Wer kann 22 KW AC laden?

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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Karlsson » Sa 14. Okt 2017, 21:23

Schneemann hat geschrieben:
Für den Laternenparker sind 22 kW schlicht am effizientesten, besonders, wenn irgendwann mal die Hälfte der Fahrzeuge elektrifiziert sind. Dann werden wir mit den paar DC-Schnelladern nicht mehr hinkommen und der Aufwand, für alle DC-Schnelllader aufzubauen wird sehr kosten- und leistungsintensiv.

Für Laternenparker sind 22kW eigentlich zu wenig. Für über Nacht würde 1P 4,6kW reichen und für Gelegenheiten beim Einkauf etc geht da mit 22kW doch ziemlich viel Zeit drauf. Der Vorteil ist halt die recht hohe Verbreitung der Infrastruktur. Aber ich würde trotzdem keinem Interessenten als Laternenparker den Zoe empfehlen, außer er kann beim Arbeitgeber zuverlässig laden.

Bevor jetzt welche protestieren - ja, es funktioniert, ich hab es ausprobiert, ging auch 2015 schon mit öffentlichen 22kW Säulen. Aber man muss das dann wirklich leben und sein Leben doch ein Stück weit danach richten, wie man an seine nächste Ladung kommt. Auf Dauer ist das einfach zu betreuungsintensiv, zuhause oder bei der Arbeit laden ist da wesentlich komfortabler. Klar kann man beim Einkauf ein paar Kilowattstunden laden, aber man muss da entweder doch sehr langsam einkaufen oder sehr wenig fahren, um damit komplett zurecht zu kommen.

AC 22kW ist zur Zeit halt Gold wert, weil man damit meistens dann doch weiter kommt wenn man sich mal aus dem normalen Dunstkreis raus bewegt. Das Risiko, mit Schnarchladung irgendwo zu stranden, sinkt. Es ist für den Alltag zwar zu langsam, aber für gelegentliche Ausbrüche aus dem Alltag noch ok. Und für Vertreter, die während eines 1-2h Termins laden können, kann das natürlich auch ziemlich gut taugen. Die meisten Menschen sind aber halt nicht Vertreter sondern haben den Wagen 5x die Woche für 8-10 Stunden vor der Firma und jede Nacht vorm Haus stehen.

Den 3P Lader halte ich aber trotzdem für sinnvoll, weil das E-Auto einfach desto praxistauglicher wird, je universeller es laden kann. Idealerweise kann es aus jedem Anschluss immer das Maximum rausholen - also das Conti ALLCHARGE Teil.
Die Brot-und-Butter Schnellladesäule könnte dann ja auch AC43 kW sein, das lässt sich noch recht günstig realisieren. Wenn das Fahrzeug da echte 40kW rausziehen kann, lässt sich da auch was mit anstellen.

Zur Anzahl der DC Säulen - mit hinreichender Anzahl Elektroautos wird das deutlich mehr werden. Irgendwann sind da auch genug Kunden da, so dass da hinreichend Umsatz generiert werden und Geld mit verdient werden kann. Und ab dem Zeitpunkt ist der Ausbau ein Selbstläufer. Zudem werden die Kosten für die Infrastruktur auch durch Massenproduktion sinken.
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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Schneemann » Sa 14. Okt 2017, 21:38

Nein, die Infrastruktur muss an das Leben angepasst werden. Bei den Supermärkten, Einkaufszentren, Freizeitangeboten. Man sucht die Lademöglichkeiten nicht, man findet sie dort, wo man das Auto regelmäßig abstellt. Und dann sind 22 kW ein Muss. Und für die Langstrecke bedarf es DC, darüber müssen wir ja wirklich nicht mehr diskutieren.
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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Schneemann » Sa 14. Okt 2017, 21:51

Fidel hat geschrieben:
Welche geplanten Fahrzeuge sollen das dann sein?
Für die Masse mit ihren Fahrleistungen unter 100km täglich wären 6 Lader mit 3,7kW für das Laden über Nacht viel nützlicher als eine 22kW-Säule, DA (nachts) stehen nämlich die Laternenparker am längsten, nicht tagsüber beim Arbeitgeber. In Norwegen sind an den Straßen hauptsächlich Schuko-Steckdosen und keine 22kW-Lader.
Wenn die Ladezeit nur einen Bruchteil der Standzeit beträgt und man deshalb entweder umparken muss oder die Ladesäule dann zwei Drittel oder drei Viertel der Zeit ungenutzt besetzt, ist das eben NICHT effizient.


