BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon energieingenieur » Mi 30. Jul 2014, 17:16

Ich hatte heute spontan die Möglichkeit den BMW i8 für 30min Probe zu fahren. Das Design ist und bleibt futuristisch - was sich auch im Cockpit fortführt.
Die hintere Sitzreihe ist ausschließlich als Ablage oder für kleine Kinder geeignet. Als Erwachsener nicht machbar. Vorne sitzt man bequem und hat trotz der niedrigen Fahrzeughöhe eine gute Sicht. Kofferraum ist zwar in der Theorie vorhanden, aber eine Standard-Wasserkiste passt da wohl nur ganz knapp oder gar nicht hinein. Für 2-Personen-3-Tage-Reisegepäck auf jeden Fall grenzwertig. Zumindest bei Winterbekleidung ;-)

Die Bedienelemente überfordern im ersten Moment, wenn man - wie ich - das BMW-Bedienkonzept (bis auf eine i3-Probefahrt) nicht kennt. Ein Negativpunkt ist das aber nicht. Jedes Fahrzeug braucht seine gewöhnungszeit. Die Umschaltung zwischen den verschiedenen Fahrmodi will auch erstmal gelernt sein.

Die größte Überraschung war eigentlich, dass man ein lautloses Fahren erwartet, aber keines bekommt. Irgendwas brummt da auch im reinen edrive-Mode mit. Eine Wasserpumpe, ein Lüfter (Lüftung/Klima hatte ich abgeschaltet) oder sonst irgendwas... Was es genau war, ließ sich nicht herausfinden.

Das Fahrzeug fährt sich ansonsten wie man es erwartet. Etwas härter abgestimmt, aber in Ordnung. Das Einschalten des Verbrenners geht einfach über "Schaltknüppel nach links tippen". Dann ändert sich die Farbe im Cockpit und die Anzeige von der Elektro-Prozent-Einteilung auf Drehzahl. Leider kann das Auto keine Leistung in kW anzeigen. Da ich eh von Verbrennungsmotoren entwöhnt bin, empfand ich den Motor schon recht laut. Aber da ich kaum mehr Vergleiche habe, halte ich mich da mit einer Meinung zurück. Wie im i3 sind die Zahlenwerte im Cockpit sehr sehr klein dargestellt. In meinem Alter kein Problem. Für ältere Menschen irgendwann sicherlich schon. Ob man die Darstellung vergrößern kann, ist mir nicht bekannt.

Als ich nach dem Losfahren (ohne Verbrenner) auf 50km/h beschleunigen wollte, ging trotz ausreichender elektrischer Reichweite (18km... *hust*) sofort der Verbrenner an. Das empfand ich als sehr störend. Zumal wir noch innerorts unterwegs waren. Habe dann auf eDrive (Antrieb zu 100% elektrisch umgeschaltet). Das ging dann sehr gut, ohne Verbrenner. Jedoch schaltete bei etwa 110km/h dann doch vollautomatisch und ohne Vorwarnung der Verbrenner dazu - auch wenn man im edrive-Mode ist. Beim Zuschalten des Verbrenners verspürte ich einen deutlichen Ruck. Sowas kennt man als 100%EV-Fahrer nicht mehr und hätte ich bei einem 120-150.000 EUR teuren Auto auch nicht mehr erwartet, aber nun gut. Der E-Motor liegt auf der Vorderachse, der Verbrenner treibt die Heckachse. Da fehlt wohl etwas Abstimmung bei der Synchronisation. Der Verkäufer sagte mir, dass mehr als 30km elektrisch nicht drin sind. Der Akku ist 5kWh groß.

Beschleunigen auf 100km/h soll er in 4,4s. Das fühlte sich auch in etwa so an. Nur das spontane und laute Zuschalten des Verbrenners, sowie der Ruck in dem Moment machen dieses Erlebnis leider deutlich weniger späktakulär, als die genau so schnelle, lineare, ruckelfreie Beschleunigung des Tesla Model S. Letzteres hat einen deutlich intensiveren Eindruck bei mir hinterlasen, als der BMW i8.

Fazit: Wer das nötige Kleingeld hat und noch Platz für einen Drittwagen in der Garage hat, kann sich einen i8 sicher gut kaufen. Der praktische Nutzen tendiert allerdings gegen null. Es ist ein reines Prestige- oder Spaßauto. Fahrten in der Stadt können mit den 30km elektrisch sicherlich gemacht werden, wobei Kindertransport und Wocheneinkauf aufgrund des Platzbedarfes ausfällt. Ich vermute mal, wer so ein Fahrzeug fährt, fährt es auf längeren Ausfahrten o.ä. Da dann mit der elektrischen Reichweite sehr schnell Schluss ist und man nur mit fossilem Kraftstoff weiterfährt, hat sich der Umweltgedanke bei dem Fahrzeug auch erledigt. BMW hat gezeigt, was technisch machbar ist und auch ein (aus meiner Sicht) tolles, futuristisches Design hinbekommen, aber das Auto kann man sich wirklich nur kaufen, wenn man Geld übrig hat. Echte Argumente für den Wagen gibt es (meiner Meinung nach) nicht.

