Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

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Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 20:19

Welche kurz- und mittelfristigen Marktchancen haben E-Fahrzeuge???

Reine Elektroautos sind hierzulande ein Flop. Während die Plug-in Hybride gegenüber 2015 um 25% auf 12.263 Fahrzeuge zulegen konnten, weisen die reinen Elektrofahrzeuge (trotz Prämie) mit 10.076 Neuzulassungen einen rückläufigen Trend auf (minus 3,5%). Damit erreichen die E-Fahrzeuge einen Markanteil von 0,3%.

Für Deutschland gibt es vermutlich zwei entscheidende Problemfelder:
1. Nur etwa die Hälfte der Autofahrer verfügt über eine Garage mit Steckdose (oder andersartiger privater Lademöglichkeit).
2. In Deutschland werden überwiegend Gebrauchtwagen gekauft.

Daten aus 2016:
Es wurden 8,57 Mio PKWs neu zugelassen oder umgemeldet (100 %)
Davon wurden 7,4 Mio gebrauchte Fahrzeuge umgemeldet (86,35 %)
Es wurden 1,17 Mio neu zugelassen (13,65 %)

Problem: Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge existiert quasi nicht. Die vorhandenen Angebote sind deutlich zu teuer.

Eigentlich bleibt nur zu hoffen, dass die gewerblichen Kunden (die ohnehin zwei Drittel aller Neuwagenkäufe ausmachen) verstärkt Elektroautos kaufen werden, sobald Fahrzeuge mit rund 500 km Reichweite (NEFZ) für rund 35.000 Euro auf den Markt kommen (z. B. Opel Ampera e oder Tesla model 3). Nach drei bis vier Jahren gewerblicher Nutzung könnte sich dann allmählich ein Gebrauchwagenmarkt etablieren.

Enttäuschend ist, dass unter den 1,17 Mio privaten Neuwagenkäufern kaum einer ein E-Fahrzeug gekauft hat. Die Hälfte der Autofahrer könnte ein E-Fahrzeug zu Hause laden. Das wäre kein Problem. Möglicherweise ist die Kaufprämie noch zu gering. In Norwegen hat man durch Steuervergünstigungen ein Preisniveau geschaffen, dass ein Tesla model S auf dem Preisniveau von einem Golf Diesel liegt. In China beträgt der staatliche Zuschuss umgerechnet rund 6.000 Euro. Hinzu kommt ein regionaler Zuschuss, der noch einmal rund 6.000 Euro betragen kann. Außerdem bekommt man Verbrenner in den Städten kaum noch zugelassen.

Enttäuschend ist auch, dass die etablierten Motorrad-Hersteller keine E- Motorräder auf den Markt bringen. Außer BMW mit einem Elektro-Roller für 15.000 Euro gibt es keine Angebote. Honda hat zwar 2011 schon ein E-Bike vorgestellt. In die Verkaufshallen kam es bisher aber nicht. Auch Yamaha hat zwei Prototypen entwickelt. Das war es dann aber auch. Mangels Angebote musste ich mir jetzt wieder ein Verbrenner-Moped kaufen.

Selbst der Markt für elektrisch angetriebene Kleinkrafträder besteht fast ausnahmslos aus Chinaprodukten mäßiger Qualität. Viele Fahrer klagen nach ein paar Tausend Kilometern über Akkuprobleme. Leider konnte auch der Roller von Peugeot die Erwartungen nicht erfüllen. Mit diesen Negativerfahrungen dürften viele Rollerfahrer dem Kauf eines E-Autos kritisch gegenüberstehen.

So wirklich erfolgreich ist der Markt bisher ausschließlich für E-Fahrräder. Diese Produkte werden sehr gut angenommen und auch die Qualität scheint zu stimmen.

