Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Lokverführer » Fr 14. Apr 2017, 12:31

Zoelibat hat geschrieben:
[...]wird es anders darstellen als Twizyflu, der ein Mitarbeiter bei NrgKick ist.


Ist er das?
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 21:54

Zoelibat hat geschrieben:
Es kommt immer darauf an, wer es testet und was er damit bezwecken will.

Damit hast Du wahrscheinlich recht, und deshalb möchte ich dazu gern ein paar Worte sagen. Mein Verhältnis zu Juice Technology habe ich bereits im OP dargestellt. Es steht natürlich jedem frei, das zu glauben oder nicht. Auf die Beweggründe, die zu den vorliegenden Messergebnissen geführt haben, werde ich im Folgenden näher eingehen. Das wird länglich, aber vielleicht interessiert es ja jemanden. Diejenigen, die mich mehr oder weniger subtil persönlich attackieren, sollte es interessieren.

Zoelibat hat geschrieben:
VolkerBerlin, der ja ein Gegner vom NrgKick ist, wird es anders darstellen als Twizyflu, der ein Mitarbeiter bei NrgKick ist.

Was mich betrifft, täuscht der Eindruck. Ich bin kein ausgesprochener Gegner vom NRGkick. Was Twizyflu angeht, hätte es ihm gut zu Gesicht gestanden, dieses "kleine Detail" in diesem Zusammenhang nicht zu verschweigen. Es hätte seiner Glaubwürdigkeit mehr genützt als geschadet.

Ein Gegner (nicht nur) vom NRGkick

Genau genommen bin ich ein Gegner aller sog. "mobilen Wallboxen". Sie sind ein hoffentlich vorübergehendes, notwendiges Übel, und die Verwendung einer solchen mobilen Box, egal welches Fabrikat, ist im Hinblick auf Sicherheit und Bequemlichkeit immer nur ein Kompromiss. Als ich 2013 anfing, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen, wurde mir sehr schnell klar, dass nur eine fest installierte Wallbox das Laden von Elektroautos so einfach und sicher macht, wie wir es bei normalen Haushaltsanwendungen von der Schuko-Steckdose gewohnt sind. Ein Elektroauto ist eben keine normale Haushaltsanwendung.

Ich gebe zu, dass ich (natürlich) hin und wieder meinen Tesla UMC (die mobile Ladebox, die jedem Tesla Model S/X beiliegt) benutze. Ich bevorzuge aber fest installierte Wallboxen oder Ladestationen, wo immer es geht. Wenn nun also mobile Ladeboxen schon konzeptionell kompromissbehaftet sind, dann sollte man wenigstens das Beste daraus machen. Viele Kunden schauen zuerst auf den Preis (Evidenz dafür gibt es in diesem Forum mehr als genug). Die Hersteller müssen sich also für einen Kompromiss aus Alltagsnutzen, Sicherheit und günstigem Preis entscheiden. Das ist nichts Ungewöhnliches, das gilt für sehr viele andere Produkte auch.

Da der Markt für mobile Ladeboxen eine recht spezielle Nische ist, ist die Auswahl nicht sehr groß. Der Kunde kann aber immer nur solche Produkte kaufen, die auch angeboten werden. Er ist gezwungen, die Kompromisse der Hersteller mitzumachen, ob er will oder nicht. Glücklicherweise gibt es auch in dieser kleinen Nische Wettbewerb, Forschung, Entwicklung und Skaleneffekte, und so wurden die Ladeboxen im Laufe der Zeit immer "besser". Das schreibe ich in Anführungszeichen, denn für die Bewertung kommt es natürlich immer auf die eigenen Prioritäten an.

