Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Elektromotorrad / Zero / Brammo etc

Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon maxxe » Mo 28. Mär 2016, 12:38

Hallo zusammen!

Ich bin Fan der Elektromobilitaet und interessiere mich fuer den Stand der Dinge bei Elektromotorraedern/Rollern. Ich habe die Freiheit von Motorrollern gegenueber dem OePNV schon immer bewundert, aber ich hasse den Benzingeruch an den Klamotten und die Idee von Reparaturen und vergleichsweise hohen laufenden Kosten.

Zu meiner Situation:
- A1 Fuehrerschein in der Schweiz, dH bis zu 11kW Dauerleistung und keine Geschwindigkeitsbegrenzung
- Wichtig ist mir, dass ich eine Person mitnehmen kann
- Ich bevorzuge ein Produkt eines gestandenen Herstellers (Qualitaet und Wertstabilitaet)
- Ich bin blutiger Roller/Motorradanfaenger
- AER: 100km sollten schon drin sein
- Aufgrund der zZeit hohen technischen Fortschritte vermute ich, dass ein Neukauf oder ein Vorfuehrmodell einem Gebrauchtkauf eines 5j alten Modells vorzuziehen ist
- Die TCO mit Sprit und Versicherung sollte am Ende (Ich schaetze grob 16.000km in 4 Jahren und dann Verkauf) nicht (wesentlich) hoeher als die eines Benziners sein

Welche Moeglichkeiten gibt es denn zur Zeit auf dem Markt? Ich hab mich ein wenig umgesehen und habe folgende Produkte entdeckt - bislang entspricht noch keines vollstaendig meinen Vorstellungen. Vielleicht koennt ihr eure Meinungen zu diesen Produkten geben, oder die Liste erweitern:

- Zero FXS / S - Ab Fruehling 2016 gedrosselt auf 11kW erhaeltlich, A1, hohe AER, tolles Design, Mitfahrer moeglich. Marktfuehrer unter den Elektromotorraedern, aus Kalifornien - scheint also sowas wie der Tesla unter den Motorraedern zu sein. UVP 10.000-15.000EUR
Fazit: bislang mein Favorit
- KTM Freeride E-SM - 11kW, A1 - bekannte Marke, tolles Design, Preis grenzwertig, aber nur fuer eine Person, ist das korrekt? AER nur 50km, ausserdem Netzteil extern. Kein Gepaeckfach. UVP 12.000EUR, MotoScout24 ab 10.000EUR
Fazit: Mehr Spassprodukt als ein Erstfahrzeug
- Unu - bis zu 3kW, aber leider auf 45km/h gedrosselt. Mit Gepaeckfach (in dem allerdings bereits die Batterie ist). Verarbeitung soll mittelmaessig sein, Chinaware. Guter Preis. UVP 2800EUR
Fazit: Zu 'billig' und zu langsam
- Johammer J1 - 11kW, A1 - sehr geiles Design, aber nur fuer eine Person und wesentlich zu teuer. UVP 25.000EUR
Fazit: teure Designerware
- BMW C Evolution - 11kW Nennleistung, A1 - bekannte Marke, duerftiges Design (fett, schwer), Preis grenzwertig, 2 Personen, AER 100km, Helmfach - UVP 15.000EUR, MotoScout24 ab 10.000EUR
Fazit: haessliche Ente

Vielen Dank!


PS: Da wir in einem Forum fuer Elektromobilitaet sind, hoffe ich, dass hier keine grundsaetzliche Diskussion ueber die Sinnhaftigkeit von Electric vs. ICE angefangen wird - fuer mich ist klar, dass ich keinen Benziner moechte. Ich interessiere mich fuer den aktuellen Stand der zweiraedrigen Elektromobilitaet
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon Christian J » Mo 28. Mär 2016, 14:19

Hallo erstmal,

Eine grundsätzliche Übersicht kann das Elektromotorrad-Wiki bieten:
http://de.elektromotorrad.wikia.com/wik ... rrad_Wikia

Bei den Serienfahrzeugen kannst du die Kategorie nutzen:
http://de.elektromotorrad.wikia.com/wik ... enfahrzeug

Aber ich denke du hast wohl schon ziemlich gut herausgefunden welche für dich in Frage kommen.

Ich würde dir auf jeden Fall ein Vorführmodell empfehlen. Die sind oftmals deutlich günstiger als ganz neue Bikes, haben keine Kinderkrankheiten und sind in der Regel nicht besonders runtergefahren.

Da ich selbst Zero fahre ist meine Objektivität ein wenig eingeschränkt ;-)

Die KTM sind m.E. sehr reinrassige Dirt-Bikes. Dafür sind sie perfekt, aber für die Straße nur eingeschränkt nutzbar - auch wenn sie kleinere Räder drauf haben um Straßentauglich zu werden. Die Reichweite halte ich hier für das Hauptproblem (nur 2.6 kWh Batterie).