Welche Marktanteile werden Eurer Meinung nach in den Jahren 2020, 2025 oder 2030 erreicht werden? Schaffen wir 2020 einen Martanteil von 1% und bis 2025 vielleicht sogar 5% und 2030 rund 10%? Wäre das realistisch? Oder verschwindet das E-Auto mal wieder in der Versenkung (wie zum letzten Mal in den 90er Jahren)? Was meint Ihr?
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Volt » Do 23. Mär 2017, 20:29

In Deutschland wird das Elektroauto ein nieschenprodukt bleiben, es sei denn es kommen Fahrverbote, weitere Steuervorteile, oder extrem sinkende Preise.
als Firmenwagen sind die e autos wegen der 1%regel völlig unakzeptabel.
Stefan
These:
Beim laden sind alle E-Autos gleich zu behandeln.
Bei Destination Ladesäulen (bis 22KW) wird solange gestanden wie der Fahrer es für Richtig erachtet,
bzw. halt maximal solange wie beschildert. Oh, schon voll? egal. Ladescheibe ist Sinnvoll.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon thomas1215 » Do 23. Mär 2017, 20:33

Ich denke wenn es los geht dann sehr schnell, exponentiell. Das Problem ist derzeit noch die Verfügbarkeit, die wenigen E Modelle sind nur in kleinen Stückzahlen (wenige 1000 für ein Land...) verfügbar, vermutlich mangelt es an Akkus. Nur Tesla hat das wirlich verstanden und baut auch eine Batteriefabrik für 500k Fahrzeuge im Jahr. Ich denke mal in 1-3 Jahren gibt es Modelle in ausreichenden Mengen und dann steigen die Verkäufe stark an.

Man wird sehen wie lange die Blockierer (die meisten Autohäuser) das dann aufhalten können.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 20:56

Ich denke, ohne Tesla wären wir noch nicht so weit, wie wir heute schon sind.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 21:03

Der Wandel zu neuen Technologien verläuft nie linear. Man spricht auch von desruptiven Wandel. Kodak als Weltmarke hat immer noch die Analogfotografie optimiert, bevor sie von den Digitalkamaras überrollt wurden und von der Bildfläche verschwanden. Apple hat 2007 ihr erstes Smartphone präsentiert und alle fragten sich, wozu man denn ein solches Gerät überhaupt bräuchte. Heute können noch nicht einmal die Grundschüler ohne ihr Smartphone leben. Wenn der Wandel kommt, dann kommt er heftig. Aber trifft das auch für die E-Mobilität zu?
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Smartpanel » Do 23. Mär 2017, 21:12

Meikel, was soll diese Titelüberflutung ?
Nach deinen innerhalb weniger Tage eröffneten Threads "Wer kauft Elektroautos" und "Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss" und "ElektroWende ist nicht mehr aufzuhalten - außer in Deutschland" und wer-weiß-was-noch-alles nun der vierte eröffnete Thread mit der gleichen Stoßrichtung.

Wir müssen alle irgendwo unser Geld verdienen, aber was zu viel ist ist zu viel.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Simon1982 » Do 23. Mär 2017, 21:14

Daran glaube ich fest. Aber dazu müssen die Preise fallen , die Akkus größer werden und die Ladeleistung steigen. Dann wird sich das Elektroauto im Massenmarkt durchsetzen.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 21:35

Liegt es wirklich nur am Akku. Mir würden 100 km reale Reichweite für den täglichen Weg zur Arbeit reichen. Und laden könnte ich das Fahrzeug über Nacht in der Garage mit einer einfachen 230 V Schuko-Steckdose.

Vielleicht muss man einfache günstige E-Autos anbieten, anstelle von High-Tech Kisten mit Vollaustattung.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon energieingenieur » Do 23. Mär 2017, 21:40

meikel66 hat geschrieben:
Für Deutschland gibt es vermutlich zwei entscheidende Problemfelder:
1. Nur etwa die Hälfte der Autofahrer verfügt über eine Garage mit Steckdose (oder andersartiger privater Lademöglichkeit).
2. In Deutschland werden überwiegend Gebrauchtwagen gekauft.

Aus welcher Quelle stammt die Zahl bei 1.?
Ansonsten kommt es durchaus ein wenig an, wie man das betrachtet. Ich finde "nur 50%" sehr negativ formuliert. Sind 50% Anteil mit Garage inkl. Steckdose nicht genial viel? 50% der Menschen hätten also ohne weiteres Nachdenken keinerlei Infrastrukturprobleme zu lösen? Das ist doch klasse! Und selbst Mieter können Elektroauto fahren. Mit etwas mehr Aufwand, aber 50% bei denen es sofort ginge, ist doch eine m.E. traumhaft hohe Zahl.
Die zweite Aussage finde ich eigentlich irrelevant. Denn jeder Gebrauchtwagen war auch mal ein Neuwagen. Ich kann keinen gebrauchten kaufen, ohne, dass er mal als Neuwagen verkauft wurde.

