Zu vorsichtig?

Zu vorsichtig?

Beitragvon eidrien » Mi 9. Nov 2016, 20:52

Hallo zusammen

In einem anderen Thread schrieb ich folgendes:

Vollstrom sieht meiner sowieso nie...ich gucke dass ich maximal zwischen dem 1. und 2. Balken in der "Stromanzeige" (sollten ca. 75A, also 1,5C) bin. Schnellstart oder so habe ich z.B. auch noch nie ausprobiert. Muss ja den Akku nicht vorsätzlich noch unpfleglich behandeln :D


Meine Frage: Bin ich zu vorsichtig/konservativ mit dem Akku wenn ich nur solche Ströme abrufe? Gemäss einem Beitrag von iOnier kann der Akku resp. seine Zellen folgendes ab:

YUASA gibt im Datenblatt zur LEV50N-Zelle eine "operating temperature range" von -25 bis +60 °C an und spezifiziert eine Tabelle mit max. Ladeströmen ("maximum charge current") bei verschiedenen Temperaturen; bei -25 °C sind es 10A, also nur 1/5C, der max. Ladestrom von 125A (also 2,5C) ist zwischen 10 und 40 °C zulässig. Als "maximum discharge current" wird ein "continous current" von 300A genannt - ohne Temperaturangabe!


Beim dritten Strich in der "Stromanzeige" wird ja gemäss Logik knapp 150A aus den Zellen gesaugt- also immer noch knapp nur die halbe mögliche Stromentnahme die der Hersteller für die Zellen angibt.

Man verzeihe mir die vielleicht(?) übertriebene Sorge um meinen Akku resp. die vielleicht saudumme Frage. Aber nie fragt wird auch nicht klüger :lol:

Wie fährt ihr? Entnehmt ihr z.B. auf der AB zeitweise für längere Zeit mehr Strom als der 1. Strich? Oder sind es auch mal deutlich mehr als der 2. Strich (z.B. beim Überholen? Oder hat es jemand schon mal bis zum "Anschlag" getrieben und ist richtig durchgestartet mit dem Kleinen? Mache ich mir zu viele Gedanken?

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen!

Beste Grüsse, Adrian
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon iOnier » Mi 9. Nov 2016, 21:23

Der iOn ist mit 49 kW Maximalleistung angegeben. Wenn ich die 49.000 W durch 300V Nennspannung teile komme ich auf 163,33A. Die Maximalleistung sollte bei einem Auto auch tatsächlich abrufbar sein, ohne (gleich) einen Schaden zu riskieren (und nach einer Weile - wenn es ihm zu warm wird - regelt der iOn eh ab).

Ich habe kein Problem damit, gelegentlich mit "Vollstrom" zu beschleunigen. Hey, das macht Spaß! Und so soll das auch sein.

Auf der AB habe ich ihn auch mal kurz "ausgefahren": hat bei Anzeige 140 km/h abgeregelt, was nach GPS dann knapp 135 "echte" km/h waren. Da kann man die Balken aber purzeln sehen :shock:

Die Elektronik ist so programmiert, dass sie den Akku vor Überlastungen schützt. Ist doch beim Verbrenner genau so (wo bei kaltem Motor die Abgasreinigung zum "Schutz" abgeschaltet wird ...). Hier trägt es zu meinem Spaß bei ohne die Umwelt zu verpesten ... jaja, ich weiß, Energie sparen ... man kann sich auch zum Griesgram sparen ... :twisted:
Gruß
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon Maxx » Mi 9. Nov 2016, 21:45