Die Johammer ist natürlich ein Designerstück. Auch die Technik ist absolut außergewöhnlich. Das Bike ist im Grunde komplett verschleißfrei. Die ist zum lässigen cruisen gebaut - und das kann sie gut. Der Preis ist aber auch extravagant.

BMW... ist halt ein (Maxi) Roller. Ich finde in dem Segment ist sie gut, aber es ist halt kein Motorrad.

Was du dir noch anschauen kannst: Die Victory EmpulseTT (früher Brammo) - die gab es eine Zeit lang extrem günstig; ich bin nicht sicher wie der Markt im Moment aussieht. Auf autoscout24 habe ich eine neue für knapp 13k EUR gefunden. Allerdings ist die m.W. nicht A1 tauglich und ich weiss nicht, ob man die dafür drosseln kann.

Zu den Zeros gibt es eine Aktion "The Electric Advantage". Dabei bekommt man die Zero relativ günstig Die FXS ab 7999 EUR:
http://www.zeromotorcycles.com/de/electric-advantage
Der Trick ist, dass die Batterie in Raten gezahlt wird (nicht geleast!). Nach 5 Jahren gehört dir auch die Batterie.

Versicherung ist schwierig, weil die meisten Online-Versicherer keine 0 ccm³ Hubraum erlauben *facepalm*
Aber die HUK soll gute Konditionen haben. Ich bin bei der HDI. Aber da musst du selbst vergleichen - sag bescheid, was für dich am günstigsten war; dann bekommen wir hier ein besseres Bild über die Versicherer.

TCO ist der Knackpunkt. Ich denke die meisten Fahren mit 6-7 kWh auf 100 km (siehe spritmonitor.de)
Wenn du günstig oder kostenfrei an Strom kommst ist der Punkt fast vernachlässigbar.
Verschleiß bei den Zero: Fast nicht vorhanden.

Bremsen musste ich bisher nicht tauschen (bin jetzt bei 32.000 km). Rekuperation schont die Bremsen ungemein; ist aber auch von der Fahrweise abhängig.
Meine Heidenau (Winterreifen) halten bei mir rund 15.000 km. Ich bin dazu übergegangen sie "Wunderreifen" zu nennen. Selbst nach Bergfahrten (Stilfserjoch, Berninapass, usw), Rennfahrten (Sachsenring) und nach etwa 4000 km sehen die noch aus wie neu! inklusive "Angststreifen"; der heisst bei mir Sicherheitsstreifen... den bekomme ich bei den Reifen gar nicht weg. Sollte mehr Donuts fahren...

Aber zurück zum TCO.

Mein persönlicher Energieverbrauch liegt bei 1.66 EUR auf 100 km. Wenn man das mit einem Benziner vergleicht komme ich auf ein Einsparpotenzial von rund 1.000 EUR pro Jahr. Nur für Strom/Benzin.

Ich habe mal folgende Daten zusammengetragen:
Kostenvergleich.JPG
Kostenvergleich verschiedener Motorräder


Quellen:
https://www.adac.de/infotestrat/tanken- ... fault.aspx
http://www.spritmonitor.de/de/uebersich ... owerunit=2
Bei der Honda: Eigene Messung

Da kannst du jetzt ein wenig mit den Daten spielen - ich komme auf eine Amortisationsdauer von 6-9 Jahre durch den Ersatz von Benzin durch Strom; aber ich fahre auch rund 25.000 km pro Jahr.

m.E. dürfte der Kaufpreis mit Abstand am Wichtigsten für die TCO sein.

ich hoffe, dass ich mit dem Post mehr Fragen beantwortet als aufgeworfen habe ;-)

Mit freundlichen Grüßen
Christian
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon maxxe » Mo 28. Mär 2016, 19:55

Hey, vielen Dank fuer die schnelle und ausfuehrliche Antwort!

Zero
Du bestaetigst mich in meiner Vermutung, dass aktuell an der Zero nichts vorbei kommt, wenn es um alltagstaugliche zweiraedrige Elektromobilitaet mit A1 geht. Wenn es dann soweit ist, werde ich mich wohl fuer entweder eine Zero S oder FXS entscheiden muessen, wobei jeweils die Variante fuer 12.490EUR (die kleine Zero S ZF9.8 mit 195km AER oder die grosse Zero FXS ZF6.5 mit 145km AER) am vernuenftigsten klingen - als Vorfuehrmodell. Auf dem Papier klingt die Zero S mit der hoeheren Reichweite vernuenftiger, aber ich vermute, dass sie mit ihrem hoeheren Gewicht im gedrosselten Zustand auch bedeutend traeger ist. Hier muesste ich sie wohl einfach Probe fahren. Allerdings zieht das Ladegeraet der FXS weniger Strom (650w vs. 1,3kW) und benoetigt dafuer trotz kleinerem Akku laenger als die S (8.9h vs. 6.8). Als grossen Vorteil sehe ich aber, dass bei der FXS der Akku entfernbar ist und beispielsweise in der Wohnunge geladen werden koennte.

