Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

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Beitragvon eidrien » Di 1. Nov 2016, 00:37

Hallo zusammen

Nach Monaten des stillen Mitlesens (zwecks Entscheidungsfindung und Vorbereitung auf das Unausweichliche) habe ich mich heute spontan entschlossen mich hier bei Euch für die vielen Tipps und Inputs zu bedanken, die mir den Start in die Elektromobilität extrem erleichtert haben.

Aber mal der Reihe nach...

Mein Arbeitsweg besteht seit geraumer Zeit aus rund 38km Autobahn, 2km Stadt und rund 5km Landstrassen (pro Weg). Unser Familienpanzer machte diese Strecke locker mit, aber irgendwie war es mir zu dumm, für das tägliche Stauparken und das Schleichen auf der Autobahn immer wieder 8 Liter fossilen Müll zu verbrennen. Daher reifte tief in mir drin der Wunsch nach einem Elektroauto. Die Monate zogen ins Land und irgendwann fasste ich mir ein Herz und ging mit einem C-Zero auf eine Probefahrt. Ich war sehr angetan vom fast lautlosen Dahingleiten, der entschleunigten Fahrweise und dem Fahrzeug als solches. Aber irgend etwas störte mich am Fahrzeug - waren es nur die acht fehlenden Zellen, war es die Marke oder war es ganz einfach der Autohändler? Ich wusste es nicht und mein Bauchgefühl gefiel mir nicht. Also machte ich mich auf die Suche im grossen, weiten WWW. Einige Zeit verstrich und plötzlich sah ich ihn: ein i-MiEV bei einem Händler ganz in der Nähe.

Aufgeregt am Montagmorgen gleich um 08:00 Uhr zum Händler gefahren und den armen Verkäufer gleich überrumpelt mit meiner Anwesenheit. Er war ganz überrascht dass jemand wegen dem Fahrzeug gekommen ist. Wir gingen dann auf den Hof hinaus und was dort stand war wirklich erbärmlich: das gute Fahrzeug musste ein paar Monate einfach draussen gestanden haben. Überall Laufspuren vom Regen und dem Umweltdreck auf der weissen Karosserie, vorne einen kleinen Parkschaden von einer Kundin die mit dem Reifen des SUV am Kleinen entlang geschrammt war und eine leere 12V-Batterie. Nicht mal eine Probefahrt war möglich wegen der leeren 12V-Batterie. Aber der Innenraum war perfekt - und auch die Eckdaten: 2015er i-MiEV, eingelöst für knappe sechs Monate, nur 4'300km auf der Uhr und komplett mit Winterreifen ausgerüstet. Ich war echt hin und her gerissen...doch knappe 10 Minuten später fertigte der Händler den Kaufvertrag aus. Das Fahrzeug wurde komplett aufgearbeitet und der Parkschaden ebenfalls perfekt repariert. Die Batterie in der Werkstatt getestet. Winterreifen drauf montiert usw. Was ich dann freudig abholen konnte, war für mich fast ein Neuwagen.

Dank dem Forum hatte ich da schon einen OBDLink MX (also der mit Wifi) besorgt. Und natürlich bereits ein Android-Handy aus dem Überbestand mit caniOn ausgerüstet. Ein Ladekabel Typ2 auf Typ1 mit 32A auch schon besorgt. Beim Arbeitgeber die vorhandene Wallbox (Typ2 / 22kW) bereits klargemacht. Bei ChargeMap Mitglied geworden. Übergangsstecker CEE16 (blau) auf T23 (Schweizer Stecker) besorgt. Und noch eine nette Kunststoffkiste für alle Ladekabel, Bordapotheke und Utensilien. Der Händler war irgendwie perplex...und als das caniOn surrte und Daten über das Android-Handy ratterten war es geschehen um ihn und er schien glücklich als ich von dannen sirrte.

