Fahrzeuge verteilen und die Preise sinken. Heute bekommst du für 50.000 Euro schon fast einen Tesla Model S. Vor 10 Jahren gabs dafür eine Plastikkiste namens Think. Und noch vor 5 Jahren einen umgebauten Fiat. Die Preise sinken rapide. Du bekommst immer mehr für immer weniger Geld.
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon energieingenieur » Di 29. Apr 2014, 22:37

dreamfish86 hat geschrieben:
doch, VW hat mir ein Angebot gemacht, allerdings für 1.200,- EUR inkl. Installation

Wow, ich kenne den Einkaufspreis der Box für VW-Partner... aber bei dem Preis muss selbst ich jetzt schlucken. Das ginge durchaus etwas günstiger. Wobei ich nicht weiß, ob der EK-Preis für die VW-Partner von irgendwoher quersubventioniert ist. Installieren tut das ja ein Bosch-zertifizierter Elektriker. Der bekommt sicher schlechtere Einkaufskonditionen, als die VW-Händler.

Ansonsten muss ich TeeKay recht geben. Die Stückzahlen sind einfach gigantisch klein. Ich war im Mennekes-Produktionswerk. Den Namen hat aber zumindest das Gebäude, wo die Ladesäulen und Wallboxen gerfertigt werden nicht verdient. Eine Turnhalle ist größer. Da arbeiten 5-10 Leute an ein paar Werkbänken, die die elektrischen Bauteile von Hand zusammenstellen und verdrahten. Das Ergebnis ist technisch ordentlich und sauber. Der Verkaufspreis mag dem Kunden hoch erscheinen - für die Leistung vll. zu hoch - , aber für das was die da machen und für das, was das an Zeit = Arbeitslohn(!) kostet, wundert es mich, dass die die Produkte überhaupt so günstig anbieten können. Die Hersteller sind hier sicherlich nicht "die bösen". Das blöde sind einfach die geringen Stückzahlen.
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon dreamfish86 » Di 29. Apr 2014, 23:11

Hallo,

ich gebe TeeKay und elektroingenieur grundsätzlich Recht. Es werden wahrscheinlich nur wenige Geräte verkauft. Aber (jetzt mal plakativ und egozentrisch gesprochen) warum soll ich das zu meinem Problem machen?

Ich arbeite hart für mein Geld. Habe jahrelang Geld zurückgelegt, um mir jetzt ein Elektroauto zu kaufen, daß das 3-fache eines vergleichbaren Benziners kostet. Das mache ich aus Überzeugung. Eigentlich finde ich auch diesen Preis ungerechtfertigt. Aber ich hab's gestemmt. Aber deshalb bin ich nicht der blöde Bauer, der seine Brieftasche gleich offenlässt, nach dem Motto: "Möchte g'rad noch jemand reinfassen?"

Die Autohersteller forschen seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) an EVs. Ich habe keine Zahlen, bin kein Insider, aber ich denke, es werden mehrere Millionen verbrannt, bevor ein EV in Serie gehen kann. Jahrelange Testfahrten, Prototypen, Crashtests, und und und.

Ich kann nicht sehen, daß eine Firma Millionen investieren muß, um eine Wallbox herzustellen. Bis auf das EVSE-Modul sind das alles Standard-Komponenten, die seit mehrern Jahrzehnten auf dem Markt sind (FI, Last-Relais, Gehäuse, LSS).

Irgend jemand hat sich den ganzen Mist doch ausgedacht: Ich kenne keinen anderen elektrischen Großverbraucher, der auch nur annähernd so kompliziert anzuschließen ist, wie ein EV-Ladegerät. Was soll der ganze Mist mit Proximity- und Pilot-Signal. Ich habe ein Inverter-Schweißgerät, das zieht auf höchster Stufe 14,3 A aus dem Netz und hat einen Schuko-Stecker. Die Steckdose (alle meine Steckdosen im Haus) führt Strom, auch wenn nichts drinsteckt. Mein Schweißgerät muß sich nicht an der Steckdose anmelden. Es muß nicht den Schutzleiter überwachen. Sollte es mehr als 16 Ampere fressen, bekomme ich die Quittung auf dem Fuße, da mein C16-Automat in der Werkstatt abschaltet. Na und? Ich habe auch einen großen Kärcher-Dampfstrahler mit 12 kW Durchlauferhitzer. Der hat auch einfach nur ein CEE-16 ohne ICCB :shock: Das meine ich mit e-Mafia. Das ist doch echt krank.

Ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine Firma, die es finanziell nicht stemmen kann, keine elektrischen Geräte bauen sollte. Und wenn sie es können, dann müssen sie möglicherweise in der ersten Zeit Geld zugeben. Nur so eröffnet man sich einen Markt. Diese Erfahrung macht jeder (schmerzlich), der sich selbständig macht. U. U. legste erstmal drei Jahre Geld drauf. Im vierten Jahr (wenn Du Glück hast) bist Du 0 für 0 und dann fängt es langsam an, in die Gewinnzone zu rollen.

Aber das gesamte Invest-Risiko auf die wenigen Kunden abzuwälzen ist ja wohl nicht der Weißheit letzter Schluß.

Das ist jedenfalls meine Meinung. Jetzt können mich alle, die anderer Meinung sind, lünchen.

LG Peter
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon Nichtraucher » Mi 30. Apr 2014, 05:31

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine Firma, die es finanziell nicht stemmen kann, keine elektrischen Geräte bauen sollte. Und wenn sie es können, dann müssen sie möglicherweise in der ersten Zeit Geld zugeben. Nur so eröffnet man sich einen Markt.


Eine kleine Firma kann es sich nicht leisten Ihren Produkten noch Geld hinterherzuwerfen. Einen Invest in Entwicklung werden sie sicher geleistet haben, der kalkulatorisch erst wieder in der Zukunft reinkommt. Aber mit dem Verkauf jeder Ladestation noch einmal Geld zuschießen?
Als Unternehmer würde ich das nicht tun, da ich mir im Moment noch viel zu unsicher bin, wann sich denn die E-Mobilität in Deutschland wirklich mal verbreitet.
Auch die Vertriebskosten stehen im Moment sicher noch in keinem gesunden Verhältnis zu den Absatzzahlen.
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon Mike » Mi 30. Apr 2014, 06:47

Weshalb fürs einphasige Laden mit 16A so viel Geld ausgeben?
Eine schicke 3-phasen Wallbox für die Optik oder damit der Nachbar was zu staunen hat? :o

Der oben bereits erwähnte Volvo Lader, ein umprogrammierter Ampera Lader oder ein Bettermann Lader (Fertiggerät oder bei Sachkenntniss Selbstbau) tut es doch auch. Und von dem gesparten Geld kannst Du noch ein Typ2 Kabel kaufen. Der einzige Grund für eine 3-Phasen Wallbox wäre der Blick in die Zukunft. Allerdings ob dein nächstes EV wirklich mit 3-Phasen laden kann ???

Oder begnüge Dich einfach mit dem 10A Lader. Beim Laden über Nacht reicht der auch aus. Ich kenne dein Fahrprofil nicht, aber wenn Du den UP nicht täglich leer fährst, lädt er auch nicht so lange, einfach ausprobieren.
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Re: Wallbox @work von e8energy

Beitragvon energieingenieur » Mi 30. Apr 2014, 06:49

dreamfish86 hat geschrieben:
Es werden wahrscheinlich nur wenige Geräte verkauft. Aber (jetzt mal plakativ und egozentrisch gesprochen) warum soll ich das zu meinem Problem machen?

Musst du nicht. Aber warum soll das Unternehmen es zu seinem Problem machen, dass dir persönlich die Box zu teuer ist?

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich arbeite hart für mein Geld. Habe jahrelang Geld zurückgelegt, um mir jetzt ein Elektroauto zu kaufen,...

Meinst du nicht, dass einem Unternehmen die Entscheidung überhaupt Ladeprodukte herzustellen nicht ebenso schwer fällt? Hart erarbeitetes Geld in einen Geschäftszweig zu investieren, dessen Gewinnabwurfchancen völlig unklar sind? Wenn so ein Projekt schiefläuft, besteht ein Insolvenzrisiko für das gesamte Unternehmen und alle Angestellten.

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich habe keine Zahlen, bin kein Insider, aber ich denke, es werden mehrere Millionen verbrannt, bevor ein EV in Serie gehen kann.
Beim BMW i3 sollen es 6 Milliarden gewesen sein. 3 Milliarden für die Entwicklung das Fahrzeugs und 3 Milliarden für den Aufbau der Produktionslinien und Prozesse.

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich kann nicht sehen, daß eine Firma Millionen investieren muß, um eine Wallbox herzustellen. Bis auf das EVSE-Modul sind das alles Standard-Komponenten, die seit mehrern Jahrzehnten auf dem Markt sind (FI, Last-Relais, Gehäuse, LSS).

