Prüfung von Ladesäulen

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Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon gonium » Fr 3. Nov 2017, 10:43

Hi,

ich möchte versuchen, mal alle notwendigen Prüfungen, die man an einer neu errichteten Ladesäule durchführen sollte, zusammenzutragen. Da wären zunächst einmal die grundlegenden elektrotechnischen Prüfungen:

  • Sichtprüfung: Gehäuse intakt? Isolation beschädigt?
  • Durchgängigkeit der Leiter (Niederohmmessung)
  • Isolationswiderstand
  • Erdungswiderstand
  • Fehlerschleifenimpendanz (SChleifenwiderstand)

Dann am Kabel bzw. der Steckdose selbst - dafür brauch man einen Fahrzeugsimulator. Im Folgenden beziehe ich mich auf meinen Fahrzeugsimulator (https://evsim.gonium.net) Zunächst der fehlerfreie Ladeablauf:

  • Den Tester mit der Ladestation verbinden. Alle Schalter sollten auf der “Aus”-Position sein. Der Zustand A ist erreicht.
  • Den Schalter “EV detect” einschalten. Daraufhin sollte die Ladestation den Stecker verriegeln. Dies entspricht Zustand B.
  • Den Schalter “EV ready” umlegen. Die Ladestation sollte nun den Ladeschütz freigeben und die Glimmlampen sollten einen anliegenden Ladestrom signalisieren — der Zustand C ist erreicht.
  • Der Ladevorgang kann jederzeit unterbrochen werden, indem man “EV ready” ausschaltet. Durch erneutes Einschalten sollte der Ladestrom wieder angeschaltet werden.
  • Um den Stecker wieder entfernen zu können schaltet man “EV ready” und “EV detect” aus. Der Stecker sollte entriegelt werden.

Im Zustand C ("Strom an") sollte man gleich folgende Sachverhalte prüfen:

  • Drehfeldrichtung
  • Prüfung des Fehlerstrom-Schutzschalters (RCD) durch Auslösen

In den Zuständen A, B, C und D sollten die Fehlerschutzeinrichtungen bei folgenden Tests die Stromversorgung unterbrechen:
  • In den Zuständen A, B, C und D: Wenn man “CP short” einschaltet muss die Ladestation einen Fehler anzeigen und in den Zustand E wechseln. Es darf kein Ladestrom anliegen!
  • In den Zuständen A, B, C und D: Sobald “Diode fault” eingeschaltet wird muss die Ladestation einen Fehler anzeigen und in den Zustand E wechseln. Es darf kein Ladestrom anliegen!

Wie seht ihr das? Fehlt da was? Korrekturen?

Danke & Gruß,
-Mathias
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon Elektrofix » Fr 3. Nov 2017, 23:09

Deine Aufzälung war schon ganz gut, würde ich jedoch in drei Bereiche aufteilen:
  • Sichtprüfung:
  • Messung
  • Funktionsprüfung

Die Sichtprüfung sollte jeder Mensch (auch Laien) durchführen können: Gehäuse, Kabel, etc.
Die Messung darf nur duch eine Elektrofachkraft erfolgen sie Umfasst:
  • Spannung (L-N, L-PE)
  • Durchgängigkeit des Schutzleites (Rlo)
  • Isolationswiderstand (Riso)
  • Netzimpedanz (Zi)
  • Schleifenimpendanz (Zs)
  • Ausschaltzeit des FI (ta)
  • Auslösestromart des FI (Wechsel,- Puls-, Gleichfehlerstorm)
  • Auslösestorm des FI (Flankenanstieg)
  • Erdwiederstand, wenn möglich
Die Funktionsprüfung ist das Testen der Funktion der Ladesäule, welches Du schon gut beschrieben hast
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon Michael_Ohl » Fr 3. Nov 2017, 23:31

Interessant wäre die frage zu klären wie man einen passenden Tester wie z.B. den Benning ST710 oder IT110 oder andere dazu bekommt ihren Teil der DGUV V3 Prüfung am Fahrzeug und der Ladestation zu bewerkstelligen.
Der Kursleiter bei dem ich die letzte Auffrischung vom TÜV bekommen habe, wusste jedenfalls noch von nichts sagte aber das in den Gremien in denen er mitarbeitet daran noch gearbeitet - oder klang mehr nach geforscht wird.
Im Moment mache ich alle Prüfungen an unseren Ladestationen so gut ich kann aber bin sicher nicht zu 100% im grünen Bereich.


mfG
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon ecopowerprofi » Sa 4. Nov 2017, 00:17

Eine Drehfeldprüfung ist überflüssig, da alle Lader mit beiden Drehfeldrichtungen zurecht kommen. Wichtiger wäre, dass man überprüft ob bei mehrere Anschlüsse die Phasen rotierend angeschlossen sind.

Die Messung des Erdwiderstandes sollte in jedem Fall erfolgen, da sonst eine sichere Erdung des Fahrzeuges nicht gewährleistet werden kann.
Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. :idea:
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon Elektrofix » Sa 4. Nov 2017, 19:51

Michael_Ohl hat geschrieben:
Interessant wäre die frage zu klären wie man einen passenden Tester ...
Das ist relativ Simpel:
Die fest angeschlossen Ladestation werden nach VDE0100T600 geprüft, an der spannungsführende Ladebuchse/-Stecker, d.h. Ein Tester ist nur ein Hilsmittel, um dan Ladeanschluss spannungsführerd zu machen. Die ganzen Fälle das "Fahrzeug erkannt","ladebereit", etc. ist ein Funktionstest.

