Leistung Bordlader

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Beitragvon Derpostler » Sa 12. Jul 2014, 12:55

Das Ladethema ist ja sehr komplex und muss eigentlich separat in allgemeinen Threads abgehandelt werden, da es ja fahrzeugübergreifend ist. Klar ist jedoch für mich, dass jeder Hersteller sich vorher genau überlegt hat, was er anbieten will. VW zum Beispiel hat sich beim e-Golf für einen maximalen Ladestrom von 3,7 kW entschieden (ausser CCS). Mir fallen einige Gründe dafür ein:
- Dies ist der maximale Ladestrom, den die meisten Nutzer ohne Veränderung der Hauselektrik ziehen können. Ein sehr wichtiges Argument, finde ich, wenn man einen "Volkswagen" anbieten will.
- VW gibt eine satte 8 Jahre / 160.000 km Garantie (min. 70 % Restkapazität garantiert) für den Akku. Eine solche Garantie könnte man wahrscheinlich nicht geben, wenn man gleichzeitig akkustressendes Wechselstromladen mit 22 oder 43 kW AC ermöglicht.
- VW verwendet als Akku einen Lithium-Nickel-Magnesium-Cobald-Oxid-Akku. Dieser zeichnet sich nicht durch maximalen Ladestrom/Entnahmestrom aus, aber durch eine hohe Langlebigkeit - wenn er nicht durch zu hohe Ströme gestresst wird (siehe z.B. die Webseite http://www.batteryuniversity.com).
- Der e-Golf ist in der Grundausstattung (also ohne CCS) nicht als Langstreckenfahrzeug konzipiert. Man erwartet vielmehr, dass das Fahrzeug praktisch immer "zu Hause" geladen wird (Wohnhausgarage oder Firmenparkplatz). Wenn das so ist, dann ist ein langsames Laden kein Nachteil, sondern im Gegenteil akkulebensdauerverlängernd und auch weniger riskant als Hochstromladen.
- Langsames Laden ist für Leute ideal, die sich nicht mit dem Ladethema beschäftigen wollen - und das werden auf Dauer die meisten sein. Nur die Freaks wollen sich ständig damit beschäftigen, wo man hier mit 43 kW AC und dort nur mit 11 kW AC usw. laden kann und sich dauernd den Kopf darüber zerbrechen. Der Standardnutzer weiss dagegen zu schätzen, dass die Ladegeschwindigkeit immer und überall dieselbe ist (wenn auch langsam) und damit verlässlich.
- Der Tribut an die Zukunft ist das CCS Laden, das VW nicht versprechen will und daher auch nur optional anbietet. Das ist das einzige, was ich persönlich ein bisschen hasenfüssig finde, denn es zeugt nicht von Vertrauen in die Zukunft dieses Systems, wenn man es nicht standardmäßig einbaut. Aber ansonsten finde ich die VW-Politik schlüssig und sinnvoll.
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Beitragvon Hasi16 » Sa 12. Jul 2014, 20:05

Derpostler hat geschrieben:
Der Standardnutzer weiss dagegen zu schätzen, dass die Ladegeschwindigkeit immer und überall dieselbe ist (wenn auch langsam) und damit verlässlich.

Das ist mal ne Logik! Mit welchem EV bist du denn normalerweise unterwegs?

Viele Grüße
Hasi16
(* BMW i3 mit Rex und ohne CCS/AV7.4 - mit nem 43 kW-Lader hätte ich mir den Rex gespart!)
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Re: Probefahrt mit dem E-Golf

Beitragvon stromer » Sa 12. Jul 2014, 20:47

@Derpostler Sei mir nicht böse, aber das was du hier schreibst ist der größte Blödsinn den ich seit langem hier gelesen habe und lässt nur den Schluß zu, daß du nie über längere Zeit ein Elektroauto in der Praxis gefahren bist.

Wenn du von Hauselektrik etwas Ahnung hättest, wüsstest du daß du an der bestehenden Hauselektrik, das heißt, einfache Schuko-Steckdose in der Garage, maximal mit 2,2 kW laden solltest. Mit 3,7 kW müsste die Anschlussleitung sowieso verstärkt werden und da spielt es nun wirklich keine Rolle ob du nun 1-phasig oder 3-phasig verlegst. Und 11 kW oder 22 kW sind bei den meisten Hausanschlüssen in Deutschland problemlos möglich.
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Re: Probefahrt mit dem E-Golf

Beitragvon ATLAN » Sa 12. Jul 2014, 21:15

stromer, +1

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Re: Probefahrt mit dem E-Golf

Beitragvon just_cruise » Sa 12. Jul 2014, 21:30

stromer hat geschrieben:
... an der bestehenden Hauselektrik, das heißt, einfache Schuko-Steckdose in der Garage, maximal mit 2,2 kW laden solltest. Mit 3,7 kW müsste die Anschlussleitung sowieso verstärkt werden und da spielt es nun wirklich keine Rolle ob du nun 1-phasig oder 3-phasig verlegst. Und 11 kW oder 22 kW sind bei den meisten Hausanschlüssen in Deutschland problemlos möglich.

So ist es.

Als EV-Interessent (mein erster Beitrag hier, lese aber schon einige Zeit hier und im tff-forum mit - HALLO an alle bei der Gelegenheit), kann ich aus meiner persönlichen Sicht nach einigen Überlegungen sagen: alles unter 11 kW erscheint mir inakzeptabel. Auch wenn für zu Hause evtl. weniger noch o.k. ist, aber ich möchte mit einem EV ausnahmsweise auch mal 200 oder 300 km in wenigen Stunden zurücklegen können. Da sind 11 kW das absolute Minimum, eigentlich sogar 22 kW.