Die Daten aus caniOn zeigen gute Werte für die Batterie (geringe Abweichungen bei tiefem SOC), einzig dass die Elemente 14 und 64 immer wieder diejenigen sind die höhere Temperaturen als die übrigen Elemente aufweisen.

Seither sind mehr als vier Wochen vergangen und bislang hat der Kleine rund 2'000km in den Asphalt gebrannt. Die grösste Reichweite die mir angezeigt wurde, waren 141km bisher. Die Temperaturen waren aber auch herbstlich und nicht mehr allzu warm.

Auf der AB fahre ich zwischen 85 und 95km/h - machmal auch mehr. Ich versuche mich ab und zu hinter LKW's zu klemmen (speziell die aus Italien - die fahren ordentlich über 90km/h). Auch versuche ich immer in der "Eco"-Zone zu bleiben und auch beim Beschleunigen nicht über 75A Entladestrom zu gehen. Manchmal fahre ich beide Arbeitswege über die AB, manchmal kürze ich ab und fahre durch die Dörfer (dann sind es nur 34km). Überhaupt ist das Fahren völlig entschleunigt und entspannend gegenüber früher. Heute ist mehr der Weg das Ziel und nicht die sinnlose Heizerei und Hetzerei. In der Stadt rollt es sich locker-flockig durch die Strassen und auch weitere Strecken sind dank guter Vorbereitung kein Problem.

Das Klima im Fahrzeug ist natürlich geprägt vom Verzicht auf die Heizung - dafür darf die Klimaanlage ab und an mithelfen die Scheiben zu "entschlagen" (die paar geopferten Reichweitenkilometer sind es mir noch wert wenn ich dafür rausgucken kann) und auch die Sitzheizung kam schon zum Zug. Aber grundlegend würde ich es bisher nicht als "Verzichtsfahrzeug" bezeichnen, eher als funktionales Fahrzeug mit definiertem Einsatz (und darüber hinaus).

Laden darf der Kleine an der heimischen Steckdose über den "Ziegel", an einem CHaDeMo-Lader (ABB Terra-Säule) im Nachbardorf, an einer Ladesäule mit Typ2 und 22kW im Wohnort (gleich 100m Luftlinie von meinem Haus) oder an der Wallbox meines Arbeitgebers. In naher Zukunft wird dann noch eine Wallbox zuhause folgen, dann kann ich mit 3,7kW das gute Ding vollmachen. Auch meine Ladeerfahrungen sind bislang sehr unspektakulär - der i-MiEV ist echt gutmütig in dieser Hinsicht.

Rückblickend sicher eine fragwürdige Entscheidung so ins Blaue hinaus einen Kauf zu tätigen, aber manchmal muss man was riskieren wenn man einen Schritt vorwärts machen will. Und auch die Resonanz, sei es in der Familie oder bei den Arbeitskollegen/Freunden/Nachbarn waren durchwegs positiv. Klar, man wird als ein bisschen verrückt abgestempelt oder als Exot belächelt zeitweise, aber wenn man dann mal zeigt was der Unterschied im Verbrauch und bei der Effizienz angeht, da fangen die "Rädchen im Oberstübchen" des Gegenübers jeweils zu surren und man beginnt zu verstehen dass es vielleicht gar nicht so dumm ist was der da mit dem kleinen weissen Fahrzeug so macht.

Nochmals danke für Euren vielen nützlichen Informationen die mir den Start/Umstieg/Beginn eines neuen Zeitalters sehr erleichtert habt!

Viele Grüsse, Adrian

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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Svenion » Di 1. Nov 2016, 09:39

Danke für den schönen Bericht und Glückwunsch zum gelungenen Einstieg in die Elektromobilität!
Der 80-Zellen-Drilling ist insofern eine Frechheit, daß vom Hersteller behauptet wird er würde auch 150km Reichweite haben. Das ist in meinen Augen Betrug!
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Greenhorn » Di 1. Nov 2016, 09:49

Hallo Adrian,
herzlich willkommen bei den verrückten EV Fahrern.
Den Bericht hast Du sehr schön geschrieben.
Es ging vielen von uns genau wie Dir.
Weiterhin viel Spaß mit dem kleinen. Und schau nach Treffen / Stammtisch in deiner Gegend. Das macht so viel Spaß.