Geschichtlicher Ausflug

Nehmen wir zunächst gewissermaßen die Mutter aller mobilen Ladeboxen, die crOhmbox. Manche Leute halten sie bis heute für den Goldstandard unter den Ladeboxen. Ich weiß wenig über ihr Innenleben und leider konnten wir sie auch nicht in unsere Messreihe mit einbeziehen, obwohl das eigentlich geplant war -- insofern halte ich mich mit einem technischen Urteil zurück. Was ich weiß ist, dass diese Box ursprünglich nicht für den Privatgebrauch entwickelt wurde, sondern als mobile, modulare Einheit zum Testen von Ladegeräten gedacht war. Die Box richtete sich insofern an professionelle Anwender und konnte (und kann) vieles, außer billig. Zur mobilen Ladebox für private E-Auto-Fahrer wurde die crOhmbox eher unverhofft und vor allem mangels Alternativen. Ich weiß nicht genau, seit wann es sie gibt, aber 2013 war sie jedenfalls bereits eine feste Größe.

Seitdem gab es einige mehr oder weniger erfolgreiche Entwicklungen, und Henning Bettermann sollte mit seinen diversen sehr praxisorientierten, teilweise originellen und vergleichsweise preiswerten Lösungen in dieser Auflistung nicht fehlen. Ich mag falsch liegen, aber nach meinem persönlichen Eindruck sind die Bettermann-Produkte unter "Nerds" zwar durchaus beliebt (um nicht zu sagen unersetzlich), haben darüber hinaus aber kaum Verbreitung gefunden.

Etwa im Jahr 2014 kam dann ein neuer Mitbewerber auf den Markt, der erste Juice Booster. Er wurde aus dem eigenen Bedarf heraus von einem Tesla-Fahrer entwickelt und fand zumindest in der Tesla-Community großen Anklang, weil er im Unterschied zum Tesla UMC nicht nur mit 11 kW, sondern mit bis zu 22 kW laden konnte. Er war wesentlich kompakter und leichter als die crOhmbox, und vor allem viel billiger. Dafür machte er einige technische Kompromisse, die bereits damals die Lager spalteten. Die einen freuten sich über den hohen praktischen Nutzwert und den vergleichsweise geringen Preis, und interessierten sich nicht für Themen wie Fehlerstromschutzschalter. Die anderen regten sich fürchterlich auf, wetterten gegen die ach-so-gefährliche Ladebox und verteufelten den unverantwortlichen Hersteller -- seitenweise nachzulesen sowohl hier auf GoingElectric, als auch im TFF-Forum.

Etwa im Jahr 2015 kam der nächste Mitbewerber auf den Markt, der seinerseits besser als der Juice Booster 1 war: Der NRGkick hat eine integrierte Fehlerstrom-Erkennung, bietet optional eine Bluetooth-Anbindung, und ist zu einem bemerkenswert günstigen Preis erhältlich. Wer bereits einen Juice Booster hatte, blieb natürlich dabei. Diejenigen, die noch keine mobile Ladebox hatten, griffen von heute auf morgen beim NRGkick zu und ließen den Juice Booster links liegen. Verständlich und richtig, denn der NRGkick war einfach besser. Gleichzeitig gab und gibt es rund um den NRGkick einige Fanboys, die dieses Produkt bei ihrer Ehre verteidigen und als Allheilmittel preisen, zur Not auch ohne Sachargumente. An diesem Punkt wurde mir der NRGkick unsympathisch, obwohl das Produkt an sich ja gar nichts dafür konnte.

Ich blieb bei meinem Tesla UMC mit seinen 11 kW, den ich ja sowieso nur im Notfall einsetze, und dachte mir: Jetzt haben wir also schon eine integrierte Fehlerstromerkennung in einer preiswerten, universellen mobilen Ladebox von einem Drittanbieter, aber den Strom müssen wir immer noch von Hand einstellen. Human error is waiting to happen! Warum bietet keiner eine Lösung wie Tesla, deren UMC beim Aufstecken des Adapters erkennt, welche maximale Stromstärke für die vorliegende Steckdose zulässig ist? Die feinen Unterschiede zwischen 30 mA und 6 mA DC habe ich damals noch nicht verstanden, ich hörte nur immer wieder das Schlagwort von dem "FI Typ A, der erblinden könnte". Naja.