Eben das sage ich ja. Die meisten Säulen bieten 22 kW, aber es sind gar keine Fahrzeuge geplant, die das können.

Es gibt verschiedene Arten zu laden. Beim Arbeitgeber und zuhause langsam. Aber ansonsten machen 22 kW-Säulen schon Sinn. Und so ist es auch in Norwegen. Dort gibt es auch verschiedene Ladegeschwindigkeiten, nicht nur Schuko.
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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Bernd_1967 » Sa 14. Okt 2017, 21:58

Die Sache hat halt einen Haken:
22kW ist ja schon schön, wenn es alle könnten.
Aber: Wenn die Ladegeräte im Auto auf 22kW optimiert sind, also bei 22kW einen hohen Wirkungsgrad haben,
dann haben sie bei beispielsweise 2,3kW, zum Laden zu Hause an PV, einen sehr schlechten Wirkungsgrad.

Von daher finde ich 11kW noch einen guten Kompromiss.
Wenn ich mich irgendwo 1-2h aufhalte, kann ich für weitere ca. 100km laden.
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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Karlsson » Sa 14. Okt 2017, 22:11

Schneemann hat geschrieben:
Nein, die Infrastruktur muss an das Leben angepasst werden. Bei den Supermärkten, Einkaufszentren, Freizeitangeboten. Man sucht die Lademöglichkeiten nicht, man findet sie dort, wo man das Auto regelmäßig abstellt.Und dann sind 22 kW ein Muss.

Das ist bei mir manchmal für Wochen nur zuhause und bei der Arbeit, bei beidem reicht das 14A Notladekabel voll aus. Mein Leben ist nicht immer soooo interessant, dass ich ständig noch Aktivitäten nach der Maloche habe, wo ich währenddessen den Akku mit 22kW voll kriege. Ich hab Dir ja gerade dargelegt, dass 22kW für Laternenparker eigentlich zu langsam ist. Vor allem wenn Du nach der Arbeit einfach zu Frau und Kind heim willst und zu weiteren Aktivitäten auch gerade einfach mal keine Lust hast. Wenn Du eine ans Leben angepasste Infrastruktur willst, dann sind das eigentlich wirklich Lademöglichkeiten am eigene Parkplatz oder bei der Arbeit. Das ist wirklich notwendig, alles darüber hinaus ist nur nice to have.

Ich muss da echt sagen, dass meine Meinung zum 3P Lader sich langsam dreht. Meine letzten öffentlichen Ladungen waren jetzt eigentlich zum sehr großen Teil Triplecharger oder Ladungen am Ziel. Der Ausbau ist in den letzten 2 Jahren wirklich erheblich besser geworden, ein 43kW Lader ist zwar immer noch eine sehr coole Sache, aber inzwischen kommt man mit DC wohl auch deutlich besser zurecht als noch vor einiger Zeit.

Schneemann hat geschrieben:
Und für die Langstrecke bedarf es DC, darüber müssen wir ja wirklich nicht mehr diskutieren.

Ich denke halt, dass alle Autos Allesfresser sein sollten mit ALLCHARGE. Das heißt AC gingen auch 43kW und dann kann man sich DC bei kleinen Akkus auch schenken, wenn die DC nicht schneller laden können als AC weil der Akku das begrenzende Element ist (beim 20kWh Akku).
CCS werden die aber vielleicht trotzdem haben, weil das Standard wird und die Fahrzeuge damit auch V2G tauglich werden.
Größere Fahrzeuge dann sowieso, da die dann per CCS auch deutlich größere Leistungen vertragen.

