Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

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Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon novalek » Do 29. Dez 2016, 22:35

Mich würde interessieren, woher Wartezeiten bei der Lieferung von Fahrzeugen kommen.
Mutmaß ->
1. Das konfigurierte Fahrzeug bestellt der Händler bei der Vertragsbank des Kfz-Herstellers (VW-Bank, BMW-Bank, etc.)
2. Die Bank bestellt das Fahrzeug beim Hersteller
3. Die Vertragsbank bleibt Eigentümer des Fahrzeugs und erhält vom Hersteller nach Fertigung die amtlichen Papiere
4. Die Bank schreibt Rechnung und schickt das Fahrzeug zum Händler auf die Reise.
5. Der Händler wartet auf das Geld des Kunden und überweist das Geld an die Vertragsbank
6. Die Vertragsbank schickt nach Erhalt des Geldes die amtlichen Zulassungspapieren an den Käufer / Händler

Oder sieht das anders aus - dachte eigentlich, der Händler macht eine Vorfinanzierung ...
Wenn obiges richtig ist, wären die Showroom-Fahrzeuge ja dann immer noch Eigentum der Herstellerbank und der Händler bräuchte für die ZurSchauStellung kein Geld in die Hand zu nehmen.
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Beitragvon BED » Do 29. Dez 2016, 22:57

Der Auto-Händler kauft das Auto bei der Auto-Vertriebsgesellschaft des jeweiligen Landes. Diese wiederum kauft das Auto beim Auto-Hersteller. Die Bank hat mit dem Autoverkauf nichts zu tun.

Das ist zumindest das gängige Geschäftsmodell - vermutlich macht Renault es genauso. Tesla macht es bekanntlich anders :-)

Die Wartezeiten ergeben sich aus der Produktionsplanung bzw. der Lieferkette würde ich sagen.
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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon geko » Do 29. Dez 2016, 23:01

Simpel dargestellt:

- Kunde kauft Auto beim Händler
- Barzahlung: Händler bestellt das Fahrzeug beim Hersteller (bzw. der Landesvertriebsorganisation)
- Leasing/Finanzierung: Händler stellt für den Käufer den Leasing-/Finanzierungsantrag im Bank-System und erhält Zusage der Bank, anschließend bestellt er beim Hersteller
- Hersteller baut, liefert an Händler, anschl. Auslieferung an den Kunden

Beim Leasing verbleibt der "Kfz-Brief" bei der Bank. Mit dem eigentlichen Kauf hat die Bank nichts zu tun. Sie ist ja eine Bank und kein Kfz-Händler :-)
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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon energieingenieur » Do 29. Dez 2016, 23:07

novalek hat geschrieben:
Mich würde interessieren, woher Wartezeiten bei der Lieferung von Fahrzeugen kommen.

Nun, der Hersteller hat bestimmte geplante Produktionskapazitäten, die bestenfalls so ausgelegt sind, dass die Kunden warten müssen und nicht der Hersteller in eine Überproduktion geht. Je mehr Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung ist, desto genauer und effizienter, kann der Hersteller seine Montage vorausplanen, Materialien bestellen, Preise verhandeln, etc. Und je effizienter der Prozess, desto größer der Gewinn.

Und auch beim Händler selbst ist noch einiges zu tun: Wenn das Fahrzeug auf dem Hof steht, muss es zunächst gereinigt, technisch geprüft und ggf. noch aufbereitet werden. (Anbau von Zubehör, Ausbessern von Produktionsfehlern oder Transportschäden.) Und dann muss der Händler auch Zeit für die Auslieferung/Übergabe an den Kunden haben. Das dauert ja auch immer eine ganze Weile.

Oder sieht das anders aus - dachte eigentlich, der Händler macht eine Vorfinanzierung ..
Wenn obiges richtig ist, wären die Showroom-Fahrzeuge ja dann immer noch Eigentum der Herstellerbank und der Händler bräuchte für die ZurSchauStellung kein Geld in die Hand zu nehmen.

Ja und nein. Der Händler kann es faktisch nicht Vorfinanzieren, aber er haftet dafür. Wir reden ja von eigenständigen Autohäusern, die in der Regel kleine Handwerksunternehmen sind. Wenn der mal wieder 50 Autos auf den Hof gestellt bekommt - Wo soll der das Geld dafür hernehmen? Das hat der nicht in der Portokasse. Von einigen mir bekannter Autohäusern weiß ich, dass die entsprechende Kreditlinien bei der lokalen Bank (nicht einer Herstellerbank) haben. Sie haben dann 2-4 Monate Zeit, die Fahrzeuge zu veräußern, bevor sie bezahlt werden müssen. Risiko ist das für den Händler natürlich trotzdem. Diese Kreditlinie gibts ja auch nicht umsonst. In der Regel sind das Absicherungen auf das Unternehmen/Gebäude, etc.