Ich beschleunige oft voll und meine Frau sowieso. Meiner fährt laut Tacho 139 km/h, habe ich auch mal 5-6 km durchgehalten. Um diese Tempo zu halten braucht er auch nicht seine Maximalleistung.
Ich habe am 18.11. den ersten Inspektionstermin, momentaner Tachostand 14500 km.
Da es ein Leasingfahrzeug ist mach ich mir da keine Gedanken, in 3 Jahren werde ich sehen, ob ich ihn noch 2 Jahre ins Gebrauchtwagenleasing nehme.
Sollten dann die Zellen nicht schwächeln werde ich ihn wohl für den Restwert privat kaufen, Peugeot gibt ja 8 Jahre Garantie auf Defekte am Antriebsstrang.
Ich lasse ihn nur nicht vollgeladen rumstehen, ich fahre ihn meistens mit 50 % Ladezustand in die Garage und lade ihn dann morgens auf der Arbeit.
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon Mei » Mi 9. Nov 2016, 21:56

mit CanIon zieht meiner so 195A bis 200A bei Vollstrom. Die 49kW sind ja Output Motor. 55kW sind Input bei Vollstrom.

Akku schonen ist immer gut.

Bei Herstellerangaben wie z.B. die 300A sind leider keinerlei Testumstände in den Datenblättern.

Das ist wahrscheinlich eine einzelne Zelle auf dem Labortisch bei 20°C und leichter Kühlung.

Bei 88 Zellen in einem luftdichten Gehäuse ist man aber weit weit entfernt von 300A.

Wenn ich Lust auf Vollstrom habe, dann geb ich Vollstrom.
Nur wenn weniger als 3 Balken und/oder weniger als 10°C Akkutemperatur, da halte ich mich zurück.

Man darf nicht glauben, dass die Elektronik den Akku vor allen erdenklichen Situation oder Fahrweisen schützt/abregelt.
Das ist immer auch ein Kompromis wie hoch die Wahrscheinlickeit ist, das irgendjemand doch Fehler macht.
Ich bin sicher, wenn man will, dann bekommt man den Akku in kürzester Zeit kaputt.
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon eve » Mi 9. Nov 2016, 22:28

Beim Beschleunigen sind die Belastungen recht kurz. Der Tesla S P100D schafft es beispielsweise in < 3 s von 0 auf 100 km/h. Auch bei anderen BEVs sind es in der Regel weniger als sagen wir mal 15 s für den spurt. Die Dauer der Belastung ist wesentlich. Am längsten schafft man es wohl mit Dauervollstrom auf der BAB bergauf. Kommt bei viele aber wohl eher seltener vor. Faktisch gibt es wenige Situationen, in denen man überhaupt die Möglichkeit hat die volle Leistung über einen längeren Zeitraum (einige Minuten) zu fordern.

Abgesehen davon muss man sich auch bewusst sein, dass beim Beschleunigen aus dem Stand die Leistung ausgehend von Null (etwa) linear ansteigt (P = F*v).

Und dann schützt das Fahrzeug/BMS/Controller auch den Akku und begrenzt eventuell die Leistung.

Schätze mal, den Akku auf diese Weise zu schonen ist eine gute Sache, aber wozu hat man den ein E-Mobil, wenn nicht auch um mal das volle Drehmoment aus dem Stand zu spüren?
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon iOnier » Mi 9. Nov 2016, 22:46

Mei hat geschrieben:
mit CanIon zieht meiner so 195A bis 200A bei Vollstrom. Die 49kW sind ja Output Motor. 55kW sind Input bei Vollstrom.

Logisch. Ich hatte auch nur erst mal grob überschlagen wollen. Die "Nennspannung" von 300 V liegt ja so auch nicht stets exakt an, genau genommen in den allerwenigsten Fällen ...

Akku schonen ist immer gut.

Auch richtig :-)

Bei Herstellerangaben wie z.B. die 300A sind leider keinerlei Testumstände in den Datenblättern. Das ist wahrscheinlich eine einzelne Zelle auf dem Labortisch bei 20°C und leichter Kühlung.

Anzunehmen. Mit den 200A die Du oben nennst sind wir aber gerade mal bei 2/3 davon. Da ist also 'ne Menge Sicherheit eingebaut.

Wenn ich Lust auf Vollstrom habe, dann geb ich Vollstrom.

Sehe ich genauso ...

Nur wenn weniger als 3 Balken und/oder weniger als 10°C Akkutemperatur, da halte ich mich zurück.

Auch das klingt vernünftig.