Was tut ein Hersteller, dessen Produkt von einem besseren Produkt vom Markt verdrängt wurde? Das natürlichste von der Welt: Er entwickelt ein neues Produkt, das mit dem Produkt des Wettbewerbs möglichst gleichzieht und es in manchen Eigenschaften übertrumpfen kann. Und genau das tat Juice Technology: Sie kündigten den Juice Booster 2 an, der dank einer noch ausgeklügelteren Fehlerschutz-Erkennung auch einen evtl. vorhanden FI Typ A vor dem Erblinden bewahren sollte. Und sie versprachen einen "intelligenten Adapter", also genau das, was ich vom Tesla UMC kannte und was m.E. die größte Fehlerquelle bei der Verwendung mobiler Ladeboxen ausschließen würde. Es dauerte bis 2016, bis diese Ladebox wirklich auf den Markt kam.

Meine persönliche Beziehung zur Juice Booster 2

Vor diesem Hintergrund wird hoffentlich jeder verstehen, dass ich von einem Kritiker des Juice Booster 1 und einem Skeptiker des NRGkick zu einem Fan des Juice Booster 2 wurde: Endlich eine Lösung für das leidige Fehlerstromthema! Endlich eine Ladebox von einem Drittanbieter, die automatisch die Stromstärke einstellt! Aufgrund des speziellen Adaptersteckers ist die Box etwas teurer als der NRGkick, besonders wenn man viele Adapter benötigt (oder zu benötigen glaubt). Aber meines Erachtens sollte es einem das Wert sein (wenn man schon nicht ganz auf eine mobile Ladebox verzichten kann, was natürlich immer die bessere Option ist). Diese Meinung vertrat ich offensiv im Forum. Juice Technology fragte an, ob ich mich über einen vergünstigten Juice Booster 2 freuen würde, und ob sie mich mit meiner Meinung zitieren dürften. Das kam mir sehr gelegen, da meine Eltern zur selben Zeit eine Zoe anschafften, und ich ihnen aus den genannten Gründen sowieso bereits den Juice Booster 2 empfohlen hatte. Ich hätte meinen Eltern, die zwar engagierte Umweltschützer aber alles andere als Elektro-Nerds sind, keine andere mobile Ladebox zumuten wollen. Ich willigte also ein, und seitdem findet sich immer jemand, der meint, es läge ein Interessenkonflikt vor, wenn ich meine persönliche Meinung zu einer mobilen Ladebox äußere.

Zusammenfassung des geschichtlichen Ausflugs

Dabei ist es so einfach: Der Juice Booster 1 ist besser (ähem, naja, kleiner und billiger) als die crOhmbox. Der NRGkick ist besser als der Juice Booster 1. Und der Juice Booster 2 ist besser als der NRGkick. Diese Reihe wird fortgesetzt werden, vielleicht durch die crOhm ICD1, die voraussichtlich die Juice Booster 2 in den Schatten stellen wird. Das ist der normale Lauf der Welt, kein Grund sich aufzuregen. Die Fangemeinde des NRGkick fühlt sich allerdings ob dieser Feststellung persönlich beleidigt, und reagiert ihrerseits auf einer persönlichen Ebene. Naja.

Meine wahren Motive

Nach diesem weitläufigen Ausflug in die jüngere Geschichte des mobilen Ladens (die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und ausdrücklich nur meine persönlichen Eindrücke und Meinungen wiedergibt) kommen wir zu dem Punkt, der letztlich dazu geführt hat, dass ich eigene Messungen durchführen wollte: Wann immer eine Zoe mit einem Juice Booster 2 nicht laden konnte, was nur in Einzelfällen, aber leider hin und wieder doch vor kam, gab es hier in der Community sehr laute Stimmen, die mantraartig wiederholten: Der Juice Booster 2 ist schuld! Der NRGkick ist besser! Dieser pauschale Unsinn wurde garniert mit vollkommen unbelegten Theorien über angebliche Konstruktionsfehler im Juice Booster 2, und "belegt" (welch hanebüchene Logik!) durch Messungen an einer Zoe, an der das Problem gar nicht aufgetreten war.

Zoelibat hat geschrieben:
Man sollte nicht immer blind alles glauben, was im Internet steht oder was im Fernsehen gezeigt wird. Sondern immer hinterfragen.