Daten aus 2016:
Es wurden 8,57 Mio PKWs neu zugelassen oder umgemeldet (100 %)
Davon wurden 7,4 Mio gebrauchte Fahrzeuge umgemeldet (86,35 %)
Es wurden 1,17 Mio neu zugelassen (13,65 %)

Quelle? Laut Kraftfahrtbundesamt wurden 2016 3,3 Mio PKW neu zugelassen (=Neuwagen!). Davon 35% als Privatfahrzeuge: http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeug ... _node.html

Problem: Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge existiert quasi nicht. Die vorhandenen Angebote sind deutlich zu teuer.

Warum ist das ein Problem? Es heißt doch quasi, dass alle Neuwagenkäufer mit ihren Fahrzeugen zufrieden sind und keinen Grund haben, sie zu verkaufen. Ein "zu teuer" gibt es nicht. Es ist ein freier Markt. Und es finden sich ja genug Käufer. Nur weil ein Produkt noch nicht für alle erschwinglich ist, heißt dass nicht, dass es "zu teuer" ist. Und meines Wissens nach, sind die Wartezeiten auf ein E-Fahrzeug bei den meisten Herstellern aktuell sehr lang. D.h. für mich, dass die Nachfrage deutlich über der geplanten Produktionskapazitäten liegt

Enttäuschend ist, dass unter den 1,17 Mio privaten Neuwagenkäufern kaum einer ein E-Fahrzeug gekauft hat.

Auch hier wäre meine Frage nach der Quelle. Ich kann den Statistiken des KBA entnehmen, dass in 2016 11.410 Elektrofahrzeuge neu zugelassen wurden. Über die Verteilung zwischen Privat und Gewerbe in Bezug auf E-Fahrzeuge finde ich allerdings keine Information.

Mangels Angebote musste ich mir jetzt wieder ein Verbrenner-Moped kaufen.

Obwohl ich kein Motorradfahrer bin, fallen mir da sofort einige E-Motorrad-Hersteller ein: Brammo, Sora, Energica, Zero, Vectrix.

Welche Marktanteile werden Eurer Meinung nach in den Jahren 2020, 2025 oder 2030 erreicht werden? Schaffen wir 2020 einen Martanteil von 1% und bis 2025 vielleicht sogar 5% und 2030 rund 10%? Wäre das realistisch? Oder verschwindet das E-Auto mal wieder in der Versenkung (wie zum letzten Mal in den 90er Jahren)? Was meint Ihr?


Die Versenkung würde ich klar verneinen. Dafür sind wir schon zuweit. In Norwegen sind immerhin 50% der Neuzulassungen inzwischen elektrisch oder teilelektrisch. Ich zitiere mal Lars Thomsen: "Wir überschätzen, was wir in einem Jahr schaffen können und wir unterschätzen, was wir in 10 Jahren schaffen können." Ich finde es unvorhersehbar, wie genau sich die Martkanteile entwickeln werden, aber ich spüre aktuell eine extreme Dynamik in diesem Markt. Soviel Nachfragen, wie in den letzten 3 Monaten nach diesem Thema hatte ich noch nie. Wenn ich das als Kurve darstellen sollte, wäre wohl eine Exponential-Funktion meine erste Wahl.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Helfried » Do 23. Mär 2017, 21:54

meikel66 hat geschrieben:
Oder verschwindet das E-Auto mal wieder in der Versenkung (wie zum letzten Mal in den 90er Jahren)?


Im Gegensatz zu früheren Elektro-Hypes, die versumpft sind, ist der aktuelle Hype technisch fundamentiert mit besten Erfahrungen aus den Bereichen E-Fahrräder, E-Rasenmäher und Elektro-Modellflug. In allen diesen Bereichen sammeln Hinz und Kunz beste Erfahrungen, die sich auch rumsprechen.

Negativ sind allenfalls Smartphones-Akkus, die typisch nur 3 Jahre halten, was zugegeben schon ein wenig ängstlich macht bezüglich der Lebensdauer von E-Autos mit Kosten im fünfstelligen Euro-Bereich. Doch zählen Smartphone-Akkus nicht im Vergleich, aber das weiß das gemeine Volk oft nicht.
Ok, explodierende Kinder-Scooter sind vielleicht auch nicht die beste Werbung.
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