Abzocke an den Ladesäulen?

Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon TeeKay » Di 22. Aug 2017, 12:41

umrath hat geschrieben:
Ich höre diese Behauptung immer wieder, ohne dass hier jemand einen handfesten Beleg liefern kann.

Dann lies öfter mit. Ich habe in den letzten Jahren schon zigfach ellenlange Rechnungen aufgemacht, die zeigen, dass DC-Lader bei heutigen Batteriegrößen und Fahrzeugzahlen ein dickes Minusgeschäft sind. Und wenn dir Tho als Betreiber von AC-Ladepunkten selbiges für AC-Ladepunkte bestätigt, dann kannst du das entweder glauben oder deine Berechnungen hier zeigen, die profitable Betriebsmöglichkeiten aufzeigen.

Und wenn der gute Jürgen als erster (in Zahlen 1.) Kunde in Europa seinen China-Lader besonders günstig bekam, dann deshalb, weil der Importeur einen Musterkunden brauchte. Schauen wir mal, wie glücklich der Super-Jürgen in 2 Jahren ist. Da gabs schon ganz andere, die mit ihren billig eingekauften Schrott-Ladern so gar nicht glücklich wurden. Frag mal Allego oder CEZ, warum die viel Geld in die Hand nahmen, um ihre billig gekauften DBT-Schnelllader gegen Efacec und ABB zu tauschen. In Belarus wähnte man sich auch schlau, einen eigenimportierten China-Chademo zum Schnäppchenpreis aufzustellen. Der lud wundersamerweise dann nur Leafs (den hatte der chinesische Bastelladen zuhause zum Testen) und war nach einem Jahr dauerhaft defekt.

Vermutlich bist du der erste, der groß rummault und mit 0,0 Sternen bewertet, wenn ein aufgestellter Schnelllader kaputt ist und ewig nicht repariert wird (werden kann, weil die Ersatzteile aus China kommen).
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon umrath » Di 22. Aug 2017, 12:50

So, hier noch meine Überschlagsrechnung, damit endlich Ruhe herrscht:

Ladesäule: 15.000 € (damit ist schon ein dicker Puffer für Anlieferung und weiß der Vogel was alles dabei)
Stromanschluß: 3.000 €
Elektriker/Anschluß: 3.000 €

Summe: 21.000 €

Energieversorger kaufen den Strom für einstellige Centbeträge ein. Aber ich bin großzügig und rechne mit Gewerbepreisen.
Die REWAG will für 200.000 kWh im Standardtarif 40.453,78 € haben (netto), also 20,23 Cent/kWh. Und das ist wirklich kein gutes Angebot.

Investitionen im 1. Jahr also (netto) keine 62T € - inkl. Strom.

Wenn ich den Storm jetzt für akzeptable 30 Cent/kWh weiter verkaufe, sind das netto 25,21 Cent/kWh, also knapp 5 Cent/kWh mehr als ich eingekauft habe. Das sind bei 200.000 kWh also knapp 10.000 €.
Wenn ich jetzt davon noch 20 % Transaktionskosten abziehe, bleiben mir am Ende also 8.000 €. Jedes Jahr.
Für jedes weitere Jahr zahle ich nochmal 2.000 €, damit der Elektriker sein Karma über meine Ladesäule wirken lässt. Ich habe also in den Folgejahren unterm Strich jeweils 6.000 €.

Mals zusammengerechnet, ergibt das 8.000 € + 6.000 € x 9 = 62.000 € nach 10 Jahren den break even.

Klingt übel!

Ist es aber gar nicht. Denn meine Ladesäule braucht für den Umsatz von 200.000 kWh, die ich ja als Jahresumsatz veranschlagt habe, gerade mal 8.500 Ladevorgänge (ein IONIQ, der zu 80 % lädt). Das sind 23 Ladevorgänge pro Tag, pro Stunde also nicht einmal einer. D.h. ich habe eine Auslastung von 50 %.