Was ich besonders unlogisch empfand: Der Ladeanschluss ist vorne links an der Motorhaube ein Stück vor dem linken Außenspiegel. Das macht für mich nun wirklich gar keinen Sinn mehr. Wer an der Straße parkt, muss das Kabel ums Auto herum an den Bürgersteig ziehen. Hinten rechts ist der Stutzen für den Benzintank. Die beiden zu vertauschen hätte ich für deutlich sinnvoller gehalten. Aber da ist der eigentliche Tank wohl zu weit weg...
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon rolandk » Mi 30. Jul 2014, 18:00

ich habe das Gefühl der E-Motor ist drin, damit er an der Ampel nicht vom Twizy versägt wird. Die beiden haben ja gewisse Ähnlichkeit. Aber nachdem, was du schreibst, ist im Twizy mehr Platz, zumindest für die Getränkekisten.

Roland
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon MarkusD » Mi 30. Jul 2014, 18:42

energieingenieur hat geschrieben:
Wie im i3 sind die Zahlenwerte im Cockpit sehr sehr klein dargestellt. In meinem Alter kein Problem. Für ältere Menschen irgendwann sicherlich schon.
Ist den i8 für ältere Personen geeignet? Das Reinsetzen dürfte kein Problem sein. Wie ist das mit dem Austeigen? Analog Tesla Roadster? Das empfinde ich als Mittelalter schon etwas herausfordernd.

energieingenieur hat geschrieben:
Jedoch schaltete bei etwa 110km/h dann doch vollautomatisch und ohne Vorwarnung der Verbrenner dazu - auch wenn man im edrive-Mode ist. Beim Zuschalten des Verbrenners verspürte ich einen deutlichen Ruck. Sowas kennt man als 100%EV-Fahrer nicht mehr ...
Ebenso beim Ampera und Volt ;-)
Da ruckt auch nichts.

energieingenieur hat geschrieben:
Der praktische Nutzen tendiert allerdings gegen null. Es ist ein reines Prestige- oder Spaßauto.
Sowas in der Art schrieb ich schon mal vor etwa einem Jahr. Spaßauto. Ansonsten ist man für das Geld mit einem voll ausgestatteten Model S besser dran.

energieingenieur hat geschrieben:
Was ich besonders unlogisch empfand: Der Ladeanschluss ist vorne links an der Motorhaube ein Stück vor dem linken Außenspiegel. Das macht für mich nun wirklich gar keinen Sinn mehr. Wer an der Straße parkt, muss das Kabel ums Auto herum an den Bürgersteig ziehen. Hinten rechts ist der Stutzen für den Benzintank. Die beiden zu vertauschen hätte ich für deutlich sinnvoller gehalten. Aber da ist der eigentliche Tank wohl zu weit weg...
Das fand ich beim Ampera anfangs auch, aber das Problem ist nicht so groß wie gedacht. Für mich persönlich hat es den Vorteil, die Klappe an der nächsten Ampel schließen zu können, ich muß nur meinen Hintern aus dem Sitz hochheben, dann kann ich nach vorne hinlangen. Ich vergesse (zu oft), die Klappe nach dem Abstöpseln zuzudrücken - und dann nölt der Ampera dauernd herum.

Was für einen Stromanschluß hat der i8?
Nur Typ2 oder CCS? Kann sein, daß diese Stecker etwas mehr auftragen als der Typ1 vom Ampera.

Gruß
Markus
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon energieingenieur » Mi 30. Jul 2014, 18:59

rolandk hat geschrieben:
Aber nachdem, was du schreibst, ist im Twizy mehr Platz, zumindest für die Getränkekisten.

Also auf dem Rücksitz im Twizy ist deutlich mehr Platz, als auf der Rücksitzbank im i8. Ich kann dort mit 1,82m nichtmal ansatzweise sitzen. Kauern vll. Füße passen auch bei maximaler "Vor"stellung des Vordersitzes nicht normal auf den Boden. Wäre wohl besser gewesen, die Rücksitze weg zu lassen, dann hätte das vll. noch einen halbwegs sinnvollen Kofferraum ergeben, wenn man mal zu zweit ins verlängerte Wochenende möchte.

