Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon phonehoppy » Mo 19. Mär 2018, 09:30

Hallo,

Mir ist aufgefallen, dass es in Deutschland eigentlich keine Firmen ansässig gibt, die sich auf das Betreiben von Ladestationen spezialisiert haben.

Die Ladesäulen, die ich in Deutschland kenne, werden entweder von Energieversorungsunternehmen betrieben, oder von Ladesäulenbetreibern aus dem Ausland, z.B. Allego.

In den Niederlanden haben wir ja solche Firmen wie eben Allego oder Fastned. In Österreich Smatrics.

Wie kommt es wohl, dass solche Firmen gerade in Deutschland nicht existieren?

Ich habe den Eindruck, dass viele der aktuellen Probleme der Ladeinfrastruktur, wie z.B. mangelnde Zuverlässigkeit oder halbherziger Service, durch solche spezialisierten Anbieter besser angegangen werden können. Bei den Energieversorgern läuft das Ladesäulengeschäft ja meist nur so nebenher, und man hat kein Interesse daran, das wirklich zu verfolgen.
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Re: Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon geko » Mo 19. Mär 2018, 09:37

Es ist in Deutschland schwieriger Risikokapital zu erhalten. Außerdem gibt es entlang von Autobahnen eine enorme Einschränkung: Die Raststätten gehören alle Tank & Rast und dort kann man als neues Start-Up nicht einfach seinen Ladepark aufstellen.
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Re: Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon mlie » Mo 19. Mär 2018, 09:43

Wenn du Aktionäre findest, die dir die nächsten 7 Jahre bei ausschliesslichen Verlusten nicht an die Decke steigen...
Ein EVU kann ja wenigstens noch mit den "normalen" Kunden quersubventionieren.

Und mal eben so ne Ladesäule aufstellen ist ja auch nicht, du musst ja mindestens den Standort finden (und bezahlen), die Kabel verlegen (und bezahlen) und dich dann noch mit irgendeinem Bürgermeister rumschlagen, der lieber eine gothische Fachwerkladesäule hätte statt des lackierten Edelstahlgehäuses...

An den Autobahnen macht sich die staatliche Konkurrenz von Tank+Rast breit, bleiben nur noch die Bundesstraßen durch den Wald und Wohngebiete. Bei ersteren ist der Stromanschluss nicht gerade günstig, bei zweiteren hast du Anwohner, die das ganze Wochenenende über deine Ladesäule blockieren und die Nutzung verhindern oder bitterböse Leserbriefe in der Zeitung, wenn du nach Minuten abrechnest.

Ich glaube, das tut sich keiner freiwillig an.
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Re: Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon geko » Mo 19. Mär 2018, 09:46

Tank & Rast ist nicht staatlich, sondern gehört einem internationalen Konsortium unter der Führung der Allianz.
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Re: Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon mlie » Mo 19. Mär 2018, 10:35

Gut, da hast du Recht, das hatte ich verkehrt in Erinnerung. Normalerweise hat man doch mindestens eine Public-Private-Mauschelship für sowas. ;-)

Ändert nur nichts an der Sache, dass du als Firmenneugründung mit ausschliesslich deutscher Ausrichtung nicht (mehr) weit kommst.
Die Autobahnen, wo ja zweifelsohne der größte Ladestrombedarf und Kundenandrang ist, sind ja nun schon im großen und Ganzen weg und zwei Ladesäulen nebeneinander, die sich über den Preis definieren, würden die nächsten Jahre bestenfalls die Insolvenzgerichte beschäftigen...

Das wird wohl in 10 Jahren anders aussehen, aber momentan investiert man eher quersubventioniert, um den Fuß in der Tür zu haben. RWE hat ja das ganze Land mit den 2x22kW Ladesäulen gepflastert, und an manchen Standorten dürfte die Ladeplatzbeleuchtung in den letzten 5 Jahren mehr Energie benötigt haben als der verkaufte Fahrstrom.
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Re: Warum keine “reinen” Ladestromanbieter in Deutschland ?

Beitragvon phonehoppy » Di 20. Mär 2018, 10:25

mlie hat geschrieben:
Das wird wohl in 10 Jahren anders aussehen, aber momentan investiert man eher quersubventioniert, um den Fuß in der Tür zu haben. RWE hat ja das ganze Land mit den 2x22kW Ladesäulen gepflastert, und an manchen Standorten dürfte die Ladeplatzbeleuchtung in den letzten 5 Jahren mehr Energie benötigt haben als der verkaufte Fahrstrom.


Meiner Meinung nach ist es aber gerade der Gedanke der Quersubventionierung, der dazu führt, dass die von den Stromriesen betriebene Ladeinfrastruktur "nichts kosten" darf. Hätte man ein spezialisierte Unternehmen, dessen Kerngeschäft der Betrieb der Ladeinfrastruktur ist, wäre man zwar auf lange Sicht auf Risikokapital angewiesen, hätte aber gerade dadurch auch eine Motivation, das Kerngeschäft kundenfreundlich und damit profitabel zu betreiben.

Wenn das sowieso nur "nebenher" läuft ist es ja egal, ob es erfolgreich ist oder nicht....
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