Wenn mir 10 Jahr zu viel sind und ich 35 Cent/kWh veranschlage, komme ich netto auf 29,41 Cent/kWh, also 9,18 Cent/kWh über dem Einkauf. Plötzlich komme ich bei meiner Rechnung bereits nach nicht einmal 5 Jahren an den break even, denn ich erlöse im ersten Jahr über 18.000 € (minus 20 % Transaktionskosten) also rund 14.000 €. In den Folgejahren sind es jeweils 12.000 €: 14.000 + 12.000 x 4 = 64.000 €.

Ja, die 50 % Auslastung werde ich in den ersten Jahren vielleicht nicht schaffen - aber genau hier kommt der Standortvorteil ins Spiel. Wenn ich mir heute einen Standort sichere, bei dem viele Fahrzeuge vorbei kommen, dann habe ich in 2-3 Jahren deutlich mehr als die 50 % Auslastung.

Was noch nicht dabei ist und den break even massiv nach vorne verschiebt:
- Förderung
- tatsächliche Strompreise, die signifikant unter den veranschlagten liegen (jeder Cent weniger verschiebt den break even um 2 Jahr nach vorn!)
- Sekundärgeschäfte


Das bedeutet also, dass ich mit 30 Cent/kWh durchaus keinen Verlust einfahre und stattdessen eine Investition in die Zukunft tätige.
Jeder Preis über 35 Cent/kWh ist in meinen Augen bereits Abzocke.
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon umrath » Di 22. Aug 2017, 12:54

TeeKay hat geschrieben:
Und wenn der gute Jürgen als erster (in Zahlen 1.) Kunde in Europa seinen China-Lader besonders günstig bekam, dann deshalb, weil der Importeur einen Musterkunden brauchte.


Hmm, der Hersteller hat bereits Hunderte DC-Ladesäulen in Betrieb - und das nicht nur in China.

Übrigens finde ich diesen überheblichen "Schrott aus China"-Rassismus ziemlich ekelhaft!
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon TeeKay » Di 22. Aug 2017, 13:04

Wo bekommst du eine Säule für 15.000 Euro mit dickem Puffer für Lieferung? Wer setzt dir einen Netzanschluss mit 160A für 3.000 Euro? Wer macht den Tiefbau für 3.000 Euro? Wo bekommst du 23 Ladevorgänge pro Tag hin? Das schaffen nichtmal kostenlose DC-Säulen in bester Innenstadtlage in Berlin. Selbst wenn es 23 Ladegäste gäbe, würden die sich nicht schön über 24h verteilen, sondern in einem 8-12-stündigen Zeitfenster kommen und dort bei dir Schlange stehen. Das passiert 2x, dann kommen die nicht wieder. Du must also schon mindestens 2-3 Säulen haben, wenn du mit 23 Ladevorgängen am Tag rechnest. Wo sind die Planungskosten? Wo sind die Kosten für Standortakquise? Wo sind die Wartungskosten? Wo ist der Leistungspreis für den Netzanschluss?

Eine stimmige Kalkulation eines Schnellladerbetreibers (Stadtwerk), der dank eigener Grundstücke keine Standortakquisekosten hatte, kam inklusive Leistungspreis auf 39,4 Cent/kWh Einkaufskosten für den Strom bei unrealistisch hohen 9.100kWh Abgabe pro Jahr. Dafür war eine Ladung pro Tag nötig, also etwa das, was Allego jetzt an der Autobahn hinbekommt. Bei 90.000kWh pro Jahr läge der Einkaufspreis immer noch bei 24 Cent/kWh netto!

Inklusive 40% Förderung kam er auf Baukosten von 34.500 Euro oder 65,3 Cent pro verkaufter kWh. Am Ende wurde jede abgegebene kWh mit 115 Cent vom Betreiber bezuschusst. Bei üppigen 15 Jahren Abschreibungsdauer der Säule.

Bei 90.000kWh im Jahr (die mit einer 50kW-Säule pro Standort praktisch unmöglich sind), wären pro Jahr 6740 Euro verdient worden. Macht eine Eigenkapitalrendite von 19,5% bei 100% Eigenkapitaleinsatz.

