Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon JuergenII » Mo 12. Mai 2014, 10:00

Wenn man sich die letzten Vergleichstests in den Autozeitschriften mal genauer ansieht, kann man leicht zu dem Schluss kommen, dass sie nicht mal das Papier wert sind auf dem sie gedruckt werden. Als Vergleich soll hier die Autozeitung vom 7.5 und die Autobild vom 9.5. dienen. Die Testergebnisse können kaum unterschiedlicher sein. Und es wurden immer die gleichen drei Fahrzeuge getestet: Golf, Leaf und i3.

Die Autozeitung stellt beim Golf die dortige Ruhe heraus und belegt das auch mit eindrucksvollen Werten:
Innen bei Tempo 50 km/h sollen das beim Golf 55 dB(A) sein, beim Leaf 57 dB(A) und beim i3 60 dB(A). Würde das stimmen, dann wäre der i3 um 50% lauter als der Golf, immerhin verdoppelt sich der Geräuschpegel ja jeweils bei 10 dB(A). Die Frage ist nur, wenn er bei 50 km/h um soviel leiser ist, warum gleichen sich die Werte bei Tempo 100 fast wieder an? Da kommt der Golf auf 64 dB(A), der Leaf auf 65 dB(A) und der i3 auf 66 dB(A)?

Nimmt man jetzt aber die Werte der Autobild, ergibt sich ein etwas anderes Bild:
Hier liegt der Golf bei 50 km/h bei 57 dB(A), der Leaf bei 60 dB(A) und der i3 bei 56 dB(A)! 4 dB(A) Unterschied sind geräuschmäßig schon eine gewisse Hausnummer. Und bei der Autobild ist der i3 auf einmal der leiseste. Was stimmt denn jetzt? Da ich den Leaf aber kenne, weiß ich, das der i3 sich im Ortsbereich subjektiv etwas leiser fährt, was die Autobild ja bestätigt.

Und noch ein Detail zum schmunzeln: Die Autozeitung hat die Geräusche bei Tempo 50 im 3. Gang gemessen!!

Kommen wir zu den Verbräuchen. Auch da findet man interessante Werte. Gut wir wissen hier alle, dass das Gewicht im Fahrzeug eine gewisse Auswirkung auf den Verbrauch hat. Aber solche Abweichungen?

Die Autobild kommt beim i3 auf einen Testverbrauch von 12,8 kWh. Damit unterbietet sie den Werksverbrauch um 0.1 kWh. Der Golf verbraucht 14,5 kWh - immerhin 1,8 kWh mehr als die Werksangabe und der Leaf kommt auf 16,6 kWh ein plus von 1,6 kWh. Nimmt man jetzt aber die Autozeitung, kommt der i3 auf 14 kWh immerhin eine Abweichung von 1,2 kWh, der Golf auf 15 kWh und der Leaf auf 15,1 kWh. Da wir hier ja alle wissen, das die Redakteure jetzt nicht gerade sparsam mit den Wagen fahren überraschen Abweichungen wie beim i3 doch etwas.

Auch die Testwagenpreise geben Rätsel auf. Bei beiden wird die Wärmepumpe beim i3 als Extra eingerechnet, die Autobild addiert gleich noch die 19 Zoll Mischbereifung dazu, obwohl das abgebildete Fahrzeug nur die Serienbereifung vorweist. Beim Nissan wird grundsätzlich nur die teuerste Version genommen. Damit wird bei beiden Zeitungen suggeriere, das der Golf angeblich das billigste Auto sei. In Wirklichkeit unterscheiden sich die Einstiegspreise zwischen VW und BMW gerade mal um 50 Euro. Nimmt man einen Leaf ACENTA würde der sogar "nur" 33.000 Euro kosten. Immerhin fast 2.000 Euro billiger als der Golf.

Hochinteressant bei der Autobild: Da taucht beim Golf die Wärmepumpe als serienmäßig auf. Das verwundert doch etwas, bietet VW selbige noch gar nicht an.

Auch der Kofferraum ist so ein Thema: Da stimmen die Wert auch nicht. Das Ladevolumen des Nissan wird gleich mal um knapp 20 Liter erhöht, trotzdem hat er bei nutzbaren Rücksitzen den größten Kofferraum. Ähnliches bei BMW. Die knapp 50 Liter Frunk werden bei allen Tests unterschlagen. In Summe hat der i3 bei Nutzung der Rücksitze gerade mal 30 Liter weniger als der Golf und 40 Liter weniger als der Leaf, und dass, obwohl der i3 45 cm kürzer ist wie der Leaf und immerhin noch 28 cm kürzer als der Golf.

