Der Kampf der zwei Förderungen

Förderprogramme für den Kauf und Betrieb von Elektroautos

Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon most » Mi 10. Feb 2016, 10:38

@graefe: Ich habe keine Zahlen, aber die allermeisten werden wohl nicht nach einem Jahr enttäuscht aussteigen, sondern sich arrangieren. Ich kenne niemanden, der sich eine neue Technik zugelegt hat, um nicht später den einen oder anderen Nachteil zu erfahren. Es ergibt sich eben vieles erst im Alltag.
Klingt ja gerade so, als wärst Du gegen eine Förderung, weil man so Enttäuschung und das Aussteigen vermeidet?! Also das kann es doch wohl auch nicht sein?

Ich stimme aber zu, dass eine Förderung der Infrastruktur sehr sinnvoll ist (obschon ich in 99% aller Fälle in dem für mich relevanten Einsatzbereich mit 22kW laden kann). Nur ausschlaggebend war das nicht, sondern ein für mich stemmbarer Anschaffungspreis - die Infrastruktur ist für mich aufgrund der glücklichen Lage eben nur Prio 2.

Gruß
Matthias
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon umberto » Mi 10. Feb 2016, 12:06

@most: dir ist aber Dein Logikfehler schon bewußt, oder? Du wohnst auf einer Insel der Seligen mit brauchbarer Infrastruktur.

Mir z.B. ist jetzt durch die ADAC-Umorientierung und dem Fehlen einer rwe-Säule eine Standard-Strecke deutlich erschwert worden. Und das darf einfach nicht passieren, das EINE Säule den Unterschied macht.

Infrastruktur ist das A und O, beim E-Auto kommt halt zu den vorhandenen Straßen noch das Laden dazu. Und auch wenn die Akku größer werden, wird es immer einen spontanen Fahrtfall geben, wo es eben grad nicht reicht (v.a. im Winter).

Und: gerade haben wir einen Mini-Bestand. Wenn da mal wirklich eine Million Autos rumfahren und Deine paar Säulen alle ständig dicht sind, wirst Du Dich auch bedanken.

Mal davon abgesehen, daß es durch Ladekartendschungel und Bürgermeistersäulen einfach viel zu kompliziert für Otto-Normalverbraucher ist.

Da man das Geld nur einmal ausgeben kann, halte ich eine Infrastuktur-Förderung für sinnvoller wie eine Kaufprämie.

Und ich versuche immer noch zu verstehen, warum es Leute gibt, die Autos in einen Markt werfen wollen, der die gar nicht aufnehmen kann. Ich fürchte fast, da gibt es einflussreiche, gutsituierte Mittelständler mit Heim-Lademöglichkeit, der sich seinen schicken neuen Zweitwagen etwas billiger zu legen will. Und da habe ich keinen Bock, das mit meinen Steuergeldern zu bezahlen.

Gruss
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon secuder » Do 11. Feb 2016, 14:30

Ich denke, es geht darum, dass eben nicht nur die gutsituierten Mittelständler sich eines kaufen, sondern auch die Leute mit etwas weniger Geld.
Wobei auch der gutsituierte Mittelständler sich überlegt, wofür er sein Geld ausgibt. Wenn der Verbrenner deutlich günstiger zu haben ist, was ist dann der Anreiz für das E-Mobil?

Gleichwohl richtig: Ohne vernünftige Infrastruktur und mit dem Ladekartenwirrwarr wird das nix. Letzteres liesse sich aber vielleicht auch mit (kostengünstigen) Gesetzen oder Verordnungen regeln...

Viele grüsse
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon umberto » Do 11. Feb 2016, 15:18

secuder hat geschrieben:
Ich denke, es geht darum, dass eben nicht nur die gutsituierten Mittelständler sich eines kaufen, sondern auch die Leute mit etwas weniger Geld.


Joo, aber grade die, die keine eigene Steckdose zu Hause haben, brauchen doch die Infrastruktur. Ich habe einige Kollegen, die in Mehrfamilienhäusern wohnen, für E-Autos interessiert sind, aber das Teil zu Hause nicht laden können (Stellplatz ohne Strom, Tiefgarage weit weg vom Stromkasten, Gebäudeverwaltung stellt sich doof an usw.). Die locke ich doch nicht mit Kaufprämie...