DBT verkaufte auch hunderte Säulen. Waren eben hunderte Male neu gelieferter Schrott.
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon umrath » Di 22. Aug 2017, 13:23

TeeKay hat geschrieben:
Wo bekommst du eine Säule für 15.000 Euro mit dickem Puffer für Lieferung?


s.o.
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon yukon61@2013 » Di 22. Aug 2017, 13:25

Tho hat geschrieben:
Keiner der sich hier über Preise oberhalb des Strompreises daheim beschwert hat sich jemals mit einer Kalkulation zum Betrieb einer Ladesäule auseinandergesetzt, mehr kann man dazu nicht sagen. ;)


von Yukon61:

da magst du recht haben Tho!.......mach uns schlau! ...ich würde das gerne einmal nachvollziehen können wenn die großen Anbieter Ihre neuen Säulen (30-40.000 Stück) pro Anbieter am Markt plazieren. Auf welche Preise kommen wir da? Natürlich auch mit der notwendigen Infrastruktur die ja aber zu einem großen Teil schon existiert, sie müsste natürlich ausgebaut werden. Wenn man das jetzt mal auf 20 Jahre kalkuliert und die Stromabnahme für die Anbieter um mindestens 40 % ansteigt.
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Re: Abzocke an den Ladesäulen?

Beitragvon TeeKay » Di 22. Aug 2017, 13:29

Dann los umrath, sichere dir einen lukrativen Posten bei Allego oder Innogy. Die warten nur auf einen Macher wie dich, der 60kW Säulen für 21.000 Euro baut und 90.000kWh pro Säule und Jahr verkauft. Alle anderen sind blöd und nur Sangljürgens sowie seine Kunden sind clever. Übrigens: Das letzte Mal, als ein Betreiber im großen Stil billige Säulen als Leadkunde bestellte, hagelte es jahrelang negative Bewertungen. Wie hießen die gleich? Ach ja, Allego und EBG Compleo.

Blöderweise hast du dann aber noch nicht beantwortet, wer dir einen 160A-Anschluss für 3.000 Euro legt, wer den Tiefbau für 3.000 Euro übernimmt, wo der Leistungspreis hin ist, wo du Planungs- und Standortsuchkosten unterbrachtest und wer die Wartung kostenlos übernimmt. Für 3.000 Euro dübelt dir der Dorfelektriker ne CEE-Dose in die Tiefgarage... wenn er dabei höchstens eine Kernbohrung durch eine Brandschutzwand durchführen muss.
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Re: Abzocke an den Ladesäulen

Beitragvon yukon61@2013 » Di 22. Aug 2017, 13:37

umrath hat geschrieben:
Hmm, der Hersteller hat bereits Hunderte DC-Ladesäulen in Betrieb - und das nicht nur in China.

Übrigens finde ich diesen überheblichen "Schrott aus China"-Rassismus ziemlich ekelhaft!


von Yukon61:
Danke umrath für Deinen besonnenen Kommentar! Schon längst kommt aus China kein Schrott mehr! Teilweise sind Waren aus China oder in China produziert leider auch schon besser als unsere. Da brauche ich ja wohl jetzt nicht unsere deutsche Automobilindustrie anführen mit ihren fantastischen Dieselmobilen? Und sie sehen sich ja auch noch als Weltmarktführer in der E-Mobilität (O-Ton Dieter Zetsche, Mercedes).
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Re: Abzocke an den Ladesäulen?

Beitragvon geko » Di 22. Aug 2017, 13:43

Yukon, vielleicht magst du deine Thesen mal belegen. Wo in den Niederlanden ist das Laden 5x so teuer wie Diesel/Benzin?
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Re: Abzocke an den Ladesäulen?

Beitragvon kukuk-joe » Di 22. Aug 2017, 13:48

Die ganze Disskussion geht doch am eigentlichen Thema vorbei.

Den E-Autofahrer interessiert es in aller Regel nicht, was so eine Säule kostet, er sieht nur dass er nach einer gewissen Ladezeit und abgenommenen Strommenge den Betrag X zahlen muss.

Und wenn der (mir passiert) nach 58 Minuten Ladezeit und 9 KW entnommen Strom 23,61 € dafür an Allego zahlen muss, kann man durchaus von Wucherpreisen sprechen. :evil:
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