Um den Golf jetzt auf die vorderen Plätze zu hieven benötigt es schon einer gewissen Rechenkunst. Und die ist lesenswert. Hier mal am Beispiel der AZ:

Thema Sicherheitsaustattung: Da bekommt der Leaf 53 Punkte, der Golf aber 70 und der BMW 71 Punkte. Das muss mir mal einer erklären, denn in der Serie haben alle die gleiche Ausstattung, der Leaf sogar serienmäßig Nebelscheinwerfer. Bei der Autobild haben da Golf und BMW die gleiche Punktzahl, der Leaf einen Punkt weniger.

Thema Raumangebot vorn: Mit 72 Punkten in Front der Golf, danach kommt mit 69 Punkten der Leaf und dann mit 64 Punkten der i3. Wer jemals in diesen drei Fahrzeugen gesessen hat, wird die Großzügigkeit und Luftigkeit des i3 zu schätzen wissen. Dazu deutlich mehr Kopffreiheit. Dagegen wirken der Leaf und vor allem der Golf schon fast wie ein Bunker.

Hinten kann man über die Punktevergabe diskutieren, da der i3 nur für 2 Personen Platz bietet. Die Frage ist nur, ob es bei 7,5 cm mehr Breite wirklich komfortabel im Fond zugeht, oder ob man nicht auch bei den anderen Kandidaten besser nur mit 4 Personen fährt, zumal der Abstand zwischen Sitz und Rücklehne bei Golf und BMW ziemlich gleich ist. Bleibt noch das Türsystem zu kritisieren. Ob das aber alles einen Punkteabschlag von 15 Zählern gerechtfertigt lasse ich mal so stehen.

Noch gravierender wird es beim Sitzkomfort! Vorne erhält der Golf 140 Punkte, der Leaf nur mehr 128 und der i3 lächerliche 114. Wenn man sich jetzt die Gesamtpunktzahl von max. 150 ansieht, muss der Golf ja Luxussitze eingebaut haben, die fast schon an S-Klasse und Co. heranreichen. Auch hinten erschließt sich der Sitzkomfort nicht wirklich. Der Golf erhält hier 72, der Leaf 60 und der i3 nur 50 Punkte, obwohl er in der Abstandsmessung mehr Raum bietet als der Golf.

Ähnlich sieht es da übrigens bei Autobild aus.

Mein Fazit: Schenkt Euch die Tests in den Zeitschriften und geht lieber in die einschlägigen Foren. Die Infos, die man dort bekommt haben wenigstens einigermaßen Hand und Fuß, und man kann bei Ungereimtheiten auch mal nach haken.

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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon MarkusD » Mo 12. Mai 2014, 10:14

Solchen Tests begegne ich auch immer mit sehr viel Vorsicht.

Beispielsweise wird für den Ampera in vielen Tests noch immer eine maximale Zuladung von 268kg angegeben, obwohl das für die späten 2012er und folgenden Modelle geändert wurde. Nimmt man sich die ganzen Absätze in den Tests her, kann man sehen, wer hier von wem abschreibt - offenbar ungeprüft.

In einem Test auch mal:
Der Rex vom i3 mit 9l Verbrauch ist sparsam, aber drei Sätze später ist der Rex vom Ampera mit 7.5 Litern ein Schluckspecht.
Hm ... ???

Ansonsten sind es auch immer etliche Ungereimtheiten, bei denen ich mich frage: Hat das der Schreiber jetzt wirklich selbst ausprobiert (und wenn ja, wie hat er das so hinbekommen?) oder hat er nur auf Grund irgenwelcher Beschreibungen auf das Verhalten geschlossen?

Gruß
Markus
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon kai » Mo 12. Mai 2014, 10:40

@Jürgen :thumb:

Allgemein: Zum Thema Laden, Ladeverluste und "Wo kann ich laden" wird fast gar nichts gesagt.

AutoBild gibt zum Beispiel Ladezeiten mit Wallbox für zuhause an und zeigt Bilder mit Mennekes Stecker, rechnet den Aufpreis für die TYP2 Kabel und notwendige Wallbox aber nicht mit in den Fahrzeugpreis ein und verheimlicht die langen Zeiten der serienmäßigen Steckdosenladung.
Das ist schon irreführung von Verbrauchern, laden doch alle an der Steckdose deutlich länger.
Auch die Beschriftung 230V/16A suggeriert dem Laien, "ach das ist doch meine Steckdose".
Da steht nicht TYP2 Wallbox 3,7kw.