Gruss
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon derchris » Fr 12. Feb 2016, 17:25

mich lockt man mit Wegfall der 1%-Regelung und kostenfreiem Parken dort wo Parkscheine nötig wären.
An meinem Büro ist alles kostenpflichtiges Straßenparken und so muss ich für meine Mitarbeiter teure (120€/Monat) Parkplätze mieten.
Bei Wegfall der 1%-Regelung bin ich mir sehr sich dass meine Mitarbeiter alle ratzfatz auf E-Fahrzeuge umsteigen würden. Aber hey, das ist auch wieder mal nur MEINE Sicht unter meinen aktuellen Rahmenbedingungen.
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon PowerTower » Fr 12. Feb 2016, 18:26

umberto hat geschrieben:
Und ich versuche immer noch zu verstehen, warum es Leute gibt, die Autos in einen Markt werfen wollen, der die gar nicht aufnehmen kann. Ich fürchte fast, da gibt es einflussreiche, gutsituierte Mittelständler mit Heim-Lademöglichkeit, der sich seinen schicken neuen Zweitwagen etwas billiger zu legen will. Und da habe ich keinen Bock, das mit meinen Steuergeldern zu bezahlen.

Jedes verkaufte Auto hilft, das Thema etwas voran zu bringen und auch die Lebensqualität in den Städten zu verbessern, eben wenn z.B. der Elektrische genutzt wird anstatt die Partikelschleuder. Jeder Steuerzahler kann also mit 0,01 Cent pro Fahrzeug dazu beitragen, den Anteil der Elektroautos deutlich zu steigern und damit auch die Infrastruktur anzukurbeln (denn das war ja dein Argument). Es wird einen großen Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur geben, also werden die Betreiber indirekt unter Druck gesetzt, auf diesen Bedarf zu reagieren. Ich bin jedenfalls gern bereit, 10.000 Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen, wenn mich das den Einsatz von einem läppischen Euro kostet. Denn mehr ist es nicht.

Dennoch müssen die Hersteller noch nachbessern, die Förderung sollte nicht zum Stillstand bei den Preisen führen. Kleinstfahrzeuge wie z.B. der i-MiEV oder der e-up! dürfen einfach von Haus aus keine 24.000 bzw. 27.000 Euro kosten. Hier haben die Hersteller einfach ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Ebenso bin ich der Meinung, sollte man die Förderung nicht auf alle Fahrzeuge ausdehnen, sondern eine Grenze setzen. Es macht einfach keinen Sinn, einen 80.000 Euro Tesla mit 5.000 Euro zu bezuschussen.

Abgesehen davon gibt es nicht nur schwarz und weiß. Ich z.B. habe das Thema Ladeinfrastruktur am Mehrfamilienhaus im letzten Jahr umgesetzt und nun fehlt mir halt das passende (bezahlbare) Fahrzeug. Als bezahlbar verstehe ich aber nicht das typische 35.000 Euro "affordable" von Elon Musk oder Mary Barra, sondern das was zu meinem Geldbeutel passt. Und das wäre eher ein Fahrzeug in der 15.000 Euro Klasse inklusive Akku, besser natürlich 10.000 Euro, aber ich will realistisch bleiben. Dabei geht es mir nicht um einen Zweitwagen, sondern um das einzige Fahrzeug im Haushalt. Eine kleine Finanzspritze "von oben" würde jedenfalls helfen, ein paar Fahrzeuge in die engere Wahl nehmen zu können. Vor Allem indirekt in Form von jungen Gebrauchten, die natürlich dann nicht mehr teurer angeboten werden könnten als das vergleichbare Neufahrzeug. Aber auch ein e.GO Life für dann 7.500 Euro wäre durchaus attraktiv, wenn er denn von den Daten halbwegs überzeugen kann.

Mir geht es nicht um Luxus, sondern einfach darum bezahlbar elektrisch unterwegs zu sein, mit einem Fahrzeug das zu mir passt. Das hatte ich zwar die letzten drei Jahre auch schon, aber mit einem Nischenfahrzeug Bj. 2001 von einem insolventen Hersteller. Kann sich jeder vorstellen wieviel Spaß das macht wenn sich keine Werkstatt damit auskennt und man nicht mehr an Ersatzteile kommt. Reichweite und Ladedauer waren auch nicht mehr zeitgemäß.
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon Nik » Fr 12. Feb 2016, 19:50

Der springende Punkt ist doch, daß auch eine Kaufpreisförderung von xxxx € die plakativste Wirkung erzielt. "Oh seht nur, die Regierung macht was"
Ich habe Herrn Gabriel angeschrieben und meine Meinung zu einer Möglichen Förderung mitgeteilt.
Mein Gegenvorschlag: Förderung durch besonders günstige KfW-Kredite auf Erwerb von Elektroautos und Bau von Ladesäulen.

Der Nachteil: das Geld wird nicht einfach von der linken Tasche (Steuern) in die rechte Tasche (Auto-Hersteller) geschaufelt. Entsprechend gut vorzeigbaren Gewinne des Geschäftsjahres wird es damit nicht geben.
Gruß Nik
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon umberto » Fr 12. Feb 2016, 19:54

PowerTower hat geschrieben:
damit auch die Infrastruktur anzukurbeln[/b] (denn das war ja dein Argument). Es wird einen großen Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur geben


Es gibt auch einen Bedarf an einer funktionierenden S-Bahn in Stuttgart und trotzdem bekommt das keiner hin. Ich kann mir nicht vorstellen,daß ein paar frustierte Hipster, die ihr E-Auto nicht geladen kriegen, da irgendeine Art Druck aufbauen können. Zumal man mit Ladestationen die nächsten Jahre keine Profite machen können wird.