Genau so ist es! Ich habe nichts dagegen, dass man Messergebnisse mitteilt und Erwägungen darüber anstellt, welches wohl die plausibelste Erklärung für ein gegebenes Phänomen ist. Das alles muss aber immer unter dem ausdrücklichen Vorbehalt geschehen, dass die Messergebnisse bestimmte Schlüsse nicht zulassen, und dass es auch andere Erklärungen geben könnte. Leider wurden diese wichtigen Hinweise gerne "vergessen" bzw. meine diesbezüglichen Einwände aktiv bekämpft. Stattdessen verfestigten sich die besagten Theorien durch vielfache Wiederholung langsam zur "Wahrheit". Irgendwann platzte mir der Kragen und ich wollte endlich genau wissen, worüber wir reden -- nicht zuletzt deswegen, weil ja auch ich nicht ausschließen konnte, dass vielleicht wirklich ein Konstruktionsfehler im Juice Booster 2 vorlag! Ich versuchte, jemanden aus dem "gegnerischen Lager" für dieses Vorhaben zu gewinnen, denn ich dachte mir, wir könnten gemeinsam der Wahrheit auf den Grund gehen und dabei die Friedenspfeife rauchen. Leider wurde daraus nichts, und so realisierte ich dieses für einen Laien doch recht aufwändige Vorhaben mit meinem befreundeten Haus- und Hof-Elektriker Andreas Stoye.

Twizyflu hat geschrieben:
Da frage ich mich, wer hier wirklich dahinter steckt oder warum dieser augenscheinlich fachlich kompetent wirkende Beitrag hier so gegen NRGkick geschrieben wird?

Ich stecke dahinter, und ich hoffe, dass meine Interessen und meine Motivation nun ein wenig klarer geworden sind. Dass der Beitrag "fachlich augenscheinlich kompetent wirkt" ist der engen Zusammenarbeit mit Andreas zu verdanken, für den -- im Unterschied zu mir -- diese Materie sein täglich Brot ist.

Zur zweiten Frage: Es wird nicht "gegen den NRGkick geschrieben". Dazu kann ich nur sagen: Getroffene Hunde heulen... Ich bin sehr bemüht darum, die Fakten möglichst wertfrei darzustellen. Um jeglichem Verdacht aus dem Weg zu gehen, habe ich sogar kurz in Erwägung gezogen, meine Messergebnisse völlig kommentarlos zu veröffentlichen und die Bewertung Euch zu überlassen. Ich habe mich dann dagegen entschieden, weil die Gruppe derer, die mit diesen Messergebnissen unkommentiert irgendetwas anfangen können, einfach zu klein und zu unbedeutend ist. Dieses Forum wird von Leuten gelesen, die neu sind in der Materie und viele Fragen haben. Ich hielt es daher für angemessen und hilfreich, die Messergebnisse so zu kommentieren, dass man auch mit wenig Vorkenntnissen aber viel Interesse etwas damit anfangen kann.

Twizyflu hat geschrieben:
Zum Thema höhere DC-Ströme: Mir ist nicht klar, wieso gerade diese Tests beim hier positiv hervorgehobenen Gerät einfach ausgelassen worden sind. Es ist nicht richtig zu glauben, dass wenn es eine 6 mA Grenze gibt, dass die darüber liegenden Abschaltgrenzen, die im wirklich gefährlichen Bereich liegen und dadurch auch eine sehr verkürzte Abschaltzeit benötigen, gar nicht durchgeführt werden müssen.

In aller Regel reagieren die Fehlerstrom-Schutzmaßnahmen bei höheren Strömen schneller als bei niedrigen. Da der JB2 bei 6 mA bereits nach 400-450 ms auslöst, waren wir der Ansicht, das Thema abhaken zu können. Hätte ich auch nur im Leisesten geahnt, dass ich mich durch die nicht durchgeführten Messungen bei 30 mA und mehr potentiell angreifbar mache, hätte ich diese Messungen selbstverständlich an Ort und Stelle vorgenommen!

So wie die Dinge stehen, gibt es nur eine richtige Antwort darauf: Du könntest die Messung nachholen. Bei DiniTech habt Ihr ganz sicher die Mittel dazu, und es würde mich nicht wundern, wenn Ihr auch die Messergebnisse vom JB2 bereits in der Schublade habt. Teile sie doch bitte mit uns, wir sind sehr daran interessiert.