CCS halte ich mangels Stationen - und auch wegen hohem Aufpreis bei VW und BMW - für keine sinnvolle Alternative. Auf http://ccs-map.eu/ sieht man übrigens in der Kopfzeile, dass 89 der dort aufgeführten 219 Stationen nicht rund um die Uhr geöffnet sind. Und beim Zoomen auf http://www.goingelectric.de/stromtankst ... e=&stecker[]=ccs wird deutlich, dass etliche CCS nicht 50, sondern nur 20 kW bieten.
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Re: Probefahrt mit dem E-Golf

Beitragvon Derpostler » So 13. Jul 2014, 08:10

Gut, dann hätte ich jetzt gerne mal Eure Meinung gehört, warum Ihr glaubt, dass VW nur 3,7 kW Ladestrom eingerichtet hat (und BMW beim i3 auch nur 7,4 kW). Ich wette, da kommt jetzt nichts, ausser "alles Idioten bei VW und BMW", "die wollen ihre Autos gar nicht verkaufen, machen es absichtlich schlecht" und so ein Zeug.
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Re: Probefahrt mit dem E-Golf

Beitragvon just_cruise » So 13. Jul 2014, 08:26

Derpostler hat geschrieben:
Gut, dann hätte ich jetzt gerne mal Eure Meinung gehört, warum Ihr glaubt, dass VW nur 3,7 kW Ladestrom eingerichtet hat (und BMW beim i3 auch nur 7,4 kW).

Weil die genug Käufer finden, die vor dem Kauf nicht darüber nachdenken, was es für einen Unterschied macht, ob man schneller oder langsamer laden kann. Da sparen die es sich, das in Serie oder als Option anzubieten und die Käufer entscheiden zu lassen, dafür Geld auszugeben - die meisten Menschen entscheiden nicht gerne.

So jedenfalls kann ich mir erklären, dass BMW und VW 3-phasiges Laden nicht einmal gegen Aufpreis anbieten. Die könnten das locker für max. ca. 300 € Kosten realisieren (eigene Schätzung) und für z.B. 600 € als Sonderausstattung anbieten.

Dass es auch sein kann, dass BMW und VW ihre e-Autos nicht als Ersatz für Verbrenner anbieten wollen, ist aber genauso möglich. Dass wird niemand bestreiten können. Überleg mal bitte, warum 3-phasiges Laden seitens VW + BMW überhaupt nicht angeboten wird,es bei Tesla in Europa aber Serienausstattung ist....
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Re: Leistung Bordlader

Beitragvon ATLAN » So 13. Jul 2014, 08:45

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Re: Leistung Bordlader

Beitragvon ATLAN » So 13. Jul 2014, 09:09

Es könnte IMHO auch die "Mündigkeit des Konsumenten" eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, 400V 16A sollte in ca. 80% aller EFH in DACH ohne großen Aufwand in der Garage bzw. beim Abstellplatz realisierbar sein, wenn nicht meistens ohnehin schon vorhanden als die obligatorische rote CEE-Dose für die Mischmaschine, die Kreissäge oder was auch immer.
CCS bedingt eine Ladestation im 30kg+ Gewichtssegment , welche auch noch dazu derzeit mit über 15k€ zu Buche schlägt, also eine höchst unwahrscheinliche Investition im Privathaushalt, einem Restaurant oder bei einem Nahversorger.
Der Hintergedanke ist eher, das man nach wie vor zum Tanken (Laden) von einem Infrastrukturbetreiber abhängig ist, da diese (CCS) nicht so leicht zur Verfügung zu stellen ist wie eine Simple Industriesteckdose oder auch TYP2. Diese Betreiber können dann schön die Hand aufhalten, was die Ladegebühren betrifft, der Konsument kann ja auch garnicht aus, weil er eben auf 3,7kW beim Bordlader limitiert ist.

Entweder eine 2-Tagesreise für 400km antreten oder jeden Preis zahlen.... :roll:

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Re: Leistung Bordlader

Beitragvon DaftWully » So 13. Jul 2014, 09:26

Diese ganze Diskussion über Ladedauer etc. hat schon etwas skurriles an sich. Es scheint so, als könne kaum jemand die Meinung gelten lassen, ein Aufladen über Nacht sei ausreichend und es müssen immer 11 + x kw/h Ladeleistung sein.

Das erinnert an die Ignoranz, dass eine große Mehrheit der Autofahrer deutlich unter 100 Kilometer pro Tag unterwegs ist aber unbedingt jederzeit von Spitzbergen bis Lissabon in einem Rutsch fahren können muss.

Und wenn es um Ladedauer geht entsteht bei mir oft der Eindruck, als müsse man wie beim Bezintanken neben dem Fahrzeug stehen bleiben und den Stecker festhalten bis die Batterie voll ist.

Jeder muss sich beim Kauf eines EV einmal darüber Gedanken machen, wie sein Fahrprofil über das vergangene Jahr betrachtet ausgesehen hat. Und wenn er dann der Meinung ist, die eine Fahrt von mehr als drei- oder vierhundert Kilometer war sowas von lebensentscheidend und alternativlos nur mit dem eigenen Auto zu bewältigen, dann soll er in Gottes Namen die Finger von den derzeitigen EVs lassen.

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