Die Ladesäulen bestehen aus deutlich mehr. Da sind Kühlventilatoren drin und teilweise auch Heizsysteme, um Frostfreiheit zu gewährleisten. Einige haben eine Tauwasserüberwachung. Wer sowas in den Markt bringt und erfolgreich sein will, muss sich auch mit Patenten und Gebrauchsmusterschutz beschäftigen. Das kostet alles Geld. Die Form der Ladesäulen muss bedienbar sein und Vandalismuss-Sicher. Mennekes hat einige Versuche gebraucht, um eine Luftführung zu entwickeln, die A) zu einer guten belüftung der Bauteile führt, aber B) den Eintrag von Wasser, sowie Drähten/Gegenstände (Dumme Leute gibts immer) zu verhindern. Und dann muss man auch erstmal Stromeinführung und 6 Leitungswege auf dem kleinen Platz unterbringen und zwar so, dass es sich noch vernünftig warten lässt. In den 2x22kW Mennekes-Säulen sind 2x32A und 2x16A-Pfade verbaut, sowie 2x Schuko. Von der ganzen Software (Leitstandlösung, RFID-Autohorisation, etc.) mal ganz abgesehen. Die Panels sind Spritzgussteile, die konstruiert und in Serie produziert werden müssen. Du brauchst einen zuverlässigen Lieferanten für die Gehäuse. Du musst eine Prüfstrecke aufbauen, damit die Geräte auch gecheckt werden können, bevor sie das Werk verlassen. Und du musst Platz in einem Gebäude bereitsstellen, damit die Teile dort gebaut werden können, sowie ein Lager anlegen. Und bis hierhin waren wir noch gar nicht beim Personal, was die Teile baut, im Markt vertreibt und supportet. Die Leute wollen am Monatsende auch alle ihr Geld.
Und dann braucht es noch eine Reihe von Außendienstlern, die sich auch gut mit der Technik auskennen, damit ich als Handwerker auch mal Kontakt zu einem Herstellervertreter habe, der mir bei Problemen helfen kann.
Wenn du als Kunde deinen Elektriker anrufst, weil die Wallbox nicht geht, dann erwartest du ja, dass der die binnen wenigen Tagen repariert. Das geht aber nicht, wenn der Handwerker selbst keinen Zugriff auf Personal des Herstellers hat. Weitehrin muss der Hersteller finanzielle Rückstellungen für Gewährleistungsfälle bilden oder Entwicklungsfehler, die sich erst später zeigen. Das soll es ja bei völlig neuen Produkten geben... Ich will diesen Absatz mal mit dem Punkt Marketing schließen. Man muss Werbung machen - und zwar gewaltig, damit man im Markt als Anbieter von Ladeinfrastruktur wahrgenommen wird. Diese Werbung muss entwickelt werden und das ist teuer.

dreamfish86 hat geschrieben:
Was soll der ganze Mist mit Proximity- und Pilot-Signal.

Gäbe es dieses Signal - oder eine andere Kommunikation - nicht, würde das bedeuten, dass entweder alle EVs Schnarchlader wären oder dass es faktisch keine Ladepunkte gäbe. Es muss sich abgestimmt werden, was das Fahrzeug laden kann/darf und was der Ladepunkt hergibt. Und dem normalen KFZ-Fahrer ist es A) nicht zuzumuten, die Vorinstallation der Ladestelle zu prüfen und B) kann das ein Nicht-Fachmann gar nicht. Damit das einfach und für jedermann bedienbar ist - nur so hat Elektromobilität eine Chance in der Masse anzukommen - muss es idiotensicher sein.

dreamfish86 hat geschrieben:
Ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine Firma, die es finanziell nicht stemmen kann, keine elektrischen Geräte bauen sollte.

Sei mir nicht böse, aber wenn du es finanziell nicht stemmen kannst, dann kaufe einfach die Wallbox nicht. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es überhaupt Unternehmen gibt, die dieses Risiko eingehen. Entweder ich akzeptiere den Preis oder ich kaufe das Produkt nicht.

dreamfish86 hat geschrieben:
Aber das gesamte Invest-Risiko auf die wenigen Kunden abzuwälzen ist ja wohl nicht der Weißheit letzter Schluß.

Auf wen denn bitte dann? Den Angestellten das Gehalt kürzen? Unternehmen habe keine Goldkiste im Hinterzimmer, die sich von selbst füllt. Die einzige Frage ist nur, auf wieviele Jahre wird diese Invest-Last verteilt.

Wenn du es so einfach findest, eine Wallbox zu bauen, dann schlage ich vor, es selbst einmal auszuprobieren. Kaufe dir die Bauteil: Gehäuse, Schütze, LS, etc. lassen sich im freien Markt kaufen. Pilotboxen ebenso. Dann kannst du noch mit einer SPS das ganze ein bißchen ansteuern und fertig. Aber schreib dir dir Arbeitsstunden mal dazu auf und rechne dann am Ende zusammen, was das Teil gekostet hat. Und zwar nicht den Netto-Lohn, sondern Bruttokosten + AG-Anteil, DB-Anteil und Gewinn.
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