- Victory/Bremmo scheint noch nicht wirklich verfuegbar zu sein in D, ausserdem vermute ich eine hoehere UVP
- Versicherung: Ich hatte heute bei Huk24.de geschaut und konnte ueber kW die Leistung des Motorrads angeben, nach ccm wurde garnicht erst gefragt. Teilkasko mit 150EUR Selbstbeteiligung lag in meinem Fall bei 127EUR/j. HDI zeigt mir 104EUR/j an - Preise in der Schweiz habe ich mir noch nicht angeschaut
- TCO: Hier kommen, wie du selber geschrieben hast, noch Unterschiede in Steuer, Versicherung und Wartung rein. Das wuerde deine Ersparnis wohl sogar noch erhoehen. Aber vielen Dank fuer die Aufzaehlung. Mir zeigt die Rechnung, dass die variablen Kosten und damit die Ersparungen bei weitem nicht so hoch sind wie 'erhofft'. Elektromobilitaet ist noch immer ein teurer Spass, und vor allem ein emotionaler Kauf, kein rationaler
- Finanzierung: Mich ueberzeugt das 'The Electric Advantage"-Modell mit einem effektiven Jahreszins von 5.99% ueberhaupt nicht. Moechte ich die Maschine finanzieren, dann kann ich das auch ueber einen normalen Kredit, und zwar guenstiger. Zinsfrei gerne, aber so?
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon maxxe » Mi 30. Mär 2016, 11:38

Wichtige Frage zu den TCO: Wie verhält es sich denn mit dem Wiederverkaufswert? Auf einer Seite entwickelt sich der Markt sehr schnell, dh der Wert dürfte schnell sinken, auf der anderen sprechen die geringen laufenden Kosten und die generell wartungsarme Technik für einen höheren Wiederverkaufswert. Ich wäre froh um einen Erfahrungswert oder eine Einschätzung

Folgende Rechnung:

Neupreis: 12.000€
Versicherung: 100€/y
Steuer: 0 (befreit)
Nutzung: 4000km/y
Wiederverkauf nach 5 Jahren und 20.000km
Annahme Wiederverkaufswert: 50%, also 6.000€
___
Gesamtkosten
= Wertverlust + Energiekosten + Versicherung + Steuer (+ Wartung + Zubehör + Vignette + Parkgebühren + Strafzettel)
= (12.000 - 6.000) + (1,66 / 100 * 20.000) + (5 * 100) + 0
= 6.000 + 332 + 500 + 0
= 6.832
= 1.366/y
= 114/mon

--> Wertverlust machen in meiner Rechnung mit dieser Annahme beinahe 90% aus!
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon maxxe » Fr 1. Apr 2016, 13:07

Okay, mit dem Tesla Model 3, der heute Nacht vorgestellt wurde, macht es in meiner Situation wohl mehr Sinn auf dieses Auto zu warten und zu sparen als das Geld für ein Motorrad auszugeben...
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon JPK » Mi 6. Apr 2016, 16:58

Maxxe, wo bist du Zuhause?

Ich habe seit 24000km eine Johammer im Einsatz, wenn du mal Probefahren willst?

Gruss

JPK
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Re: Aktueller Markt an Elektromotorraedern (A1)

Beitragvon Wolfgang VX-1 » Mi 6. Apr 2016, 17:39

maxxe hat geschrieben:
...
Folgende Rechnung:

Neupreis: 12.000€
Versicherung: 100€/y
Steuer: 0 (befreit)
Nutzung: 4.000km/y
Wiederverkauf nach 5 Jahren und 20.000km
Annahme Wiederverkaufswert: 50%, also 6.000€

--> Wertverlust machen in meiner Rechnung mit dieser Annahme beinahe 90% aus!

Und ich glaube dass der Wertverlust noch zu niedrig angesetzt ist und du das bei der geringen Jahresfahrleistung nicht wirtschaftlich darstellen können wirst. Besorg dir für dein Wunschzweirad ein Angebot für eine Vollfinanzierung durch einen solventen Vertragspartner und entscheide dann.
Mein vor 4 1/2 Jahren für 11.500 € gekaufter Vectrix-Roller hat sich für mich jetzt auch bei Restwert 0 "gerechnet", da die laufenden Betriebskosten der als Alternative zur Verfügung stehenden Verbrenner recht hoch waren bzw. sind. Den LEAF (Botschafterprogramm mit 100.000 Kilometer in 5 Jahren) fahre ich genauso günstig, d.h. weniger als die Tankkosten unseres ehemaligen Volvo-Benziners. Und ich habe den Vectrix immer noch für den 2-Rad-Spaß auf den Strecken, die der Akku noch zulässt. (Ursprüngliche 100 Kilometer Reichweite haben sich mittlerweile auf die Hälfte reduziert, 5,4 kW waren doch zu klein und den Belastungen auf Dauer nicht gewachsen :()
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