Die Showroomfahrzeuge sind Eigentum des Händlers und die muss er auch voll bezahlen. Teilweise werden Händler sogar vom Vertragshersteller dazu gezwungen bestimmte Stückzahlen Neufahrzeuge oder Showroom-Fahrzeuge abzunehmen. Da muss der Händler dann zusehen, wie er die unter die Leute bringt...
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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon novalek » Do 29. Dez 2016, 23:29

Danke für die Expertisen; ist schon interessant hinter die Fassade der Autohäuser zu gucken.

Dazu denn folgender Eintrag in http://www.gutefrage.net/frage/wann-kommt-der-fahrzeugbrief-bei-einem-neuwagen
im unteren Abschnitt:
"wird der Brief vom Hersteller / Importeur erstellt,
sobald das Fahrzeug an den Händler ausgeliefert wird.
Der Brief geht dann erst mal an die Händler-Einkaufs--Finanzierungsbank.
Das geht schneller als das Auto beim Händler ist.
Der Händler muss dann bei der Bank die Einkaufsfinanzierung ablösen
und bekommt den Brief (Zul-bescheinigung II) ausgehändigt."

-> dazu paßt dann die Auskunft meines Händlers "ich bekäme die Papiere von der Bank", wobei - wie ich aus obigen Beiträgen gelernt habe, die Einkaufsbank nicht unbedingt die Hersteller-Bank sein muß.

Es gibt wohl mehrere Modelle ...
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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon harlem24 » Do 29. Dez 2016, 23:39

Naja, das kann ja so nicht funktionieren, weil dann müßte der Händler ja in Vorleistung gehen, bevor er Dir den Wagen ausliefert und Du den bezahlst.
Das geht vielleicht wenn nur ein Wagen im Monat ausgeliefert wird, aber nicht bei den normalen Stückzahlen, die heute bei einem normalen Händler umgeschlagen werden.
Es kann eigentlich nur so funktionieren, dass die Bank das vorfinanziert und der Händler den EK bei der Bank bezahlt, nachdem er von Dir oder von Deiner Bank/Leasinggesellschaft die Kohle bekommen hat.
Gruß

CHris

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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon novalek » Do 29. Dez 2016, 23:50

harlem24 hat geschrieben:
Es kann eigentlich nur so funktionieren, dass die Bank das vorfinanziert
Sehe ich auch so, quasi als Treuhänder.
novalek
 

Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon harlem24 » Do 29. Dez 2016, 23:56

Ja, aber dann kannst Du nicht die Papiere von der Bank bekommen, weil das Auto ja dann schon abgelöst wäre und Du bezahlst ja nicht, bevor Du den Wagen bekommst...
Gruß

CHris

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Re: Wie bestellt ein Händler ein Fahrzeug ?

Beitragvon novalek » Fr 30. Dez 2016, 08:03

harlem24 hat geschrieben:
und Du bezahlst ja nicht, bevor Du den Wagen bekommst...
Auf sowas lassen sich doch die Autohäuser nicht ein. Bisher war das bei mir immer so - Bestellpreis = Lieferpreis = Vorwegüberweisung, ob nur per Express-Überweisung oder Wochen zuvor.
Das Geld-Rückbehalteverfahren bis zur Fahrzeugübergabe geht heute doch nicht mehr.
Warum -
- der Vertrag zum Kauf ist rechtsgültig und kaum umkehrbar
- Mängelrügen werden im Übergabeprotokoll notiert bzw. die WarenÜbernahme wird begründet verweigert (gravierende Mängel) und das Unternehmen gleichzeitig in Verzug gesetzt
- wie will man denn mehrere 1000 Euro per Bahn zum Internet-Verkäufer schaffen und dann zwecks Scheinprüfung zur nächsten Bank fahren wollen oder eine EU-Überweisung mitbringen und am Ort auf Einlösung warten oder ...
- die Autofirma wird - wie zuvor in anderen Beträgen gesagt - das nötige BrückenAuslösegeld für mehrere Fahrzeuge nicht haben, zumal die Haftungsgrenze des "Auto-Koofmichs" per GmbH bei 20.000 Euro und bei einer Limited bei ca. 300 Euro liegt.
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