MarkusD hat geschrieben:
Wie ist das mit dem Austeigen? Analog Tesla Roadster? Das empfinde ich als Mittelalter schon etwas herausfordernd.

Ich würde es als geringfügig einfacher als beim Roadster einstufen, weil ich meine, dass das Dach etwas höher ist und man sicher daher etwas senkrechter aufsetzen kann. Aber ein bißchen beweglich sollte man schon sein. Fürs Alter ist das absolut gar nichts.

MarkusD hat geschrieben:
Was für einen Stromanschluß hat der i8?
Nur Typ2 oder CCS? Kann sein, daß diese Stecker etwas mehr auftragen als der Typ1 vom Ampera.

CCS bei 5kWh... hehe... Da ist eine Typ2-Dose (einphasig belegt) verbaut. Im "Kofferraum" lag ein Schuko- und ein Typ2-Ladekabel. Soll angeblich mit 32A funktionieren laut Verkäufer.
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon meta96 » Mi 30. Jul 2014, 19:05

rolandk hat geschrieben:
ich habe das Gefühl der E-Motor ist drin, damit er an der Ampel nicht vom Twizy versägt wird. Die beiden haben ja gewisse Ähnlichkeit. Aber nachdem, was du schreibst, ist im Twizy mehr Platz, zumindest für die Getränkekisten.

Roland


:lol:
aber egal, sind beide lässige Kisten :roll:
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon ChrisZero » Mi 30. Jul 2014, 19:34

energieingenieur hat geschrieben:
Was ich besonders unlogisch empfand: Der Ladeanschluss ist vorne links an der Motorhaube ein Stück vor dem linken Außenspiegel. Das macht für mich nun wirklich gar keinen Sinn mehr. Wer an der Straße parkt, muss das Kabel ums Auto herum an den Bürgersteig ziehen. Hinten rechts ist der Stutzen für den Benzintank. Die beiden zu vertauschen hätte ich für deutlich sinnvoller gehalten. Aber da ist der eigentliche Tank wohl zu weit weg...
Das fand ich beim Ampera anfangs auch, aber das Problem ist nicht so groß wie gedacht. Für mich persönlich hat es den Vorteil, die Klappe an der nächsten Ampel schließen zu können, ich muß nur meinen Hintern aus dem Sitz hochheben, dann kann ich nach vorne hinlangen. Ich vergesse (zu oft), die Klappe nach dem Abstöpseln zuzudrücken - und dann nölt der Ampera dauernd herum.


Da ich 99% in der eigenen Garage mit fest montiertem Wand-Kabel lade ist der Platz neben der Fahrertür sogar OPTIMAL!!

Aber ansonsten Danke für Deine ausführlichen Eindrücke, @energieingenieur.

Gruß Chris
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon eDEVIL » Mi 30. Jul 2014, 19:49

Danke für die tollen Bericht. Wollte mir zwar eh keinen Kaufen, aber so spar ich mir die Probefahrt auch noch :lol:

energieingenieur hat geschrieben:
Wäre wohl besser gewesen, die Rücksitze weg zu lassen, dann hätte das vll. noch einen halbwegs sinnvollen Kofferraum ergeben, wenn man mal zu zweit ins verlängerte Wochenende möchte.


Oder eine halbwegs sinnvolle Akkugröße. Da hätte man imho min. den Akku vom i3 reinbauen müssen. Ob die Kiste da noch 10K EUR mehr gekostet hätte . wäre dann auch egal -ein Schnäpchen ist es eh nicht.

P.S. Wenn mir jemand anbieten würde, das er mir zur Wahl stellt dauerhaft kostenlos ein fast nacktes Model S60 (Tech. Paket und 22KW LAde müssen sein) zu nutzen oder den i8, ich würde mich fürs Model S entscheiden.
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon Rudi L. » Mi 30. Jul 2014, 19:56

Danke für den Bericht, er bestätigt mein Urteil. Das Auto taugt weder elektrisch noch ist es ein ernstzunehmender Sportwagen.
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon redvienna » Mi 30. Jul 2014, 21:27

Deswegen soll jetzt ein I9 mit stärkeren Benzinmotor kommen. So nicht BMW ! :?
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https://www.goingelectric.de/garage/red ... eslaS/706/
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Re: BMW i8 - Probefahrt - Eindrücke

Beitragvon ltreasure » Do 31. Jul 2014, 06:08

Was BMW aus meiner Sicht bräuchte, ist ein i5. Und zwar 100% elektrisch. Dazu ein vernünftiges Schnellladenetz für Europa. Dann wäre ich bei BMW geblieben. So geht das Geld halt jetzt nach Kalifornien.
Naja, vielleicht habe ich auch nur zu selten die AMS gelesen
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