Zoelibat hat geschrieben:
Jetzt lehne ich mich entspannt zurück, hole mir Popcorn und genieße die Show, die gleich kommen wird.

:mrgreen: Ich hoffe, ich konnte Dich dahingehend enttäuschen, dass sich hier eine offene und sachliche Diskussion anschließt. Ich bitte vorsorglich um Verständnis dafür, dass ich auf weitere persönliche Angriffe nicht eingehen werde. Dieser Beitrag ist nun wirklich lang genug (hoffentlich hat das Popcorn gereicht!) und ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Hinweis zur Einordnung

Bis heute ist mir kein konkreter Fall bekannt geworden, in dem jemand bei der Verwendung eines Juice Booster der ersten Generation (ohne jegliche Fehlerstrom-Erkennung) oder bei der Verwendung eines NRGkick ("Typ B-Charakteristik" mit der Gefahr des "Erblindens" eines davor liegenden FI Typ A) zu Schaden gekommen wäre. Welche Priorität man dieser ganzen Fehlerstromdiskussion einräumt, und wie viel Geld einem Sicherheit und Bequemlichkeit wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man sollte allerdings gerade gegenüber Emobilitätsneulingen so verantwortungsbewusst sein und die Verwendung einer (jeder!) mobilen Wallbox als Kompromiss, Provisorium und Notlösung zu bezeichnen, was sie nämlich ist. Egal, was man selbst im Alltag macht und welche Sicherheitsmaßnahmen man vielleicht als überflüssig erachtet, es ist niemals vorbildlich, sich damit zu brüsten, mit diesen Themen leichtfertig umzugehen.

Twizyflu hat geschrieben:
Unser Techniker hat mir heute die Norm (die aktuelle Fassung vom 01.04.2017 DIN EN 62752) gezeigt, in der schon auf der ersten Seite deutlich drin steht, dass die 6mA Grenze mit einer Übergangsfrist erst ab 01.01.2018 integriert sein muss.

Mangels besserer eigener Sachkenntnis halte ich die von mir zitierten Normen für eine gute Orientierung in Bezug auf die Sicherheit. Der Sinn der Normen ist, dass sich Leute mit Sachkenntnis den Kopf darüber zerbrochen haben, wie man den Umgang mit Elektrizität so sicher gestalten kann, dass sich bei Einhaltung derselben weder der Installateur noch der Nutzer selbst den Kopf zerbrechen muss. Da ich glaube, zumindest ansatzweise auch die Begründungen für die zitierten Normen zu verstehen, ist es mir vollkommen egal, wie lange irgendwelche Übergangsfristen sind oder ob man sie durch ausreichend Spitzfindigkeit umgehen kann. Ich möchte einmal sehen, wie jemand der Physik erklärt, dass ein gesättigter FI Typ A nicht erblindet, weil ja die Norm noch in der Übergangsfrist ist! ;)

Danke, dass Ihr mir mit Eurer Kritik und Euren Anfein... äh Anmerkungen Gelegenheit gegeben habt, diesen etwas länglichen Beitrag zu schreiben, der mir schon eine Weile durch den Kopf ging und der endlich geschrieben werden wollte!
Zuletzt geändert von Volker.Berlin am Fr 14. Apr 2017, 23:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 21:56

Twizyflu hat geschrieben:
Beim Auslösen des FI muss der NRGkick vom Netz getrennt und neu angesteckt werden. Warum das in dem Bericht als Problem herausgehoben wird, ist für mich sehr fraglich.

Ich zitiere mich mal selbst: "Während des Tests sind noch ein paar Eigenarten der drei Kandidaten aufgefallen, die für die Praxis aber wohl eher untergeordnete Bedeutung haben. [...] Wie gesagt, diese Details sind anekdotisch sicherlich interessant, für die tägliche Praxis aber wohl weitgehend bedeutungslos."

