Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

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Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon schaggo » So 24. Sep 2017, 22:56

Schwierig, einen adäquaten Threadtitel zu finden, ich hoffe, das triffts in etwa ;) Es geht um Zelldegradation bei Gebrauchtwagen aufgrund Langzeit-Lagerung mit hohen Ladeständen bei den Händlern.

Kurze Intro:
Noch bin ich kein EV-Fahrer, beschäftige mich aber derzeit aufgrund von Kaufabsichten intensivst mit dem Thema.
Mir ist kürzlich im Rahmen meiner Testfahrten und Modell-Research etwas aufgefallen, was mich stutzig gemacht hat und ich möchte mich mal hier im Forum nach Meinungen umhören.

Zum Thema:
Direkt nebenan habe ich einen BMW Gebrauchtwagenhändler. Da stehen neben diversen Verbrennern seit geraumer Zeit 4 Stück i3 auf dem Hof. Inseraten im Netz nach steht der älteste der 4 seit ungefähr einem Jahr da.
Als ich gestern vorbei gefahren bin, standen da plötzlich nur noch 2. Grundsätzlich interessiere ich mich für einen der 4, um die Lage zu überprüfen bin ich kurz um den Hof gekurvt und habe gesehen, dass 2 auf dem Platz stehen, ein 3. im Eck des Platzes an einer CEE am laden und der 4. im Showroom an der Wallbox. Also alle noch da.
Auch heute Abend - klar, Wochenende - war die Situation unverändert. Ich nehme an, die zwei Fz waren auf Testfahrt, wurden nach der Rückkehr am Donnerstag oder Freitag ans Netz gehängt und hängen jetzt da, auf 100%. Am Montag so nehme ich an, werden sie 20m über den Platz gerollt neben die Kollegen und stehen dann da, Ladestand 99.98% o.ä. Auf Dauer. Die ältesten seit eben vermutlich bis zu einem Jahr.

Zweites Beispiel:
Nicht unweit von mir ist eine grosse BMW Niederlassung. Dort habe ich im Rahmen einer ausgedehnten Testfahrt vor ein paar Wochen einen i3 gefasst. Diesen habe ich auf mein Smartphone resp. meinen MyBMW Account konfiguriert, um mit den Remote Services rumspielen zu können. Nach gestriger Beobachtung beim lokalen Händler habe ich auf dem BMW Portal nachgeschaut, ob der i3 noch auf mich konfiguriert sei. Ist er, und zu meinem Erstaunen wurde er seit meiner Probefahrt nicht mehr bewegt. Lediglich auf 100% geladen und steht jetzt mit 99% da vor dem Haus rum und wartet auf bessere Zeiten. Seit Wochen. Ich nehme an, kein Einzelfall.

Nun zur eigentlichen Frage:
Die gängigen EV-Akku-Fabrikate sollten landläufiger Meinung nach zwischen Ladestand 20-80%, kurz ~50% gelagert werden. Obiger Story nach achten Händler - und ich gehe hier keineswegs von BMW aus sondern nehme an, das ist händler- und markenübergreifend - überhaupt nicht darauf. Nehmen wir ein solches EV, welches seit einem Jahr auf dem Platz steht mit Ladestand 100%, ist hier bereits von Zellschädigung auszugehen?
Ist mir klar, Kristallkugel und Kaffeesatzlesen und Wahrsagerei, aber tendenziell gesehen, wäre bei solchen Langzeit-Stehern Vorsicht angebracht? Von was für Schäden reden wir hier, Nullkommaprozent? 1%? 10%?
Internetrecherchen nach gibt es derzeit auf dem Gebrauchtwagenmarkt vornehmlich Vorführer mit ~5000km und einem Alter von 1-2 Jahren, die sind definitiv mehr gestanden wie gefahren. Und wie ich nun annehme, bei konstant 100% Ladezustand...
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Re: Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon E-lmo » Mo 25. Sep 2017, 08:43

Das war auch mein Kalkül, bei der Suche nach einem Gebrauchtwagen. Hatte mich deswegen für einen Jahreswagen mit 15tkm entschieden und einen 2-Jährigen mit 4000km links liegen gelassen.
Die Argumente würden allerdings auch gut für eine Preisverhandlung taugen, wenn Du nicht regelmäßig auf die volle Reichweite angewiesen sein solltest.
Ich glaube auch bei Dauerhaft 100% Ladestand sollten in 2Jahren keine 10% Degeneration zusammenkommen. Dazu müssten dann auch noch dauerhaft höhere Temperaturen dazukommen, wie Nissan Leaf in Arizona feststellen mussten...
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Re: Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon AQQU » Mo 25. Sep 2017, 08:50

Die Fahrzeuge mit "Mädchenbatterie" mögen 100% SOC anzeigen, dies betrifft allerdings nur die vom Nutzer entnehmbare Kapazität. Je nach Hersteller gibt es noch einen grosszügigen Puffer, so dass der 100% geladene i3 evenutell nur bei real 80% liegt. Bei Tesla sieht dies anders aus: dort sind 100% SOC auch wirklich (fast) 100%.
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Re: Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon Helfried » Mo 25. Sep 2017, 08:56

E-lmo hat geschrieben:
Ich glaube auch bei Dauerhaft 100% Ladestand sollte(n) in 2 Jahren keine 10% Degeneration zusammenkommen.


Vor allem würde man die Schädigung nicht schon nach zwei Jahren sehen, sondern erst nach vielleicht 5 (auch wenn die Schadensursache in den ersten beiden Jahren war).

Viele Arten von Akkuschädigung sieht man ja nicht sofort, sondern erst nach einigen Jahren. Das ist ja mit ein wichtiger Grund, warum so viel Unkenntnis darüber herrscht und es auch kaum gesicherte Aussagen und Testreihen bezüglich Akkubehandlung und Akkuverschleiß gibt. Man kann leider schlechte Akkubehandlung und damit einher gehende Schädigungen nur schlecht in kausalen Zusammenhang bringen, weil Ursache und Wirkung so weit auseinander liegen und der Akkuverschleiß vielen Einflüssen unterliegt.
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Re: Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon panoptikum » Di 3. Okt 2017, 10:47

schaggo hat geschrieben:
Auch heute Abend - klar, Wochenende - war die Situation unverändert. Ich nehme an, die zwei Fz waren auf Testfahrt, wurden nach der Rückkehr am Donnerstag oder Freitag ans Netz gehängt und hängen jetzt da, auf 100%. Am Montag so nehme ich an, werden sie 20m über den Platz gerollt neben die Kollegen und stehen dann da, Ladestand 99.98% o.ä. Auf Dauer. Die ältesten seit eben vermutlich bis zu einem Jahr.

Anscheinend werden sie ja doch regelmäßig gefahren, sonst bräuchte man sie nicht an die Ladestation hängen.
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Re: Akkugesundheit bei gebrauchten Ladenhütern

Beitragvon Klick » Di 3. Okt 2017, 11:19

Modellbau-Akkus sollte man nicht vollgeladen lagern, weil sonst der Innenwiderstand zunimmt und der Akku nicht mehr seine volle Leistung (nicht: Kapazität) abgeben kann. Allerdings werden Fahrzeugakkus nicht so sehr gefordert, Entladeströme >10C sind da wohl eher selten.
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