Bei solchen "nicht Standart" Gerräten muss der Fachmann sich heraussuchen was denn alles getestet werden muss.
Diese Vorgenhesweise wird auch angewandt, wenn Stromagregate oder PRCD getestet werden müssen. Dann werden Teile aus der Prüfung 0100T600/0105 und 701/702 angewand. Das ganze Vorgehen habe ich bei einem Messseminar bei Mebedo gelernt, und dort sind die meisten Dozenten in irgendwelche VDE-Gremien.
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon UliZE40 » Sa 4. Nov 2017, 20:18

Es fehlt noch eine termische Langzeitprüfung der Steckkontakte unter Volllast sowie generell Prüfungen unter Volllast (max. Strom) wie z. B. die dann anliegende Spannung auf allen Phasen.
Auch das Überlastverhalten sollte natürlich geprüft werden.
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon gonium » So 5. Nov 2017, 18:40

Elektrofix hat geschrieben:
Deine Aufzälung war schon ganz gut, würde ich jedoch in drei Bereiche aufteilen:
  • Sichtprüfung:
  • Messung
  • Funktionsprüfung


Zunächst einmal vielen Dank für Deine Liste! Ich bin mir allerdings nicht ganz im Klaren darüber, wie man Funktionsprüfung und Messung voneinander trennen kann. Ist es nicht so, das man z.B. den RCD-Test am Ladestecker machen müsste? Da ja eine Wallbox auch RCD-Funktionen (eingebauter FI, DC-Fehlerstromerkennung) umsetzen kann macht es doch eigentlich wenig Sinn, auf der Anschlussseite der Wallbox zu testen. Oder liege ich da falsch?

In meiner Liste fehlt auch die Prüfung des Tastverhältnisses des Control Pilot. Über das Tastverhältnis wird ja auch im Falle eines weniger dicken Ladekabels (sagen wir 13A) dem Auto mitgeteilt, das es nicht seinen vollen Ladestrom (z.B. 32A) abrufen darf. Also muss man -- eine entsprechend leistungsfähige Wallbox vorausgesetzt -- ja eigentlich auch mit unterschiedlichen Kabeln testen und schauen, ob das Tastverhältnis entsprechend reduziert wird. Oder ob, je nach Konfiguration der Wallbox, z.B. das 13A-Kabel korrekt abgelehnt wird.
Zuletzt geändert von gonium am So 5. Nov 2017, 18:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon gonium » So 5. Nov 2017, 18:43

Michael_Ohl hat geschrieben:
Interessant wäre die frage zu klären wie man einen passenden Tester wie z.B. den Benning ST710 oder IT110 oder andere dazu bekommt ihren Teil der DGUV V3 Prüfung am Fahrzeug und der Ladestation zu bewerkstelligen.


Wie elektrofix schon sagte: Du brauchst nur einen Fahrzeugsimulator, um die Wallbox dazu zu bewegen, den Ladestrom freizugeben und den Control Pilot anschauen zu können. Gibt es fix und fertig z.B. von Menekes, als Bausatz aber auch von mir. Ich wollte mir eine kleine Kiste bauen, die auf der einen Seite eine Typ2-Steckdose (Fahrzeugseitig) hat und auf der anderen Seite einfach eine CEE-Dose. Und natürlich die restlichen Bedienelemente. Über die CEE-Dose kannst Du dann aber Deinen Installationstester ganz normal anschließen und die notwendigen Tests machen.
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon Elektrofix » So 5. Nov 2017, 20:08

gonium hat geschrieben:
...Ich bin mir allerdings nicht ganz im Klaren darüber, wie man Funktionsprüfung und Messung voneinander trennen kann. Ist es nicht so, das man z.B. den RCD-Test am Ladestecker machen müsste?...
Die Messung muss immer am Anschluss für das Auto erfolgen, d.h. die Box muss den Strom geschaltet haben um die Messung machen zu können.
Der Unterschid zwischen Messung und Funktionsprüfung ist ganz einfach: Messungen sind unabhängig vom zu prüfenden Gerät, eine Funktionprüfung ist geräteabhänig.

Ein Beispiel für Funktionprüfung: bei einem Toaster soll ein Toast goldbraun fertig sein, bei einem Föhn soll der Luftstrom eine Temperatur nicht übersteigen. Beide bekommen die Messung von Riso, Spannung und Strom. Der Strom wird bei der Funktionprüfung gemessen.

Bei einer Funktionsprüfung gibt es auch immer nur die Aussage: „Ja/Nein“
Bei einer Messung gibt es immer Ermessensspielraum: „Wert ist in der Tolleranz, aber zu hoch für den Qerschnitt der Leitung“
Ich hoffe es ist verständlich.
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Re: Prüfung von Ladesäulen

Beitragvon gonium » So 5. Nov 2017, 20:30

Elektrofix hat geschrieben:
Ich hoffe es ist verständlich.

Ist es, danke Dir!
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