Wer hat "Gebirgserfahrung" im Schnee mit einem Drilling

Re: Wer hat "Gebirgserfahrung" im Schnee mit einem Drilling

Beitragvon digidoc » So 19. Mär 2017, 11:06

Bin wohl ein bisschen zu spät, aber dafür sind die Erfahrungswerte zum I-MiEV top aktuell.
Ich wohne in Graubünden auf 1400 m und wollte damit täglich 800 Höhenmeter und nur 36 km (=72 km Tagesleistung) bewältigen. Dem findigen Leser ist sicher das "wollte" aufgefallen...
Woran es scheiterte: Die bisher zitierten positiven Wintereigenschaften kann ich beim besten Willen nicht bestätigen, wobei mich das nicht wirklich hinderte. Ausgerüstet mit Schneeketten im Gepäck wagte ich dennoch mehrere Versuche.
Beim ersten Versuch war ich sehr angenehm überrascht, wie krass das ESP auch bei talwärts fahrenden Kurven eingreift und es sehr oft schafft, das gut eine Tonne wiegende Fahrzeug wieder auf Spur zu bringen (ich mach mir dann gerne einen Spass daraus, da ich morgens um 5 eine breite und kaum befahrene Strasse vorfinde). Runter gings also mit Ach und Krach ohne Schneeketten, rauf hatte ich keine Chance, weder mit noch ohne ESP. Da ich allerdings innert 2 Min beide Schneeketten montiert habe, störte mich das wesentlich weniger, als die leere Batterie 2 km vor zu hause! Klar braucht Schneeketten fahren mehr Energie, das ESP übrigens auch (weil ja durch Bremseingriff diese im Zentelssekundentakt vernichtet wird), aber keine 70 km Reichweite im Winter? Trotz Handschuhfahren ohne Heizung, trotz beschlagener Scheiben in Tunnels ohne Lüftung? War mega enttäuscht!
Weitere Versuche - und Vergleiche! - lassen für mich nur den Schluss zu: NICHT wirklich wintertauglich.
Jetzt wo es etwas wärmer wird, klappt das mit der Reichweite schon wesentlich besser, obwohl auf den letzten Kilometer der letzte Balken blinkend vor leerer Batterie warnt, habe ich keine bangen Momente mehr. Und Spass machts halt trotzdem!
Wer ein wirklich gutes Winterelektroauto will, muss zur Zeit wohl auf den BMW i3 ausweichen. Den hab ich ebenfalls ausgiebig testen dürfen, nur war er mir eindeutig zu teuer...
Oder er baut sich wie ich ein 4x4 um: http://www.elektro-haflinger.ch
DAS macht vielleicht erst RICHTIG Spass!!! :-)
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Re: Wer hat "Gebirgserfahrung" im Schnee mit einem Drilling

Beitragvon drilling » So 19. Mär 2017, 19:43

Na ja 72 km mit 800 Meter Höhenunterschied im Winter mit Schneeketten sind schon ein ziemliches Extremszenario für einen Drilling. Da würde ich auch eher meinen Impreza verwenden. Den kann man auch umbauen: http://www.electricsubaru.com/

Übrigens, da du hier ja ziemlich ungeniert hier für deine Firma wirbst, was würde so ein Impreza Umbau bei euch kosten?
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Re: Wer hat "Gebirgserfahrung" im Schnee mit einem Drilling

Beitragvon iOnier » So 19. Mär 2017, 21:48

Das Thema mit der Hubarbeit wurde ja hier im Thread bereits diskutiert und näher erläutert.

Für die jetzt in Rede stehenden 800 m komme ich auf eine Hubarbeit von ca. 2,6 kWh. Das ist etwa 1/5 der Energiemenge, die man aus dem Akku 'rausholen kann (ich habe da mal über den Daumen 13 kWh angesetzt für winterliche Verhältnisse). Um 13 kWh wird das Auto schon in der Ebene eh brauchen, resultiert also eine Reichweite von etwa 100 km (ja, ich weiß es geeeeht auch sparsamer). Abzüglich der nötigen Energie allein für die Hubarbeit bleiben dann rechnerisch ca. 80 km. Und das ist eher noch schöngerechnet. Außerdem braucht es nur etwas kälter zu werden und die Sache knickt völlig ein.

Noch schlimmer wird es, wenn die 800 m Höhendifferenz nur eine Bilanz über die Gesamtstrecke sind, also durch "welliges" Streckenprofil viel mehr als nur 800 m bergauf gefahren werden muss. Denn bergab kann man zwar rekuperieren, aufgrund der dabei notwendigerweise entstehenden Verluste gewinnt man aber nur einen Teil der bergauf investierten Energie zurück.