Kleinstfahrzeuge wie z.B. der i-MiEV oder der e-up! dürfen einfach von Haus aus keine 24.000 bzw. 27.000 Euro kosten. Hier haben die Hersteller einfach ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht.


Auch wieder so ein Henne-Ei-Problem. Man könnte auch sagen, die Kunden haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, weil sie nicht genug Stückzahlen nachgefragt haben. Der Preis eines Verbrenners ist deswegen so "günstig", weil die Produktion in hohem Maße industrialisiert wurde, weil eine entsprechende Nachfrage da war.

Das wird bei E-Autos mit steigender Nachfrage auch besser, ist aber ein Prozess, der dauert. Hier könnte eine Förderung helfen, aber m.E. eben nicht nachhaltig.

Ebenso bin ich der Meinung, sollte man die Förderung nicht auf alle Fahrzeuge ausdehnen, sondern eine Grenze setzen. Es macht einfach keinen Sinn, einen 80.000 Euro Tesla mit 5.000 Euro zu bezuschussen.


Ja, aber das verletzt m.E. das Gleichheitsprinzip. So wie eine Maut für Ausländer. :wand:

Und das wäre eher ein Fahrzeug in der 15.000 Euro Klasse inklusive Akku, besser natürlich 10.000 Euro, aber ich will realistisch bleiben.


Das war ja das, was die Leipziger Forscher im weiter oben zitierten Papier gesagt haben: eine Förderung erhöht den potenziellen Kundenkreis. Aber ernsthaft: du bist doch auch ein Freak, der sich für e-mobility verbiegt und auch den einen oder anderen Kompromiß macht.
Mit einer Kaufförderung kann ich sicherlich ein paar der weniger solventen Freaks überzeugen, aber ich werde doch niemals die Million erreichen, die die dann vorhandene Ladeinfrastruktur komplett überfordern würde, weil gerade die weniger solventen Freaks oft nicht über die eigene Garage mit Stromanschluß verfügen (paßt bei Dir jetzt nicht, aber ich denke, du weißt, worauf ich raus will).

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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon PowerTower » Fr 12. Feb 2016, 20:22

Da hast du zugegeben nicht ganz Unrecht. Ich bin was Förderungen angeht, so es sie denn geben sollte, durchaus flexibel. Ob das nun ein günstiger Kredit fürs nächste E-Auto ist, Wegfall der 1% Regel für gewerblich genutzte Fahrzeuge, ein finanzieller Zuschuss für die Errichtung öffentlicher Ladeinfrastruktur oder die Vereinfachung der Bürokratie für das Laden beim Arbeitgeber, es würde uns in jedem Fall nicht zum Nachteil werden. Ich kann es aber ohnehin nicht beeinflussen und lasse den März einfach auf mich zukommen. Die wichtigste Förderung ist ohnehin: eine klare Aussage zu treffen. Und wenn es keine Förderung gibt, dann weiß man wenigstens woran man ist.

Bei den Fahrzeugen ist ja zumindest Land in Sicht. Immerhin gibt es ab nächstem Jahr einige Autos zu kaufen, die vielleicht das Zeug zum "Bestseller" haben (Zulassungszahlen in DE konstant >500 Stück / Monat). Ganz ohne steuerliche Zuschüsse.

Man könnte auch langsam mal darüber nachdenken, die milliardenschwere Dieselsubvention zurück zu fahren. Wenn schon nicht fördern, dann gleiches Recht für alle.
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Re: Der Kampf der zwei Förderungen

Beitragvon umberto » Fr 12. Feb 2016, 21:31

PowerTower hat geschrieben:
Ich bin was Förderungen angeht, so es sie denn geben sollte, durchaus flexibel. Ob das nun ein günstiger Kredit fürs nächste E-Auto ist, Wegfall der 1% Regel für gewerblich genutzte Fahrzeuge, ein finanzieller Zuschuss für die Errichtung öffentlicher Ladeinfrastruktur oder die Vereinfachung der Bürokratie für das Laden beim Arbeitgeber, es würde uns in jedem Fall nicht zum Nachteil werden.


Die 1%-Regel bringt halt den Privatleuten nichts, aber die kaufen eh kaum noch Autos. Es müßte halt was nachhaltiges sein.

Man könnte auch langsam mal darüber nachdenken, die milliardenschwere Dieselsubvention zurück zu fahren. Wenn schon nicht fördern, dann gleiches Recht für alle.


Joo, aber dann tanken die LKWs halt woanders. Und die PKWs in den Grenzgebieten auch. Das müßte schon europaweit laufen.

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