Ich weiß wirklich nicht, wie ich es noch deutlicher hätte machen können. Ich berichte einfach, was wir erlebt haben, und bin zugleich glasklar in meiner Einordnung, das dies wahrscheinlich kein Problem ist. Was willst Du denn? Dass ich von diesen kleinen, feinen Unterschieden zwischen den Ladeboxen gar nicht berichte? Ich bin aber überzeigt, genau diese kleinen Details interessieren viele Leser hier im Forum. Die Relevanz für den persönlichen Gebrauch mag dann jeder gern selbst beurteilen.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 22:01

Twizyflu hat geschrieben:
Es wäre für mich persönlich viel interessanter, wenn hier auch weitere Fabrikate dargestellt werden würden. Es gibt einige gängige Geräte, eines aus Frankreich, eines aus Italien – vor kurzem habe ich auch eines aus Spanien gesehen – die größtenteils gar keine FI Schutzvorrichtung integriert haben.

Auf diese Frage habe ich weiter oben schon einmal geantwortet:
Volker.Berlin hat geschrieben:
[...] Wir hätten gern auch noch mehr getestet [...]. Da wir -- beide Familienväter -- für den Test einen freien Samstag geopfert haben, haben wir den Versuchsaufbau und die Auswahl der Kandidaten natürlich streng nach unseren eigenen Interessen durchgeführt. Und nach dem, was möglich war: Einen NRGkick und einen Juice Booster 2 konnte ich mir leicht ausleihen, und diese beiden interessierten mich besonders, da sie hier im Forum bereits Gegenstand ausgiebiger Diskussionen (und Spekulationen) waren. Für den Tesla UMC interessiere ich mich natürlich, weil ich ihn selbst (wenn auch selten) nutze, und ich hatte ihn ja sowieso dabei.

Wir werden den Test sicher nicht so bald mit anderen Kandidaten wiederholen, dafür ist der Aufwand einfach zu groß und wir haben beide zu viele andere Verpflichtungen. Es ist aber auch nicht ganz ausgeschlossen, dass wir uns irgendwann nochmal Zeit dafür nehmen. [...]

Bei unserem Test ging es um Schutzmaßnahmen vor Fehlerströmen. Da sollte es eigentlich auf der Hand liegen, dass wir keine Zeit damit verschwenden, Geräte zu testen, die bekanntermaßen nicht über solche Maßnahmen verfügen -- egal ob sie nun aus Frankreich, Italien oder Spanien kommen. Welchen Erkenntnisgewinn versprichst Du Dir davon?
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 22:04

villus hat geschrieben:
@Twizyflu
wenn es dich interresiert, könnte ich zum Vergleich eine Bettermann 3200, nachgerüstet mit Döpke A-EV
mit einem Metrel vermessen. Die Werte sind aber nicht wirklich vergleichbar, das Metrel misst ganz anders.

Wann da ein Doepke A-EV integriert ist, kann man sich m.E. die Messung sparen. Zu dem Produkt gibt es detaillierte Datenblätter mit allen Auslösekennlinien, die man sich nur wünschen kann. Spannend sind doch die proprietären Schutzmaßnahmen, die jeder Hersteller mobiler Ladeboxen etwas anders implementiert, ohne genaue Auskunft über Funktionsweise oder Auslösecharakteristik zu geben.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 22:08

UliZE40 hat geschrieben:
Bemerkenswert find ich vor allem welchen Parametern hier diskutiert bzw. geworben wird die für meinen unvoreingenommenen Kauf eines der Produkte völlig belanglos waren.

Das ist absolut legitim. Dann gibt dieser Thread eben nichts her für Dich. Fair enough, damit kann ich leben.

Für diejenigen, für die "diese Parameter" nicht völlig belanglos sind, wollte ich mit einer konkreten Messung einen Beitrag leisten, der über das Hören-Sagen-Glauben, das ansonsten häufig die Diskussion bestimmt, hinaus geht.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Fr 14. Apr 2017, 22:12

Nach dieser Beitrags-Enchilada:

Fröhliche Ostern allerseits! 8-)
(Technisch etwas verfrüht, ich weiß, aber ich brauch gerade mal was zur Auflockerung. ;) )
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon UliZE40 » Fr 14. Apr 2017, 22:36

Ohwei. Auch durch 5 Meter Fließtext wird es inhaltlich nicht wirklich besser.