Man darf nicht glauben, dass die Elektronik den Akku vor allen erdenklichen Situation oder Fahrweisen schützt/abregelt. Das ist immer auch ein Kompromis wie hoch die Wahrscheinlickeit ist, das irgendjemand doch Fehler macht.

Stimmt. Wobei man im Fahrbetrieb wohl wenig Fehler "an der Elektronik vorbei" machen kann. Der Kompromiss liegt an dieser Stelle wohl eher in der Frage "wie weit beschneide ich den user in seinem Wunsch nach Leistung, wenn (mindestens) eine Zelle für die volle Leistungsabgabe zu kalt / zu warm / zu weit entladen ist". Oder war das mit anderen Worten ausgedrückt genau das, was Du auch sagen wolltest?
Ich bin sicher, wenn man will, dann bekommt man den Akku in kürzester Zeit kaputt.

Gewiss. Auch ich würde mich bei sehr kaltem und / oder weit entladenem Akku scheuen, den Wagen "voll zu treten". Obwohl ich annehme, dass die Steuerelektronik da den Daumen drauf hat. Oder - eben - "haben sollte". Und vielleicht nicht immer optimal den Daumen drauf hat - Kompromiss halt.

Apropos Absicherung durch die Elektronik: was würde wohl passieren, wenn man bei hoher Geschwindigkeit den Schlüsselschalter von "ON" auf "ACC" zurückdreht? Also ganz nach links auf "LOCK" geht ja nur in der Parkstellung des "Schalthebels". Aber schon in Stellung "ACC" sollte ja die Leistungselektronik komplett ausgeschaltet sein. Dem Akku kann dabei eigentlich nichts passieren, da er ja über ein Schütz angeschaltet ist, welches dann abfällt. Aber was ist mit der Leistungselektronik? Die würde dann ja vom (schnell drehenden) Motor eine ziemlich hohe Generatorspannung bekommen, wenn ich das richtig sehe. Würde das die Leistungselektronik grillen oder sitzt zwischen ihr und dem Motor auch noch ein Schütz? In den Schaltplänen habe ich jedenfalls keins gefunden. Bei einem Verbrenner passiert ja nichts weiter, als dass der Motor keine Leistung mehr abgibt und Schleppmoment produziert. Aber bei unseren Autos?
Gruß
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon Mei » Do 10. Nov 2016, 05:36

eve hat geschrieben:
...
Abgesehen davon muss man sich auch bewusst sein, dass beim Beschleunigen aus dem Stand die Leistung ausgehend von Null (etwa) linear ansteigt (P = F*v)...


Ab ca 30km/h bis 140km/h liegen die vollen 55kW an.
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon eve » Do 10. Nov 2016, 05:53

Mei hat geschrieben:
Ab ca 30km/h bis 140km/h liegen die vollen 55kW an.

Unter Vollstrom versteht sich. Hatte ich vergessen dazuzuschreiben.
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon TeeKay » Do 10. Nov 2016, 12:13

Ich würde mir ums Beschleunigen wenig Sorgen machen. Ich bin immer (!) im Ecobereich gefahren, der zweite Drilling in der Firma wurde immer digital gefahren - trotzdem war meine Batterie nach einem Jahr schlimmer dran. Was meiner Batterie am stärksten schadete, war das ständige Schnellladen bei kalter Batterie. Die auf 16kW gedrosselte Ladeleistung reicht nicht aus, um die Batterie wirklich zu schützen. Das ist ok, wenn man mal ne Chademo-Ladung einschiebt. Ich hab aber den ganzen Winter über die kalte Batterie morgens damit traktiert und hatte im nächsten Frühling 10% weniger Kapazität.
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Projekt Stromspeicher im Selbstbau mit BMW i3 & Passat GTE Batterien: http://www.stromspeicher.blog/
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Re: Zu vorsichtig?

Beitragvon eidrien » Fr 11. Nov 2016, 08:27

Vielen Dank für Eure Antworten und Beiträge ;)

Dann weiss ich ja jetzt was ich tun und lassen darf :D

Beste Grüsse, Adrian
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