Also: wenn's tatsächlich volle 70 km nur bergauf ginge (und auch noch möglichst gleichmäßig, unterschiedliche Wirkungsgrade für verschiedene Steigungen und Geschwindigkeiten habe ich ja noch gar nicht einbezogen!), dann wäre vielleicht sogar noch eine gewisse Reserve drin. Unter realen Bedingungen eher nicht. Wenn's wie hier beschrieben offenbar allerdings erst hinunter, dann hinauf geht stelle ich mir das schon besser vor: denn bergab braucht er ja an sich keine elektrische Energie (im Gegenteil wäre es sinnvoll, nicht "voll" loszufahren, damit rekuperativ gebremst werden kann). Man käme also idealerweise "voll" im Tal an und hätte auf dem Rückweg "nur" 36 km und die Hubarbeit zu bewältigen.

Wenn allerdings viel Energie durch die Schneeketten und ständige Eingriffe des ESP "vernichtet" wird, ja dann ...
Gruß
Werner
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Gebirgserfahrung im Schnee mit einem Drilling

Beitragvon digidoc » So 19. Mär 2017, 22:36

Aufgrund der beiden Beiträge präzisiere ich die Strecke mit den 800 Höhenmeter: Erst geht es auf 7 km 500 Höhenmeter abwärts. Um trotz voller Batterie abwärts rekuperativ bremsen zu können, schalte ich dazu die Heizung auf volle Leistung.
(ab hier wird übrigens nicht nur Schnee geräumt, sondern auch gesalzen). Danach geht es etwa 50 Höhenmeter rauf um danach mit einer weiteren kurzen Gegensteigung insgesamt 250 Höhenmeter auf 12 km abzubauen. Trotzdem reicht das aus, bis hier einer der 16 Energieanzeigebalken zu verlieren. Die folgenden 17 km mit nur noch 100 Höhenmeter sind Autostrasse (erlaubt 100, gefahren max. 90), was trotzdem 3 weitere Balken kostet. Der Rückweg erfolgt einfach in umgekehrter Reihenfolge.
Bei den letzten 7 km Rückfahrt, also die Strecke mit den steilsten Passagen (und auch nur hier waren Schneeketten erforderlich), ist mir aufgefallen, dass Tempo 40 nicht weniger Strom verbraucht als knapp 60, was mich extrem verblüfft hat. Es bestätigt aber meine Vermutung, dass im Gelände oder eben auch bei steilen Bergfahrten eine Getriebeuntersetzung hilfreich sein kann.

Die bisherigen Messungen am extra dafür montierten Stromzähler (also das was ich investiere, nicht das, was der Computer berechnet), ergeben einen Verbrauch zwischen 17 und 19 kW / 100 km, bei der krassen Winterfahrt und komplett leeren Batterie waren es 22.4 kW / 100 km.
Wie erwähnt sammle ich mit dem I-MiEV erst seit Angang Januar mit bisher gut 600 km und 10 Ladezyklen meine Erfahrungen.
Beim Haflinger liegt der Gesamtschnitt übrigens bei 24.4 kW / 100 km, errechnet aus 2430 km bei bisher 57 Ladezyklen.
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Und er ist DOCH Wintertauglich!

Beitragvon digidoc » So 4. Jun 2017, 10:53

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Re: Und er ist DOCH Wintertauglich!

Beitragvon Tribelhorn » Mo 5. Jun 2017, 11:22

Eignet sich sogar als Schneepflug! :D
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Re: Wer hat "Gebirgserfahrung" im Schnee mit einem Drilling

Beitragvon Ion-Fahrer seit 2016 » Do 8. Feb 2018, 12:57

War heute wieder mit dem Ion auf geschlossener Schneedecke unterwegs und kann sagen das Fahrzeug macht seine Sache wirklich gut. Ich möchte fast sagen die kleine Kiste hat richtig Spaß am Schnee ( und der Fahrer natürlich auch). :D
Das ESP meldet sich tatsächlich sehr frühzeitig, das find ich gut weil man so auch frühzeitig gewarnt ist und sein Fahrtempo entsprechend korrigieren kann.
Auch eine kurze Steigung wurde gut bewältigt auch wenn auch hier ESP kurz aktiv wurde (Abschalten des ESP war aber nicht nötig). Ein Mercedes der vor mir hin und her geschlittert ist hatte deutlich größere Probleme.
Auf einen Berganfahrtest hab ich verzichtet, mach ich mal wenn weniger Verkehr ist. :)
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