Auch hier absolute Inkompetenz, ein potentieller Kunde wird hier u.U. ins "Ladeverderben" geschickt, denn serienmäßig und bepreist ist bei allen nur die Steckdosenladung.

Ich behaupte mal hier findet unabhängig von VW und BMW Verschwörungstheorien zum Thema Platz1 eine gezielte Verdummung beim Thema Elektromobilität durch Medien statt. Es gibt ja z.B. auch keine Hintergrundartikel zur Ladesituation zuhause / Deutschland / Europa. Oder hat schon mal jemand einen Wallbox Test gelesen ?

Ich bin enttäuscht und habe seit dem Wulff Thema eh alles von Axel Springer abbestellt.

Das Forum goingelectric ist eigentlich EINE der WENIGEN, wenn nicht die BESTE Möglichkeit sich politisch und herstellerneutral zu informieren.

Gruß

Kai
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon goldhamster » Mo 12. Mai 2014, 11:09

Danke an JuergenII. Hast Du diese Unterschiede und Fragwürdigkeiten eigentlich an die Redaktionen als Leserbrief mit der Bitte um Stellungnahme weitergeleitet?
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon JuergenII » Mo 12. Mai 2014, 11:26

@goldhamster: Das wäre Perlen vor die Säue werfen. :mrgreen:

Mal sehen, wenn der AB Artikel auf der Online-Seite kommt, ob ich da was dazu schreibe. Aber meist fehlen ja da die detaillierten Angaben aus dem Heft.

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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon kai » Mo 12. Mai 2014, 14:38

@Juergen,

mit den Leuten kannst Du nicht diskutieren. Sinnlos. Gut das es goingelectric.de gibt.

Gruß

Kai
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon E_souli » Mo 12. Mai 2014, 14:44

kai hat geschrieben:
@Juergen,

mit den Leuten kannst Du nicht diskutieren. Sinnlos. Gut das es goingelectric.de gibt.

Gruß

Kai



stimmt, sehe ich ähnlich

Das Ergebnis steht VORHER fest weil man eben nicht korrekt ist sondern das schreibt was die KÄUFER lesen WOLLEN - so meine Einschätzung, denn diese Art der Tests sind sowas von fehlerhaft, von Vergleichsprodukten bis zur Ausstattung

Ich überlese sowas, weil man sich nur über viel DUMMHEIT deren aufregen müsste
Manche finden Schukosteckdosen auf Langstrecke cool,
weil sie sich schämen würden, einen Abschlepper zu holen, wenn nix mehr geht.
Saugeil, sinnvoll und genau so funktioniert E Mobilität in den Köpfen einzelner.
Knaller :-)
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon Greenhorn » Mo 12. Mai 2014, 15:42

Ähnlich bescheuert gestern bei Vox Auto Mobil.

Mit dem Twizzy von Düsseldorf nach Stuttgart zur E-Mobility. Ergebnis; ohne Strom liegen geblieben.
Wie kann man für eine 400 Km Strecke einen Twizzy nehmen.

Nach Intelligenz darf man bei den Auto Journalisten wirklich nicht fragen.
Gruß Bernd
Seit 26.02.15 Leaf Tekna: schon über 65.000 km Erfahrung :-)
„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende" (Oscar Wilde)
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon fabbec » Mo 12. Mai 2014, 15:51

Naja hätte er ihn voll geladen währe er bestimmt angekommen!
Aber das neue Vox Team ist ja schon besser als die Karola! Die war echt nicht auszuhalten!

Auto Test sind nie ganz objektiv. Aber grad so nee härte Tests sind nett an zu sehen.
mit eAuto rund um die Welt https://www.nomiev.com/80edays/blog/ oder fb /NoMiEVmobility/
Tesla 1000EUR Rabat Referral link: http://ts.la/detlef8569
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Re: Was sind Autotest in den Zeitschriften wirklich wert?

Beitragvon redvienna » Mo 12. Mai 2014, 16:56

Schon bei herkömmlichen Autos sind die Tests oft ungenau.

Bei E-Autos haben die meisten Tester überhaupt keine Ahnung was und wie sie testen sollen.

Die 3 E-Autos sind ja kaum vergleichbar.

Meiner Meinung nach kann man nur den VW E-Golf mit dem Ford Focus Electric vergleichen.
Wobei auch hier die Zugang des Herstellers ein anderer war.
Tesla S70D 3/16 + 50.000km + Tesla M3 reserviert
https://www.goingelectric.de/garage/red ... eslaS/706/
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https://www.facebook.com/ELECTRIC-CARS- ... 768868062/
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