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Gruß Bernd
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In Planung: Ford Streetka-E-Roadster.
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon yoyo » Di 1. Nov 2016, 10:51

Svenion hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht und Glückwunsch zum gelungenen Einstieg in die Elektromobilität!
Der 80-Zellen-Drilling ist insofern eine Frechheit, daß vom Hersteller behauptet wird er würde auch 150km Reichweite haben. Das ist in meinen Augen Betrug!


Das stimmt nicht so ganz:
Auf der Homepage von Citroen wird bein C-Zero von einer "ungefähren Reichweite von 100 - 120 km" geschrieben. Und das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen...
Es ist bereits alles gesagt worden - nur noch nicht von jedem. ;)

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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Svenion » Di 1. Nov 2016, 13:39

yoyo hat geschrieben:
Svenion hat geschrieben:
Das ist in meinen Augen Betrug!
Das stimmt nicht so ganz

Wie Du meinst...
Google einfach nach "Peugeot Ion 150 km"...
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon yoyo » Di 1. Nov 2016, 14:56

Guck mal hier:
http://www.citroen.de/modelle/citroen/c ... -zero.html

Und dabei bis zum Punkt "Freiheit an den Fingerspitzen" herunterscrollen und lesen:
Die Batterie liefert die gesamte notwendige Energie für Motor, Klimaanlage und Heizung. 130 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu ca. 100-120 km* Reichweite sind für die täglichen Routinefahrten mehr als ausreichend.
Es ist bereits alles gesagt worden - nur noch nicht von jedem. ;)

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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Cavaron » Di 1. Nov 2016, 15:27

Super Sache eidrien! Schick der Kleine!
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Svenion » Di 1. Nov 2016, 18:34


Schön für Dich! Guck mal Google: "Peugeot Ion 150 km"....
Citroen macht INZWISCHEN keine Werbung mehr für 150km. Früher (nach Umstellung auf 80 Zellen) haben das aber Peugeot und Citroen gemacht. Ok, bei Citroen bin ich mir nicht 100% sicher.
Aber Peugeot macht es heute noch:
Zitat: Die geprüfte Reichweite des Fahrzeugs beträgt 150 km nach dem europäischen Standardzyklus (NEFZ).
Und wenn Du jetzt noch weiter leugnest, dann arbeitest Du wohl für Citroen ;)
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon Maxx » Di 1. Nov 2016, 22:53

Die 150 km schafft man auch, wenn man das Teil auf den Prüfstand stellt und bis zur Abschaltung fährt.
In der Praxis schaffe ich etwas über 130 km bei optimalen Bedingungen mit Allwetterreifen und das trotz ein paar km Autobahn, am 17. September ausprobiert und noch keine Schildkröte.
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Re: Einen Monat elektrisiert...der i-MiEV im Einsatz...

Beitragvon iOnier » Di 1. Nov 2016, 23:49

Svenion hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht und Glückwunsch zum gelungenen Einstieg in die Elektromobilität!
Der 80-Zellen-Drilling ist insofern eine Frechheit, daß vom Hersteller behauptet wird er würde auch 150km Reichweite haben. Das ist in meinen Augen Betrug!

Die 150 km werden als NEFZ-Reichweite angegeben. Wer die NEFZ-Reichweite bzw. den NEFZ-Verbrauch als Werbeaussage für im Alltag erzielte/n Reichweite / Verbrauch auffasst, wird bei so ziemlich jedem KFZ-Hersteller Betrug wittern müssen ...
Gruß
Werner
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