Man kann auch durch einen JB2 oder eine andere an die Wand genagelte "Wallbox" mit integriertem oder separaten Hutschienen-FI Typ B nicht verhindern dass ein vorgeschalteter FI Typ A ggf. temporär erblindet. Es kommt nur auf die fachgerechte Installation an. Der Ladestrom des Fahrzeugs ist identisch. Und technisch sind mobile und feste "Wallboxen" gleichwertig.

Und die Geschichte mit der automatischen Erkennung der maximal möglichen Ladeleistung beim JB2 ist leider in Wirklichkeit der größte Nachteil des Geräts:
Natürlich kann das Teil nicht erkennen wenn eine CEE32 z. B. nur mit 25, 20 oder sogar nur 16 Ampere abgesichert ist. Da fliegt dir schneller die Sicherung als du gucken kannst. Genau das war das technische Ausschlusskriterium für mich beim JB2.
Alles andere ist Firlefanz oder einfach nur unnötig teuer (wie z. B. die verschiedenen Adapter mit proprietärem Steckverbinder).

Ich kann nur eine mobile Ladebox gebrauchen an der ich den Ladestrom ausschließlich manuell vorgeben kann. Ziel: Überall laden zu können. Denn für den Rest gibt es Typ2-Ladestationen.

Auch Tesla hat sich beim UMC sehr wohl überlegt was sie dort integrieren und was eben kontraproduktiv bzw. nutzlos ist.
Dinitech kam wohl aus gutem Grund nach deinen Messungen zum gleichen Schluss.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Toumal » Fr 14. Apr 2017, 23:23

Summa summarum: Der Juicebooster erfuellt also die noch nicht geltende Norm, welche sich auf 6mA bezieht. Da die Ausloesung nach Norm erst nach Sekunden erfolgen muss kann hier wohl nicht von einer akuten Gefahr gesprochen werden. Insofern, und vorallem da diese Norm erst 2018 gilt, finde ich die Darstellung (rot unterlegter Text mit "GEFAEHRLICH" etc) unserioes.

Fuer mich reiht sich dies in eine Serie von teils agressivem Marketing ein, was sehr schade ist. Die Messung an sich ist interessant, wenn die Aufbereitung nur nicht so dermassen in Richtung "KAUFT JUICEBOOSTER ALLES ANDERE IST UNSICHER" laufen wuerde.

Und Volker, falls du meinst dass das ja nicht so gemeint ist: Es steht dir frei dein Spreadsheet wertfreier zu formulieren, z.b. in dem du die entsprechenden Normen einfuegst und darauf hinweist dass euer Produkt die noch nicht geltende Norm schon einhaelt, und indem du das "GEFAEHRLICH" durch differenzierteren Text ersetzt.

BTW: Ich bekomm hier auch keine 6mA Modelle, lediglich 10mA und selbst die nur mit Lieferzeiten. Ueber den Sinn der Norm laesst sich indes trefflich streiten.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Zoe717 » Sa 15. Apr 2017, 01:40

UliZE40 hat geschrieben:
Ich kann nur eine mobile Ladebox gebrauchen an der ich den Ladestrom ausschließlich manuell vorgeben kann.


Manuelles Vorgeben macht nur mit Sachverstand Sinn. Und wenn eine CEE32 nur mit 16A abgesichert ist, änderst Du die erkannten 32A eben manuell am JB2 ab. Jemand ohne Sachverstand würde eine ausschließlich manuell einstellbare mobile Wallbox auf 32A einstellen. Wo da jetzt der Vorteil sein soll, erschließt sich mir nicht.

PS: Ich danke allen hier für die Diskussion, die dann doch noch konstruktiv wurde. Dazu braucht es Leute, an denen sich hier gerieben wurde genauso wie die anderen.
Euere Französinnen in allen Ehren. Meine Historie: der Panda, der Mazda, der Audi & der Golf. Warum sollten Nichtverbrenner nicht auch männlich sein? Mein Mann & ich sind es ja auch. :mrgreen:
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