Schneemann hat geschrieben:
Eben das sage ich ja. Die meisten Säulen bieten 22 kW, aber es sind gar keine Fahrzeuge geplant, die das können.

Abwarten, das könnte sich ändern. Die kommenden VW MEB Fahrzeuge werden wohl zumindest mit 11kW laden können und 22kW ist auch nicht ausgeschlossen. Ich denke 11kW wird die neue Schnarchladung für zukünftig sehr viel größere Akkus.

43kW AC könnte der neue "Diesel" werden - mehr Aufwand im Fahrzeug, dafür kannste billig laden. Also 30 Cent AC statt 45 Cent DC.
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Re: Wer kann 22 KW AC laden?

Beitragvon Fidel » So 15. Okt 2017, 09:37

Schneemann hat geschrieben:
Eben das sage ich ja. Die meisten Säulen bieten 22 kW, aber es sind gar keine Fahrzeuge geplant, die das können.

Weißt Du warum die meisten Säulen das können? ICH denke ja, das liegt einfach daran, dass der Aufwand dafür gering genug ist. In der Straße liegen (bei uns) immer drei Phasen und ob da jetzt ein dreiphasiger Schütz oder nur ein einphasiger eingebaut wird macht an den Gesamtkosten der Säule einen minimalen Unterschied. Hingegen ist der Aufwand stattdessen an dem selben Anschluss die dreifache Anzahl Ladepunkte mit jeweils einer Phase zu realisieren eben dreimal so hoch, weil dafür praktisch JEDES Bauteil dreimal benötigt wird anstatt nur von einem Bauteil die leicht teurere Variante zu nehmen.
Es gibt verschiedene Arten zu laden. Beim Arbeitgeber und zuhause langsam. Aber ansonsten machen 22 kW-Säulen schon Sinn. Und so ist es auch in Norwegen. Dort gibt es auch verschiedene Ladegeschwindigkeiten, nicht nur Schuko.

Ich dachte eigentlich, der Begriff ‚Laternenparker‘ steht dafür, dass man (zu Hause) keinen eigenen festen Parkplatz hat und deshalb sein Auto (nachts, wo es länger stehen muss) auf der Straße parkt. Und wenn das auch in der MASSE funktionieren soll, dann benötigt man in erster Linie VIELE Ladepunkte und nicht schnelle Ladepunkte. Man muss dabei auch sehen, dass das Stromnetz nicht so einfach unbegrenzt ausgebaut werden kann. Man kann nicht in jeder Straße zig mal 63A für 2x22kW (die dann zum größten Teil gar nicht genutzt werden können) ‚verbraten‘ sondern sollte stattdessen besser die doppelte Anzahl Ladepunkte mit 11kW oder sogar die 6-fache Anzahl mit 3,7kW hinstellen. Immer berücksichtigt, dass die Masse der Fahrzeuge deutlich weniger als 100km pro Tag bewegt wird und deshalb über Nacht eine schnellere Ladung einfach nicht nötig ist.
Für die Betreiber von Ladepunkten müsste es doch auch lukrativer sein, wenn viele Ladepunkte über einen gleichmäßig langen Zeitraum mit weniger Leistung benutzt werden können als wenn ein Bruchteil davon mit hoher Leistung nur einen Bruchteil der Zeit in Betrieb sind und dann (mit einem vollgeladenen Fahrzeug am Anschluss) 80% der Zeit de facto unbenutzt da stehen.
Klar, im Moment können die das einfach über teure Zeittarife kompensieren, aber wenn die E-Mobilität in der Masse der Bevölkerung und eben auch bei den Laternenparkern ohne eigenen Parkplatz ankommen soll, dann muss es dafür auch akzeptable Ein/Zwei-Phasen- bzw. Nacht/Dauerparker-Tarife mit geringer Ladeleistung geben.
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